Ausgabe 
28.7.1874
 
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Albet instp, gebt an Stelle Potapow's nach Wilna. Admiral Possiet ist zum Verkehrsminister ernannt.

In diplomatischen Kreisen verlautet, Baron Brunnow, bisher russischer Botschafter in London, werde Präsident des Minister-Ausschusses; der seit⸗ herige Präsident desselben, General- Adjutant v. Ignatieff, Vater, wurde penstonirt. Der rus⸗ sische Verkebrsminister Bobrinsky erhielt wegen Unziemlichkeiten bei Concessionirung der Warschau- Breslauer Eisenbahn seine Entlassung.

Griechenland. Kreta, 25. Juli. Con- sulats berichte aus Kreta signalisiren die Absendung einer Sturmpetition der griechischen Bevölkerung an den Sulkan, worin unter der Drohung mit Aufstand die Verlegung der Hauptstadt, griechische Gerichtsvorsitzer und Kaimakams und die Ein ziehung der Kupsermünzen verlangt werde.

Amerika. Wasdington. Die Unions Regierung bat die gemeinschaftliche Submissions- Offerte der Bankhäuser Rothschild und Seligmann auf die neue zur Zeichnung gelangende consoli- dirte proc. Anleihe angenommen.

Aus Stadt und Land.

Hungen, 24. Juli. Ein empörendes Verbrechen ist in unserer Umgegend verübt worden. Die zwei Kinder angesehener Oeconomen aus Bellersbeim, ein Knabe von etwa 10 und ein Mädchen von 12 Jahren, waren in dem benachbarten Muschenheim bei Verwandten gewesen. Auf dem Heimwege wurden sie im Felde von zwei Strolchen aus biesiger Gegend überfallen. Der eine warf sich auf den Knaden und wollte ihm ein Taschentuch in den Mund siecken, damit er nicht schreien könne. Der andere schleppie das Mädchen in einen Kornacker, um ihm die schandbarste Gewalt anzuthun. Aber der Knabe, ein tapferer, unverzagter Junge, wehrte sich mit Händen, Füßen und Zähnen und besteite sich glücktich aus den Händen des Nich'snutzes. Dann eilte er seiner Gespielin muthig zu Hilfe. Inzwischen war auch ein Mann durch das Jammergeschtei der Kinder herbeigezogen worden und nun ergriffen die beiden Hallunken die Flucht, sind aber doch entdeckt worden und werden hoffentlich von dem Assisen hof die härteste Strafe empfangen.

Offenbach. Bei dem bier am Dienstag Mittag statt⸗ gehabten Gewüter schlug der Blitz in einen Schornstein der Schäfer'schen Wachstuchfabrik, jedoch ohne zu zünden. Das Maurerwerk des Schornsteins bekam einen Riß und drei an der Feuerung unier demselden mit Kaffeekochen veschäfligte Arbeiter kamen mit einem tüchtigen Schrecken und durch den heruntergefallenen Ruß geschwärzten Ge sichtern davon.

Darmstadt, 23. Juli. Se. Majestät der Kaiser von Rußland haben 1000 fl. für nachstehende Anstalten allergnädigst bewilligt:

C. Barmherzige Schwestern 250 fl. Rettungshaus Hähnlein.. 150 fl. Kleinkinderschule Jugenheim 150 fl. Alice-Frauen⸗Vecein. 100 fl. 200 fl Idioten Anstalt... 100 fl. 5

Summe. 1000 fl.

Großzimmern, 23. Juli. Gestern Mittag wurde in der Gersprenz, in der Nähe der Bauersmüßhle, die Leiche eines jungen Menschen aufgefunden. Derselde hatte Vor⸗ mittags noch eine Last Holz im Walde geholt und man vermuthet, daß er im erhitzten Zustande sich gebadet und dadurch das Leben verloren habe.

Groß⸗Umstadt. Eine wahre Plage sind gegen wärtig die massenhaft hier auftrelenden Rheinschnaken. Früher kannte man dieses unangenehme Insect in unserer Gegend gar nicht, während nun auch von umliegenden Orten der Einzug der ungebetenen Gäste gemeldet wird. Die Stiche, welche man von ihnen davon trägt, verursachen unter Geschwulst ein empfindliches Beißen, das in der Regel tagelang anhält. Amoniakaufsttich soll von wohl thäliger Wirkung dagegen sein.

Groß⸗Umstadt. Wegen des kürzlich gemeldeten Falles in Semd ist eine gerichtliche Unlersuchung eröffnet worden, welche über die Sache Licht verbreiten wird.

Allerlei.

Frankfurt. Demnächst sieht ein roher Fuhrknecht seiner Bestrasung entgegen. Derselbe hat in seiner Bos heil, weil das Pferd trotz Peitscheus nicht anziehen wollte, sein Messer gezogen und demselben mehrere Zoll lange Schnitte in die Haut beigebracht.

Frankfurt. Die Vorarbeiten zu dem Central-Bahn⸗ hofs⸗Project sind nun so weit vorangeschritten, daß der Grund⸗Plan des Haupt Personen-Bahnhofs festgestellt ist. Derselbe wird an Stelle der seitherigen Stations-Gebäude (jedoch weiter rückwärts) angelegt und aus einem Haupl⸗ bau mit zwei Flügeln bestehen. Die verschiedenen Bahnen erhalten selbstständige Geleise und Perrons, und zwar in nachstehender Reihenfolge: 1) Bebra- Frankfurter Bahn, 2) Nassauer(Taunus-) Bahn, 3) Main-Weser-Bahn, 4) Homburger Bahn, 5) Main⸗Neckar⸗Bahn, 6) Hessische Ludwigsbahn und 7) Rhein⸗Lahn-Bahn. Ueber die Lage des Güter-Bahnhofes soll ein definitiver Beschluß noch nicht gefaßt sein, jedoch wird derselbe in ziemlicher Entfernung

von dem Personen⸗Bahnhofe seinen Platz finden. Bevor

die Detail-Pläne nicht ausgeführt, läßt sich über den Kosten⸗ Punkt nichts Genaues sagen; man glaubt jedoch, daß 6 Millionen Thaler nicht übecschritten werden.

Bingerbrück, 23. Juli. Unlängst wurde auf der Fahrt zwischen Metz und hier aus einem kaiserlichen Post⸗ wagen ein recommandirter Brief entwendet, der mit Brilanten zum Werthe von 50000 Franken beschwert war. Der Juhalt war auf der Abdresse nicht angegeben. Nachdem umfangreiche Recherchen angestellt, auch eine hoht Belohnung auf die Habhaftwerdung der Brillanten aus gesetzt worden, liefen die letzteren, in ein Brief⸗Couvert eingeschlossen, bei der kais. Postdirection in Metz vor etwa 4 Wochen ein. Der Brief war vollständig frankirt in den Briefschalter zu Bingen geworfen worden. Die Hand⸗ schrift der Adresse hat indessen, wie dieK. Ztg. erfährt, die Ermittelung des Absenders herbeigeführt. Derselbe ist gestern verhaftet und dem betr. Untersuchungsamte zu Simmern vorgeführt worden.

Wittgenstein, 22. Juli. Seit 1 Uhr Nachts steht unsere Unterstadt Berleburg in Flammen. Häuser, Stal⸗ lungen, Scheunen jenseits des Flüßchens Odeborn sind mit wenigen Ausnahmen vertilgt. Hoffentlich verbreitet sich das Feuer nicht nach der rechten Seile des Flüßchens weiter. Die ganze Heuernte, fast gänzlich unversichert, ist vertilgt; die sogenannteGasse, etwa 15 Häuser auf beiden Seiten, mit wenigen Ausnahmen, liegt an der Erde. Schnelle Hülse ist doppelte Hülfe!(Wir verweisen auf untenstehenden Hülferuf. Die Red.)

Magdeburg. In den Dörfern Gratzungen, Blied? ungen, Trebra, Etzelsroda, Pützlingen, Groß⸗Wechsungen, Forsthaus, Königsthal und in der Stadt Nordhausen (Reg.⸗Bez. Erfurt) sind, wie dieD. R.⸗C. meldet, in Folge des Genusses von rohem Schweinefleisch eine größere Anzahl von Personen, in Nordhausen allein nicht weniger als 43, an der Trichinose erk tankt.

München. Die Nachanmeldungen zur Theilnahme am zweiten deutschen Sängerbundesfeste häufen sich in ganz unerwarteter Weise, so daß die Zahl der angemeldeten Sänger nunmehr über 5600 beträgt. Außer den Gesang⸗ vereinen in Smaßdurg sind auch Betheiligungen von For bach und von Metz angemeldet worden.

Oeynhausen. Der Bahnhofs-In'pector Mertens hat einen Ukas erlassen, wonach Niemand den hiesigen Perron betreten darf. Das kann nun freilich nicht All' und Jeder wissen und so war es gekommen, schreibt die M. Z., daß in der Nacht vom Dienstag zu Mittwoch drei Herren, welche den Nachtzug benutzen wollten, und welche den Aufenthalt im Freien dem im heißen Wartsaal vorzogen, sich vor die ossene Thüre setzten. Da erschien der Herr Inspector und augenblicklich erscholl das Com mando, den Platz von den Frevlern zu räumen. Doch die Herren fragten nichls nach des Inspectors Befehl und blieben sitzen. Da aber hatten sie es mit dem Unrechten zu thun.Wissen Sie, wer ich bin? Das imponirte den dreien gewallig. Sie erhoben sich blitzschnell, und sich artig verbeugend, antwortete der älteste von ihnen: Dann erlauben Sie wohl, daß ich mich Ihnen ebenfalls vorstelle: ich bin Graf Eulenburg, Oberpräsident von Hannover und eiese beiden Heeren sind Gardeoffiziere! Diese Höflichkeit soll die Wirkung eines Sturzbades her vorgebracht und das Gesicht eines gewissen Jemand erheb lich verlängert haben.

Seeberg im Ermlande. Unter den mannigfachen Methoden des Selbstmordes ist die Selbstverbrennung jedenfalls eine der am seltensten angewandten. Diecser Tage wurde dieselbe jedoch von einem hiesigen Ackerbürger in der Weise ausgeführt, daß derselbe sich in seiner Scheune einschloß, dieselde sodaun anzündele und demnächst in den Flammen umkam.

Bern, 17. Juli. Gestern Mittag hat man in einem Roggenacker ganz in der Nähe der Stadt den Leichnam eines bis aus's Hemd entkleideten 30jährigen Frauenzimmers aufgefunden, welches, wie es scheint, erst gemißbraucht, und dann mit einem Messerstich in die Brust und durch Würgen ermordet wurde. Name und Herkunft des Opsers ist noch nicht ermittelt.

Wien. Der Astronom Rudolph Falb veröffentlicht in derN. Fr. Pr.(inen Artikel, worin er nachweist, daß die Erde am 21. Juli durch den Schweif des Coggia' schen Kometen hindurchgegangen sei. Auf jeden Fall mußte der Schweif zu dieser Zeil ngegen die Erde gerichtet sein, und es fragt sich nur, ob er lang genug war, diese zu erreichen. Bei seiner Berechnung am 18. Juli fand Falb, daß an diesem Tage die Länge des Schweifes 8,344,500 geographische Meilen betrug.

Paris. Als Motiv aines jüngst in Paris eingeleiteten Scheidungsgesuches macht ein unglücklicher Gatte geltend, daß ihm seine Frau in ihrem unbezähmbaren Jähzorn die Kinder an den Kopf zu werfen pflege.

Mailand. Von hier wird geschrieben: An einem einzigen Tage der vorigen Woche wurden in Privat- und öffentlichen Anstalten über zwanzig Personen aufgenommen, welche in Folge der außerordentlichen Hitze wahnsinnig geworben sind.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 25. Juli. Die Preise auf unserem heutigen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 15 fl 47 kr.; Korn(90 Kilo) 11 fl. 6 kr.; Gerste(80 Kilo) 8 fl. 52 kr.; Hafer(60 Kilo) 7 fl. 25 kr.; Molter (90 Kilo) fl. kr.; Erbpsen(110 Kilo) 13 fl. 5 kr.; Linsen(100 Kilo) fl. kr.; Samen(90 Kilo) 13 fl. 40 kr.; Kartoffeln(100 Kilo) 4 fl. 44 kr.

Mainz, 25. Juli. Productenmarkl. Waizen per Juli 13 fl. 48 kr., per Nov. 13 fl. 6 kr. Korn per Juli 10 fl. 35 kr., per Nov. 9 fl. 52 kr. Hafer per Juli

fl. Rüböl per Oct. 19 fl.

12 fl. 10 kr., per Nov. 103 1 150 a Raps per Sept. 17 fl.

5 kr., per Mai 19 fl. 45 kr. 4 kr.

Das der Deuischen Transatlantischen Dampfschifffahrts⸗ Gesellschaft(Adler⸗Linie) in Hamburg gehörende Poftdampf⸗ schiffGöthe, Capitän Wilson, welches am 9. Jult von hier abgegangen, ist nach einer sehr schnellen Reise von 11 Tagen 7 Stunden(von der Elbe abgerechnet) am 20. Juli, 7 Uhr Abends, wohlbehalten in New⸗Pork an⸗ gekommen.

Das der Deutschen Trausatlantischen Dampfschifffahrts⸗ Gesellschaft(Adler-Linie im Hamburg gehörende Postbampf⸗ schiffLessung, Capitän Toosbuy, trat am 23. Juli seine zweite diesjährige Reise mit 45 Cajüts⸗ und 196 ZwischendecksPassagieren, sowie Post und Ladung von Hamburg direct ohne Zwischenhäfen anzulaufen nach New⸗ Vork an.

Ueber die Eier und ihre Verwendung.

Das Ei ist eben so gut wie die Milch ein Modellernährungsmittel, da es alle die zur Blut- bildung und Wärmeerzeugung nöthigen Substanzen, Fett, Proteinstoffe und Salze, und zwar in einer ziemlich bedeutenden Concentration enthält. Ein gesunder kräftiger Mensch vermag mit ein Paar Eiern täglich sein Leben zu fristen, und es ist dabei eine alte Regel, daß dieselben im hart ge kochten Zustande länger vorhalten, d. h. schwieriger verdaut werden, dem Magen länger Beschäftigung gewähren, als im rohen Zustande. Soll aber einer sehr schwachen Verdauung unter die Arme gegriffen werden, so ist es durchaus nöthig, die Eier im rohen Zustande anzuwenden, indem das lösliche Eiweiß, das emulsions artige Fett natür⸗ lich leichter und besser assimilirt werden. Sehr schwach? Kinder, die selbst Milch nicht vertragen können, lassen sich oftmals noch durch die An wendung von Eierwasser erhalten. Hierbei will ich gleich erwähnen, daß die vermeintliche Schwie⸗ rigkeit, Eier nach Belieben weich und hart, kutz im richtigen Grade der Consistenz zu sieden, nach neueren Untersuchungen nicht mehr existirt. Unsere Köchinnen werfen die Eier in siedendes Wasser und lassen sie, je nach dem gewünschten Grade der Consistenz, kürzere oder längere Zeit darin. Man hat dazu bestimmte Regeln; man soll von dem Moment des Einthuens an ein Vaterunser beten, bis 100 zählen, man soll 2 Minuten warten, man hat sogar sebr niedliche Sanduhren dazu, ohne doch durch diese Zeitbeobachtungen ganz seinen Zweck zu erreichen. Viel besser und rationeller st die Beobachtung mit dem Thermo- meter. Legt man die Eier in Wasser von 600 G. und läßt die Temperatur dann auf 700 C. steigen, so fängt das Eiweiß an zu coaguliren. Bei 730 C. ist das Eiweiß hart, der Dotter aber noch weich, der Zustand, wo die Eier am beliebtesten sind. Bei 760 C. ist auch das Eigelb coagulirt, die Eier daher hart gekocht. Die einzelnen Be standtheile des Eies spielen in unserer Kochkunst eine wichtige Rolle. Das Eiweiß verleibt den Mehlspeisen Lockerheit und Consistenz zugleich, das Eigelb llefert ihnen Fett und zugleich die schöne bochgelbe Farbe. Das Eiweiß, als zähe klebrige Flüssigkeit, nimmt leicht Luft auf und läßt sich durch Schlagen in einen leichten Schaum verwan- deln, der ein bedeutend vergrößertes Volumen zeigt. Mengt man nun Milch, Zucker, Mehl, Butter bei und erhitzt die Masse, so gerinnt das Eiweiß und schließt in seinen Zellen Luft und die angewendeten Zusätze ein und man erhält vadurch die Lockerung der Mehlspeise. Das Eigelb dient zum Schmalzen, als Fettzugabe, wie die Butler. Ein zu großer Zusatz von Eiern kann die Mehl speisen zu schwer, dicht und unverdaulich machen, weil die Theilchen von coagulirtem Albumin und Cieröl sich zu dicht aneinander legen. Neben dieser Verwendung in der Küche läuft eine massen⸗ hafte Benützung der Eier in der Industrie, die sich theilweise erst in der Neuzeit entwickelt hal, Das Eiweiß dient zur Befestigung des Ultra: marins, des Schweinfurter Grüns und anderer schön gefärbter pulveriger Farbstoffe auf den damit bedruckten Zeugen. Die aufs feinste geriebenen Farben werden mit Eiweiß und Gummi zu einer dicklichen Masse angemacht und so mittelst der Druckformen auf die Gewebe aufgebracht. Um dieselben darauf zu befestigen, genügt ees, die Zeuge der Einwirkung eines Dampfstromes auszasetzen,

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