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Dienstag den 28. Juli. 88.
berhessischer Anzeig
Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.
Erscheint jeden
Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Kreisblatt für den Kreis Friedberg.
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Für die Monate August und September kann auf den„Obechessischen Anzeiger“ bei der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnikt werden.
Deutsches Reich. Darmstadt, 23. Juli. In der heutigen Sitzung der ersten Kammer kamen abermals eine ganze Reibe von Angelegenbeiten, im Ganzen dreizehn, zur Verhandlung. Das Plenum beschloß
überall nach den Ausschußanträgen.
— 22. Juli. Die Berathung über das neue Be— amtenpensionsgesetz, welches diesmal beiden Kam— mern gleichzeitig zur Behandlung übergeben worden, wird in jeder Hinsicht beschleunigt. Schon nächsten Samstag werden die Ausschüsse beider Kammern zusammentreten, um die gesetzlich vorgeschriebene gemeinschaftliche Sitzung abzuhalten. Kammer ist auch diesesmal der Abg. Dumont als Berichterstatter bestellt. Seitens der ersten Kammer wurden heute zur Ergänzung des Gesetzgebungs— Ausschusses zwei weitere Mitglieder in der Person des Hofgerichts-Prasidenten Buff und des Geh. Justizraths Wasserschleben, beide von Gießen, gewählt.
Kassel, 24. Juli. An Stelle des Dechanten Engel in Hünfeld soll der Seminar- Lehrer Sermond in Fulda mit der Ober⸗Schul-Inspection für Hünfeld ꝛc. betraut werden. Durch ditse Maßnahme wird einer der Heißblütigsten unter dem jesuitischen Klerus der Diöcese Fulda von dem Gebiete des Schulwesens entfernt.
Berlin. Der Oberconsistorialrath Dr. Wichern, eine der Hauptsäulen des protestantischen Mucker- thums, hat in Folge seiner erschütterfen Gesund— heit seinen Abschied aus dem preußischen Staats— dienst erbeten. Er, der bekannte Gründer des „Rauhen Hauses“ bei Hamburg, war im Jahre 1856 nach Berlin berufen worden, vorzugsweise, um bei der Einführung der Isolirhaft in den preußischen Gefängnissen eine consultirende Stellung in der Gefängniß verwaltung einzunehmen. Außer— dem wurde ihm Sitz und Stimme im Ober- Kirchenrath eingeräumt.
— 25. Juli. Die„Bank- und Handels- Zig.“ meldet: Dem deutschen Delegirten für den Brüsseler Congreß, General v. Voigts⸗Rhetz, wurde ein bayerischer General, ein sachsischer Major und der Prosessor Bluntschli aus Heidelberg zur Assistenz beigegeben. Der General v. Voigts-Rhetz reist morgen nach Brüssel ab.
Posen. Der Domherr Korytkowski in Gnesen wurde wegen unbefugter Ausübung der Functionen des Officials zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt.
Danzig. Der Bischof v. d. Marwitz hat bereits Aufforderung erhalten, bis zum 28. d. M. sich, falls er es nicht vorziehe, die Geldstrafen zu bezahlen, in dem hiesigen Criminalgefängnisse zu gestellen, widrigenfalls seine Verhaftung erfolgen werde. Im hiesigen Gerichtsgefängniß ist zur Aufnahme des Bischofs jetzt Alles bereit gestellt.
Kiel. Die Befestigung des Kieler Hafens soll, wie die„Kieler Zeitung“ meldet, noch um 2 Batterien, Korügen und Oberjägersberg, ver— slärkt werden. Die Baukosten sind auf bezw. 470,000 Thlr. und 480,000 Thlr. veranschlagt, und die Bauzeit ist auf drei Jahre berechnet.
Dortmund, 23. Juli. Heute wurde auf Antrag des Staatsanwalts die Schließung der ocial-demokratischen Vereine von Dortmund und pörte auf Grund des Vereinsgesetzes ausgesprochen.
In zweiter 80 5 5 l in Baden eingeführt wird.— Die deutsche Kaiserin versammlung wird mit 369 gegen 340 Stimmen
München. Vom Lechfelde wird berichtet, Wir erwarten von Ihnen ein Gesetz, welches die
daß dort unter den Soldaten des 3. Feldartillerie- erste Kammer errichtet, das Recht der Auflösung regiments einige bedenkliche Fälle von Insubordi- und und das Wablgesetz. Die General-Discussion
nation vorgekommen sind, was die Inhaftnahme der wird geschlossen. Wallon bringt ein Amendement Betheiligten zur Folge hatte. auf Regelung der Gewalten des Prösidenten der
— Nach der„Pf. Ztg.“ stehen der beabsich- Revublik ein. Dasselbe wird mit 637 gegen 33 tigten Abhaltung der General-Versammlung der Stimmen abgelehnt. Darauf wird über den An— katholischen Vereine in München zu Anfang August trag Perier abgestimmt und derselbe mit 374 Hindernisse entgegen; es ist daher fraglich, ob gegen 333 Stimmen verworfen. Der Deputirte jene Versammlung bier stattfindet. Mallville bringt sodann einen von 300 Deputirten
Karlsrube, 25. Juli. Das heutige„Ge- unterzeichneten Antrag auf Auflösung der National- setzblatt“ publicirt eine Verordnung, durch welche versammlung ein. Die Dringlichkeit für den An- die Reichsmark-Rechnung mit dem 1. Jan. 1875 trag Malleville's wegen Auflösung der National-
ist heute Nachmittag auf Schloß Mainau an- abgelehnt, Worauf die Sitzung aufgehoben wird.
gekommen.— 24. Juli. Die Nationalversammlung sprach
die Vertagung der Discussion der constitutionellen
Ausland. Entwürfe aue, nachdem die Regierung sich damit Oesterreich-Ungarn. Wien. Graf einverstanden erklärt hatte.
Schönborn und Fürst Windischgrätz baben ein— 25. Juli. Parteiprogramm ausgearbeitet behufs Bildung wurde heute das Marine-Budget beratbhen. Der einer kaͤtholischen Centrumspartei, unabhängig von Marineminister sagt: So weit die durch das Tschechen, Polen und Föderalisten. Sede gewährten Mittel es erlaubten, werde die — Wie die„Nordd. Allgem. Zig.“ erfährt, Regierung dafür sorgen, daß die Marine auf der wird die von Wiener Blättern verbreitete Nach- Höhe ihrer Mission bleibe.„Wenn die Armee richt, daß die Kaiserin von Oesterreich bei der der rechte Arm Frankreichs ist, so ist die Marine der linke Arm Frankreichs und Frankreich bedarf
Kaiserin Augusta für die Herbsisaison in Baden f ihren Besuch angekündigt habe, officiell nicht be-(seiner beiden Arme.“ Mehrere Artikel des Marine- Budgets werden genehmigt.
stätigt.— Das vom Kaiser Franz Joseph an 0 g den Fürsten Bismarck gesandte Glückwunsch Tele- Holland. Haag. Die Ratifications-Ur- kunden über den holländischen Vertrag mit dem
gramm lautete:„Lieber Fürst! Ich danke Gott
für seine Gnade, mit der er Sie so sichtbarlich deutschen Reiche wegen Auslieferung von Ver— beschützt hat. Empfangen Sie meine Glückwünsche brechern wurden am 21. d. M. ausgetauscht. und die Versicherung meiner Freundschaft! Franz Norwegen. Christiania, 24. Juli.
In der Nationalversammlung
Joseph.“ Prinz Friedrich Karl von Preußen ist beute Mittag Frankreich. Versailles, 23. Juli. über Kongsberg und Drammen hier eingetroffen,
nachdem er von Skien aus bereits Tellemarken besucht batte. Der Aufenthalt hier ist auf 2 Tage festgesetzt.
Großbritannien. London, 25. Juli. In Beantwortung einer Interpellation Russel's erklärt Lord Derby im Oberhause, Spanien habe bisher keine Intervention Englands bei Frankreich wegen angeblich den Carlisten von Frankreich ge— leisteter Unterstützungen verlangt: die britische Re— gierung babe darum bei der französischen Regierung dieserhalb keine Vorstellungen machen können. Be— züglich der Anerkennung der gegenwärtigen Re— gierung Spaniens sei es die Ansicht des Ministeriums, dieselbe müsse durch gemeinsames Vorgehen sämmt— licher Großmächte herbeigeführt werden, jedoch erst, wenn die spanische Regierung sich dauernd be— festigt hat.
Spanien. Madrid, 24. Juli. Eine Abtheilung Carlisten in der Stärke von 1800 Mann wurde in der Provinz Tarragona von den Re— gierungstruppen geschlagen. Letztere machten viele Gefangene, erschossen aber keinen derselben.
— Eine Depesche von carlistischer Seite aus Bayeune meldet, daß 12 neue Geschütze und 200 Kisten mit Munition für die Carlisten aus- geschifft worden sind.
Rußland. Petersburg. Der Cbef der Gensdarmerie, Graf Schuwalow, ist zum Bot- schafter in London ernannt und wird durch General- lieutenant Potapow ersetzt. Der ehemalige General- gouverneur der baltischen Provinzen, Generallteut.
Nationalversammlung. Die Tribünen sind über— füllt, die Diplomaten-Loge dicht besetzt. Lambert St. Croix vom rechten Centrum begründet seinen Antrag zu den constitutionellen Vorlagen; derselbe will die jetzige Regierung organisiren unter der Bedingung, daß diese ihren conservativen Charakter ferner behalte. Hierauf begründet Perier vom linken Centrum seinen Antrag, indem er ausführt, daß die principielle Natur der Regierung auf einem festbestimmten, nicht discutirbaren Prinelpe beruhe, und erklärt, daß die Monarchisten, weil die Herstellung der Monarchie unmöglich sei, in die allein mögliche Regierungs- Form voll Resig— nation sich fügen müßten. Broglie sagt, die Proclamirung der Republik sei unnütz und inop— portun; dieselbe würde Anstoß erregen, verschaffe bei der Mannichfaltigkeit und der leicht wider— ruflichen Natur ihrer Institutionen dem Lande keine Sicherheit und gebe keine Gewähr gegen den Bonapartismus. Der Fehler der Republik sei, daß sie das Staats-Oberhaupt mit den Par— teien in Berührung bringe. Mac Mahon sei ein loyaler Soldat; ein Staatsstreich sei von ihm nicht zu befürchten. Nachdem noch Dufaure ge— sprochen, verliest General Cissey im Namen der Regierung eine Erklärung, wonach diese den An— trag Perier ablehnt und sagt: die Annahme dieses Antrags würde so angesehen werden, als hätte sie leinen anderen Zweck als die Proclamirung der definitiven Republik. Das Land verlange die Organisation der Gewalten Mac Mahons.


