Ausgabe 
28.4.1874
 
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Soiree des Grafen Hatzfeldt bis nach Mitter

t beiwohnte.

9 Nachauthentischen Nachrichten desB. Cour. werden bei Berathung des Strasproceß⸗ Entwurfes für das Deutsche Reich die Schwär gerichte beibehalten werden, für die untersten Ge⸗ richte jedoch Schöffengerichte in Aussicht genommen. Es sollen nämlich die bisherigen Landgerichte, für welche in Zukunft die BenennungAmtsgericht vorgesehen ist um den einmal angestrebten Grundsatz, die Berufung in der Thatfrage aus- zuschließen, durchzuführen mit je zwei Schöffen besetzt werden, um hierdurch eine höhere Gewähr für die Schöpfung der Thatfrage zu gewinnen.

Privatbriefe aus London melden, daß die Deputation, welche im Namen des englischen Volkes dem deutschen Kaiser Dank aussprechen will für die Theilnahme, die er den protestantischen Sympatbie-Miletings in St. James Hall und Exeter Hall bekundet hat, definitiv während der Pfingsttage nach Berlin zu begeben gedenkt. Außer dem Präsidenten der Meetings, Sir John Mur ray, wird die Deputation aus Oberst Macdonald, Dr. Badenoch und einigen anderen Gentlemen be stehen, denen sich voraussichtlich noch der Herzog von Manchester und Sir Robert Peel anschließen werden.

Wie derWeser Ztg. mitgetheilt wird, hat der Kaiser die Absicht, nach dem Inkrafttreten des Kirchendiener⸗Gesetzes durch einen Gnadenact die strafrechtlichen Folgen der preußischen Mai⸗ Gesetze aufzuheden.

Breslau. Wie dieBresl. Ztg. meldet, hat Fürstbischof Förster in Breslau in einem Privatgespräch mit einem Theilnehmer an der

letzten Ovation angedeutet,daß Seitens des Papstes sehr ernste Schritte gegen Preußen in Aussicht genommen seien, indem derselbe beab sichtige, alle ihres Oberhauptes beraubten Bis- thümer mit dem Interdiet zu belegen. Mit dem Erzbisthum Posen und Gnesen solle in kürzester Zeit der Anfang gemacht werden.

München. Die Stadt kann endlich als cholerafrei bezeichnet werden. Weder in Militär- oder Civil Spitälern, noch in privatärztlicher Praxis befindet sich gegenwärtig mehr ein Cbolera- kranker in Behandlung. Der letzte Erkrankungs; fall kam am 19. April vor.

Straßburg, 25. April. Das Landgericht von Zabern verurtheilte heute den Bischof von Nancy wegen Veranlassung des Pfarrers von Sixheim zur Verlesung eines Hirtenbriefes in contumaciam zu 2 Monaten Festungshaft.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Der ungarische Reichstag hat die Einführung des Notariats mit großer Majorität beschlossen und damit ein Vergehen gesühnt, das seinerzeit im ersten Rausche des Selbstständigkeitsgefühls begangen wurde. Das Notariat bestand früber in Ungarn so gut wie in der diesseitigen Reichs hälfte und verhütete in der Rechtspraxis wenigstens jene Excesse, welche seit seiner Aufhebung in Ungarn auf judiciellem Gebiete leider zu den alltäglichen Erscheinungen gebören. Justizminister Dr. Pauler gab in seiner Vertheidigungsrede auch bekannt, daß ein Strascodex bereits fertig sei, ebenso das Handels- und Wechselgesetz, und daß für die Ausarbeitung eines Civilcodex alle Vorbereitungen getroffen seien.

Frankreich. Paris. DieAgence Havas meldet: Der Generalrath des Departements der

See- Alpen, dessen Sitzungen am 23. d. beendigt wurden, ist unter dem Rufe:es lebe Frankreich auseinander gegangen. Diese Kundgebung wird als Antwort auf die neuliche separatistische Rede des Nizzaer Deputirten Piccon betrachtet, welcher übrigens in einem durch die Journale veröffent- lichten Briefe erklärt, daß seine Gedanken und Absichten entstellt seien.

Spanien. Madrid. Die Cerlisten haben alle von ihnen gemachten Gefangenen freigegeben. Die Nachricht, daß in Madrid eine Anzahl von als Carlisten bekannte Personen verhaftet sei, ist unbegründet.

DieGaceta meldet: Am 22. April sand eine leichte Kanonade der Batterien der Regierungs- Armee auf die Stellungen der Carlisten vor Bilbao statt. Die Carlisten erwiderten nur durch Flinten- feuer. Beiderseits hatte das Feuer kein Resultat. Die Nachricht von der Gefangennahme des Car- listenführers Santes durch seine eigenen Soldaten wird bestätigt. Malcampo ist zum General- capitän der Philippinen ernannt worden.

Die Beschießung der carlistischen Stellungen bei Abanto dauert sort. Die Carlisten antworten nicht.

Amerika. Newyork. Aus Mexiko wird gemeldet: Sechs Gefangene, welche des Mordes des Pfarrers Stephens angeklagt waren, sind zum Tode verurtheilt worden. Ueber den Priester, welcher durch aufreizende Reden zu dem Verbrechen aufgefordert, und seine Helfer shelfer, ist noch kein Urtheil gefällt worden.

Aus Stadt und Land.

Schotten. Am 23. d., Nachmittags gegen 3 Uhr, zog, nachdem die Wärme des Tages auf 22 R. gestiegen, ein Gewitier heran, dessen erster Blitz eine biesige angesehene Bürgersfrau, welche sich auf einem Acker befand, traf und sofort tödteie. Die Magd derselven saß ihr gegenüber, blieb aber, außer einer momentanen Betäubung, unversehrt und war augenblicklich wieder in normalem Zustande. Die Kleider der erschlagenen Frau waren total zerrissen.

Mainz. Ein entsetzliches Unglück trug sich am 21. d in Weisenau zu. Die Conscribirten zogen mit Musik durch den Ort und eine Schaar Kinder folgte ihnen. Plötzlich kam aus dem Hose eines Hauses ein durchgehendes Ge⸗ spann in lebhastem Trabe anfangs, aber noch nicht völlig angeschirrt, da die Pferde durch das valb geöffnete Thor das Weite gesucht hatten. Der Kutscher fiet am Thore herab und die Pferde rasten, von der Mufik sscheu gemacht, durch die Kinderschaaren und fort bis an die Cementfabrik, wo sie endlich zum Stehen gebracht wurden. Ein achi⸗ jähriger Knabe ist todt, vier andere Kinder sind mehr oder minder schwer verletzt.

Mainz. Es steht nun fest, daß der Verwaltungsraih beschlossen bat, bei der demnächsugen Generalversammlung die Vertheilung einer Gesammidividende von 9 pCt. zu beantragen. Die Gerüchte, wonach die Dividende auf 10 pCi. fesigesetzt werden soll, waren also irrig.

Mainz. Der kürzlich verstorbene Rentier Moritz hat bei Absassung seines Testaments auch das Gemeinwohl im Auge gehabt. Wie wir vernehmen, erhält aus der bedeutenden Hinterlassenschaft die Stadt 10 000 fl. für Ertichtung einer Blindenanstalt. Etre dem Verstorbenen!

Mainz. Am 23. d. wurde ein Herr getraut. Während nun Braut und Bräutigam, die Brautführer ꝛc. auf der Fahrt nach dem Stadthause begriffen waren, kam ein Schlaumeier in die Wohnung des Bräutigams und ver langie von dem Dienstmädchen schleunigst eine schwarze Hose, weil ditjenige des Bräutigams bei dem Aussteigen aus der Chaise einenRiß bekommen habe. Die Hose wurde sofort verabfolgt; hinterher aber stellte sich heraus, daß die Geschichte mit demRiß vollnändig erdichtet

war. Vorläufig ist die Hose spurlos verschwunden. Der [Gauner ist noch nicht ermittelt. Ingelheim. Bei der Wahl eines Landtags-Abgeord neten an die Stelle des verstorbenen Abg. Gebhard wurde der Hosgerichis-Advocat Dr. Frhr. v. Wedekind in Darm⸗ stadt gewählt mit 16 gegen 12 Stimmen, welche wieder der Freiherr Dael von Koeth erbielt.

Bingen. Bei einem hier abgehallenen, auch von den Spitzen der Verwaltung u. s. w. besuchten Festessen wurde

dem Abg. George in Büdesheim für seine Verdienste um die Verkehrsfreiheit des Weinbandels ein großer werthroller sülberner Taselaussatz als Ehrengeschenk sämmtlicher Ju⸗ enen des Großherzogthums durch das Landes⸗Comite überreicht.

Allerlei.

Frankfurt. Zu dem am 27. April beginnenden Pferdemarkt treffen die Pferde bereits schon sehr zahlreich ein. Die Händler sind voll Hoffnung, daß der Frühjabss⸗ markt gut ausfallen werde. Man rechnet, daß ca. 1200 Pferde zu Markt gebracht werden. Die Lotterle⸗Commission ist fröhlicher Dinge, denn sie verfügt über kein Loos mehr, und selbst für die Zucht⸗ und Fettvieh-Ausstellung sind nur noch wenige vorhanden. Dem Markt⸗Comite ist

es durch seine Nührigkeit wieder gelungen, italienische, 1

schweizerische und englische Händler zum Besuche des Markies zu bestimmen. Die Pferde für die nunmehr zu organisirende berittene Schutzmannschaft(welche, nebenbei gesagt, mit fünsschüssigen Revolver und einem Säbel vewaffnet wird) sollen der Weisung der Behörde zu Folge nicht aus der Hand, sondern auf dem Markte gekauft werden; es ist der Dragonerschlag hierzu gewäylt. Frankfurt, 25. April. Heute Morgen wurde ein Bursche aus Vilbel man sagt, er heiße Frank in Folge Verdachts, der Mörder des Fräulein Frey zu sein, sestgenommen. Um 9 Uhr zum Uniersuchungsrichter vor⸗ gefahren, stieg er ganz ruhig aus dem Wagen, stand einen Augenblick still und ergriff die Flucht. Er hatte aber noch nicht den Paulsthuim hinter sich, als er wieder gefaßt

wurde. Oy er der Gesuchte wirklich ist, wird die Unter⸗ huchung lehren. 0 Frankfurt. Die hier eröffnete Vögel-, Tauben⸗ und

Hühner ⸗Ausstellung ist sowohl hinsichtlich der Zahl als der Schönheit der Thiere die großarligste, welche bisher in Frankfurt stattge habt.

Usingen. Zur Abbaltung der 2.(practischen) Lehrer⸗ prüfung an den kgl. Schullehrer-Seminaren zu Montabaur und Usingen hat das kgl. Provinzial ⸗Schulcollegium zu Cassel resp. auf den 3. Juli und den 26. Juni c. Termin augesetzt.

Fulda. Nach einer mehrtägigen wahrhaft tropischen Hitze eutluden sich am 23. d., Nachmittags um 1 Ubr, drei aus Norden, Osten und Westen heranziehende Gewitler in unserem vom Rhön- und Vogelsgebirge umgränzten Thale mit schrecklich verheerender Wirkung. Abgesehen davon, daß der Blitz an vielen Orten der Umgegend theils zündend, theils wirkungslos einschlug, ging auch eine Stunde von hier ein Wolkenbruch nieder, dessen Fluthen sich bis dicht vor die Stadt heranwälzten, Felder, Wiesen und Gärten verheerten und slarke Mauern niedervissen. Dabei prasselten auch dichte Hagelschauer nieder, welche in mehreren benachbarten Gemeinden erbeblichen Schaden ver⸗ ursachten. In den Dörfern Niederbiebder und Sröckels wucden zwei Ochsen im Stalle vom Blitze erschlagen und in der Gegend von Schlüchtern ein Hirte, welcher sich in einen hohlen Baum geflüchtet halle, getödtet. Einem be⸗ nachbarten Gutsbesitzer ertranken zweiundzwanzig Schweine und stündlich laufen neue Hiobsposten aus der Umgegend ein.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 25. April. Die Preise auf unserem beutigen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 16 fl. 36 k.; Korn(90 Kilo) 12 fl. 5 kr.; Gerste(80 Kilo) 10 fl. 2 kr.; Hafer(60 Kilo) 6 fl. 40 kr.; Molter (90 Kubo) 11 fl. 20 kr.; Erbsen(110 Kilo) 12 f. 22 kr. Linsen(100 Kilo) fl. kr.; Wicken(100 Kilo) fl. kr.; Samen(90 Kilo) 12 fl. 56 kr.; Kartoffeln (100 Kilo) 2 fl. 59 kr. 5

Frankfurt, 25. April. Der heutige Heu⸗ und Strobmarkt war gut befahren. Heu kostete per Cir. 1 fl. 36 kr. bis 2 fl. 24 kr. Sirob per Centner 1 fl. 36 kr. vis 1 fl. 52 kr., Butter 1. Qualität 42 kr., 2. Qualität 40 kr., Eier das Hundert 2 fl. 42 kr.

Mainz. 25. April. Productenmarkt. Waizen per Mai 16 f. 20 kr., per Juli 15 fl. 51 kr., per Nov. 14 fl. 12 ke. Roggen per April 11 fl. 24 kr., per Mai 117% fl., per Juli 10 fl. 5 kr., per Nov. 10 fl. 5 ke. Hafer per Mai 11 fl. 13 kr., per Juli 11 fl. 20 kr. Rüböl per Mai 17 fl. 5 kr., per Oci. 18 fl. 40 kr.

Für Franz Blatz in Niedec⸗Mörlen sind bei dem Unkere zeichneten weiter eingegangen: Von C. Ch. Weis in Fried⸗ berg 1 fl. 45 kr. Gerson Schulhof daselbst 1 fl., Ungenannt in Ockstadt 1 fl. 10 kr., L. Blatz 30 ke. Aus der Stadt Nauheim: Durch Herrn Bürgermeister Schult 50 fl. 51 kr. nebst circa 40 Ctr. Heu und Stroh und 1 Packer Baum- wollen Garn. Aus Fauerbach v. d. Höhe 3 Malter Brodfrucht und 1 fl. 45 ke. Möbs, Bürgermeister.

Oeffentliche Aufforderung.

1345 Die in Nr. 47 des Oberhessischen Anzeigers unter Inserat Nr. 1260 benannten Personen und ihre Erben

wollen die in obiger Nr. verzeichneten bei ihren Namen

büchern oder Steuerkatastern eingetragenen Immobilien veräußern, ohne ihr Eigenthum daran urkundlich nach 5 kön; Auf Anstehen derselben werden Alle, welche aus irgend einem Grunde Eigenthums- oder sonstige Ansprüche an diese Immobilien bilden zu können glauben, andurch aufgefordert, diese so gewiß

binnen sechs Wochen, von heute an, bei unterzeichneter Gerichtsstelle geltend zu machen, als sonst ohne Rücksicht darauf den Ver zußerungsurkunden die gerichtliche Bestätigung ertheilt und der Eintrag der Erwerbtitel in das Mutationsverzeich

weisen zu können.

niß verfügt werden wird. Bad⸗Nauheim den 10. April 1874.

angegebenen und auf solche in den Flur- oder Grund-

Einen Garten

1358 mit Futtergras beim Haus, einen Morgen haltend, ½ Morgen ewigen Klee in den Liebfrauengärten hat zu verpachten Philipp Sieck Wittwe.

Farbige Caschentücher,

Großherzogliches Landgericht Bad-Nauheim. erich

und 1

549 sowie weiße Unterröcke, Moiréschürzen Herrenhemden zu billigen Pieisen bei

K. Friedrich.

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