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— 23. März. Der Reichstag nahm beute in dritter Lesung die Gesetzvorlage über die Er⸗ werbung eines Grundstückes behufs Errichtung eines Gebäudes für die kaiserliche Botschaft in Wien an. Sodann wurde in der zweiten Lesung des Preßgesetzes fortgefahren und die§§. 26 bis 33 unter Ablehnung aller Amendements in der Commissions-Fassung angenommen. F. 34 betreffs der zwangsweisen Abgabe von Frei⸗ Exemplaren an Bibliotheken wurde in der Fassung der Re⸗ gierungs- Vorlage angenommen. Der Schluß Paragraph betreffs Ausschluß des Gesetzes für Elsaß Lothringen rief eine lebhafte Debatte hervor. Gerber und v. Hoverbeck beantragten Streichung des Paragrapden und sofortige Ausdehnung des Gesetzes auf Elsaß-Lotbringen. Der Antrag wurde bei namentlicher Abstimmung mit 174 gegen 129 Stimmen abgelehnt. f
— 23. März. Der Bundesrath beschloß, dem Reichstage vorzuschlagen, daß die österr. Verrinstbaler gleich den Thalern deutschen Ge⸗ präges nach Art. 15 des Münzgesetzes an Stelle der Reichsmünze bei allen Zahlungen bis zur Außercourssetzung angenommen werden sollen.
— 23. März. Der Kaiser hat gestern alle Gratulationen persönlich entgegengenommen; er hat am Kirchgange und der Familientafel, die beim Kronprinzen zu 57 Couverts stattfand und nur Fürsten vereinte, Theil genommen, wie auch Abends im Palais an einer Soirée von 550 Per- sonen, wo eine dramatische Abendunterhaltung stattfand, wobei der Kaiser in lebendigster und liebenswürdigster Weise sich an der Seite der Kaiserin unter den Gästen bewegte.
— 24. März. Reichstag. Auf die Inter- pellation des Abgeordneten v. Bernuth, betreffend Gründung einer Pensionckasse für die Hinterbliebenen verstorbener Reichsbeamten, antwortet der Staats- minister Delbrück, daß die Vorlage für den Bundes- rath vorbereitet werde und solle dieselbe dem Reichs tage bereits in der nächsten Herbstsession zur Berathung zugehen. Ferner erklärte der Staats- minister Delbrück in Erwiederung auf die Inter— pellation des Fürsten von Hohenlohe- Langenburg betreffs Außer ⸗Courssetzung der österreichischen Thaler: er hoffe, morgen eine Vorlage einbringen zu können, welche allen Interessen den nöthigen Spielraum gewähre und der herrschenden Ver— legenheit ein Ende mache. Der Minister fügte hinzu, die österreichischen Thaler seien zweifellos gesetzliches Zahlungsmittel und habe der Bundes- rath kein Annahmeverbot erlassen.
München. Der König bat die Adresse, welche die ultramentanen bayerischen Reichstags Mit- glieder an ihn zu richten für gut befunden hatten, um die Instruction der bayerischen Bundesraths-— Bevollmächtigten gegen das Reichsgesetz wider die renifenten Kirchendiener zu erzielen, ohne jeve Weisung zur Bescheidung an die baherischen Re- gierungs⸗ Vertreter nach Berlin gesandt.
Straßburg. In Betreff der Herren Lautb, Teutsch und Häffely versichert man dem„Elf. Journal“, sie seien entschlossen, nicht mehr ihre Sitze im Parlament einzunehmen.
Ausland.
Oesterreich⸗ Ungarn. Wie n. Die „Montags Revne“ meldet: Die zur Berathung der tonfessionellen Gesetze gebildete Commission des Herrenhauses nahm mit geringen Modificationen die Gesitzoorlage über die Außenrechte der katho⸗ lischen Kirche in der Fassung des Abgeordneten— hauses an. Zum Berichterstatter wurde Has ner erwählt. Möglicherweise wird diese Gesetzvorlage bereite Donnerstag im Herrenhause zur Verhand- lung kommen. b
Pest, 23. März. In der heutigen Sitzung de Unterhauses entwickelte der neue Minißerprästdent Bitto das Programm der Regierung. Der Mi- nister warf einen Rückblick auf die Ursachen der bedauerlichen Zustände der jüngsten Zeit und auf die Entstehungsgeschichte des neuen Cabinets und bezeichnete als Hauptaufgabe der Thätigkeit des⸗ selben die Heilung der schweren finanziellen und wirthschaftlichen Gebrechen und als Vorbedingung hierzu Reformen behufs Vereinfachung des Ver⸗ waltungsapparates und Herstellung des Gleichge.
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babe.
wichts. Weiter werde die Regierung bemüht sein, die legislative Arbeit nicht durch Herbeiziehung neuer, nicht bierher gehöriger Fragen zu hemmen, um Spaltungen vorzubeugen. Der Ministerpräsi dent erbat sich hierzu die Unterstützung aller Parteien.
Schweiz. Bern, 20. März. Großrath Kuhn, der nach dem Jura gesandte Commissär, bat dem Regierungsratb einen neuen Bericht über den dortigen Stand der Dinge eingesandt. Da sich von den aus besonderen Rücksichten noch dort geduldeten 12 Geistlichen 5 neuerdings erlaubt hatten, nicht nur unbefugter Weise geistliche Func⸗ tionen zu verrichten, sondern dieselben sogar zur Aufreizung der Bevölkerung und zum Widerstand gegen die Anordnungen der Staatsbehörden zu mißbrauchen, so hat sich Großrath Kuhn veran- laßt gesehen, diese 5 Geistlichen ebenfalls aus dem Jura auszuweisen. Außerdem hat er auch zu Delsberg und im Amte Laufen die Lokale, wo römisch katholischer Privat-Gottesdienst gehalten wurde, schließen lassen, weil ihre Benutzung einen öffentlichen Character angenommen hatte und sie gleichfalls zur Aufreizung der Bevölkerung benutzt wurden. Der Regierungsrath hat in seiner heu— tigen Sitzung die Maßregeln seines Commissärs genehmigt.
Frankreich. Paris, 23. März. Gestern Abend fand hierselbst zur Feier des Geburtstages des Kaisers Wilhelm ein Festessen statt, an welchem sechzig Deutsche, darunter sieben Elsässer, theilnahmen.
Bayonne. Pfarrer Santa Cruz ist an der Grenze durch die französische Behörde verhaftet und hierher gebracht worden.
Großbritannien. London, 23. März. Die Königin hat gestern den General Wolseley empfangen.
— 23. März. Unterhaus. In Erwiderung einer Interpellation Gurley's über die Hungers— noth in Indien erklärt Hamilion, daß dortselbst drei Mill. Menschen der Unterstützung bedürften.
Spanien. Madrid. Hier war am Sonn- abend das Gerücht verbreitet, daß am Freitag, 20. d., bei Bilbao der Kampf wieder begonnen Bis jetzt mangelt diesem Gerücht die Be: staͤtigung.
— 23. März. General Loma hat sich mit 13 Bataillonen bei Plencia, 3 Lieues von Bilbao, ausgeschifft. Diese Bewegung wird als wichtig betrachtet und dürfte die Stellung der Carlisten schwierig machen. Andererseits soll der carlistische General Palacios bis Guadalajara, nicht weit von Madrid, vorgerückt sein.
Portugal. Lissabon. Der Marine⸗ minister hal den Cortes bei Vorlage des Colonien— Budgets vorgeschlagen, den bei demselben sich ergebenden Saldo von einer Million Frs. zur Verbesserung der Marine und zum Ankauf und Bau neuer Kriegsschiffe zu verwenden.
Italien. Rom, 23. März. Der König empfängt heute, anläßlich der Jubelfejer, das diplomatische Corps. und nimmt eigenhändig Be— glückwünschungs-Schreiben der Königin Victoria, des Kaisers von Oefterreich, Deutschland und Rußland und des Marschall-Präsidenten Mac Mahon, sowie eine Depesche Grant's entgegen. Zahlreiche Glückwunsch- Deputationen sind hier eingetroffen. Zur Beglückwünschung des Königs zu der heutigen Jubelfeier waren ferner Depu⸗— tationen des Senats, der Depatirtenkammer, der Armee, der Universttäten, Schulen und Provinzial— Gemeinden erschienen. Der König erwiderte jede der an ihn gerichteten Ansprachen und hob nament— lich hervor, daß die Vollendung des nationalen Werkes gelungen sei, weil Italien bei der För— derung der Unabhängigkeit nicht die Achtung vor der Une bhtingigkeit Anderer vergessen habe. Der König sprach ferner seinen Dank für die allseitige Theilnahme aus, welche von der Bevölkerung heute kundgegeben worden sei und wies darauf hin, vaß die Einheit Italiens jetzt ein Pfand des europäischen Friedens sei, und wie dadurch, daß Rom die Hauptstadt des Königreiches geworden, die Interessen der Cirilisation in gleich hohem Grade gefördert seien.
Donaufürstenthümer.
Bukare 22. März. 1
Der Geburtstag des deutschen Kaisers
wurde von den bier lebenden Angehörigen des deutschen Reiches durch einen Gottesdienst in der evangelischen Kirche und ein Banket gefeiert. Letz⸗ terem präsidirte Legationsrath von Pfuel, dessen Toast auf den deutschen Kaiser mit Begeisterung aufgenommen wurde.
Amerika. New York. Aus Mexico wird gemeldet, daß in Puebla eine Volksmenge die protestantische Kirche angegriffen und die Geist⸗ lichen mißhandelt hat.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Vergangenen Sonntag wurde hier, wie jedes Jahr, der Geburtsiag des Kaisers Wilhelm festlich begangen. Nachmittags fand im Saale der„Drei Schwerter“ ein Festessen und Abends ein sehr animirtes Bankett stalt, wenn auch die Zahl der Theilnehmer nicht sehr groß war, da eine gleichzeitige Feier in Nauheim viele hiesige Ein⸗ wohner angelockt hatte.
Heldenbergen. Der Geburtstag des Kaisers wurde auch in hiefiger Gemeinde sestlich begangen. Abends vorher verkündeten Böllerschüsse und Glockengeläute den Festiag; ebenso am 22. des Morgens. Am Abend wurde in einem mit dem Bildnisse des deutschen Kaisers und Transparenten mit sinniger Inschrift schön decorirten Saale ein Banket abgehalten, an dem sich die hiesige Be⸗ völkerung sehr zahlreich betheiligte.
Vilbel, 23. März. Auch hier hat man gestern unsers Kaisers Wilhelm mit Liebe gedacht. Eine Parade unserer neu gegründeten Feuerwehrmannschaft und das Flattern der Fahnen in aller Frühe waren die ersten Kundgebungen. Am Abend nun brachte unser verehrter Kreisrath, Herr Hallwachs, auf einem Ball des Bürger⸗ Casinos mit kurzen, aber treffenden Worten dem hoben Herrscher ein Hoch aus, das mit lautem Jubel von den Festgästem begleitet wurde. Ein bengalisches Feuer an dem Denkmal für unsere Krieger machte den Beschluß.
Gießen, 24. März. Gestern Vormittag wurde ein Bursche von Wieseck hier eingebracht, welcher am Sonntag Abend einem älteren Manne daselbst ein Messer in den Leib stach, daß die Eingeweide hervorquollen. Man zweifelt an dem Aufkommen des Verletzien.
Mainz. Die Blumen- und Früchteausstellungen, welche in frühern Jahren hier in dem großen Raume der Fruchthalle gebalien wurden, erfreuten sich stets einer großen Theilnahme von Seiten des Publikums. Auch in diesem Jahre, beginnend am 5. April, wird durch den Verband der theinischen Gartenbauvereine wiederum eine solche Ausstellung gehalten werden. Nach allem, was wir darüber vernehmen, wird aber die diesjährige Ausstellung großartiger als alle frühern.
Allerlei.
Frankfurt. Der Raubmörder Völker wurde glücklich in das Zuchthaus nach Diez eingeliefert. Zu den ihn escortitenden Beamten sagze er auf der Eisenbahn, als diese die Fahrkarte lösten, mit Galgen⸗Humor:„Für mich brauchen Sie kein Retour- Billet zu nehmen.“
Neapel. Professor Palmieri, Director des Obser⸗ vatoriums am Vesuv, berichtet im„Giornale di Napoli“ vom 14. d. M.:„Seit dem denkwürdigen Ausbruch vom 27. April 1872 blieb auf dem Gipfel des Vesuv ein weiter und tiefer Krater zurück, der durch eine eyklopische Mauer aus großen Lava⸗Stücken in zwei Abtheilungen geschieden war. Der Durchmesser dieses Kraters betrug 300, die Tiefe 250 Meter. Der odere Theil der Krater⸗ Wände war sehr brüchig, der untere compact. Vom Rande stürzten sehr häufig Schlacken und Sieine in den Krater⸗ Schlund hinunter, ohne dessen Tiefe merklich verringert zu haben. Seit wenigen Tagen ist nun die cyklopische Scheidewand verschwunden, und der Krater beinahe ausge⸗ füllt. Ob die Wände eingesunken sind, oder der Krater Grund sich gehoben hat, läßt der Rauch und auch das Weiter gegenwärtig nicht recht erkennen. Hat sich der Glund des Kraters gehoben, so ist das ein Zeichen eines naben Ausbruches.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 25. März. Waizen 16 fl. 40 kl.; Korn 14 J.— kr.; Gerste 12 fl. 40 tr.; Haser 9 fl. 30 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.
Gießen. Die Einnahmen der Oberhessischen Bahnen im Februar haben wieder ein Plus von 2470 fl. ergeben, wozu der Personenverkehr 2127 fl. lieserte. Das Mehr im Januar und Februar zusammen beträgt 3637 fl.
Fraukfurt, 23. März. Waizen effecliv hies. 17½., Korn 12— 13¾ fl., Gerste 12¼— 14½ fl., Hafer 11½ bis 11½ fl., Kohlsamen 13½ fl., Erbsen 12—14 fl., Wicken 10 fl., Linsen 12—17 fl., Rüböl 38 fl. Alle Preise versteben sich auf 100 Kilo.
Frankfurt, 23. März. Der heutige Viebmarkt war gut befahren. Angelrieben waren: 310 Ochsen, 180 Kühe, 220 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 43 fl., 2. Qual. 40 fl. Kühe 1. Qual. 77 fl., 2. Qual. 35 fl. Kälber 38 fl. Hämmel 37 fl. Schweine im Ducschschnitt das Pfd. 21 kr.
Mainz, 24. März. Productenmarkt. Waizen niedriger, per März 16 fl. 25 kr., per Mai 16 fl.— kt., per Juli 15 fl. 30 kr. Roggen weichend, per März 12 fl. 10 kr., per Mai 11 fl. 48 kr., per Juli 11 fl. 20 ke. Hafer matt, per Mäcz 11 fl.— ke., per Mai 11 fl., 3 kr. per Juli 11 fl. 6 kr. Rüböl matt, per Mai 18 fl. 5 ke. per Oel. 19 fl. 15 kr.
Namen e.


