Beurlaubung von Soldaten.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Nach einer Mittheilung Großberzoglichen Ministeriums des Innern vom 16. dieses Monats zur Nr. M. d. J. 4225 laufen bei der Groß⸗ berzoglichen(25.) Division Gesuche um Beurlaubungen zur Disposition des Truppentheils, resp. Entlassung zur Disposttion der Etsatzbehörden mit Uebergehung des gesetzlich vorgeschriebenen Weges, und theilweise sogar von den betreffenden Bürgermeistereien beglaubigt, in so großer die Division derartige Gesuche für die Zukunft unbeantwortet lassen muß. Wir nehmen daraus Veranlassung, unser Amtsblatt Nr. 6 von 1872 in den Inhalt desselben wiederholt zur Kenntniß der Interessenten zu bringen, insbesondere Sie darauf
binzuweisen, daß nur die auf vorgeschriebenem Wege eingereichten Gesuche Berücksichtigung finden, andere Gesuche von jetzt ab unbeantworte
Erinnerung zu bringen, und Sie zu beauftragen,
bleiben werden.
Betreffend: Gesuche um Eutlassung von Soldaten vor beendeter Diensizeit sowie Gesuche um zeilweise
Friedberg am 23. April 1874.
ahl ein, daß
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Ausland.
Frankreich. Paris. Graf Simeon, Senator des Kaiserreichs und der Enkel eines der Verfasser des Code civil, ist heute Nacht im Alter von 70 Jahren plötzlich gestorben. Er hinterläßt einen Sohn, welcher Botschaftssekretär in Bern ist. Graf Siméon war erst vor wenigen Tagen mit einer Uebersetzung des Horaz hervor- getreten, welche das Werk seines halben Lebens war und der übrigens viel Gutes nachgesagt wird.
— Mac Mahon empfing das diplomatische Corps an seiner Tafel. Einige Staatsmänner, unter ihnen Graf Arnim, hatten sich entschul⸗ digen lassen.
— Nachrichten von der spanischen Grenze zufolge hat der carlistische Commandant von Guipuzcoa die Städte San Sebastian, Renteria und Irun in Blokade-Zustand erklart und Jeden, welcher Lebensmittel dahin führe, mit Todesstrafe bedroht.
Spanien. Somorrostro. Concha ver- weilt in Laredo, um ein neues Truppencorps zu organisiren; derselbe trifft nächstens in Santander ein. Der Angriff auf die carlistischen Stellungen wird wahrscheinlich auf Sonnabend verschoben. Mehrere Regierungsdampfer mit Kranken sind am 21. d. in Santander eingetroffen.
Amerika. New Jork. Die Demo— kraten und Republikaner in Arkansas geriethen in ein Handgemenge, wobei einer getödtet und mehrere Menschen verwundet wurden. Unionstruppen brach— ten die Kämpfenden auseinander.
Aus Stadt und Land.
Gießen. Im letzten theologischen Facultäls⸗Examen wurden nur 3 Canditaten geprüft, die auch bestanden. Dem Vernehmen nach ist für einige der folgenden Semester leider kaum eine Auosicht vorhanden, daß sich Candidaten dazu melden werden, da die so erstaunlich verringerte Zahl der Theologie Studirenden aus den letzten Jahren Prüfungs— fähige nicht aufzuweisen haben wird.
Darmstadt. Bei den Ausgrabungen, die zum Zwecke der Herstellung des neuen bolanischen Gartens gemacht wurden, sind römische Alterthümer gefunden worden. Dieselben bestehen aus zwei Tellern von terra sigillata und mit römischen Töpferstempeln, einem erhaltenen und einem beschädigten, und Thränenkrügen. Die Thatsache ist von besonderem Interesse, da die unmittelbare Um⸗ gebung von Darmstadt bis jetzt keine Fundstätte von römischen Alterthümern war. Die Objecte befinden sich in dem Gr. Museum.
Mainz. Ein erfreuliches Zeichen der hiesigen geschäft— lichen Zustände ist es, daß die diesjährige Mainzer Ge⸗ werbe⸗Ausstellung aller Voraussicht nach auf's Glänzenoste ausfallen wird. Schon jetzt haben einzelne Industriezweige in dem von ihnen beanspruchten Raume reducirt werden müssen, und die allgemeine Theilnahme ist noch fort⸗ während im Wachsen begriffen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei bemerkt, daß durchaus nur Producle der Mainzer Industrie, d. h. in Mainz ansässiger Firmen, zugelassen werden sollen. Zur Eröffnung der Ausstellung ist der 1. August in Aussicht genommen. Hoffentlich wird bis bahin auch die Flaue einem frischeren Geschäfts⸗ gange Platz gemacht haben.
Allerlei.
Usingen. Die alte Lea zu Cleeberg, deren Alter auf 107 Jahre geschätzt wird, ist zur Stunde wohlauf. Sie hat voriges Jahr zum ersten Male in ihrem langen Leben einen Arzi gebraucht. Sie hält noch ihren„langen Tag“ besucht die Synagoge, ja geht selbst zeiiweise nach dem ½ St. von Cleeberg entfernten Oberkleen. Ihr Gehör hat zwar nachgelassen, ihr Gesicht aber ißt gut und ihre Fassungsgabe süc ihr Aller erstaunlich. Wer sie sich votstellen will, denke sich eine zu der Größe eines 14jährigen Kindes zusammengeschrumpfte, vertrocknele jedoch nicht gerade abstoßende Mume. Seitdem sie„durch Gott und gute Leute“ ihrer früher so drückend gewesenen Nahrungs- sorgen enthoben ward, ist sie zusehends wieder aufgelebt. Nunmehr ist der von Herrn Pfr. Weygandt in Eschbach, früher in Cleeberg verwaltete Unterstützungsfonds, so weit er auf der Creditkesse in Oberkleen deponirt war, erschöpft, worauf wir die vielen Gönner der Lea in der Nähe und Ferne hiermit aufmerksam machen. Es waren, wie eine
von Herrn Pfarrer Weigandt in Eschbach aufgestellte und von Herrn Amtmann v. Hugo dahier revidirte Rechnung ergibt, am 25. März nur noch Tolr. 8. 15. 10. verhanden.
Frankfurt, 23. April. Die heute Vormittag zur Eröffnung gelangende Vogel-Ausstellung in der Lederhalle hat einen größeren Reichthum an Thieren als alle Vor— gängerinnen. Ausgestellt sind: 150 Stämme prachtvoller Hühner, 400 Paar Tauben, 300 Stück ausgezeichnete Ziervögel, verschiedene Stämme Gänse und Enten, darunter Locken: Gänse. Als Novität befindet sich daselbst eine Collection Riesenhasen im Gewicht von 18 bis 22 Pfund.
Frankfurt. Kürzlich stürzte sich ein sehe schönes Mädchen aus Soden bei der Ausladestelle an der Wind mühle in den Main. Ein durch seine Wohlbeleibtheit bekannter Bornheimer Bürger vollzog den Act der Rettung. Das Motiv zur That war, daß die Herrschaft des Mäd chens ein Rendezvous demselben zerstörte, den unberufenen Gast polizeilich abfassen ließ und mit Anzeige bei ihren Eltern drohte.
Frankfurt. Kürzlich wurde bei Erdarbeiten in hiesiger Stadt von einem Arbeiter ein ziemlich großer Klumpen Metall, der über und über mit Grünspan de— deckt war, gesunden. Ein Vorübergehender kaufte dem Manne die Masse ab, ließ sie von einem Chemiket unter— suchen und reinigen, wobei sich Goldmünzen mit dem Gepräge von Karl V., Pius II., eine Anzahl spanischer Silbermünzen und einige höchst seltene goldene deutsche Städtemünzen vorfanden.
Frankfurt. Ein hiesiger Metzger ließ in einer Wirtbschaft einen Hundertguldenschein wechseln, was den Wirth merkwürdiger Weise veranlaßte, Anzeige hierüber bei der Polizei zu machen, obschon jener sehr oft bei ihm als Gast veikebrie. Metzger D. wurde wuͤklich in den Clesern-Hof bestellt und darüber befragt, woher er den Hundertguldenschein habe? Der Mann, höchlich über die Frage erstaunt, erwiderte der Wahrheit gemäß dem In— quirenten, daß er sein Haus verkauft, daran 8000 fl. ge— wonnen habe und daß jener Hundertguldenschein von der Anzahlung herrühre. Selbstverständlich wurde unser Mit⸗ bürger darauf entlassen.
Frankfurt. Kürzlich wurde ein Auerhahn in der Gegend von Aschaffenburg gefangen und befindet sich nun im zoologischen Garten dahier. Der schön gefiederte männ— liche Vopel scheint sich gut man seine jetzigen Verhältnisse gewöhnt zu haben; da aber diese Thiere im Allgemeinen die Gefangenschaft nur schwer ertragen, sollte Niemand versäumen, den neuen Ankömmling baldigst zu besuchen. Auf der Storchwiese im Garten bietet sich läglich ein interessantes Schauspiel dar, indem die daselbst befindlichen Störche Besuch von in der Freiheit lebenden Collegen er— halten. Dieselben klappern sich gegenseilig eiwas vor; die gefangenen Slörche schlagen auch zeitweilig mit den Flügeln, gleichsam als wollten sie sich, von ihren Brüdern verleitet, mit in die Freiheit begeben; dies gelingt ihnen jedoch nicht, die Verführer fiegen dann wieder davon.
Braunschweig. Hier muß ein Todier aus eigen— tbümlichen Umständen wieder ausgegraben werden. Der Erbe kann die Erbschaft nicht antreten, weil das vorhandene Testament verloren gegangen ist und man annimmt, daß es durch einen Zufall in den Sarg gekommen sei.
Berlin. In der Roseuthalerstraße erblickte dieser Tage ein normales Mädchen mit dem„Kopfe einer Katze“ das Licht der Well. Der Kopf saß sast ohne jeden Hals an dem Körper, die Ohren hingen lang wie Lappen herunter. Das Kind lebte nur 5 Minuten nach der Geburt. Der Körper ist der Klinik des Herrn Prosessor Dr. Martin übergeben worden.
Berlin. Dem Papa Wrangel hat der Berliner„Ulk“ zum 90. Geburtstag sebr lustig gratulirt, nämlich so: „So viel Schlachten Du geschlagen,— So viel Orden Du getragen,— So viel Pferde Du geritten,— So viel Hurrahs Du erlitten,— So viel Schwerter Du geschliffen,— So viel Backen Du gekniffen,— So viel Toaste Du gered't e hast, So viel Worte Du verdreht bast, — So viel Kinder Du geküßt hast,— So viel Damens Du gegrüßt hast,— So viel Bibeln Du verschenkt hast, — So viel Dativs Du gekränkt hast,— Mich gebrauchend anstatt mir,— So viel Grüße send' ich Dir.
Stetten(Röhn). Küizlich ereignete sich dahier ein sehr bedauernswerther Vorfall: Eine Mutter suchte sich vor dem Schlafengehen zu überzeugen ob ibr Kind ordent— lich gebettet sei, und beleuchtete dessen Lager mit der Petroleumlampe. Da Alles in Ordnung war, schraubte sie die Lampe zurück und blies in den Cylinder. Im selben Momente erfolgte die Explosion der Lampe, und das brennende Oel ward über das Kind und dessen Belt geschleudert, welches soforr in Flammen gerielh. Die Mutter, welche das Feuer zu löschen suchte, hat sich derart verbrannt, daß sie bedenklich darnieder liegt, während das Kind unter schrecklichen Kämpfen am andern Morgen seinen Brandwunden erlag.
Wien. Eine 70jährige Dame dahier will, wenn sie lobt ist, durchaus verbrannt werden. Sie ist eine so be⸗
geisterte Anhängerin des Verbrennens, daß sie einstweilen 30,000 Gulden zur ersten Einrichtung geschenkt hat. Der selige(und seit zehn Jahren auch heilige) Atbues, die Torqumadas und andere Ketzerrichter drehen sich vor Freude im Grabe um, daß das Verbrennen wieder auf kommt. Sie haben es im Großen getrieben und nur ihre Methode war eine etwas andere als die neueste; denn sie haben bekanntlich die Leute bei lebendigem Leibe verbrannt und vorher, um ihnen etwas mehr Lust zu machen, gekitzelt.
Pest. Dahier ist dem Leichtsinne der Männer, welche brennende Cigarren oder Zündhölzchen den Spaziergängern unter die Füße werfen, eine junge Dame von 18 Jahren zum Opfer gefallen. Das Fräulein erging sich mit ihrem Vetter auf dem Josephsplatz, als plötzlich ihre seidenen Kleider in bellen Flammen standen. Von Entsetzen und Todesangst ergriffen, eilte sie in schnellem Laufe dahin und vermehrte dadurch noch das Feuer. Ein Spazier- gänger warf sie zu Boden, wälzte sie hin und her und dämpfte das Feuer, man kam mit Wassereimern und üder⸗ goß sie, das Feuer wurde endlich gelöscht, die Dame in ein denachbarties Haus gebracht und in ein Oelbad gesetzt. Nach drei Tagen aber ist sie unter den größten Schmerzen gestorben. 0
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 22. April. Der heutige Heu⸗ und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete per Cir. 1 fl. 36 kr. bis 2 fl. 24 kr., Stroh per Centner 1 fl. 36 kr. bis 1 fl. 52 kr., Butter 1. Qualität 42 kr., 2. Qualität 40 kr., Eier das Hundert 2 fl. 48 kr.
Frankfurt, 22. April. Fruchibericht. Mehl Nr. 1 27 fl., Nr. 2 25½ fl., Nr. 3 22½ fl., Nr. 4 18 ½ bis 19 fl., Nr. 5 16¾—17 fl., Roggenmehl/(Berliner Marke) 19 fl., do II.(Berliner Marke) 13½ fl. Waizen effected hies. 17½ fl., Korn 12½— 13/ fl., Gerste 13½ dis 13 fl., Hafer 11¼—11¼ fl., Kohlsamen 16 ½ fl., Erbsen 12— 14 fl., Wicken 10 fl., Linsen 12— 17 fl., Rüböl 38 fl. Alle Preise versteben sich auf 100 Kilo.
Mainz, 23. April. Productenmarkt. Waizen per Mai 16 fl. 24 kr., per Juli 15 fl. 57 kr., per Nov. 14 fl. 24 kr. Roggen per April 11 fl. 30 kr., per Mai 11 fl. 33 kr., per Juli 10 fl. 3 kr., per Nov. 10 fl. 12 kr. Hafer per Mai 11 fl. 15 kr., per Juli 11 fl. 20 kr. Rüböl per Mai 17 fl. 20 kr., per Ocl. 18 fl. 48 kt.
D. Frankfurt a. M., 23. April. Nach kurzer Unter⸗ brechung im gestrigen Abendverkehr, wo namentlich Credit⸗ actien maiter lagen, gestaltete sich die Tendenz der Börse heute wieder zu einer sehr günstigen. Von den aus⸗ wärtigen Plätzen, Berlin und Wien, liefern höhere Course ein, welche auf Contreminedeckungen anläßlich des Ultimo zurückgeführt werden. Für alle drei Speculationseffecten en wickelte sich in Folge guter Kaufordres gleichmäßig ein lebhaftes Geschäft. Creditactien hielten sich sest auf 330 und blieben zu diesem Course, nachdem sie noch bis 330¾ gegangen waren. Staatsbahn erhoben sich über ihren gestrigen Abendcours und verkehrten zwischen 336 und 335½. Lombarden zeigten sich ebenfalls besser und wurden zwischen 148½½ und 147½ gehandelt. Oesterr. Bahnen waren größientheils behauptet. Buschtiehrader 2½ fl. höher. Galizier waren auf Grund ihrer sehr beftriedigen⸗ den Mehreinnahme zu 257½ gesucht. Pon Prioritäten wurden besonders wieder Livorneser und Toskaner lebhaft gehandelt. Ungarische Ostbahn beliebt. 3% Lombarden und Ungarisch-Galizische matter. Staaisfonds fest. Silber⸗ rente steigend. Papierrente anziehend. Banken iheil weise gefragt. Deutsche Effectenbank /0%, Rheinische Credit⸗ bank 18/%, Rheinische Effeclendank 1/% höher. Von Loosen 1860 und 1864er bisser. Raab⸗Grazer offerirt. S:. Louis und South Eastern zu 33 notirt. In Berg⸗ werken war der Verkehr recht ammirt. König Wilhelm sind 2, Neu-DOeger und Harzer je 1% besser. Von Wechseln Wien matter.
Verloosung.
DOeslexreichische 1864er Logse. Wien, 15, Apel Gezogene Serien: Nr. 166 322 748 1520 1694 1903
1
2549 3392. Gewinne: Serie 1963 Nr. 5 à 220,000 fl. S. 1963 Nr. 36 à 15,000 fl. S. 2549 Nr. 33 à 10 000 fl. S. 322 Nr. 51 53, S. 748 Nr. 76 à 5000 fl., S. 166 Nr. 73, S. 1520 Nr. 82, S. 2549 Nr. 83 à 2000 fl.
S. 1520 Nr. 28 90, S. 1903 Nr. 32. S. 2549 Nr. 65, S. 3392 Nr. 10 95 2 1000 fl. S. 166 Nr. 7 8 85, S. 748 Nr. 81, S. 1520 Nr 29, S. 1694 Nr. 6 30 96, S. 2549 Nr. 3 6 60 89, S. 3392 Nr. 2 29 53 3
500 fl. S. 166 Nr. 37 S. 322 Nr. 5 30 48 68, S.
748 Nr. 20 64, S. 1520 Nr. 7 68 89 98, S. 1694 Nr. 16 37 43 67, S. 1963 Nr. 40, S. 2549 Nr. 42 48 49, S. 3392 Nr. 7 25 26 32 34 61 79 82 93 98 100 à 400 fl. Alle übrigen in den obenangeführten Serien enthaltenen Nummern 3 180 fl. österr. Währ.
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