wendigste Maß berabzusetzen. Das Gesammt Er⸗ forderniß pro 1875 beträgt 381,782,551 Gulden, oder um 1,482,762 und mit Hinzurechnung der bewilligten Nachtragscredite um 2,802, 762 Gulden weniger als im vorigen Jahre. Die präliminirten Einnahmen betragen 369,429,694 Gulden, sonach ergibt sich ein Deficit von 12,352,857, welches durch Heranziehung der nach dem Gesetz vom 24. Dez. 1873 verfügbaren Rentenreserve gedeckt wird. Der Finanzminister hält für das beste Mittel zur Herstellung des Gleichgewichts im Staatshausbalte die Durchführung der Steuer- Reform und bittet das Abgeordnetenhaus um be- schleunigte Berathung und Beschlußfassung über die vorliegenden diesbezüglichen Entwürfe. Das Bud; get wird dem Finanz⸗Ausschusse zugewitsen.
Schweiz. Bern. Der Nationalrath be— schloß bei der Fortberathung der Militär Organi- sation die Eröffnung eines Lehrkurses für militär⸗ wissenschastliche Fächer am Züricher Polttechnikum.
Frankreich. Paris. In politischen Kreisen ist von einem bevorstehenden Cabinets- Wechsel die Rede: nur der Herzog Decazes würde seinen Posten beibehalten, die andern Minister aber würden fämmtlich ersetzt werden. Dieses Gerücht, welches vor einigen Tagen officizs dementirt wurde, taucht mit erneuter Beharrlichkeit wieder auf.
Großbritannien. London, 20 Ott. Der Großfürst⸗Thronsolger von Rußland und der russische Botschafter, Graf Schuwaloff, haben heute der Kaiserin Eugenie in Chislehurst einen Besuch abgestattet.
— Die Koblengruben-Besitzer in Northumber— land haben beschlossen, die Entscheidung wegen der von ihnen brabsichtigten Lohnherabsetzung von 20 pCt. einem Schiedsgericht anheimzugeben.
Spanien. Madrid. Nachrichten der Re- gierung zufolge bat sich die Zahl der Carlisten in der Provinz Murtia in Folge der Niederlage Lozano's auf hundert reducirt. Das Gerücht, wonach die Lage Pampelunas als eine prekäre bezeichnet wird, ist als unbegründet anzusehen.
Italien. Rom. In Folge einer Beschlag⸗ nahme von Documenten bei den wegen carlisti- scher Auwerbungen verhafteten Individuen löste der Präfekt den Verein ehemaliger päpstlicher Combattanten auf.
Türkei. Konstantinopel. An der persisch türkischen Grenze finden fortwährend Räubereien statt, welche persische Unterthanen auf türkischem Gebiete verüben. Da nun diese persische Re- gierung angeblich die zur Unterdrückung dieses Unwesens erforderlichen Schritte unterläßt, so hat jetzt die bebe Pforte den Commandeur des 4. kürkischen Armeecorps beauftragt, jeden persischen Räuber durch Soldaten auch dann noch verfolgen zu lassen, wenn derselbe sich auf persisches Gebiet geflüchtet haben sollte.
— Oesterreich, Deutschland und Rußland ver— handeln andauernd mit der Pforte, um deren Ein⸗ willizung für den Abschluß von Handelsverträgen mit Rumänien zu erlangen. Jedoch sind keine Anzeichen vorhanden, daß diese Mächte sich über die Zustimmung der Pforte hinaussetzen würden.
Amerika. New Jork. Nach Berichten aus Buenos-Ayres vom 19. October wurde die Congreß⸗Sitzung am 19. October geschlossen. Der neue Präsident Avellaneda empfing das diplomatische Corps. Der Insurgentenführer Rivas wurde ge schlagen. Von Montevideo ist ein Insurgenten- Dampfer mit Mannschaften und Kriegs⸗Vorräthen für die Insurgenten abgegangen.
Australien. Melbourne, 21. Oct. Nach⸗ richten von den Samoa-Inseln melden, daß das deutsche Kriegsschiff„Arcona“ einen Hafen der Samoa-Inseln angelaufen und von der dortigen Re- gierung die Entrichtung der zuvor stipulirten Entschä⸗ digungssumme für die dort angesiedelten deutschen Staatsangehörigen verlangt hat. Zur Herbeiführung der Zahlung sei von den Deutschen ein Gebiets- theil in Pfandbesitz genommen worden, worauf die „Arcona“ den Hafen wieder verlassen habe.
Aus Stadt und Land. Beienheim. Bei der am 14. October stattgehabten
Hürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Huber mit 50 Stimmen wieder gewählt, sein Gegen⸗
candidat konnte trotz aller Anstrengung nur 39 Stimmen erlangen. Des Abends wurde dem wieder Neugewählten von den Wählern ein Ständchen gebracht und unter Musik richtete man den Ehrenbaum auf. Einer der Wähler hielt eine entsprechende Ansprache, die mit einem Hoch! auf den wieder Neugewählten endete, in das Alle mit großem Jubel einstimmten. Unter Musik und Gesang verlebte man hier einen schönen Abend.
Darmstadt, 21. Oct. Herr Ohly hat die auf ihn gefallene Wahl als Bürgermeister unserer Residenz ange⸗ nommen und bereits gestern Vormittag mit Herrn Ministerial-Director v. Stark über diese Angelegenheit verhandelt.
Darmstadt. Auf der internationalen Ausstellung für Hopfen. Bier und Brauerei⸗Gerälbe in Hagenau ha! (von 102 Ausstellern) Hr. Justus Hildebrand in Pfung⸗ adt für das beste Bier den Ehren-Pokal erhalten. Für Hopfen erhielt die goldene Medaille: die Szipio Herth'sche Guts⸗Verwallung Seehof; die bronzene: J. Bodenheber in Heppenheim und das Anerkennungs Diplon: V. Keller in Heppenheim. Für Bier erhielt C. Werger in Worms die filderne Medaille. Für Hopfen-Anlagen, Geräthe c. erhielt F. Flinsch in Offenbach die bronzene Medaille.
Darmstadt. Aus guter Quelle wird den Hess. Volks. blättern die Mittheilung, daß in Folge des verminderten Verkehrs demnächst die Zahl der Odenwaldbahnzüge redu cirt werden soll.
Mainz. In den hiesigen Schlachthäusern wurde eine neue Schlachimetbode probirt und zwar mit glänzen dem Erfolge. Die einfache Vorrichtung besteht in einer Lederkappe, welche dem Thiere über den Kopf gezogen wird und eine Stelle frei läßt, in welche eine Stahlspitze durch einen Schlag mit dem Hammer eingetrieben wird und so in das Gehirn eindringt.
Mainz. Die hiesige Industrie Ausstellung schließ! nach Abzug aller Ausgaben mit einem Ueberschuß von über 16,000 fl. ab.
Bingen. Hier wurde am 20. d. einem Rangirmeister von Mainz das Bein avgefabren. Der Unglückliche ist verheirathet und hat 9 Kinder.
Allerlei.
Frankfurt. Nach dem„Rh. Kur.“ hat die hiesig Handelskammer an die Regierung in Wiesbaden berichtet. daß zur Einlösung des in Frankfurt vorhandenen süd— deuischen Geldes 29½ Millionen Mark nöthig seien.
Marburg, 20. Oct. Heute fand auf dem Rath⸗ hause die erste Civillrauung mit der dem wichtigen Akt enisprechenden Feierlichkeit statt. Die kirchliche Trauung des neuvermählten Paares folgte unmittelbar.
Braunschweig, 20. Oct. In dem seit einigen Tagen verhandelten Processe gegen Brandes und die Wittwe Krebs, wegen Gifimordes, wurden beide Ange— schuldigte zum Tode verurtheilt.
Paris. Oas hiesige Observatorium sagt einen frühen und sicengen Winter sammt häufigem Schneefall von 15. Nov. bis nach dem 15. Januar voraus.
London, 21. October. Heute herrschte ein heflige! Sturm in England und Schottland. Viele Häuser und Telegraphen⸗Leitungen wurden beschädigt. Der Dampfer „Chusan“, von Glasgow nach Shanghai gebend, scheiterte an der schontischen Wesiküfte. Elf Maun der Besatzung sind umgekommen.
Athen. Wie die hiesigen Blätter vom 14. melden, sind dor die deulschen Archäologen schon eingetroffen, welch beauftragt sind, die Ausgrabungen in Olympia au! Kosten des deutschen Reichs vorzunehmen. Die Arbeiten sollten im Laufe des Monats October beginnenz die griechisch⸗ Regierung wird eine eigene Com mission zur Beaussich lig⸗ ung der Ausgrabungen an Ort und Stelle schicken.
Die letzten Tage Friedrichs des Großen (Schluß.)
Es fehlt uns an Raum, besonders hervor stechende Züge aus der Zimmermann'schen Kranken- geschichte anzuführen. Einiges können wir doch nicht unerwähnt lassen. Der Arzt bewundert die weltberühmt gewordenen Augen,„so hat sie,“ sagt er,„Gott vielleicht nur diesem einzigen Königs kopf gegeben“ Er ist von der unbeschreiblichen Anmath der Stimme des Monarchen dingerissen. Weder das Eine noch das Andere hat die Krank— heit zu brechen vermocht. Auch die Gedanken des Kranken sind immer bei seinem erhabenen Beruf; er sreut sich, daß die Ernteberichte über Erwarten gut lauten; er erklärt,— gewiß ein frappantes Wort aus dem Munde eines so unumschränkten Herrschers—:„Ich liebe die republikanischen Verfassungen, aber unsere Zeiten sind dafür zu gefährlich!“— er hält im Gespräche mit seinem Arzte eine förmliche und mitunter sehr scharfe Fürstenrevue ab;— er warat— trotz aller Duld⸗ ung, aus der man so gern Kapital für den Ultra- montanismus schlagen möchte,—„vor dem allent⸗ halben im Finstern schleichenden Natterngezüch! der Jesuiten“; er freut sich und ist stolz auf die Be⸗ triebsomkeit seiner Unterthanen, die aus dem Sand fruchtbares Land und sogar prächtige Weingelände geschaffen;— er erklärte vor allem das Licht zu
sagt er,„ich habe mich gefreut, sie durch den Fürstenbund wenigstens einigermaßen wiederherzu⸗ stellen;“ kurze Zeit vor seinem Tode setzt er eine Umgestaltung des ganzen preußischen Feldlazareth⸗ wesens in's Werk und beruft dazu auf die Empfehlung Zimmermann's den Dr. Fritze aus Halberstadt,
Seitdem die Krankheit immer mächtiger und gefährlicher geworden war, ging der König einige Stunden früher als sonst an seine Arbeit.„Mein Leben ist auf der Neige“, sagte er,„ich muß die Zeit benutzen, sie gehört nicht mir, sondern dem Staate.“ Die Cabinetssecretäre mußten statt um 6 oder um 7 Uhr, schon um 4 Uhr Morgens bei ihm sein. Er besah alle während der Nacht ein⸗ gegangenen Berichte, Depeschen und Briefe, legte, was er selbst lesen wollte, auf die Seite, übergab das Andere den Seeretären und dtetirte dann die Resolutionen, Briefe und Befehle meist wörtlich. Der tödtlich Kranke regierte in 2 bis 3 Morgen- stunden ein ganzes Königreich und erledigte zu⸗
gleich seine auswärtigen Geschäfte durch ganz
Europa. Nachmittags kam das Mundirte zur Unterschrist, und der König unterschrieb nicht, ohne es nochmals durchgelesen zu haben. Nach Erletigung der Morgengeschäfte kam der Küchen⸗ zettel des Tages zur definitiven Entscheidung; zu⸗ gleich mußten alle Producte aus den königlichen Gärten und Treibhäusern die Revue passiren. Die Hand hatte kaum Krast genug, einen Octav-⸗ band zu halten, aber er mochte sich die, Lectüre roch nicht versagen. Um 10 Uhr holte der Stadt⸗ commandant die Parole; dann wurden Audienzen ertheilt. Die Tischgesellschaft erschien nach 11 Uhr, fast immer dieselben Herren, zwar ein für allemal befohlen, aber doch täglich noch extra eingeladen. Die Tafel dauerte sonst 3 bis 5 Stunden, jetzt nur eine halbe. Der Lieblingswein des Königs war Bergerac. Nach der Tafel wurde, nie über ½ Stunde, ein Mittagsschläschen gehalten; in gefunden Tagen fiel auch das aus, und der König begab sich nach eingenommenem Kaffee auf die Terrasse ins Freie oder amüstete sich auf andere Weise. Um 3 Uhr kam der Arzt; eine halbe Stunde später fingen die Geschäfte wieder an. Die Abendgesellschafter(Marquis Lucchesini, General von Görtz, dann auch der Minister von Hertzberg und Graf Schwerin) kamen um 5½ Uhr. Die meist heitere und stets interessante Unterhaltung dauerte bis 8 Uhr. Dann zog sich der König zurück und ließ sich, bevor er einschlief, was ge⸗ wöhnlich um 10 Uhr geschah, von einem jungen Menschen aus Berlin aus dem Plutarch oder Cicero, manchmal aus Voltaire vorlesen. Man kann unter den beständigen Gefährten des Königs die Windspiele nicht vergessen, für die er seit einer langen Reihe von Jahren eine beinahe zärt⸗ liche Zuneigung hegte.
Noch während der Anwesenheit des Dr. Zimmer⸗ mann, also wenige Wochen vor seinem Tode, schrieb Friedrich eigenhändig eine Instruction für einen seiner Gesandten an einem der mächtigsten Höfe; sie war, wie Sachkenner versichern, ein Meister⸗ stück der Politik„In einer aus wärtigen Angelegen⸗ heit,“ erzählt Zimmermann,„die in seinem poli- tischen System auf große Dinge der Zukunft zielte, nahm der schwerkranke König seine Entschlüsse und ließ dieselben am gehörigen Orte äußern, so rasch und kühn als in seinen besten Jahren.“
Noch am 14. August arbeitete und lebte der König wie gewöhnlich; er unterhielt sich mit seinen Gesellschaftern in gewohnter Lebhaftigkeit von den ausgezeichnetsten Personen des dreißigjährigen Krieges. Noch am 15, empfing er die Rapporte, sagte freilich:„es geht schwer; fügte aber hinzu: auch die letzten Augenblicke gehören dem Staate. Noch dictirte er, wie der Minister von Hertzberg mittheilt, diplomatische Depeschen und unterzeichnete sie am Abend desselben Tages, obwohl er kaum noch volle Besinnung hatte. Erst am 16. hatte er aufgehört zu regieren. Wohl erkannte er seine Umgebungen noch, aber— zum ersten und einzigen Mal in dem ganzen Verlauf seiner Regierung— er erinnerte sich der Geschäfte nicht mehr. Noch waren Bewußzisein und Gefühle und das gewohnt Feuer des Blickes nicht ganz verloren, er versuchte
lieben;—„Deutschland ist eine Art von Republik,
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