Ausgabe 
23.5.1874
 
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erl. Huberhessischer Anzeiger.

M61.

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Deutsches Reich. Darmstad:. Nach einer nunmebr getroffenen Bestimmung soll die zweite Kammer am 28. d. hre Arbeiten wieder aufnehmen. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer müder die Cardinalpunkte des Nachtragsbudgets,

N tente tsinitive Erhöhung sämmtlicher Gehalte der mm Staatsbeamten um ¼ und Etatisirung der in 1 olge der demnächst in Wirksamkeit tretenden tuen Gesetze nothwendig werdenden Stellen, e, d ee, chlössig geworden. * N Berlin, 20. Mai. Das Abgeordnetenhaus 4. lümmte der vom Vicepraͤsidenten Löwe proponirten Tenge cbt Derstellung eines Fopers vor dem Sitzungssaal

des Abgeordnetenhauses zu und genebmigte den Ankauf der Suermodt'schen Gemälde⸗Gallerie. Das Mennonitengesetz und die Vorlage über die Justiz

eme dg 6 vrüfung wurden in dritter Berathung, das vom inet fen Dertenhause abgeänderte Zwangs⸗Enteignungsgesetz rt

ene en, auf den Antrag Miquel's und Windthorst's(Biele- eld) ohne Debatte augenommen. Das Abgeord- zetenhaus erledigte hierauf eine Reihe Petitionen, darunter Petitionen mehrerer Synagogengemeinden vegen Gestattung des Austritts aus der Gemeinde, beicksben nt gleichzeitig die Religionsgemeinschaft auf-

zeben zu müssen. Der Regierungscommissär erklärte brüder Eich, Dierbei sein Eigverständniß mit der beantragten 5 Einbringung einer bezüglichen Regierunge vorlage.

Ochtadt e 21. Mai. Das Abgeordnetenbaus lehnte U W

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haufen.

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die Straspersolgung derEupener Zeitung, der Gacela Torunska und desKatholik wegen Beleidigung des Hauses ab und nahm betreffs der Zeschwerde des Abgeordneten Graf zu Stolberg ider die Verletzung der Versassung durch die im kaufe der Session gegen ihn verfügte Haussuchung die molivirte Tagesordnung an. Ferner wurden Wahlprüfungen erledigt. wobei die Wablen Hurtzig's Dangenberg) und Warburg's(Altona) für un- fültig, das Mandat Wendorff's wegen eingetre- Ener Beförderung für erloschen erklärt wurden. Der Präsident verliest darauf ein Schreiben des Bicepräsidenten des Staatsministeriums ausen, worin beide Häuser des Landtages auf Uhr zur Entgegennahme der königlichen Bot 70 in das Abgeordnetenhaus zusammengerusen erden. Ter Prasident gibt cinen Ueberblick der Flebigten Geschäfte, der Alterspräsident dankt J Bennigsen unter lebhastem Beifall des Hauses tur die Leitung der Geschäfte, worauf der Präst⸗ dent mit einem dreifachen enthustastisch aufge-

lerl Heruet.

Statt kite ummenen Hoch auf den Konig schließt. 227 L 20. Mai. Herrenbaus. Fürst Putbus brenn 10 schriftlich an, daß er betreffs der Nordbahn 5 Angelegenheit schristliche Auseinandersetzungen an⸗ Lr srtigen lassen, sowie die Errichtung eines öffent- . lichen Ebrengerichtes beantragen werde. Der 160 a fühert Handelsminister, Graf Jsenplitz, überreicht zteltkit um stenographischen Bericht die vollständige mit bie um Fürsten Putbus über die Nordbahn geführte

Lorrespondenz. Hierauf werden die 50 Millionen Gsenbahn- Anleihe, sowie die übrigen Eisenbabn⸗ Vorlagen, serner das Gesetz über die Betheiligung don Beamten an Erwerbsgesellschaften und das Schuldentilgungsgesetz genehmigt. 21. Mai. Das Herrenhaus nahm in ein 1 naliger Schlußberathung den Gesetzentwurf über Abänderung der Borschristen über Gewerbe Be- utrung der Bäcker, Fleischer u. U w., die Vor⸗ lage über Ankauf der Suermondt schen Gemälde⸗ Gallerie an, genchmigte die Uebersicht der Stagtecinnabmen und Ausgaben pro 1872, den Gesegentwur über die vor Verstellung des Ctats n 1875 zu leistenden Staatsausgaben und die ilgemelne Staats hausbaltungsrechnung pro 1871. Herauf verliest der Präfldent die Einladung zur eemeinschastlichen Sitzung beider Häuser des Land- % um 4 Uhr im Abgeordneten harse behufs igegennabmt der löniglichen Botschaft, gibt en Ueberblick der erledigten Geschäste une schließt 1 Sitzung mit einem Hoch auf den König.

Camp-

In der Affaire der Nordbahn verlautete

am Montag, wie diePost meldet, mit Be stimmtheit, daß der zuständige Staatsanwalt nach den neuerdings bekannt gewordenen Thatsachen entschlossen sei, gegen die Gründer der Berliner Nordeisenbahngesellschaft im Wege der Criminal anklage vorzugehen.

Kiel. Seit einigen Tagen hat die Corvette Nympbe im hiesigen Hasen Anker geworfen. Hinter ihr liegt eine Reise, wie sie wohl wenige Schiffe unserer Nation gemacht haben. In 1000 Tagen bat sie 65,000 Seemeilen oder 16,250 deutsche Meilen zurückgelegt und von diesen nur den sechzigsten Theil unter Dampf, die übrigen unter Segel. 35 Häfen ist sie angelaufen, in denen noch nie vorher ein deutsches Schiff geankert ist. So hat sie überall den deutschen Namen weiter tragen helfen; sie hat diesem Namen Ehre gemacht durch die exacte Ausführung aller Manöver, so daß selbst Engländer mit Bewunderung auf sie blickten. Wiesbaden, 20. Mai. Der Kaiser nabm beute Vormittag zu Fuß eine Harade der hiesigen Garnison ab. Seine Rüstigkeit wurde allgemein

bewundert. Heute Nachmittag fand zu Ehren des Kaisers eine Corsofahrt, morgen findet ein Wett rennen statt.

Am Sonntag, den 24. d. M., wird der Kaiser Wiesbaden verlassen, um sich zu einem Besuch bei dem Kaiser von Rußland nach Ems zu begeben. Von dort erfolgt am 26 seine Rück kehr nach Schloß Babelsberg. Herborn. Die Generalversammlang des nassauischen Protestantenvereins, welche für den 27. und 28. d. M. dabier in Aussicht genommen war, soll etwa 2 3 Wochen später stattfinden. Außer den Vorbereitungen der Delegirten und seinem Vortrag überdas Wesen und die Be strebungen des Protestantenvereins ist mit Rück sicht auf den Versammlungsort als Hauptvortrag in Aus sicht genommen:Einheit, Freiheit und Mannichfaltigkeit in der Kirche und ihr Verhältniß zu einander, oder kürzer gesagt:Recht und Grenze des Subjectivismus. 1

g Ausland. Oesterreich-Ungarn. Pest, 18. Mai. Die Reichsraths-Delegation erledigte das Extra ordinarium des Kriegs-Budgets, indem sie 4,000,000 fl. bewilligte und 1,400,000 fl. ab. strich. Der Titel, betreffend die Fortsetzung der Przempsler Festungsbauten, rief eine längere De batte hervor. Die Delegation entschied dem An- trage des Ausschusses gemäß für die Streichung der hierfür beantragten Ziffer. Das ungarische Unterhaus hat die Anlehensvorlage mit großer Majorität angenommen. Die hier eirculirenden Gerüchte, daß der Reichs-Finanzminister, Freiherr v. Holzgethan, seine Entlassung eingereicht habe, werden von bestunterrichteter Seite als völlig un- begründet bezeichnet.

20. Mai. Die ungarische Delegation er ledigte das Ordinartum des Ersordernisses für das Heer nach den Anträgen des Ausschusses und lehnte die von Szell für mehrere Titel beantragten Gesammtabstriche von 2,500,000 fl. ab, nachdem der Vertreter des Kriegsministers erklärt hatte, daß hierdurch die vitalen Interessen des Heeres gefährdet würden..

Frankreich. Paris, 19. Mai. Fürst Hohenlohe ist heute hier eingetroffen, konnte jedoch wegen der Ministerkrisis noch nicht vom Manschall⸗ Präsidenten empfangen werden. Die mit der Regelung der Bisthums grenzen beauftragte französisch deutsche Commission hat ihre Sitzungen eröffnet. Ihre Mitglieder sind Staaterath Desprez, Director der politischen An gelegenheiten im Ministerium des Auswärtigen, Staats rath Tardif, Abtheilungs director im Cultus ministerium, der hiesige deutsche Botschaftsrath Graf Wesdehlen und der Vicepräsident von Elfaß

Lothringen, Herr Ledderhose.

Spanien. Madrid. DemTiempo zu⸗ folge beabsichtigt die Regierung die Wiederauf nahme der Beziebungen zum päpstlichen Stat!

Bilbao, 19. Mal. Ein Dampfer hat den

Carlisten eine Ladung Geschütze u. Gewehre zugeführt.

Santander, 19. Mai. Bei Bilbao haben ernstbafte Scharmützel stattgefunden. Die Carlisten besetzten und befestigten die Archanda-Höhen und trieben zuerst die Republikaner zurück. Nachdem letztere aber Verstärkungen erhalten, wurden die Carlisten mit großem Verlust wieder verjagt; 30 Gefangene blieben in den Händen der Re gierungstruppen. Die Sieger selbst hatten nage an 100 Todte und Verwundete. Ein starkes car listisches Corps steht noch immer dicht vor Bilbas.

Italien. Rom. DieGazetta d'Italia meldet, in den klerikalen Kreisen Roms sei die Rede von einer sehr heftigen, gegen den Fürsten Bismarck und Deutschland gerichteten Encgclica, welche im Consistorium am Montag habe verlesen werden sollen und bald werde veröffentlicht werden.

Aus Stadt und Land.

Bad⸗Nauheim, 20. Mai. Bei der günfligeren Witterung der letzten Tage spielt unsere Kurkapelle des Nachmittags regelmäßig im Freien auf der Terrasse des Kurhauses und hat sich sosort wieder ein größeres Pudlicum eingestellt. Uebrigens haben wir auch nach dem Auespruch verschiedener Musikkenner an unscrem neuengagicten Musik⸗ direktor Rosenkranz eine vorzügliche Aquisition gemach!. Die Kapelle spielt mit großet Präcision und ist die Aus⸗ wahl det Musikstücke dis jetzt eine vortreffliche. Morgen früh beginnen auch die Frützconcerte von 78 Uhr an den Quellen wieder.

Mainz. DemM. Anzeiger? zufolge soll von Berlin die Erlaubniß zur Umführung der Eisendayn um die Stadi eingeltoffen und gleichzeitig damit der Stadt die Verflichtung auferlegt worden sein, eine sietende Rhein⸗ brücke zwischen Mainz und Castel zu erbauen.

Mainz, 20. Maj. Ein Alteniat eigenthümlicher, räthselhaftet Art wurde gestern an einem biesigen Brief⸗ träger verübt. Es war Abends 8 Uhr, als der Briefträger M. in der Münßergasse noch dienstlich beschäftigt war. Da wurde er auf einmal don drei Kerlen angefallen und mißhandelt; er satzte sich natürlich zur Wehr, andgre Leute liefen inzwischen berbet und zwel der Angreifer nabmen Reißaus, der drinne im Bunde aber wurde von dem aneg⸗ griffenen Briefträger zur Polizei gebracht. M. kennt von dem Trifolium keinen und man weiß nicht, welche Mouve deim Angrisßse unterstelli werden ollen: od Mutl wille, Rache oder gar Raub? Die Untersuchung wird das Räthsel lösen.

Alzey, 19. Mai. In Flonzeim ereignete sich vorige Woche ein böchst trauriger Unglücksfall. Zwei Ardetter, welche in dem Sieinbiuche daseldst mit Sprengen de schäftigt waren, napten sich zu seur einer mit Pulver ge⸗ ladenen Mine, welche nicht lesgeben wollte. Im nämlichen Augenblick saud die Cxplosion stant und beide wurden so stark beschädigt, daß am Aufkommen des Einen gezweifelt wird, während der Andere das Augenlicht gänzlich ver⸗ loten hat.

Auerbach. Unser Ort wird am dritten Pfingsitage die Versammlung mittelrheinischer Gymnasialleyrer auf⸗ nehmen. Als Gegenstände der Besprechungen sind desonders die bei der letzten Berliner Consetenz bebandelten ausetseden.

Die Niederlassungsgesetzgebung und ein Aufenthaltsnahme⸗Formular. Wenn wir noch die Bezeichnung Nieder

lassungsgesetzgebung gewahlt haben, so thaten wir dies mehr um deßhalb, weil wir uns eines allgemeinen theoretischen Gattungsbegriffes be dienen wollten, als daß dies Wort einen wesentlich praktischen, aus der positiven Gesetz gebung sich ergebenden Werth hat. Denn die gegenwartige Gesetzgebung geht viel weniger von dem Standpunkt aus, daß der einzelne Orts- und Staatsbürger mit der Absicht dauernden und lebenslaͤnglichen Verbleibens sich an einen Ort begebe, sondern sie erachtet vielmehr gewissermaßen den Nomadenzustand als den normalen für jeden Einzelnen, wie sich schon aus dem Titel des Gesetzes über dieFreizügigkeit ergibt.

Dennoch würde es uns unangemessen er scheinen, diesen verkehrten Titel und diese ver kehrte Anwendung des BegriffesFreizügigkeit zur Bezeichnung von dauernden und pofltiven per soͤnlich-oͤrtlichen Rechtoverhältnissen zu wählen,