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— 19. Januar. Der Nationalrath hat den Beschlüssen des Ständeraths, wonach die öffent⸗ lichen Spielhäuser bis Ende 1877 zu schließen sind und sämmtliche cantonalen Eingangs-⸗Gebühren dis Ende 1890 ohne Entschädigung aufgehoben werden sollen, zugestimmt.
— 30. Jan. Der Bundesrath erließ, nach; dem Rußland seine Theilnabme zugesagt, Einla- dungen zum internationalen Post⸗Congreß, der am 15. September in Bern stattfinden soll.
Frankreich. Paris. Die Regierung be⸗ schloß die Aufhebung des Paßzwanges in dem Verkehr zwischen Frankreich und Italien. Die Maßregel wird der„Agence Havas“ zufolge als ein Pfand der vortrefflichen Beziehungen mit letzterem Lande betrachtet.
— Der„Univers“ ist wegen Veröffentlichung eines Hirtenbriefs des Bischofs von Perigueux, sowie wegen mehrerer in der letzten Nummer be⸗ findlichen Artikel auf zwei Monate suspendirt worden.
— Der Befehl des Generals Ladmirault be- treffs Suspendirung des„Univers“ gibt als Grund dieser Maßregel an, daß die veröffentlichten Ar; tikel und Documente geeignet schienen, diplomatische Verwickelungen hervorzurufen.
— Der Hirtenbrief des Bischofs von Perigueux, wegen dessen Veröffentlichung der„Univers“ sus⸗ pendirt wurde, behandelt die Eneyclica des Papstes vom 21. Nov. v. J. und enthält die heftigsten Angriffe auf Deutschland, Italien und die Schweiz. Derselbe wird, der„Presse“ zufolge, der Gegen stand einer Klage wegen Amtsmißbrauchs vor dem Staatsrathe sein.
Versailles, 19. Januar. Die National- Versammlung setzte die Berathung des Maires- Gesetzes fort. Ein Amendement Seitens des linken Centrums, die Maires sollten außerhalb des Municipalrathes nur im Falle der Demission oder Amts⸗ Enthebung gewählt werden können, wird mit 363 gegen 337 Stimmen verworfen, der Artikel 2, unter Zustimmung der Regierung unwesentlich abgeändert, mit 363 gegen 328 Stimmen angenommen. Der Deputirte Haentjens erklärt, seine Interpellation über die innere Lage zurückzuziehen.
Holland. Haag, 17 Jan. Nach officielle Meldung aus Penang vom gestrigen Tage ist die wichtige Position der Atchinesen zwischen dem Missigit und Kotapotjoet von den holländischen Truppen genommen und die Verbindung zwischen den Atchinesen außerhalb des Kratons und der Besatzung des letzteren abgeschnitten. Denn der Haupteingang zum Kraton auf der Flußseite ist durch Barrikaden gesperrt, von Kotapotjoet aus befindet sich der Keaton schon unter der Wirkung des Gewehrfeuers. Die Holländer hatten bei dieser Unternehmung 17 Verwundete. Der Feind schlägt sich mit außerordentlicher Tapferkeit, dit Belagerungsarbeiten der Holländer werden unter steten Gefechten fortgesetzt. Die Einnahme des Kratons darf, obschon sie Opfer kosten wird, als nahe bevorstehend betrachtet werden. Ein mit Briefen an den Sultan gesendeter Bote ist im Kraton getödtet worden.
Spanien. Madrid, 18. Jan. Hier ein⸗ getroffenen Nachrichten zufolge sind die aufstän⸗ dischen Banden in der Provinz Burgos in der Stärke von 3000 Mann vollständig geschlagen worden und haben beträchtliche Verluste erlitten. — Der Viaduct bei Toquella auf der Eisenbahn⸗ strecke von Valencia nach Almansa ist bei der Ausführung von Reparaturen eingestürzt. 33 Ar⸗ beiter verloren hiebei das Leben.
Portugalete, 9. Jan. Die Stadt Portu⸗ galtte wird von den Carlisten von der Landseite bombardirt, hat jedoch noch wenig Schaden ge— nommen und wird schwerlich von den Carlisten genommen werden. Doch haben sie den Fluß gesperrt und es ist nur mit Lebensgefahr nach Bilbao zu kommen. Bilbao ist jedoch bis heute noch nicht einmal versuchsweise angegriffen worden; es fehlt den Carlisten noch an der nöthigen Artillerie. Allein sie setzen sich immer fester in den baskischen Bergen und die Regierungstruppen lassen noch immer auf sich warten; es wird schwere Arbeit für sie geben, den Feind zu verjagen, der
vor Kurzem noch zu besiegen gewesen. Da die Briefe nur offen passiren, sind mir nur kurze Angaben möglich. Daß schließlich Don Alsonso und nicht Don Carlos auf den Thron kommt, wird, trotz der wachsenden militärischen Stärke des Letzteren, hier nicht bezweifelt. a
Italien. Rom. Der schmähliche Menschen handel, der mit Kindern aus Italien nach Amerika getrieben wird, fand in der Presse schon seit längerer Zeit die gerechte Verurtheilung. Gleich— wohl schien ee, als ob es den Gerichten nicht möglich wäre, dagegen vorzugehen. Nun hat es ein glücklicher Zufall gefügt, daß auf dem hiesigen Bahnhöfe ein Paar solcher Speculanten sammt ihren unglücklichen Opfern aufgegriffen und dem Gericht überliefert wurden. Hoffentlich wird sie die ganze Strenge des Gesetzes treffen.
Rußland. Petersburg, 19. Jan. Gestern verschied dahier an der Lungen- Entzündung der General-Feldmarschall Graf Berg.
— In Erwiderung auf das kaiserliche Reseript, betreffend den öffentlichen Unterricht, überreichte der Adel von Moskau dem Kaiser eine Zustim- mungs⸗-Adresse.
— Der„Reichs- Anzeiger“ veröffentlicht das Reichs⸗Budget für das Jahr 1874. Die Ein- nahmen sind mit 539,851,656, die Ausgaben mit 536,683,836 Rubel festgestellt. Die Mehr⸗Ein- nahmen betragen sonach 3,167,820 Rubel.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 21. Januar. Soeben durchlauft die Trauerkunde unsere Stadt, daß der allgemein beliebie Kreisthierarzt Born heute Nacht verunglückt ist. Born fuhr gestern Abend auf die Praxis nach Altenstadt und Umgegend. Als Holzarbeiter heute früh durch den Alten- slädter Wald gingen, fanden sie Born unter seiner umge⸗ ftürzten Chaise tod! liegen. Ein Mann spannte eins der Pferde aus und ritt sogleich hierher, um die Nachricht zu über⸗ bringen. Die Beerdigung wird Freitag Nachmittag statifinden.
Bessungen, 18. Januar. Gestern Morgen stürzte ein Knabe von 8 Jahren hier in eine Dunggrube. Der Vorgang wurde von Niemanden beobachtet und als der Hausherr spätler kam, um Jauche zum Düngen seines Gartens zu holen, sah er den Rücken des Knaben, welcher als Leiche herausgezogen wurde.
Allerlei.
Cassel. Im Gegensatz zu der enorm großen Wahl⸗ Betheiligung, über welche aus fast allen Orten Deuischlands berichtet wird, theilt man der„Hess. Morgen⸗Zig.“ aus Empfershausen(Wahlkreis Kassel-Melsungen) mit, daß daselbst gar kein Wähler zur Summ-Abgade erschienen sei! Auch der Wahlvorstand hat dies schöne Resultat nicht durch Abgabe der eigenen Stimme stören wollen.
Zweibrücken. Aus der füdwestlichen Pfalz wird gemeldet, daß in den letzten Tagen wiederum einige Wölfe geschossen wurden.
Weimar. Als einen Beitrag zur Arbeiterfrage theilte die„Weim. Zig.“ unlängst das Curiosum mit, daß der Geselle eines hiesigen Geschäftsmannes diesem schriftlich sein Wegbleiben von der Arbeit für einen Tag angezeigt, weil er einer— Jagdeinladung zu solgen beabsichtige.
München, 18. Jan. Von gestern bis heute Abend sind hier an der Cholera 24 Erkrankungen und 9 Todes- jälle vorgekommen.— Auch in Nymphenburg ist nun die Cholera aufgetreten und hat bereits gestern 2 Opfer ge⸗ fordert. Weitere 4 Personen liegen heute daselbst an dieser Krankheit dar nieder.
Berlin. Als Curiosum, aber auch als charakleristisches Zeichen der Zeit wird der Berliner„Gerichtszeiiung“ unter genauer Angabe der betreffenden Namen und der Wohnung Folgendes mitgetheilt: Zwei ältere alleinstehende Damen, welche hierselbst ein gemeinschaftliches Quartier bewohnen, lassen jetzt regelmäßig, damit durch gewaltsamen Einbruch ihre sehr kostbaren Möbel nicht lädirt werden, beim Ver⸗ lassen der Wohnung die sämmtlichen Spinden, Kasten und Zimmerthüren offen stehen und hängen im Corridor folgen⸗ den Avis auf:„Den Herren Spitzbuben zur Nachricht, daß alle Spinden und Kasten für sie offenstehen. Geld und Silbersachen sind nicht vorhanden.“ Kehren die alten Damen Abends heim, so wird am Eingange laut in die Räume hineingerusen, die Thür stehe noch offen für den Fall, daß sich Jemand in der Wohnung befinde.
Berlin. Ein eben so aufregender als betrübender Vorfall ereignete sich, wie das„Tageblatt.“ berichtet, am 12 d. Mis. in der Mittagsstunde in der großen Reitbahn der Tattersall-Gesellschaft, als gerade eine größere Anzahl von Cavalieren dort versammelt war und eine Quadrillen⸗ probe ritt. Schon am Tage vorher war ein anderer Officier der hiesigen Garnison, Hauptmann v. X., durch sein aufgeregtes Wesen aufgefallen; unter Anderem hatte er plötzlich einen Revolver hervorgezogen und einen Stall⸗ diener eines geringfügigen Versehens wegen erschießen zu wollen gedroht; es war daher Ordre gegeben worden, falls er wiederkäme, ihm kein Pferd zu gehen. Als er nun am gedachten Tage in der Reitbahn erschien und ihm unter allerlei Vorwänden sein Pferd verweigert wurde, machte er sich mit Gewalt Bahn, sattelte sich selbst das
Pferd und sprengte darauf eine Zeit lang ohne weiteres Aussehen in der Bahn umher. Plötzlich aber, ohne alle äußere Veranlassung, sprang er aus dem Sattel, lief nach seinem Mantel, holte den Revolver heraus und drohte, der Reihe nach alle Cameraden zu erschießen, zu allererst aber den bekannten Sportsman Graf v. G. Glücklicher⸗
weise war dieser vorsichtig gewesen und hat damit vielleicht
sich und eine Menge anderer Personen gerettet. Er hatte nämlich, während Hauptmann v. X. ritt, den Mantel des⸗ selben untersucht, in ihm einen achtläufigen, durchweg scharf geladenen Revolver vorgefunden und im Neben⸗ raume schnell und geschickt die scharfen Patronen heraus⸗ gezogen. Als alle acht Läufe dem unglücklichen Excedenten versagten, knickte er zusammen und ließ sich— es war inzwischen polizeiliche Hülse geholt worden— ohne Wider⸗ streben nach einer Heilanstalt abführen. Wodurch der
plötzliche Wahnsinns⸗ Ausbruch des bisher allgemein ge⸗
achteten und beliebten Mannes herbeigeführt worden ist, hat sich bis jetzt nicht aufklären lassen.
Landwirthschaftliches.
E. Die landw. Vereine haben sich in erster Linie die
Aufgabe gestellt, das Genossenschaftswesen auf
landw. Gebiete zu fördern, weil dies der Ausgangspunkt ist, von dem aus mit dem meisten Erfolg auf die Weiter⸗ entwickelung des landw. Vereinswesens und die Hebung der landw. Production überhaupt eingewirkt werden kann.
Zum Zweck der Production sind dem Landwirth eine ganze Reihe von Stoffen unentbehrlich, ohne welche er überhaupt gar nicht profttabel arbeiten kann. Sie bilden in ihrer Gesammtheit sein Betriebskapital, mittels dessen unter zuhilfnabme von Arbeit dem Boden seine Erzeugnisse abgerungen werden müssen. Die Neuzeit stellt an uns immer dringender die Forderung, daß im Verhältniß zur Fläche mehr Betriebskapital und weniger Arbeit aufge⸗ wendet werde, um lohnende Erträge zu erzielen. Es wird daher auch immer mehr nach Mitteln gesucht werden müssen, die es ermöglichen, die erforderlichen Stoffe in der besien Beschaffenheit und um den billigsten Preis zu be⸗ schaffen. In den letzten Jahrzehnten sind eine Menge von Stoffen für den landw. Betrieb zum allgemeinen Be⸗ dürfniß geworden, für die man früher gar keine oder doch nur eine sehr geringe Verwendung hatte, z. B. Hilfs⸗ dünger, Futtermittel, Sämereien. Die Folge hiervon ist einerseits eine ganz erhebliche Preissteigerung derselben, ungeachtet zahlreicher Geschäfte, andernseits häufige Ver⸗ schlechterung und selbst künstliche, schwer zu entdeckende Versälschung der in den Handel kommenden Waaren mit werthlosen Beimengungen. Angefichts dieses haben sich nun die landw. Versuchsstationen(für Hessen in Darm⸗ fladt) die Aufgabe gestellt, den Landwirihen beim Nachweis solcher Verfälschungen an die Hand zu gehen. Sie haben vielfach den Beweis geliefert, daß der Landwirih äußerste Borsicht beim Einkauf anwenden muß, wenn er nicht zu Schaden kommen will. Gleichzeitig hat jedoch die Erfahrung gelehrt, daß dessenungeachtel tagtäglich Fälle vorkommen, wo Einer„hineiniappt“, weil er nicht ge⸗ nügend unterrichtet ist üder die im Handel vorkommenden Unzulässigkeiien, Mißbräuche, Handelsvortheile, absichtliche Täuschungen tc. Die Erfahrung lehrt aber auch tagtäglich, daß der Einzelne sich nicht zu helsen vermag, weil ihm die Keuntniß der besten Bezugsquelle und die Möglichkeit abgeht, die Beschaffenheit der bezogenen Waare bezüglich ihrer Verfälschung der Güte in zuverlässiget Weise zu prüfen oder prüfen zu lassen. Wo aber die Kraft des Einzelnen nicht ausreicht, da ist die Vereinigung derer, die gleiches Ziel verfolgen, geboten. Die Consumvereine,(Verbrauch oder Bedarf ⸗Bereine) bieten mancherlei Vortheile:
1) In denselben lieg: nur einigen Mitgliedern, dem Vor⸗ stande, die Aufgabe ob, sich nach guten, nach den desten Bezugsquellen umzusehen, die Waaren kommen und nach ihrem Eintreffen wieder prüsen zu lassen. Da dies geschäftsmäßig zu gescheben hal und der Vorstand den Mitgliedern gegenüber verantwortlich ist, so geschieht es auch mit weit größerer Sorgfalt und Pünktlichkeit(auch seitens des Verkäufers), als dies bei einem einzelnen Abnehmer der Fall sein würde. Es wird also die Waare besser.
2) Der Preis wird billiger. Jeder Fabrikant, jeder Händler verkauft zu billigerem Preise, wenn ihm eine größere Menge auf einmal abgenommen wird, als wenn er dieselbe an viele einzelne Abnehmer in kleineren Theilen abgeben müßte. immer diejenigen besser daran, die z. B. Knochen⸗ mehl, Rapsmehl, Kartoffeln in ganzen Wagen⸗
ladungen kaufen, als die, die nut centnerweise oder
gar nur pfundweise die Waare beziehen. Auch die Fracht ist geringer bei großen Bezügen und macht den Preis billiger.
3) Dies ermöglicht eine größere Auswahl, indem N
bei ganzen Wagenladungen die Waare aus größerer Ferne bezogen werden kann, ohne erhebliche Mehr⸗ kosten pro Centner. In der Regel sehen die Fabri⸗ kanten und die Händler in nächster Nähe die Bildung
eines landw. Consumpzreins sehr ungern. Sie suchen
die weitere Ausbreitung desselben dadurch zu ver⸗
hindern, oder doch zu erschweren, daß sie ihre Waare 4
den Nichtmitgliedern um eben so billigen oder noch billigeren Preis anbieten.
und wohlfeiler liesern, denn er will und muß ja nicht vom Verkaufs Profit leben, wie der Kaufmann.
4) Es wird in einem Consumvereine eine sehr nutzbringende Anregung gegeben. Er biete,
Gelegenheit zum Bezug einer Reihe für die Wirth,
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71. 955 14 1664 164 257 351 359 50 M. 15607 157 7500 92277 3050 bots 68452
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Aber man lasse sich nicht f irre führen, man vertraue dem Consumvereine, ex 30 kann ja doch auf die Dauer die Waaren besser


