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1874.
Donnerstag den 22. Januar.
N 10.
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Oberhefsischer Anzeiger.
8 Oie Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.
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Areisblatt für den Artis Friedberg.
Erscheint jeden Dienstag, Dennerstag urd Samstag.
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meistertien zuzustellen sind. Friedberg am 20. Januar 1874.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Nachforschungen nach der Heimath eines unbekannten Geisteskranken.
13 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
n an die Gr. Bürgermeistereien, Gr. Polizei-Verwaltung Bad-Nauheim, Gr. Polzei-Commissär in Wickstadt und Gr. Gendarmerie. Nach einer Mittheilung Großberzoglichen Ministeriums des Junern vom 14. laufenden Monats zu Nr. M. d. J. 101 und 423 ist die
Identität des in unserem Ausschreiben vom 13. November vorigen Jahres in Nr. 134 des Kreisblattes bezeichneten geisteskranken Mannes festgestellt
und derselbe in seine Heimath— Hirschthal im Königl. Bayrischen Bezirke Pirmasens— verbracht worden, was wir hiermit zu Ibrer Kenntniß bringen,
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Pfarrämter
Friedberg aum 19. Januar 1874.
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Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 30. vorigen Monats bemerke ich Ihnen, daß dorten irrthümlich, bezüglich Aufstellung der * Beburtslisten, der Jahrgang 1856 statt 1857 angegeben wurde, daher die Listen der im Jahre 1857 Geborenen den Großberzoglichen Bürger⸗
Der Civilvorsitzende Großh. Kreis ⸗Ersatz⸗Commisston.
Tra pp.
1 Deutsches Reich. Darmstadt, 19. Jan. Se. Gr. H. Prinz
Alexander und der Flügeladjutant Sr. K. H. des Broßherzogs, Major v. Küchler, sowie Major 5. Rotsmann, sind heute Morgen 7 Uhr 20 Min. zu den Vermählungsfeierlichkeiten des Herzogs zon Edinburg und der Großfürstin Marie nach St. Petersburg abgereist.
Berlin. Die Berufung des Reichstages oll für die Mitte Februar nunmehr in Aussicht zenommen sein. Dit Reichstags Session soll dann vom genannten Tecmine bis Ostern sich erstrecken; udessen wird schon jetzt vielfach darauf hinge- viesen, daß diese Frist selbst bei der angestreng⸗ esten Geschäfts⸗Thätigkeit der Reichsbehörden und ves Reichstages keinenfalls ausreichen dürfte. Die
„N. Z.“ voraussicht— wohl bis in den Juni cichen.
— 19. Jan. Abgeordnetenhaus. Neu ein- zegangen sind Regierungsvorlagen, betreffend Er— Iinzungen der Mai⸗Gesetze und die Verwaltung kledigter bischöflicher Diöcesen. ritt in die Tagesordnung nimmt Schorlemer-Alst as Wort, um zu constatiren, daß er in der Freitagssitzung, nachdem Fürst Bismarck gesprochen, ich ohne Absicht entfernt habe, und sucht nach— uweisen, daß er in seiner Rede des Fürsten Dilaubwürdigkeit nicht angezweifelt habe, vielmehr Leine Rede irrthümlich aufgefaßt sei. Hierauf wird ie dritte Berathung des Civilehe-Gesetzes fort- fesetzt, welches überall mit den Miquel'schen An- weägen angenommen wird und am 1. October 1874 Nl m Kraft treten soll.
f 19. Jan.
Abgeordnetenhaus. Längere Dioebatten rufen mehrere Resolutionen betreffs der Entschädigung der Geistlichen für den ihnen durch das Civilehe⸗Gesetz entstehenden Verlust am Ein- bommen hervor. Die Regierung spricht sich gegen zie Resolutionen aus und will erst Erfahrungen nuachen. Ein Antrag Miquel's auf Ermittelung tes Verlustes und Etatistrung desselben pro 1874 pird in namentlicher Abstimmung mit 173, gegen 166 Stimmen abgelehnt.
„— 20. Jan. Das Abgeordnetenhaus erledigte den Rest der Schlußbestimmungen des Civilehe- 1 setzes, wonach alle älteren entgegenstehenden Be- immungen aufgehoben werden, namentlich das everbot wegen Religions verschiedenheit. Ein ntrag Gerlach's auf Erhaltung des Taufzwanges ind Beibehaltung des Verbots der Ehe zwischen Juden und Christen, gegen welchen der Cultus-
Session des Landtages wird daher— wie die
Vor dem Ein-
minister sich ausspricht, wurde abgelehnt, ein An- trag Petri's, wonach das Scheidungsverbot wegen Religionsverschiedenheit aufgehoben sein und anstatt der Trennung von Tisch und Bett wegen des religibsen Bekenntnisses vollständige Scheidung ein- treten soll, obschon der Justizminister diese wichtige Materie nicht bei der jetzigen Gelegenheit beiläufig entschieden wissen will, genehmigt. Die namentliche Schluß Abstimmung über das ganze Gesetz soll morgen stattfinden. Es folgt die erste Lesung der Propinzialordnung, welche an eine Commisston von 21 Mitgliedern verwiesen wird. Hierauf wird die zweite Berathung des Etats fortgesetzt.
— 19. Jan. Unmittelbar nach dem in Gegen- wart der Kaiserin und des Kronprinzen abgehaltenen Ordens- und Krönungsfestes begab sich der Kron— prinz nach dem Ostbahnhofe, wo er von der Kronprinzessin und dem Herzog von Koburg zur Abreise nach Petersburg erwartet wurde, die als- bald mittelst Extrazugs über Königsberg erfolgte.
— Nach dem Gesetz von 1851 über die classificirte Einkommensteuer kamen in die höchste Stufe mit 7200 Thlr. jährlicher Steuer die- jenigen Personen, welche ein Einkommen von 240,000 Thlr. jährlich und darüber besassen. Das Gesetz von 1873 läßt aber noch weitere Stufen zu. In Folge dessen sind, der„Nal. Zig.“ zufolge, für das Jahr 1874 hier in Berlin 2 Personen mit einem Einkommen von 600,000 Tholr. jährlich zu einer Steuer von 18,000 Thlr. eingeschätzt worden.
— Vom Culusnminister ist jüngst eine Ver- fügung ergangen, die sich auf den Religions-Unter— richt in den Elementar-Schulen bezieht. Der Minister spricht in dieser Verfügung aus, daß es in Folge der Spaltung der katholischen Kirche als eine Forderung der Gerechtigkeit und Billig- keit erscheine, daß den Eltern und Vormündern latholischer Kinder und Pflege-Befohlenen, je nach— dem die Erziehung in einer der beiden Richtungen gewünscht wird, die Möglichkeit gewährt werde, die Schulkinder den Einflüssen des der anderen Richtung angehörigen Religions-Lehrers zu ent— ziehen. Es sollen daher katholische Schüler auf Antrag der Eltern oder Vormünder von dem Religions-Unterricht in den Elementar-Schulen dispensirt werden, sofern dargethan ist, daß der— selbe durch andere von der Regierung als ge— nügend erachtete Personen ertheilt wird. Als genügend qualisieirt für diesen Unterricht sollen insbesondere ordinirte katholische Geistliche und geprüfte Lehrer angesehen werden,
— Dem Vernehmen nach erfolgt die Exöss⸗ nung des Reichstags am 5. Februar. Der Land⸗ tag wird am 17. spätestens 20. Februar vertagt.
Dresden, 19. Jan. Die erste Kammer hat heute fast einstimmig den in der zweiten Kammer gestellten Antrag auf Aufhebung der§§. 92 und 103 der Versassung und Einführung des Princips der Pairs-Ernennungen verworfen.
Aus Thüringen. Der weimarische Land⸗ tag tritt nächsten Sonntag hier zusammen und wird Namens des Großherzogs vom Staats- Ministerium eröffnet.— In Meiningen wird der Landtag auf Mitte Februar berufen und dem⸗ selben eine revidirte Gemeinde-Ord nung und ein Dissidenten-Gesetz vorgelegt werden. Die Wahl- Resultate aus Thüringen sind jetzt alle bekannt. Der härteste Kampf bestand im Eisenacher Kreis, wo sich die 10,206 abgegebenen Stimmen auf nicht weniger als fünf Candidaten vertheilten.
Karlsruhe. Der badische Landtag wird aller Wahrscheinlichkeit nach bei oder kurz nach Einberufung des Reichstages vertagt und wohl erst im Herbst wieder einberufen werden. Welche Vorlagen dadurch ebenfalls in der Erledigung vertagt würden, läßt sich jetzt noch uicht völlig übersehen. Jedenfalls aber m üüß ie noch das Finanz-Gesetz erledigt werden.
Kassel. Dem Vernehmen nach bat sich ein bekannter eifriger Anhänger der Bilmar'schen kirch⸗ lichen Richtung, der Amtsrichter Kraushaar in Niederaula, geweigert, im Auftrage bezw. auf Antrag des k. Consistoriums zu Kassel, die reui⸗ tenten Pfarrer Hast in Frielingen und Baumann in Kerspenhausen wegen ihrer Renitenz im Unter- suchungs- Verfahren zu Protokoll zu vernehmen, und hat diese Weigerung in einer Form ausge- sprochen, daß er alsbald vom k. Appellations⸗ Gericht in Kassel in Disciplinar-Untersuchung gezogen, und ein anderer Amtsrichter mit dem Verfahren gegen jene renitenten Geistlichen deauf⸗ tragt worden ist. Kraus haar soll im Jahre 1848 schon aus religiösen Bedenken sich geweigert baben, bei Schließung der Civilehen amtlich mitzuwirken; bei der demnächstigen Wieder Einführung der Civilehe würde er da jedenfalls auch wieder in Conflict kommen.
Ausland.
Schweiz. Bern. Von 100,000 ftimm-⸗ fähigen Bürgern des Cantons Bern stimmten 70,000 für das von dem Regierungsrath vorge⸗
schlageue liberale Kirchengesetz, 16,000 dagegen.


