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unterhaltend, saßen wir im Coupé, plötzlich ertönte ein gellender Pfiff, und in demselben Augenblicke empfinden wir einen Stoß, Springen und Schwanken der Wagen, daß wir entsetzt aufsprangen und uns feftzuhalten suchten, doch dieses dauerte nicht lange und gleich darauf trat Ruhe ein. Schnell beraus, und was sahen wir, die Maschine batte sich mit ihren Rädern in den Boden ge⸗ wühlt, wäbrend der vordere Theil des Zuges aus den Schienen herausgekommen und zusammen gedrückt au dem Boden stand. Glücklicherweiie war Niemand verletzt
Allerlei.
Ober⸗Ursel. Der hiesige katholische Pfarrberr, Frhr · Rudolph v. Linde, ist bereits zwei Jahre in Rom, um eine Beschwerde gegen seinen Bischof(den von Limburg) bei der römischen Curie vorzubringen. Der Proceß ist nun in letzter Instanz beendet und entschieden. Linde bat, wie der„Taunusbote“ mittbeilt, nicht in allen Punkten
d Recht bekommen; allein seine neulich erfolgte Ernennung
zum päpfstlichen Ehren⸗ Kämmerer ist(wie das Blatt
meint) jedenfalls das Zeichen höchster Anerkennung seiner Angelegenheiten.
Berlin. Mit dem am 10. October, Morgens 6 Uhr dom Berlin⸗Anhaltischen Bahnhose nach Halle gehenden Zuge fuhr ein böchst anständig gekleideter Herr ganz allein in einem Coupé zweiter Classe. Derselbe bemerkie dem Schaffner, daß er— obwobl er bloß ein Billet bis Witten— derg batte nach Halle reisen wolle; in Wittenberg werde ibm Jemand ein Retourbillet bis Halle bringen. Auf dieser Station kam auch eine anständig gekleidete Frau an ein Coupé, brachte ihm desagtes Billet, unterhielt sich sehr lebhaft mit ibm und rief ihm beim Abgang des Zuges zu:„Ich werde beute den ganzen Tag an dich denken!“ Als der Zug in Bitterfeld anlangte, öffnete der Schaffner das Coupé und fand den Passagier in seinem Blute chwimmend. Derselde bafte sich die Hals- und Pulsadern mit einem Rafirmesser aufgeschniiten. Der Selbstmoͤrder war etwa 30 Jabre alt, sehr fein gekleidet und itug eine zoldene Brille. Ueber Person und Motive der That fehlt
sgoch jeder Anhalt.
1 Berlin. Eine eigenthümliche Erscheinung ist ses, daß In Deutschland so wenig Neigung und Geschick für den Zeruf der Wanderlebrer vorbanden ist. Die„Gesellschaft ur Verbreittung von Volksbildung! hat eine Wander— ehter⸗Stelle füt ein verhältnißmäßig recht gutes Gehalt hon seit Jabr und Tag ausgeboten, ohne daß sich dazu Dewerber gefunden bätten, deren Eigenschaften eine feste Unstellung ermöglichten. Freilich würden sich vielleicht ic die Stelle ausgezeichnete Kräfte finden, wenn die Besellschaftstatt eines verbältnißmäßig recht guten Gehaltes n ungewöhnlich hohes bieten könnte, ein so hohes, daß lichtige junge Gelehrte sich entschlössen, auf einige Jahre ne Wanderlehrer- Stelle anzunehmen, lediglich in der ösicht, sich durch die Ersparnisse in den Stand zu setzen,
lngere Zeit brodlose Lieblings-Studien betreiben zu nnen. Aber dazu reichen die Mittel der Gesellschaft,
gegen die sich unsere gebildeten und woblhabenden Mittel—
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tassen sast in allen Städten noch sehr kühl verhalten, toch lange nicht aus. Hunderttausende von Thalern Urstehen die Missions⸗Gesellschaften alljaorlich aus deutschen Iaschen hervorzulocken, Kaffern, Hotlentotten, und Cbinesen um Christentbume zu bekehren, aber für die Belehrung or den Schulen entwachsenen Deutschen hat man nur n wenigen Orten seviel Interesse, um in angemessener inzehl sich einer an sich vortrefflich organisirten Gesellschaft Azuschließen, die einen Jahres-Beitrag mindestens 2 Thlr. drlangt.
Berlin. Der Schah von Persien hält die französischen Hassepoigewehre zu orientalischer Kriegsführung für voll⸗ endig ausreichend und hat durch seine Regierung 60,000 Stück um ein Billiges von dem deutschen Kriegsmini— rium ankaufen lassen, die jetzt mit Erlaubniß der üssischen Behörden, über Riga zollfrei nach Persien ver— aden werden.
London. Ein merkwürdiges Exemplar der englischen ssenschaftlichen Zeitschrift„Quarterly Review“ befinden
sich unter Glas und Rahmen im South-Kensington— Museum zu London. Dasgselbe ist aus dem Jahre 1819 datirt und enthält ein Urtheil über das damals neu auf⸗ getauchte Project, eine Eisenbahn mit Dampfbetrieb anzu⸗ legen, mit der man zweimal so schnell als mit der Post befördert werden könne. Dieses Urtheil lautet:„Wir find nicht die Befürworter phantaslischer Projecte, welche sich auf nützliche Institute beziehen. Wir verspotten die Idee einer Eisenbahn als practisch unausführbar! Gibt es etwas Lächerlicheres und Abfurderes, als das Project eines Dampswagens, welcher zweiwal so geschwind gehen soll als unsere Postwagen? Eber ließe fich erwarten, daß man sich im Artillerie-Laboratorium zu Woolwich mittelst einer Congreve'schen Rakete befördern läßt, als durch die Gnade einer doppelt so schnell als unsere Poftwagen laufenden Locomotive.“ So dachte man 1819 von Eisenbahnen.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 17. October. Die Preise auf unserem beutigen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 12 fl. 40 kr.; Korn(90 Kilo) 9 fl. 23 kr.; Gerste(80 Kilo) 8 fl. 15 kr.; Hafer(60 Kilo) 6 fl. 23 kr.; Molter (90 Kilo) 9 fl.— kr.; Erbsen(110 Kilo) 12 fl. 10. Linsen(100 Kilo) 10 fl.— kr.; Samen(90 Kilo) 13 fl. 16 kr.; Kartoffeln(100 Kilo) 1 fl. 45 kr.
Frankfurt, 17. Oct. Der heutige Heu- und Strob⸗
markt war ziemlich befahren. Heu kostele per Cir. 2 fl. bis 3 fl. 6 kr. Stroh per Centner 1 fl. 30 kr. bis 1 fl. 40 kr. Butter 1. Qual. 44 kr., 2. Qual. 42 ke. Eier das Hundert 3 fl. 30 kr. Kartoffeln per 200 Zoll— pfund 2 fl.— kr. ö Mainz, 17. Oct. Productenmarkt. Waizen per Nov. 12 fl.— kr., per März 20 f. 25 kr., per Mai 20 fl. 25 kr. Korn per Nov. 9 fl. 55 kr., per März 16 fl. 30 kr., per Mai 16 fl. 30 kr. Hafer per Nov. 10 fl. 40 kr., per März 18 fl. 35 kr., per Mai 18 fl. 30 kr. Rüböl per Oci. 17 fl. 15 kr., per Mai 32 fl. 5 kr. Raps per April 29 fl. 50 kr.
Marburg, 17. Oet. Wochenmarkt. Butter koftete 1 Pfd. 12—13 Sgr. Eier 1 St. 8 Hlr. Käse pr.
Stück 10— 13 Hir. Kartoffeln 2 Liter 12— 16 Hlr. Tauben das Paar 4—5 Sgr. Hahne 1 St. 6—8 Sgr. Hühner 1 St. 7—9 Sgr. Gänse 1 St. 20—40 Sgr. Hasen 1 St. 1 Thlr. bis 1 Thr. 5 Sgr.
Verloosung. ö Anleihe der Stadt Brüssel vom Jahre 1872. Ziehung am 10. Oetober. Auszahlung am 1. April 1875, Hauptpreise: Nr. 324096 25,000 Frs., Nr. 258959 500 Frs., Nr. 1088 17956 29516 33666 41865 66070 72329 76812 94749 96006 115797 142401 145485 18064 199825 210935 214237 216370 216717 217809 219163 220992 265075 267660 278669 281912 289149 303620 312996 318018 323864 326867 332156 346181 je 250 Frs.
Landwirthschaftliches.
Bornagius in Fauerhach 1 fl.;
Haltung der Hühner in fahrbaren Ställen. Es hat wohl jeder Landwirtb schon oft mit Bedauern den mehr oder weniger großen Ausfall an Körnern ꝛc. be— obachtet, det bei der Ernte fiattfindet und sich selbst bei der vorsichtigsten Arbeit nicht vermeiden läßt. Diese Körner müssen natürlich als verloren angesehen werden, und können manchmal nach ihrem Aufgehen äußerst lästig fallen. In England bat man sich da auf ganz rationelle Weise zu helfen gesucht, und die betreffenden Farmer sind mit den Erfelgen sebhr zufrieden. Man bringt nämlich die Hühner in fahrbaren Slsällen, die ca. 6 Fuß lang, 3-3 ½ breit und 4% boch sind, und deren Boden sich ca. 8 über der Erde befindet, auf das abgeerntete Feld und läßt die Thiere da laufen. Stall zurück können, muß die Thüre so angebracht sein, daß sie, herunter gelassen(also geöffnet), eine Art Treppe bildet. Auf diese Weise erzielt man nicht nur eine vor-
228441 228741 211117 232027 Pfarrer zu Bingendeim.
falls bereit
ö hessischen An ˖ 0 7 1 Damit sie leicht in 14 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und
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zügliche Verwerthung sonst nutzlos verloren gehender Körner, sondern es werden auch gleichzeitig zahlreiche Samen von Unkräutern und große Mengen àußerst schädlicher Insekten vertilgt, die nun, anstatt zu schaden, sich in werthvolle Produkte verwandeln.
Das Salzen der Butter. Diese so empfehlens⸗ wertheste Arbeit, die nicht nur die Aufgabe hat, die Butter zu würzen, sondern auch in nicht geringem Grade zu Conservirung derselben beizutragen, ist in Sübddeutschland nur sehr wenig bekannt und noch weniger im Gebrauch. Auch die bestgewaschene Butter läßt sich nur wenige Tage srisch aufbewahren; die zurückgebliebenen Eiweißstoffe und phosphorsauren Salze bieten ganz die geeigneten Beding⸗ ungen zur Entwicklung von Fermenten, die auch das Butterselt in den Kreis ihrer Zersetzungen hereinziehen und dasselbe in Glycerin und übelriechende und übel⸗ schmeckende Fettsäuren umwandeln. Nach den Angaben Alex. Müller's zieht das Salz, wenn es der Butter eingeknetet wird, zunächst die Feuchtigkeit aus ber ein⸗ geschlossenen Buttetmilch an sich und vereinigt sie zu größeren Tropfen, die bei dem nachher erfolgende Kneten ausgepreßt werden können. Um feinen Zweck zu er⸗ füllen, muß das Salz aber richtig zerkleinert werden; es darf weder zu grob noch zu fein sein. Zu fenies Salz ist nicht im Stande, die Buttermilch zu größern, ausknet⸗ baren Tropfen zu vereinigen; zu grobes Salz vertheilt fich unvollständig und bewirkt die Bildung von Tropfen erst nach längerer Zeit. Ein anderes Mittel, die Buttermilch ganz zu entfernen oder unschädlich zu machen hat man bis jetzt uicht; sie ist so fein und innig mit der Butter gemengt,
daß sie sich weder durch das fleißigste Kneten, noch durch
den Druck speciell zu diesem Zweck construirter Butterpressen vollständig entfernen läßt,
8 Aufruf. Am 25. September wurde der Kubbirte zu Leidhecken Johannes Marbach IV. vom Gemeinde— ochsen dermaßen zerfleischt, daß er nach entsetzlichen Leiden 3 Tage darauf(37 Jahre alt) verschied. Er hinterläßt eine Frau mit 6 Kinderchen, von welchen das jüngste ½¼ Jahr alt ist, in tiefster Armuth und großer Bedrängniß. Unter- zeichneten richten an alle barmherzigen Menschen, welchen diese Zeilen zu Gesicht kommen, die in— ständige Bitte, den Unglücklichen eine Gabe zuzu— wenden, und erklären sich zu deren Empfangnahme und zweckmäßigen Verwendung bereit. Dr. Römheld, Selzam, Bürgermeister zu Leid!
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Zur Empfangnahme von Gaben erklärt sich eben— Die Erped des Oberh. Anztigets.
Bei der Expedition sind eingegangen: von Pfarrer A. Feiling 35 kr.; von einer Gesellschaft in der Restauration Schenk in Bad- Nauheim 5 fl.; von J. W. in Bönstadt 1 fl. 45 er.; von
Director Dr. Matthias 1 fl.; von Director Dr. Schwabe I fl. 45 kr.; Ungenannt 1 fl.
Aecht külnisches Wasser
von Johann Maria Farina. Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober⸗ zeigers in Friedberg empfehle ich 45 kr. per Glas gehorsamst.
Johann Maria Farina in Cöln.
Hofraithe⸗& Güter⸗Versteigerung. 2124 Montag den 26. Oktober d. J., Vormittags Uhr, sollen in hiesigem Rathhause die nachbeschriebenen Immobilien des hiesigen Bürgers Georg Sellin auf gefen freiwilligen Antrag öffentlich meistbietend ver— seigert werden:
Gemarkung Friedberg.
Flur. Nr. Klftr.
2. 453. 11½0. Hofraithe in der Stadt,
5. 39. 150. Grabgarten am kleinen Wild-
kautsgraben, Gemarkung Fauerbach b. Fr.
Flur. Nr.[Meter.
3. 136. 1056. Acker an der der Schlockergaß, 3. 137. 1063. Acker daselbst,
3 142. 525. Acker daselbst.
Friedberg den 16. Oktober 1874.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. Fon eee x.
9½7 Die Bezahlung der am 1. September l. J. fällig gwesenen Holzgelder wird hiermit in Erinnerung ge— bracht. 2 Schloß Ilbensladt den 15. Oktober 1874. Gräflich Leiningen-Westerburgische Rentei. Wiens u.
werden an alle Zeitungen vermittelt.
Carl Bindernagel's
Annoncen-Erpedition.
Bekanntmachungen aller Art: Gesuche, Offerten, Benachrichtigungen, Waaren⸗Empfehlun Berechnet wird nur der Deiginaspreie der betreffenden Zeitung. Die Annoncen-Aufgeber sparen also Briesschreiben, Zeit und Porto.
en, Versteigerungen
Bekanntmachung.
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3126 Am Dienstag den 27. Oktober er., Vormittags 11 Uhr, soll hier ein vollständiges, noch gut erhaltenes Bett, bestehend in 1 Strohmatratze, 1 Roßhzarmatratze, 1 Waldhaar⸗Kopfpfuhl, 2 Feder-Kopfkissen, 1 Feder⸗ Bettdecke ꝛc. öffentlich meistbietend verkauft werven. Die Verkaufsbedingungen werden bei der Weitazer
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ung bekannt gemacht. Friebberg den 17. Oktober 1874.
Koͤnigliches Postamt. J, N
Hennemann.
bel K. Friedrich neben der Post.
Glace-Handschuhe
Ein braver Junge
kann in die Lehre treten bei
H. Hieronimus, Sattler und Tapezter.
Diegel,
3114
über den Werth des Kircheubesuchs,
Preis 14 kr.,
bringe ich in empfehlende Erinnerung.
Carl Bindernagel.


