Eisenach. Der diesjährige Congreß der sog. Katbeder-Socialisten hat zwar äußerlich weniger
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Staub aufgewirbelt, als die früheren Congresse, dürfte sich aber leicht in seinen Wirkungen tiefer und nachhaltiger wirksam erweisen. Was einen ernstlichen und bleibenden Werth für sich in An- spruch nehmen darf, das sind die socialen Gesichts · punkte, welche deutlicher als jemals vorher in den Vordergrund treten, und welche, insofern sie als maßgebend und nicht mehr bloß als nebensächlich zu gelten beanspruchten, eine neue Richtung in unserer socialen Entwickelung anbahnen. Daß dem Kleingewerbe durch schärfere Ausprägung des Lehr—
lingswesens geholfen werden müsse; daß der unter
einem Theile unferer Arbeiter eingerissenen Gesetz und Zuchtlosigkeit durch gesetzgeberische Maßregeln kräftig zu steuern sei, daß fernerhin die gesetzliche Regelung und Normirung des Hülfskassenwesens Spanien) angerichtet hat.
Großbritannien. London. Die Kaiserin von Rußland ist am 15. d hier angekommen.
Spanien. Aus Santander wird unterm 15. gemeldet, daß die Carlisten⸗ Expedition nach Castilien unter Mongroolsi durch die Regierungs- Generale Blanco und Sillegas zurückgeschlagen wurde.
Madrid. Regierungsnachrichten zufolge er— schossen die Carlisten 4 Beamte der Südbahn.— Die Carlisten verloren bei Amposta 2 Kanonen
und 1000 Tode und Verwundete.— Espartero
ist erkrankt.
— Der Abfall carlistischer Bataillone in Bis- caya wird von carlistischer Seite dementirt.
— Es laufen täglich Berichte ein über das schreckliche Unglück, welches die Ueberschwemmung des Seegreflusses in Tarrega(Provinz Lerida in In Tarrega selbft
nicht länger verschoben werden dürfe— das sind stürzten 250 Häuser ein und man fand bis jetzt
Gedanken, welche im Großen und Ganzen allge— meine Zustimmung finden. Höhere und niedere Beamte aus Deutschland wie auch mebrere Russen und Holländer nahmen am Congresse Theil.
Coburg. Landtag des Herzogthums Coburg vertagt, nach— dem er ein liberales Volksschulgesetz angenommen hatte. Ueber einen Punkt konnte er sich lange Zeit mit der Regierung nicht einigen, nämlich darüber, daß die Or tegeistlichen, wie die Regierung wollte, gesetzliche Mitglieder des Schulvorstandes sein sollten. Er gab jedoch schließlich nach, da sonst das Gesetz nicht sanctionirt worden wäre, wie Seitens der Regierung aufs Bestimmteste er— klärt worden war.
Stuttgart. Glaubwürdigem Vernehmen zufolge ist die durch Mittheilungen der„Konst. Zeitung“ und der„N. fr. Presse“ hervorgerufene Untersuchung gegen den hiesigen Prälaten Kapff nunmebr abgeschlossen. Die von dem Präsidenten des Consistoriums, Staatsminister v. Golther, per- sönlich geleitete Untersuchung hat die völlige Schuld— losigkeit Kapffs ergeben.
Ausland.
Schweiz. Bern. Der Nationalrath beschloß bei der Fortberathung der neuen Militär⸗Organi⸗ sation die Eintheilung der Bundes- Armee in acht, statt der bisherigen neun Divisionen.
Frankreich. Paris. Der„Soir“ will wissen, daß die italienische Regierung durch die Angriffe Thiers' gegen die französische Regierung empfindlich berührt worden sei und Thiers habe wissen lassen, sie fürchte, die Verlängerung seines Aufenthaltes in Italien werde die Harmonie zwischen letzterem und Frankreich stören.— Diese Nachricht des„Soir“ entbehrt der Begründung.
— Das„Memorial diplomatique“ theilt mit, daß die französischen Behörden des Departements der Nieder-Pyrenäen das spanische Schiff„Nieve,“ welches mit Waffen für die Carlisten beladen von Antwerpen kam, in der Soccobai in Beschlag genommen und dem spanischen Consul in Bayonne übergeben haben.
— Frau Bazaine ist seit dem 16. d. mit zwei ihrer Kinder in Paris, wo sie Vermögens⸗Ange⸗ legenheiten zu ordnen hat.
— Der Unterrichtsminister wird der Absetzungen im höheren und mittleren Lehrerpersonal nicht müde. Nachdem er in der letzten Zeit seinen Eifer an Professoren der Facultäten und Unterrichtsanstalten im Norten und Süden zur großen Befriedigung aller Sacristeien bewährt hat, läßt Cumont seinen klerikalen Muth an Frau Pape ⸗Carpentier aus, der Vorsteherin zahlreich besuchter Lehr- Curse, in welchen Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen für die Kleinkinder-Bewahr-⸗Anstalten gebildet werden. Es sei ein wahres Glück, schreibt der„Monde“, daß eine Freidenkerin, wie Frau Pape Carpentier, verhindert werde, noch länger bösen Samen aus- zustreuen. Die„Freidenkerin“ geht mit ihren Kindern regelmäßig in die Messe und wurde stets für streng kirchlich gehalten; aber sie war nicht ultramontan und den Lehrschwestern ein Dorn im Auge, denen sie mit den tüchtigen Volkslehrerinnen, welche sie seit 25 Jahren herangebildet hat, in
Am 14. d. wurde der Sonder-
ganz Frankreich Concurrenz macht.
bereits 150 Leichen. In Guimera gab es 33 Todte, worunter der Alcalde mit seinen zwei Töchtern, in Anglesola 28, in Velabonsa 13 und in Clare— vals 11 Todte. Die Gemeinde Tarres ist ganz verschwunden.
Italien. Rom. Die Polizei verhaftete am 13. d. zwölf römische Bürger, welche in carlistischer Uniform aus Spanien hier eingetroffen waren, um für die Carlisten Waffen anzukaufen und Rekruten anzuwerben.
Amerika. Philladelphila. Der„Times“ wird von hiergemeldet: Nach den vorliegenden Wahlergebnissen sind in den 63 pennsylvanischen Districten 35, Republikaner und 28 Demokraten gewählt. Die Republikaner haben neun Sitze verloren.
Buenos Ayres. Avellaneda ist am 12. dieses Monats in die Präfidentschast eingeführt worden und hat ein Manifest erlassen, worin er erklärt, daß er die durch das Volk ihm verliehenen Rechte vertheidigen und die Politik seiner Vor— gänger befolgen werde. In das Ministerium sind Alsina als Kriegsminister, Frias als Minister des Auswärtigen, Coastines als Finanzminister jund Leguigawan als Unterrichtsminister eingetreten. Jordan hat Entre Rios besetzt. Mitre steht mit 10,000 Mann bei Buenos-Ayres. Man fürchtet, daß die Truppen sich erheben und Mitre an— schließen werden.
New⸗Nork. Einem Telegramme des bisherigen Präsidenten Sarmiento an den Gesandten des argen— tinischen Republik Sennor Garcia aus Buenos Ayres vom 12. Oct. zufolge ist die revolutionäre Erhebung gänzlich mißglückt. 50,000 National- garden und Linientruppen, welche sämmtlich der Regierung treu geblieben sind, verfolgen die Auf— ständischen unter Arredmo, welcher nach Mendoza flüchtet. Auch Mitre ist nach Montevideo geflohen und ist im Begriff nach Hause zurückzukehren.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Seine Majestät der Kaiser trisst auf der Rückreise von Baden-Baden nach Berlin, Montag den 19. d. Mts., Abends 8 Uhr 45 Minuten, in Frankfurt ein. Ohne längeren Aufenthalt zu nehmen wird die Reise über Gießen nach Berlin fortgesetzt. Zwischen 9 und 10 Uhr berührt der Kaiser unsere Stadt.
Friedberg, 16. Oet. Bei dem heutigen Fasel⸗ markte waren 26 Fasel aufgetrieben und wurden 10 davon verkauft.
Nieder⸗Rosbach. Am 9. d. fand die hiesige Bür— germeisterwahl stalt. Der seitherige Bürgermeister, Herr Johannes Groh VI., wurde mit 64 gegen 7 Stimmen wieder gewählt, ein Beweis, daß derselbe während seiner vierjährigen Amtsthäiigkeit sich das Vertrauen der Ge— meinde in hohem Grade erworben hat.
Stammheim. Bei der am 8. dieses Monats dahier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde Konrad Becht von 111 Abstimmenden mit 62 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
Gießen. Am 15. October gegen Abend stürzte sich ein Mädchen, welches zeuweilig an Irrsinn leiden soll, an der Schwarzlach in die Lahn. Eslgelang, dieselbe, zwar bewußilos, wieder herauszuziehen und wurde die Unglück⸗ liche nach der Klinik gebracht. i
Offenbach. Es sieht nunmehr fest, daß der alt⸗ kalholische Bischof Dr. Reinkens, welcher auch von der Großberzoglich Hessischen Regierung staallich als Bischof der Alikatholiken anerkannt worden, am 7. November zur Spendung der Firmung in unserer Stadt eintrifft. Am 8. November bält der Bischof in der Schloßkerche, welche den Alikatheliken von der evangelischen Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde, einen Gottesdienst ab, mit welchem die Firmung verbunden wird. Die hiesige allkatholische
Gemeinde, unseres Wissens die einzige im Großherzogthum
Hessen, zäblt dermalen etwa 130 Familien mit ungefähr 550 Seelen. durch einen von unserer Regierung eigens an eine hiefige Bürgerschule versetzten altkatholischen Lehrer ertheilt wird, wird von 56 Kindern besucht. In der zu Ende der vorigen Woche staltgebabten Generalversammlung der hie⸗ sigen Altkatholiken wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, sofort die nöthigen Schritte zu thun, um in allernächstet Zeit für die hiesige Gemeinde, in welcher seither, wie auch in Wiesbaden, Mannheim und Heidelberg, Pfarrer Rieks von Heidelberg alle vier Wochen predigte, einen eigenen Geistlichen zu gewinnen.
Darmstadt, 16. Oct. Unsere Polizei entwickelt in neuerer Zeit auch eine energische Thätigkeit gegen lüder⸗ liche Frauenspersonen. fangen und ins„Hotel Farnkopf“ eingeliefert. Leider sollen sich auch verheirathete Frauen darunter befinden und wirft diese Erscheinung ein trauriges Licht auf unsere socialen Zustände.
Darmstadt. Als Ergebniß einer von Joh. Ronge einberufenen und geleiteten Versammlung circuliett eine Adresse, in welcher der zweiten Kammer für Volirung der Kirchengesetze Dank gesagt wird. Dieselbe wird eifrigst colportirt.
Darmstadt. Die ungewöhnlichen Witterungsverhält⸗ nisse fördern dieses Jahr absonderliche Erscheinungen zu Tage. So sind z. B. blühende Erdbeeren keine Selten⸗ heiten. In dem Hausgarten Stiftstraße 63 finden sich zum zweitenmal blühende Reben.
Griesheim. Reisebeschreibungen und Coopers Ro⸗ mane erzählen uns von der Entstehung neuer Städte im Westen. Der Colonist kommt, er fällt die Bäume, Block häuser und Baracken entstehen und ehe man es erwartet bat, ist eine kleine Anfiedlung entstanden und der erste Ge— schäftsmann, der sich hier niederläßt, ein unternehmender Schenkwirth. Pelzhändler, Handwerksleute folgen nach und zuletzt kommt Schulmeister und Pfarter. Dieses Werden einer Stadt kann man gegenwärtig auf dem neuen Schießplatz bei Griesheim beobachten. Chausseen sind an⸗ gelegt, Baracken gebaut oder in der Ausführung begriffen, und als der erste Pionier der Cultur hat sich Hr. Stamm dort eingesiedelt und eine Restauration erröffnet. Ein Herd ist bereits gesetzt, drei Kellner und ein Schenkmäd— chen in Thätigkeit und lägzlich findet Table d'höte statt. Gegenwärtig wird ein bis jetzt noch nicht vorhandener Salon für das bessere Publikum erbau, in welchem Herr Stamm auch Leclüre und zwar Milttärfachblätter des In⸗ und Auslandes und peciell artilleristische Zeitschriften auflegen will. Für nächten Sommer ist die Errichtung einer Gartenwirthschaft mit Sitzplätzen für tausend Per- sonen in Aussicht genommen. Dae Casernement auf dem neuen Schießplatze wird jedenfalls ein ungemein groß⸗ arliges. Bekanntlich ist vorläufig die Lieferung von 110 Belistellen für Mannschaften in Aussicht genommen; ein Gebäude für Stabsoffiziere, Offizierswohnungen, Offiziers⸗ casino und alles Zubehör werden erbaut, so daß für eine zahlreiche Militärbevölkerung alle Bedürfnisse vorgesehen sind. Es wird nicht lange dauern und kleine Handels— leute werden sich niederlassen und die vergnügungslustige Welt, die heute nach Traisa und der Fasanerie wandert, wird in dem neuen Camp de Chälons, das hier errichtet wird, ihre Zustreuung suchen. Freilich ist auch die Idylle der Tanne dann dahin geschwunden, und wer sich in alt⸗ gewohnter Weise hierher verirren sollte, um die Einsam⸗ keit zu suchen, den wird das weithin hörbare Gebrüll der Vierundzwanzigpfünder verscheuchen.
König. In den nächsten Tagen trifft der Nordpol⸗ fahrer Weyprecht bei uns in seinem Heimathsort zu mehr⸗ wöchentlichem Besuche seiner Familie ein.
Mainz. Bei der in unserer Nachbarstadt Castel statt⸗ gehabten Gemeinderathswahl wurde Herr Höfel von sämmt⸗ lichen Wählern, welcher Parteifarbe sie auch angehörten, wieder gewählt. Beinahe gerade so einstimmig war die Wahl des genannten Herrn zum Bürgern eister; die einzige Stimme, welche er nicht bekam, fiel auf— seine Frau. Ein galanter Wähler batte nicht versäumt durch Abgabe eines Zettels mit dem Namen der Gemablin des genannten Herrn ihr ein doppeltes Anrecht auf den Namen„Frau Bürgermeister“ zu geben.
Worms. Mehrere Schreinergesellen in einer hiesigen Werkstätte machten den dummen Witz, die Tavakspfeife eines bei ihnen sich aufhaltenden Handarbeiters, während dieser schlief, mit Pulver zu stopfen und oden mit Tabak zu bestreuen. Als dieser nun andern Morgens sein Pfeif— chen zur Hand nahm und hocherfreut darüber war, daß ihm ein edler Gönner dasselbe gestopft halte, zündete er es an und blies die Rauchwo ken behaglich in die Luft. Es dauerte jedoch nicht lange, so xplodirte die Ladung und fuhr dem armen Burschen derart in das Gesicht, daß demselben die ganze linke Seite nebst dem Auge stark verbrannt und beschädigt wurde. Die Toäter sind in Haft genommen, und es wird ihnen Gelegenheit geboten werden, üder ibre alberne Handlung nachzudenken.
Bingen. Der 1874er Wein wird wirklich ein Kometen⸗ wein und wahrscheinlich der beste in unserem Jahrhundert. Der Kochmonat September hat seine volle Schuldigkeit gethan, in vielen Lagen bat die Lese schon begonnen. Alles freut sich, nur die Wein-Verbesserer machen wie die Welt-⸗Verbesserer trübe Gefichter; denn Niemand will ionen ihr verbessertes Gebräu abnehmen. In manchen Orten wird der Schoppen„Verbesserter“ bereits zu 3 kr. aus⸗ gegeben. g
Bingerbrück. Der am 12. d. Abends um 9 Uhr fällige Köln-Mainzer Courierzug enigleiste bei der hiesigen Station. Ein mit diesem Zuge gekommener Passagier schildert die Scene wie folgt. Theils schlafend, theils uns
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