Kirchenfürst fuhr nämlich ohne Rücksicht auf die preußischen Maigesetze fort, in dem preußischen Antheil seiner Erzdiötese erledigte Pfründen zu besetzen, ohne die Anzeige an die Behörde zu erstalten. Er war deßbalb vor das k. Kreis⸗ gericht in Ratibor geladen, und da er, wie na⸗ türlich, nicht erschien, in contumaciam zu einigen Tausend Thalern Strafe, bezw. zu Kerker in der entsprechenden Dauer verurtheilt und die öster⸗ reichische Regierung um dessen Auslieferung er ⸗ sucht worden. Die letztere erkannte in dem Vor ⸗ gehen des Erzbischofs keine Gesetzes⸗Ubertretung und wies das Ansinnen zurück. Jetzt erließ das preußische Kreisgericht einen Steckbrief gegen den Kirchenfürsten und wies den Pächter des erz⸗ bischöflichen Gutes Stolzmütz an, den Pacht- Schilling nicht an den Erzbischof, sondern an das Kreisgericht in Ratibor abzuführen. Die dr bemerkt zu dieser Mittheilung:„Es ist sehr leicht möglich, daß die Angelegenheit sich noch weiter verwickelt. Die Einbringung des Erzbischofs nach Ratibor könnte gelegentlich, so vorsichtig der Kirchenfürst auch sein wird, doch erfolgen, und es dürfte sich in diesem Falle fragen, wie die öster⸗ reichische Regierung sich zu derselben verhalten würde.“
Großbritannien. London, 16. Nov. Die Regierung hat beschlossen, eine Polarexpedition, bestehend aus 2 Dampfern, deren einen der Com- mandeur Mackjam führen soll, im Mai nächsten Jahres abzusenden.
Spanien Madrid, 16. Nov. Bazaine wird Donnerstag bier erwartet. Die neuerdings wieder auftretende Nachricht, daß er der spanischen Regierung seine Dienste angeboten habe, wird abermals von competenter Seite als unrichtig be— zeichne. Bazaine wird als einfacher Privatmann hier leben.
Türkei. Konstantinopel. Nach einem Privatberichte mußte die zur Untersuchung des Blutbades in Podgoritza eingesetzte gemischte Com- mission von dem letztgenannten Orte nach Scutari übersiedeln, weil der Pascha von Scutari sich zu der Erklärung veranlaßt sah, er füble sich außer Stande, für die persönliche Sicherheit der Com- mission in Podgoritza einzustehen.
Amerika. Washington. Der von dem Schatzmeister der Unionsstaaten vorgelegte Aus- weis gibt die Jahres-Einnahme der Union auf 762 Millionen Dollars an. Darunter befindet sich die neue Anleihe im Betrage von 439 Mill. Dollars. Die Ausgaben betragen 742 Mill. Dollars incl. der zur Schuldentilgung verwende— ten 531 Mill. Dollars.
New⸗Aork, 16. Nov. Eine Depesche der Pariser„Liberté“ aus Montevideo meldet unter Reserve, daß dem Vernehmen nach zwischen dem Insurgenten-Führer Mitre und dem Präsidenten Avellaneda eine Vereinbarung getroffen sei, wonach Avellaneda die Präsidentschaft niederlegen werde und demnächst Neuwahlen erfolgen sollten.
— 17. Nov. Hier eingetroffenen Nachrichten zufolge hat in Costa Rica ein Aufstand stattge funden, welcher den Zweck hatte, Joaquim Fer- nandez auf den Prästdentenstuhl zu bringen. Die Aufständischen bemächtigten sich des Hafenortes Puntas Arenas, wurden jedoch alsbald daraus vertrieben und zersprengt.— Aus Panama wird gemeldet, daß die spanischen Kanonenboote „Tornado“ und„Gerona“ den Hafen von Caracas, La Guayra, mit einem Bombardement bedroht haben.
— Die Stadt San Geronimo auf Cuba ist von den Insurgenten genommen und niederge— brannt worden. Die Garnison, bestehend aus 200 Mann, wurde niedergemacht.
Aus Stadt und Land.
Mainz, 14. Nov. Man schreibt dem„M. Tagbl.“: Als Zeuge eines in der Oeffenilichkeit erwähnens werthen Falles theile ich Ihnen Folgendes mit. Vor der Portier⸗ Thüre der hess. Ludwigsbahn dahier say ich vorgestern, als ich 9 Uhr Morgens mein Billet genommen hatte, einen sweinbar recht armen, harmlosen und dabei keänklich aus chenden Menschen bitterlich weinend, der, wenn ich nicht irte, sich auf dem Wege nach München befand, um dort als Necrut einzutreten. Der Arme batte mit dem Reste seiner Bagrschaft sich das Billet bis München gelöst, was
die beiden Portiers bezeugten, dasselbe aber verloren; ich hatte noch einige Minuten Zeit und wollte für diesen Armen Rath schasfen, wo möglich ihm durch die Verwaltung ein Ersatzbillet verschaffen. Die Umstehenden eiklärten jedoch alsbald, daß diese Schritte bereits geschehen, jedoch erfolglos geblieben seien.— Da plötzlich traten zwei schmucke Jäger ein. Der eine dieser Herren fragte nach dem Geschehenen und kaum hatte er gehört, um was es sich handele, als er sich nach dem Billetschalter zweiter Klasse wandte— ein Billet von Mainz nach München löste und es dem armen Teufel mit den Worten übergab: „Se Junge, hier ist Dein Billet.“— Der bochherzige Jäger und sein Begleiter waren Holländer, welche als Gäste eines Treibjagens in der Rheingegend verkebren.
Allerlei.
Leipzig. 15. Nov. Der Chef der Buchhandlung F. A. Brockhaus, Heinrich Brockhaus, ist gestern gesftorben.
Paris. Die vielbeschäftigte französische Armee-In⸗ tendanz ist, wie zur Zeit der 1870er Mobilmachung, so auch jetzt wieder enischieden allzu sehr mit Arbeiten über⸗ häuft; denn sie weiß nicht einmal mehr, wo die Regimenter flecken. Vor einiger Zeit wurden Recruten zu einem Regiment nach Algier geschickt, welches seit 2 Monaten in Dijon steht. Heute erzählt das„Avenir militaire“ selbst daß die Einjährigen, welche dem zu Courbevoie(bei Paris) garnisonirenden 74. Linienregiment zugetheilt waren, am 5. Nov. nach dem Lager von St. Maur dirigirt wurden, wo die„aus der Provinz gekommenen jungen Leute natürlich ihr Regiment nicht fanden.“
Pour acquit.
Wer mit dem bekannten„gebildeten Haus- knecht“ der Ansicht ist, daß„so ein bischen Französisch sich wunderschön macht“, wird es auch in Ordnung finden, wenn sich Viele unter uns, anstatt mit„empfangen“ oder„er— halten“ eine Rechnung zu quittiren, in solchem Falle des französischen„pour acquit“ bedienen. Fließt es leichter aus der Feder als das betreffende deutsche Wort, geschieht es aus Pietät gegen unsere Nachbarn, die Franzosen,(besonders seitdem wir 5 Milliarden von ihnen eingeheimst haben), daß die Rechnungen, welche wir bezahlen, als Em— pfangs-Bescheinigung wohl ebenso oft die Be— merkung„pour aàcquit“ als„empfangen“ tragen, oder schreiben wir pour acquit aus dem Grunde, um auszudrücken, daß wir mit Frankreich seit 1871 quitt sind. Solche und noch andere „kühne“ Motive können nur scherzweise als Er— klärung dienen; im richtigen Lichte betrachtet, haben wir es hier mit einer der vielen gewohnheits- mäßigen Gedankenlosigkeiten, auf welchen wir Deutsche uns bei dem Sprechen wie bei dem Schreiben unserer Sprache so oft ertappen, zu thun. Wie viele, die mit pour acquit cine Rechnung quittiren, wissen nicht einmal, was es heißt und schreiben es falsch! Haben sie wohl eine Ahnung davon, wie lächerlich sie sich dadurch machen? Glauben sie, es würde einem Franzosen oder Engländer jemals einfallen, in gleicher Weise zu verfahren? Wenn wir uns die Kenntniß anderer Sprachen aneignen, so sollen wir erst recht zu der Einsicht gelangen, daß es unsere Pflicht ist, unsere schöne Sprache von allem unnöthigen Fremdwörter Kram rein zu halten. Viele unter uns, besonders unter den sog. Gebildeten denken jedoch in dieser Hinsicht anders; erwählte feine Ausdruckweise verlangt hiernach fremde, nicht der eigenen Sprache entlehnte Worte. Ohne weitere Untersuchung, ob sie unserer Sprache wirk— lich fehlen, wird auf diesem Gebiete gegen den Geist, gegen die Entwickelung und Bereicherung unserer Sprache aus sich selbst heraus von Vielen gesündigt. Es ist einerseits ebenso un— möglich als lächerlich, Fremdwörter unbedingt nicht gebrauchen zu wollen, andererseits gereicht es uns weder zur Auszeichnung noch zur Ehre, Fremdwörter unnöthigerweise zu gebrauchen. Die Sprache, in der Lessing, Goethe, Schiller und so viele andere Lieblingsdichter unseres Volks Unver— gängliches geschrieben haben, hat es wohl verdient, nicht durch französische Worte und Redewendungen, wofür sie gute gleichbedeutende Ausdrücke besitzt, verunziert und entstellt zu werden. Wir fühlen uns jetzt wohl mehr als Deutsche wie früher, allein durch Beimischung fremder durchaus über⸗ flüssiger Elemente thun wir noch heute unserer Sprache, im Umgange, im Geschäftsverkehre so- wohl als auch in der Tagesliteratur, besonders den Zeitungen, vielfach einen Zwang an, der
ihn uns gefallen lassen. Deutsche
Schiffbrüchiger.
Für Friedberg hat die Führung der Geschäfte obiger Gesellschaft, an Stelle seines Bruders, Herr Carl Trapp mit Zulimmung des Vorstande der Gesellschaft über⸗ nommen. Die Freunde dieses humanen Werks, welche dasselbe als Milglieder unterstützen wollen, werden ge⸗ beten, Genanntem ihre Namen aufzugeben. Ueber die am 23. Oct. stattgehabte Rettungssahrt des Retiungsbostes auf Borkum Westland ist uns, in Folge der zue Winter⸗ zeit mangelhaften Verbindung mit der Insel erst jetzt ein ausführlicher Bericht zugegangen, welchem wir das Nach⸗ folgende entnehmen:„Am 21. October sah man bei orkan⸗ ähnlichem Sturme unterhalb Borkum ein großes Schiff in Gefahr, doch konnte man wegen des furchtbaren Weller an Hülfeleistung nicht denken. Am 22. Morgens gewahrte man bei elwas hellerer Luft, daß das Schiff auf der Ranzelplate gestrandet sei, doch war bei dem fortdauern⸗ den gewaltigen Sturm auch jetzt noch Hülfe unmöglich. Gegen 3 Uhr Nachmittags holle man indeß das Rettungs⸗ boel herbei und ließ es zu Wasser. Amisvogt Abtmeyer beslieg es mit der Retttungsmannschaft, jedoch gelang es, bei einbrechender Nacht und zunehmenden Sturm, auch jetzt nicht, das Schiff zu erreichen, man mußte auf einem vor Anker liegenden Borkumer Schiff Unterkemmen für die Nacht suchen. Am folgenden Morgen, den 23., wurde die Rettung abermals versucht und gelang es, gegen 11 Uhr das Schiff zu erreichen, das alle Anker, sowie den Vordersteven und den größten Theil des Kiels verloren halte und bis unter Deck voll Wasser war. Der Capitän, dessen Frau, ein Looise und sechs Mann wurden glücklich in das Rettungsboot aufgenommen und gegen 1½ Uhr auf der Insel gelandet.— Das Schiff war die hollän⸗ dische Brigg„Alberdina“, Kapuän Wolkammer, mit Holz von Laurbig nach Emden bestimm!.
Das erst kurz zuvor in Dienst gestellte neue Rettungs⸗ boot bewährte sich auf seiner ersten Fahrt ganz vorzüglich, sowobl durch die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, womit es durch die heftigen Brandungen flog, wie durch die Leichtigkeit im Sieuern.
Die Gesammizahl der in den jüngsten Octoberstürmen von den deulschen Rettungsstalionen an der Nordsee ge⸗ retteten Personen beträgt demnach 28.
Landwirthschaftliches.
Mehr Vieh zu hallen als reichlich ernährt werden kann ist einer der größten Febler in der Land⸗ wirihschaft: trotzdem ist derselde so allgemein verbreitet, wie selten ein anderer. Am meisten sind es die kleineren und milleten Landwirthe, die in diesen Fehler verfallen, aber auch in den Ställen großer Besitzer bin ich ihm schon begegnet. Kleinere Besitzer glauben nicht selten, sich durch Vermehrung ihres Viehstandes nach außentzin den Auschein größerer Wehlhabenheit zu geben, wie denn natürlich gar Manche auch meinen, da wo sich eine Kuh immer recht salt frißt, könnte auch noch eine andere leben, und so sei der Nutzen des Futters zu verdoppeln. Allein bietin liegt ein großer Irrthum; denn ein jedes Stück Vieh braucht von dem ihm gereicht werdenden Jutler einen Theil zur Unterballung seines Lebens und erst det Ueberschuß wird in Nutzstoffe(Milch, Fleisch Dünger) umgewandelt. Angenommen 2 Kühe bekämen läglich 58 Pfd. Grumet, und jede verbrauchte davon 14 Pfund zur Unterhaltung ihres Lebene; wenn nun zu diesen zwei Kühen noch eine Dritie gesielln würde, die mit den beiden ersten die 58 Pfund Grumet tiheilen müßte, so hätte diese natürlich auch 14 Pfund zu ibrer Lebensuner⸗ haltung nöthig. Die zwei ersten Kühe allein verbrauchten 2 mal 14= 28 Pfund zur Lebensunterhal tung, also blieben von den 58 Pfund Futter 30 Pfund für Milch, Fleisch und Mist; die drei Kühe aber verbrauchen 3 mal 14= 42 Pfund als Unterhaltungsfunter, und es bleiben demnach von den 58 Pfund nur 16 Pfund zur Nutze erzeugung.— Wer rechnen kann, der rechne!
Handel und Verkehr.
Friedberg, 18. Nov. Waizen 12 fl.— f.. Korn 10 fl. 40 kr.; Gerste 10 fl. 50 kr.; Hafer 9 fl. 30 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.
Frankfurt, 16. Nov. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 24 fl. Nr. 2 22½ fl., Nr. 3 18 fl., Nr. 4 17 fl., Nr. 5 14 fl., Roggenmehl%(Berliner Marze) 17 fl, do. II.(Berliner Marke) 12½ fl. Waizen effectev hiesiget 12% fl., Korn 1011 ½ fl., Gerßte 10¼—11½ fl., Hafet 105— 11 fl., Kohlsamen 16 ½ fl., Erbsen 13 bis 16 fl., Wicken 10½ fl., Linsen 13—19 fl. Rüböl 37 fl. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.
Frankfurt, 16. Nov. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren: 460 Ochsen, 280 Kühe, 260 Kälber und 600 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 38 fl., 2. Qual. 34—35 fl., Kühe 1. Qual. 34 fl., 2. Qual. 30 fl., Kälber 33—54 fl., Hämmel 34—35 fl. per Eir. Schweine im Durchschnitt das Pfund— kr.
Mainz, 17. Nov. Productenmarkt. Walzen per Nove 11 fl. 48 kr., per März 19 M. 60., per Mai 19 M. 60. Korn per Nov. 10 fl. 27 kr., per März 16 M.— per Mai 15 M. 90. Hafer per Nov. 10 fl. 35 kl., per März 18 M. 00. per Mai 18 M. 75. Rüböl per Nov.— fl. — kr., per Mai 31 M. 80. Raps per April 29 M.—
durchaus verurtheilt werden muß. Keine andere Nation 1 dieser Vorwurf; wir Deutsche wüssen
Gesellschaft zur Rettung
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