Ausgabe 
19.11.1874
 
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1874.

Oberhessischer

Donnerstag den 19. November.

2 137.

Anzeiger.

Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag

Betreffend: Die Schulversäumnisse vom 3. Quartal

Amtlicher Theil.

1874.

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Friedberg den 17. November 1874.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Schulvorstände zu Dorheim, Fauerbach b. Fr., Ilbenstadt und Schwalheim. Wir sehen der Erledigung unserer Auflage vom 24. vorigen Monats binnen 3 Tagen bei Meidung unangenehmer Verfügung entgegen.

Tyra pp.

Deutsches Reich.

Darmstadt. Am 14. l. Mts. wurden die Landgerichts- Assessoren Eduard Siebert in Michel stadt, Hermann Schäser in Fürth und Carl Pückel in Homberg in dieser Reihenfolge und in gleicher Eigenschaft an die Landgerichte Fürth, Langen und Vilbel versetzt.

Am 10. l. M. wurde der Großb. Fiscal anwalt der Provinz Oberhessen, Justizrath Carl Trapp, in den Ruhcestand versetzt und demselben hierbei das Ritterkreuz 1. Classe des Verdienst ordens Philipps des Großmützigen verlieben und am 15. l. Mts. der Tentralstelle für die Gewerbe und den Landes- gewerbverein Geheime Regierungsrath Franz Fink, zum Ministerialrath in dem Ministerium der Fi- nanzen ernannt.

Offenbach, 15. Nov. Gestern erschien die erste Nummer einer neuen Zeitung unter dem Titel Offenbacher Volksblatt. Dieselbe erscheint vorerst wöchentlich nur einmal und wird von einem Porte- feuiller, Namens Leschmann, redigirt. Auch die Social-Demokraten getenken ihreArbeiter-Zeitung für Offenbach und Umgegend, welche in Bocken- deim gedruckt wird, von Neujahr an hier erscheinen zu lassen.

Berlin, 16. Nov. Reichstag. Nachdem ein Antrag des pieußischen Justizminiters wegen firafrechtlicher Ver solgung des Advokalen Fischer in Hannover wegen Be⸗ Leidigung des Reichstages an die Geschäfts-Commission wetwiesen worden, folgt die erste Lesung des Bank-Gesetzes. Der Präfident des Reichskanzler Amtes, Staatsminister Delbrück, weist zunächst auf die früheren Anlnäge des Reichsiages hin, welche das Bankgesetz forderten, und geht sodann zur Beleuchlung ber Bedürfnißfrage Angesichts der Woldwährung und des neuen Münzgesetzes über. Die Haupiaufgabe der Regierung sei, für einen ftarken Vorrath an Goldmünzen, sowie für die nöthige Beschaffung kleiner

Münzen in starkem Umfange zu sorgen. Die Summe des

aue geprägten Goldes betrage 362 Millionen Thaler, wo⸗ von 40 Millionen im Kriegsschatz seien. Der Gesammt wortalb beirug 289 Millionen, der retzelmäßige Durchschnitt des Goldmünzen ⸗Beftandes in den Banken 150. Millionen Thaler. Ven dem Resibestlande sei die Auslösung der cuculirenden Münzen mit 30,800,000 Thalern zu be freuen. Nach allen Abzügen verbleibe eine Summe an Woldmünzen von 195 Millionen Thalern. Redner er⸗ Irtert die Nothwendigkeit der Erhaltung des Vorratbes an Gelemünzen und glaubte nicht an cine Beeinträchtigung desselden durch den Export. Betreffs der Noten-Ausgabe bezeichnet Delbrück es für wünschenswerth, daß die Re gierungen schleunigst den Uebergang zu dem neuen Nolen- derkehr verbereuen, wie das Seiiens Preußens und einiger andert Regierungen geschehen sei. Dazu eine Handbabe zu bicten, sei die Aufgabe das jetzt vorgelegten Gesetzee, welche den vielbeklagten Uebelftänden abhelfen solle. Del⸗ drück betont das Verlangen der Handelsorgane nach einer Mescher ank. Demselben babe das Reichskanzleramt nicht anlipathisch gegenüber geftanden, babe jedoch die Schwierig⸗ teiten bei der hierdurch gebstenen Umwandlung der preuß chen Bank in eine Reicht bank micht lösen können. Nicht nur ber Enischädigung der woblerworbenen Rechte, sondern nuch den Gewobnheiten des Verkehrs wäre Rechnung zu ragen. Dies habe dahin geführt, daß das Gesetz, welches ür das nüchste Jahr erforderlich sei, von der Reichebank absah, obne sie principiell für die Zukunst zu verwerfen. Meoner erläutert sodann einzelne Theile der Vorlage. Die Nolensieuer werde ihr wohl die zahlreichsten Gegner zu zühren, weil man darin eine Vertheucrung des Geldes erblicke, bieses sei jeboch ungegründel. Durch Papier sei

Gencralsecretär bei der

eine allgemeine Woblseilheit nicht erreichbar, nur durch Fleiß und Sparsamkeit. Die preußische Bank habe die Credit- Gewährung durch ihre Filialien erleichtert; das sei eine Stütze der Industrie. Schließlich bezeichne! Redner als Hauptpunkte des Entwurfs: Beseitigung der Hinder⸗ nisse, welche der freien Noten Circulauen entgegenstehen, Beschränkung der Gmissioen durch die Steuer und Vorbe⸗ reitung für die Staatsregierung, um freie Hand zu ge⸗ winnen zur gesetzlichen Umgestaltung des Bankwesens nach kurzer Frist durch Feseitigung der bestebenden Concesstonen. Ag. Bamberger plaidirt in anderthelbstündiger mit Beifall aufgenommentt Rede für Errichtung einer Reichsbank, die keine Gegner habe, aber weder im Entwurfse noch in den Moliven erwähnt werde. Er erklärt das Gesetz ohne Reichs⸗ bank für unannehmbar und eine Reichsbank zur Durch fübrung der Münzreform für unentbehrlich. Bundesbevoll⸗ mächtiger Minister Camphausen rechtfertigt die Vorlage, widerlegt die Einwände Bamberger's und theilt mit, daß der Geldvorrath der preußischen Bank sich auf 171 Mil⸗ lionen Thaler delaufe; das sei mehr als die englische Bank in ihrem Reservoir aussammle. Redner erklätt, daß er die Noten Einziehung stels für wichtiger als die Silber Ein⸗ ziehung gebalten habe. Preußen würbe sich nicht principiell gegen die Reichsbank erkläten, man müsse sich aber zuvor über die Bedingungen verständigen. Eine Monopolbank würde im Reiche schwerem Widerstand begegnen, Preußen würde am wenigsten Widerstand leisten. Wolle man eine Centralbank, hade man sie in der Preußischen Bank. Das

Gelingen der Verbandlungen über die Reichsbank werde davon abhängen, wie weit man das Princip der indtitecten Contingentirung acceptire; die Conlingentirung schädige zwar das Bankgeschäft. Er(Rednet) sei aber nicht da⸗ gegen, weil das öffentliche Interesse concurrirce. Camp⸗ hausen wünscht vor Allem Vorschläge, wie die Reichsbank zu gründen sei, auf Grund deren würde Preußen unter⸗ handeln. Nedner schließt:Vor Allem thun Sie Eins, sammeln Sie eine Majorität nicht um einen Namen, sondern um eine Sache.

17. Nov. Reichs ag. Nachdem das Mankenschutz⸗ Gesetz in definitwer Schlußabstimmung angenommen ist wird die Debatte über das Bankzesetz wieder aufgenommen. Lasker spricht in zweistündiger Rede für Errichtung einer Reichsbank, die alle Reichskassen in sich vereinigen und, wie die Bank von England, alle Fonds umfassen müsse. Am Reichstage begegne die Errichtung einer Reichsbauk keinen Schwierigkeiten; ein Bankgesetz bedürse zwar bei dem Aufgehen der preußischen Bank in eine Reichsbank der Genehmigung des preußischen Landtags, in einer kurzen Nach- Session des Reichstags könne aber ein neues Bank⸗ gesetz perfect gemacht werden. Richter(Hagen) spricht für die Vorlage; derselbe weist die Behauptung Lasker's zurück, daß von ihm(Richter) aus pelitischen Gründen eine Ein wirkung auf die Erbötzung des Bank-Disconts versucht worden sei; ein solcher Veisuch sei von ihm weder dei der französischen Kriegsconnibulion noch sonst jemals gemacht. Nachdem noch Schröder(Lippfsadt) für die Vorlage. Sonnemann für die Reichsbank gesprochen, wird die Weilerberatbhung des Gesetzes auf morgen vertagt.

Berlin. Der Reichskanzler hat dem Bundes- rathe einen Gesetzentwurf vorgelegt betreffs Auf nahme einer Anleihe von 15,200,000 Mark für Elsaßz Lethringen, welche zur Erfüllung der durch die deutsch-französische Convention vom 11. De zember 1871 begründeten Verpflichtungen zur Vollendung von Wasserbauten sowie zur Beschaffung eines Betriebefonds zur Verwaltung der Landes- kasse verwendet werden soll.

Lasker, unterstünt von sämmtlichen Frae tionen, beantragt zum Bankgesetz: Der Reichstag wolle beschließen, das Bankgesetz an eine Com- mission zu verweisen mit dem Bemerken, daß zur Regulirung des Bankwesens nothwendig sei, die

Bestimmungen des Gesetzes durch Bestimmungen

über gleichzeitige Errichtung einer Centralbank zu ergänzen.

Die Verlobung der Prinzessin Marie, ältesten Tochter des Prinzen Friedrich Karl, mit dem Throusolger des Königreichs Württemberg, dem Neffen des regierenden, kinderlosen Königs von Württemberg, wird derTrib. als nahe bevorstehend beztichnet. Der Prinz steht als Com- mand eur des Garde- Husaren-Regiments in Potsdam.

Posen. Trotz allen Ableugnens Seitens der ultramontanen Presse steht es fest, daß ein nicht unbeträchtlicher Theil der katholischen Geistlichkeit in der Provinz Posen mit den königlichen Com missarien der erzbischöflichen Vermögensverwaltung in amtlichen Verkehr getreten ist, was den unver⸗ söhnlichen Leitern der römischen Opposition nicht geringe Besorgniß einflößt. Beweis bierfür sind die abmahnenden Artikel, die hin und wider im Kuryer Poznanski erscheinen. Auch neuerdings enthält wieder das ultramontane Blatt eine solche Mittheilung, in welcher den Geistlichen, die mit Herrn v. Massenbach correspondiren, von Neuem dieserhalb Vorwürfe gemacht werden.

Kassel. Das Landrathsamt zu Marburg bat einen Antrag auf Ausweisung des Ex-Pfarrers Schedtler in Dreihausen gestellt. Der Oberpräst⸗ dent hat demselben indessen nicht willfahrt, da er der Ansicht ist, daß die Bestimmungen der§§. 1 und 2 des titirten Gesetzes vom 4. Mai d. J. auf die protestantischen Geistlichen nicht anwendbar seien. Die Angelegenheit wird nunmehr Seitens des Consistoriums vor das Cultusministerium ge⸗ bracht werden.

Fulda. Sicherem Vernehmen nach geht die Regierung mit der Absicht um, das katholische Priester- Seminar von Limburg mit demjenigen von Fulda zu vereinigen. Zwei Kasseler Regier- ungs- Räthe befinden sich deßbalb seit vorgestern in unserer Stadt, um mit dem Bisthumsverweser gegen gewisse Zugeständnisse die desfallsigen Ver- handlungen zu pflegen. Aus guter Quelle ver- nehmen wir nun, daß dieser und die beiden anderen reichsfreundlichen Dom⸗Capitulare keineswegs ab⸗ geneigt sind, den Anforderungen der Regierung Rechnung zu tragen, während die Uebrigen der entgegengesetzten Ansicht sind.

16. Nov. Der Gendarmerie ist es gestern gelungen, den externirten Domcaplan Weber, welcher sich seither im Filialderse Dietersborn, welches nur eine Stunde wein von Fulda gelegen ist, zu ver hasten und ibn über die Grenze zu spediren. Der andere Externirte, Pfarrer Helfrich von Dipperz, ist alsbald nach seiner Traneportirung über die Grenze des Kreises Fulda, in sein Pfarrdorf wieder zurückgekehrt und hält nach wie vor daselbst seinen öffentlichen Gottesdienst.

Ausland. Oesterreich⸗UUngarn. Wien. Wie der Tageab. aus Mähren meldet ist der Olmützer Erz- bischof mit der preußischen Regierung nun endlich in einen acuten Conflict gerathen. Der rührige

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