Ausgabe 
15.10.1874
 
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ist so ordinärer Art, daß es kaum nöthig werden dürfte, dem Reichskanzler die weite Reise zuzumuthen.

Fulda. Der Redacteur derFuld. Ztg. ist wegen Beleidigung Bismarck's zu einem Monat Gesängniß verurtheilt worden.

Dresden, 12. Oct. Die gestrige Versamm⸗ lung des hiesigen Fortschritts-Vereins war von etwa 700 Personen, darunter sächsische Abgeord⸗ nete aller Parteien, besucht. Abg. Eugen Richter aus Berlin hielt einen zweistündigen, sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Stellung der Fortschrittspartei. Er betonte die Nothwendigkeit einer selbsiständigen Organisation der Fortschritts- partei in Sachsen, auch den National-Liberalen gegenüber.

Eisenach, 11. Oct. Die Versammlung des Vereins für Socialpolitik wurde heute eröffnet, Professor Hasse zum Präsidenten, Roggenbach, Sybel und Hildebrandt zu Vice-Präsidenten ge: wählt Die Versammlung berieth über die erimi nelle Bestrafung des Contractbruchs durch Arbeiter. Die Versammlung nahm die Anträge Dannen bergs für die Bestrafung mit 33 gegen 30 Stimmen mit einem Zusatzantrage Brentano's an, wonach den Vereinen, die für die Centractbrüche ibrer Mitglieder haften, Corporationsrichte zu verleihen sind. Die auch von Social Politikern zahlreich besuchte Versammlung berieth serner über die Ein- führung der Reichs⸗Einkommensteuer. Schauß aus München präsidirt, Hiesch gab eine übersichtliche Darstellung der Stcuersysteme in den Einzelstaaten des deutschen Reichs und beantragte eine Reso lution, welche ausspricht, daß als nächstes Ziel der Steuer- Reform im Reiche die Ersetzung der Matrikularbeiträge durch eine allgemeine Ein- kommensteuer zu ersetzen sei, die mit den Zöllen und Verbrauchssteuern derartig zu einem System verbunden werde, daß jeder Deutsche möglichst nach Maßgabe seiner wirthschaftlichen Fähigkeit zu den Reichslasten beitrage Die Resolution wurde angenommen und ein Ausschuß zur Vorbereitung einer weiteren Versammlung gewählt.

München. Der Attentäter Kullmann konnte

bisher noch keinen Vertheidiger finden; es baben mehrere Rechts⸗Anwälte, unter denselben auch hie sige, welche ersucht wurden, die Vertheidigung zu übernehmen, abgelehnt. Dem Vernehmen nach ist die Schwur⸗ gerichtsverhandlung gegen den auf Merdversuch angeklagten Kullmann nunmehr auf den 29. Oct. anberaumt. f

DerBayr. Kurier meldet positiv, daß die Königin- Mutter ihren Entschluß zur be schleunigten Ausführung gebracht und am 12. d. in der Pfarrkirche zu Waltenhofen, wohin Hohen- schwangau gehört, das katholischeGlaubensbe kenntniß abgelegt babe.

Eine Anzahl katholischer Tyroler Vereine beabsichtigt, nach Hohenschwangau zu wallfahren, um der Königin⸗ Mutter für ihren Uebertritt zur katholischen Confession ihre Huldigung auszusprechen. Der hiesige katholische Volksverein beschloß, sich am 11. d. unter Mitführung seiner Fahne an die Spitze dieser Vereine zu stellen.

Würzburg. Als Official⸗Vertheidiger Kull. mann's ist von dem diesigen Gerichtshofe der Rechtsanwalt Gerhard hierselbst aufgestellt worden.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Für den Reichsrath wird ein Gesetzentwurf betreffs Wieder- einfübrung der suspendirten Bankacten vorbereitet.

Schweiz. Bern, 13. Oct. Der National- rath begann heute die Berathung der neuen Militär Organisation mit Feststellung der Lehrpflicht vom 20. bis 44. Altersjahre.

Frankreich. Paris. DerMoniteur bestätigt, daß der spanische Gesandte dem Minister des Auswärtigen Herzog v. Decazes ein Memo- rapdum überreicht habe über die angebliche Nach- sicht, welche die Carlisten in Frankreich fänden. Das Memorandum sucht zu beweisen, daß die Pyrenäen genügend niemals bewacht worden seien, und spricht dieselbe Beschuldigung gegen alle früheren sranzösischen Regierungen aus.

kannt; dieselben sind zur einen Hälfte zu Gunsten der Conservativen, zur andern zu Gunsten der Republikaner ausgefallen.

Die Journale sind vertraulich aufgefordert worden, sich jeder feindseligen Sprache gegen die spanische Regierung zu enthalten.

Dänemark. Kopenhagen. Ein Tele⸗ gramm der großen nordischen Telegraphengesell schaft aus Shangbai bestätigt, daß der Krieg zwischen Ching und Japan nicht erklärt ist, im Gegentheil dauern die Verhandlungen zwischen den Unterhändlern Okubo und Tsunglipamen fort und steht dem Anscheine nach eine friedliche Lösung bevor. Spanien. Madrit. Oberst Trajillo schlug am 11. d. bei Tortuno den Carlistenführer Lozano und erbeutete 8 Munitionswagen mit Bespannung.

Die geschlagenen Carlisten sind dieselben, welche kürzlich vielfach Eisenbahnen zerstörten. Amerika. Newyork. In Paterson fand ein großes republikanisches Meeting statt, bei dem auch der Marinesecretär Robeson als Redner auf; trat. Derselbe constatirte, daß die gegenwärtige Regierung die republikanische Partei repräsentire, und erklärte, daß weder die Regierung noch ihr Oberbaupt dem Interesse und den Traditionen des Landes zuwiderbaadeln würde. Grant beabsichtige übrigens nicht, die Präsidentschaft zum dritten Male zu übernehmen.

DemHerald zufolge ist die Lage in Louistana eine äußerst bedenkliche und der Wieder- Ausbruch der Feindseligkeiten bevorstebend. Der Zuzug der Niger dauert fort, die Zahl der neu Eingewanderten wird auf 15,000 angeschlagen. Montevideo. Den Nachrichten aus Buenos Ayres zufolge hat General Mitre den Oberbefehl über die Aufständischen übernommen. In einem Manifeste erklärt derselbe, er strebe nicht nach der Regierungsgewalt, werde sich vielmehr nach glück · licher Beendigung des Krieges ins Privatleben zurückziehen. Hiesige Anhänger Mitri's haben drei Dampfer und Waffen für Mitre angekaust, auch Truppen für ihn angeworben. In der Nähe von Buenos Abres haben unbedeutende Scharmützel zwischen den Truppen der Regierung und den Aufsländischen stattgefunden, ebenso ist ee im Norden zu einem Zusammenstoß gekommen. Der Ausgang derselben ist hiet noch nicht bekannt.

Aus Stadt und Land.

Melhach. Bei der dahier staltgehabten Bürgermeister⸗ wahl wurden 55 Stimmen abgegeben, wovon 53 Sum men auf den seitherigen Bürgermeisterei-Verwalter, Bei geordneten Philipp Hahn IV. fielen. 1 Stimme erhielt Kaspar Weiffert und 1 Friedrich Keil. Diese Wahl be⸗ weist zur Genüge, daß Beigeordnetler Hahn sich in der beinahe zweijährigen Verwaltung der Bürgermeisterei Achtung und Vertrauen seiner Mitbürger in vollstem Maaße erworben hat.

Obver⸗Wöllstadt. Unsere Gemeinde ist in voller Aufregung. Heute am 12. Oct. fand die Bürgermeister⸗ wahl statt. Zwei Candidaten Kanden gegenüber und jede Paltbei bot Alles auf, ihren Caudidaten dulchzubringen, Es slimmten von 140 Wählern 117 ab, von welchen Summen Bürgermeister Feuerbach 70 und Beigeordneter Rosconi 45 erbielt. 2 Suma gingen verloren. Auch diese Wahl bekundet, daß der größte Theil der Ein⸗ wohner mit dem schon lange Zeit im Dienste stehenden Bürgermeister zufrieden ist und haben ihm durch Wieder⸗ wahl ihr Vertrauen erwiesen.

Aus Oberhessen. Vor einiger Zeit kam in unserer Provinz der Fall vor, daß ein(Herr) Haas ein(Fräu⸗ lein) Schaaf heirathete und ein(Geistlicher Namens) Woff kopulirte.

Darmstadt. In dem Vessunger Wald, etwa eine Stunde zstlich von hier, finden sich zahlreiche Grabhügel. Man war stets darüber im Streit, ob solche römischen oder alemannischen Ursprungs seien. Gestern von Mit⸗ gliedern der Turner Feuerwehr ausgeführte ziemlich um⸗ fassende Nachgrabungen förderten eine Anzahl Urnen, leider fast sämmtlich zerbrochen, sowte zwei noch wohl⸗ erhaltene Schwerter zu Tage, welche Gegenstände auf den ersten Blick erkennen ließen, daß sie nicht römische, sondern alemannische sind.

Darmstadt. Monsieur de Grammont, s. Z. fran⸗ zösischer Kriegsgefangener dahier, überraschte dieser Tage eine hiesige Familie, die sich seiner während der Gefangen⸗ schaft in liberaler Weife angenommen, mit einem Fasse des edelsten Rothweins aus dem französischen Süden, im Werthe von mindestens 300 Mark. Der Begleitbrief bewegte sich in den wärmsten Ausdrücken der innigsten Dankbarkeit, verbunden mit den besten Wünschen ihres

12. Oct. Von den gestern stattgehabten engeren Generalrathewahlen sind bis jetzt 80 be

Allerlei.

Bockenheim. beklagenswerther Unglücksfall. Zwei eben dem Knaben⸗ alter eniwachsene junge Bursche fanden in einem Gewächs⸗ hause eine geladene Flinte. Der Jüngere der Beiden, in der Meinung, sie sei ungeladen, ergriff spielend dieselbe, spannte den Hahn, drückte ab, und tödtlich im Unterleib

getroffen, stürzt der Aeltete zusammen und war in kurzer

Zeit eine Leiche.

Rödelheim. Am 11. d. fand die Einweihung des Hospitals der J. und H. Map'schen Sliftung für arme Kranke aller Confesstonen statt. Ein Festzug, an welchem der Turnverein, die Rödelheimer und Vilbeler Feuerwehr, letztere mit Musik, die Gesang⸗Vereine, der Gemeinderat, die Geistlichkeit ꝛc. theilnahmen bewegte sich vom Rath

hause nach dem Hospital, woselbst der Act der Weihe und

Uebergabe vollzogen wurde. Die drei Geistlichen der jüdischen, prolestantischen und katholischen Consession biel ten die Weihereden. Hierauf überreichte Bürgermeistet Müller im Namen des Gemeinderaihs den beiden Sliftern, Herren Gebrüder May(geborene Rödelheimer) das Diplom als

Ehrenbürger der Stadt Rödelheim. Tief ergriffen sprachen

dieselben ihren Dank aus. Der zu dieser Feierlichkeit ge. ladene Poliz e i-Präsident Hergenbahn brachte bierauf ein Hoch auf den Kaiser und Landrath Rath von Wiesbaden auf die königl. Regierung aus. Nach Beendigung der Feier war der freie Zugang zur Besichligung aller Räum: lichteilen des Hospitals gestaliet, wovon die Bevölkerung sehr lebhaften Gebrauch machte. Am nächsten Tage erfolgte bereils die Aufnahme der ersten Kranken, eines 80jährigen Mütierchens.

Hannover. Eine artige Manöbvergeschichte, welche sich bei Gelegenheit der großen Uebungen zu Hannover zulrug, erzählt ein Berichterstatter desHann. Cour. wie folgt: Ich hielt hart hinter einer Gruppe fremder Officiere, von denen besonders der lürkische General Redjid-Pascha meine Aufmerklamkeil sesselte. Plötzlich sprengie ein Stabs: officier, der persönliche Adjutant eines Prinzen, an ihn heran, stellt sich ihm in etwas dürstigem Französisch als Major v. P. vor, der die angenehme Ordre erhalten habe, Sr. Excellenz die Paradetruppen zu nennen. Der Türke hörte den Herrn erst ruhig an, und antwortete dann in gebrochenem Deulsch; der entzückte Major Kolpert immer munter weiter à la franpais. Da plötzlich gibi der Pascha seinem kleinen Schimmel die Sporen, prescht hart an den erstaunien Major heran und ruft:Na, Pr., alter Junge, nun laß endlich die dummen Redensarten, kennst Du Streckern nicht mehr?Herr Gott, Strecker, Du, ist's mözlich, als Pascha von fünf Roßschweisen? ruft der Major, und von den Pferden herab umarmen sich die alten Studiengenossen von der Axlütlerieschule auf's Herz⸗ lichte. Noch zwei alte Bekannle von damals, ein In⸗ genieur⸗ und ein Artillerie-Major werden berbeigerufen, und die Freude des Wiedersehens ist groß. Redfid Pascha trat vor 16 Jahren als preußischer Artillericofficier in den Dienst der hohen Pforte, und ist jetzt dort General der Artillerie; er ist Christ geblieben und hält sich keinen Harem; auch trinkt er, wie ich zu sehen Gelegenheit hatte, seinen Wein und auch Sherty scheint ihm, dem colossalen Zuge nach, den er aus der Feldflasche des Majors nahm, nicht unbekannt zu sein.

München. Die Erbprinzeß Helene von Thurn und Taxis, die bekanntlich das Privileg besitzt, sich einen Jesuiten, den letzten in Deutschland, zu unterhallen, hat ihren beiden ältesten Knaben im Valican die Firmung ertheilen lassen. Als Aequivalent für den Segen gelobte die fromme Mutter dem heiligen Vater, einen verirrten Sohn zu bekehren, und zwar keinen schlechteren als den Reichsrath und Stistspropst Dr. v. Döllinger. Es war im Heumonat dieses Jahres, da hielt die Eguipage der Erbprinzeß vor Nr. 11 in der Von der Tannstraße in München. Von Döllinger empfangen, erklärte sie ihm, sie käme, wie der Hert Reichstath wohl wisse, direct von Rom, wo sie dem hl. Vater gelobt have, einen letzten Bekehrungsversuch mit ihm zu wagen Das könne sie nun, ein ungelehrles Weib, nicht mit wissenschaftlichen Disputationen. Die seien übrigens auch gar nicht nothwendig, denn der eigentliche Grund seiner Auflehnung gegen den Statthalter Gostes sei der Hochmuth; den zu verscheuchen möge nur die Demulb, und diese wolle sie ihm lebren. Sie, die Fürstin aus königlichem Geblüt, werde sich jetzt vor dem ebemalig bürgerlichen Hern. v. Döllinger durch einen Fußfall ver⸗ demütbigen. Wie ein Taschenmesser knickte sie zusammen, die fromme Witlib und erwartete das Wunder, weil der Hert auch in den Schwachen mächtig ist.Bitte, siehen Sie auf, gnädige Frau! klang es auf ein nal von Döllinger's lächelndem Munde. Und sie stand auf und rauschle seuszend aus der Ketzerklause.

Bern. Fräulein Simonowitsch, die erst in Zütrich⸗ späler in Bern Medicin studirte, hat hier summa eum laude promovirt. Sie ist die erste Dame, welche in Bern den Doctorgras erworben. Die Georgia Augusta in Göuingen bat unlängst auch einer Dame die Doctor würde ertiheilt.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 14. Oct. Waizen 12 fl. 40 kr.; Korn 10 fl. 50 kr.; Gerste 11 fl. 15 kr.; Hafer 9 fl. 30 ke. Alle Preise verstiehen sich per 100 Kilo.

Frankfurt, 12. Oct. Der heulige Viehmarkt war in jeder Hinsicht gut befahren. Ochsen gingen im Preise boch, Kälber und Hämmel billiger. Angetrieben waren! 350 Ochsen, 300 Kühe 300 Kälber und 700 Hämmel.

ferneren Wohlergehens für die brave Familie, welche die Gastfreundschaft so wacker übte.

Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 42 fl., 2. Qual.

38 fl., Kühe 1. Qual. 36 fl., 2. Qual. 34 fl., Kälber

Am 11. d. ereignete sich hier ein

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