Ausgabe 
14.5.1874
 
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die Aufhebung der Hege Ordnung für Schlesien. Dasselbe beschloß, die zwei neuen vom Abgeord⸗ netenhause berübergekommenen Kirchen⸗Gesetze durch Plenarberatbung zu erledigen.

12. Mai. Das Herrenhaus nahm das Mennoniten-Gesetz und die Vorlage über Ein⸗ führung der Kreis- Ordnung in den Grasschaften Wernigerode und Stolberg an.

11. Mai. Der Bundesrath hat heute beschlossen, den Ausschuß⸗ Anträgen betreffs Gründ⸗ ung einer Centralstelle für Meeres-Kunde und Sturm- Warnung, betreffs der Volkezählung am 1. December 1875 anstatt 1874, betreffs des Betriebs⸗Reglement fär die deutschen Eisenbahnen und betreffs Ausdehaung der Prägungen von Reichs münzen auf Fünfmarkstücke in Silber zuzu⸗ stimmen. Der Bundesrath genehmigte ferner den Entwurf der Strandungs Ordnung.

Vor drei Jabren faßte der Reichstag den Beschluß, das Reichskanzleramt zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die akademische Gerichtsbarkeit aufgehoben werde. Wie jetzt hiesige Blätter melden, soll im Herbst dem Reichstage eine diesen Gegenstand betreffende Vorlage zugehen.

DasD. Wochenblatt schreibt:Sicherem Vernehmen nach entbehrt die Notiz, daß im Cultus⸗ Ministerium neue Schwierigkeiten gegen die Vor⸗ lage eines umfassenden Unterrichts ⸗Gesetzes auf getaucht seien, die sich namentlich auf den Kostenpunkt beziehen, der Begründung; vielmehr nehmen die Vorarbeiten für das Unterrichts-Gesetz, welche sich selbstverständlich auch auf die finanziellen Fragen Fortgang.

Magdeburg. Vor Kurzem weigerte sich bier ein Einjährig⸗ Freiwilliger, der aus der evangelischen Kirche ausgetreten ist, den Fahnen- eid in der für Evangelische gesetzlichen Form zu leisten. WieUhlich's Sonntagsblatt berichtet, bat ihm die böbere Militärbebörde gestattet, den Eid in einer seinerreligiösen Ueberzeugung ent- sprechenden Form zu leisten, nämlich mit den Eingangsworten:Ich versichere an Eidesstatt und zait den Schlußworten:Das schwöre ich auf Ehre und Gewissen!

Döbeln, 10. Mai. Eine äußerst zahlreich aus ganz Sachsen beschickte Versammlung reichs · treuer Männer hat heute einenReichsverein für Sachsen gegründet. Zweck des Vereins ist die Bekämpfung der rrichsfeindlichen Bestrebungen durch festes Zusammenhalten und thatkräftiges Zusammenwirken Aller, denen die Größe und Wohlfahrt des Reiches, sowie dessen und der Einzeln-Staaten freiheitliche Entwickelung am Herzen liegt, besonders bei den Reichstagswahlen. Den Vorstand bilden Biedermann, Ludwig, Dr. Blum, Kobner und Dr. Kühn aus Leipzig

Kassel. Aus der Gemeinde Regshausen ist eine Erkkärung an das k. Cultusministerium nach Berlin abgegangen, worin die Unterzeichneten, als Vertreter von nahezu 100 Gemeindegliedern, die Anzeige machen, daß sie sich als eine Kirchen- gemeinschaft constituirrt haben, welche die ungeänderte Augsburg'sche Confession zu ihrem Bekenntniß bat. Eine ähnliche Eingabe war vor einiger Zeit aus der Gemeinde Berge an den Cultusminister abgegangen. Darauf bat derselbe eine Erwieder⸗ ung folgen lassen, welche besagt, daß dem Ver- langen der Betreffenden nicht Folge gegeben werden könne; man werde sie rechtlich auch ferner als Glieder der niederhessischen reformirten Kirchen gemeinschaft ansehen, deren ordnungsmäßige Ober- behörde das Kasseler Gesammt⸗Consistorium sei.

Fulda. Der Polizei ist es gelungen, den tumultuarischen Demenstrationen zu Gunsten des jetzt noch allein inhaftirten Pfarrers Helfrich von Dipperz ein Ende zu machen. An den letzten Abenden versammelten sich zwar mit einbrechender Dunkelheit abermals verschiedene Gruppen vor dem Gefängnißlocal, zerstreuten sich aber alsbald, da sie gewahrten, daß dasAuge des Gesetzes wache.

Wiesbaden, 10. Mai. Der deutsche Kaiser hat gestern, kaum hier angekommen, verschiedenen hier wohnenden fürstlichen Familien Besuche ab- gestattet. Bei einer Abends vor dem Schlosse gegebenen Serenade erschien der Kaiser zu wieder⸗

einschlagenden[die Sch erstrecken, ihren geregelten Weise

holten Malen auf dem Balkon des Schlosses und wurde mit Begeisterung von der Volksmenge be⸗ grüßt. Heute Vormittags wohnte er dem Militär⸗ Gottesdienste in der evangelischen Kirche bei und besuchte heute Abend das Theater. Morgen wird er die Badekur beginnen. Für die nächste Woche sind mehrere fürstliche Besuche angesagt.

Stuttgart, 11. Mai. Durch königliche Verordnung wird der Wiederzusammentritt der Ständeversammlung auf den 18. d. festgesetzt. Der Kaiser von Rußland ist heute Abend 10 Uhr nach England abgereist.

Karlsruhe, 10. Mai. Eine heute ver⸗ kündete Verordnung betrifft die staatliche Prüfung der Geistlichen über ihre allgemein wissenschaftliche Vorbildung; die Rubriken weisen deutlich darauf bin, daß, abgesehen von den alten Sprachen, ledig⸗ lich verlangt ist, es soll der Geistliche nicht künstlich von dem Geistesleben seiner Zeit und seines Volkes isolirt sein. Gestern ist eine Denkschrift des Erzbisthums Verwesers Kübel an die Kammer- mitglieder vertheilt worden. Dieselbe führt den Titel:Denkschrift des erzbischöflichen Capitels- Vicariats von Freiburg. Die Gesetzentwürfe a) über die Aenderung einiger Bestimmungen des Gesetzes vom 9. October 1860, die rechtliche Stellung der Kirche; b) die Rechtsverhältnisse der Altkatholiken betr.(Freiburg. Herder). Am Schlusse wünscht die Denkschrift eineVer- ständigung mit dem Staate, d. b. ein Canossa, mit oder ohne Concordat. Von Wichtigkeit ist luß Erklärung, welche in entschiedenster ankündigt, daß Herr Kübel das Verbot an die Geistlichen, sich der Staatsprüfung zu unterwerfen, aufrecht erhält.

12. Mai. In der heutigen Sitzung der badischen zweiten Kammer, in welcher die Berath- ung des Altkatholiken-Gesetzes auf der Tages- ordnung stand, ereignete sich der folgende stürmische Zwischenfall. Abgeordneter Fieser(Engen) be- zeichnete das Unfehlbarkeits⸗ Dogma als eine Infamie und als Irrlehre, worauf die ultramontanen Ab- geordneten, ausgenommen Junghaus, unter Tumult und Protest den Saal verließen. Nachdem von

Junghaus gegen Fieser der Ordnungsruf verlangt

und dieser vom Präsidenten ausgesprochen war, entspann sich über die Zulässigkeit des Ordnungs- rufes eine Debatte, in welcher Kiefer den Ord nungsruf bekämpfte, Staatsminister Jolly aber und die Abgeordneten Baar und Bluntschli den- selben rechtfertigten. Hternächst treten die ultra montanen Abgeordneten wieder ein und wurde die Berathung fortgesetzt.

Straßburg. Seit mehreren Tagen weilt hier der Geh. Regierungs- und vortragende Rath des Reichskanzleramts, Hr. v. Pommer-Esche, um von verschiedenen Einrichtungen des Reichslandes an Ort und Stelle Einsicht zu nehmen. Besonders werden auch von diesem Beamten die Schulen und sodann die Gefängnisse einer eingehenden Besichtig⸗ ung unterzogen.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Pest. Cin Artikel desPester Lloyd bespricht das Auftreten des Grafen Arnim und bezeichnet es als Pflicht jeder Regierung, ein derartiges Vorgehen wider die politische Disciplin nicht zu dulden.

Frankreich. Paris. Saryk Pascha wird Ende dieser Woche nach London gehen, nachdem derselbe hier, vorbehaltlich des Einverständnisses mit englischen Bankiers, ein Abkommen auf folgen- den Grundlagen getroffen hat: 1) Errichtung einer Nationalbank durch Erweiterung der mit anderen finanziellen Etablissements fusionirten kaiser⸗ lich ottomanischen Bank. 2) Für zwei Jahre Vorstreckung der nothwendigen Mittel zur Bezahl⸗ ung der schwebenden Schuld in kurzer Frist und der Zinsen der öffentlichen Schuld.

DerUnion wird aus Marseille von Sonntag 10½ Uhr Morgens berichtet:Trotz abscheulichen Wetters ist eine unabsehbare, aus Legitimisten aller Stände zusammengesetzte Menge nach Notre-Dame de la Garde gezogen, um den himmlischen Segen für die Waffen des Don Carles anzuflehen, an dessen endlichem Triumphe wir keinen Augenblick zweifeln.

Spanien. Bilbao, 11. Mai. Dle Car⸗ listen haben Truppen zur Einschließung von Vittoria abgeschickt. Der Carlistenführer Elio befestigt die Defilés in der Richtung von Bilbao. Die Car- listen sind demoralisirt und unterwerfen sich sehr zahlreich. Unter Denen, die sich den Regierungs⸗ truppen gestellt haben, befindet sich der Bandenchef Bulnes. Die Regierungstruppen bereiten eine Offensivbewegung vor.

Italien. Rom, 11. Mai. Die amtliche Zeitung ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Behauptungen derTimes Correspondenz vom 8. d. M., betreffend das angebliche Gespräch des Königs von Italien mit dem Fürsien Bismarck, wobei Letzterer gerathen haben soll, Nizza und Savoyen zurückzufordern, gänzlich unbegründet sind.

Die öffentliche Gewalt ist des Räuber⸗ Unwesens in Unter-Italien noch immer nicht Herr geworden, sie mußte vielmehr an das Eingreifen der Bürgerwehr appelliren, welche diesem Rufe denn auch mit Bereitwilligkeit Folge leistete. Aber es dauerte nicht lange, so kam es zu peinlichen Conflicten, denn während Carabinieri und National- garden in gesonderten Abtheilungen Nachtpatrouillen vornahmen, weigerten sich Jene, Diesen das Losungswort zu geben, so daß selbst Zusammen⸗ stöße erfolgten. Die Folge davon war, daß der Präfect die Nationalgarden wieder ihres Dienstes entband.

Amerika. Newyork, 11. Mai. Die Regierungstruppen haben den Parteikämpfen in Arkansas ein Ende gemacht. Die Eindeichungen des Mississippi sind neuerdings durch Ueberschwem⸗ mungen abermals beschädigt worden.

Aus Stadt und Land.

Vilbel. DerVilbeler Anzeiger schreibt: Bei dem häufigen Gebrauche und dem großen Nutzen des Petro⸗ leums wird die Vorsicht, mit der wir es wegen seiner leichten Enktzündbarkeit behandeln sollten, gar oft außer Acht gesetzt und die dadurch entstehenden Unglücksfälle haben das Publikum immer noch nicht genügend gewarnt. Hier wieder ein Fall. Eine Frau, welche große Gicht⸗ schmerzen in den Händen und Vorderarmen empfand, rieb sich dieselben tüchtig mit Petroleum ein, wobei wohl auch die Kleider hier und da eiwas bespritzt worden waren. Um das Petroleum recht einzieyen zu lassen, setzle sie sich vor den geheizten Herd in der Küche. Plötzlich stehen ihre Kleider durch eine aus dem Herde gefallene Kohle in Flammen, mit den Händen und entblößten Armen suchle sie das Feuer auszudrücken und erlitt davon heftige Brand⸗ wunden. Durch rasche Hülfe einer anwesenden zweiten Person wurde sie vor größerem Unglück bewahrt.

Offenbach. Ein Zuchthäusler, welcher von der hie⸗ sigen Polizei als der Theilnahme an dem Raubmorde der Fräulein Frey dringend verdächtig verhaftet wurde, ist ein Individuum, dem man Alles zutrauen darf. Sein Name ist Ammerschläger. Er ist von Heusenstamm, eine Stunde von Offenbach, gebürtig, 45 Jahre alt und hat von diesen nicht weniger als 30 Jahre im Zucht? und Corrections⸗ baus zugebracht. Seine Verhaftung geschah am 28. April Morgens in aller Frühe in Weißkirchen, unweit Seligen⸗ fiabt im Odenwald, nachdem er Tags zuvor noch in Sachsenhausen gewesen war. Auch in dem nahen Dorfe Biber hat er sich herumgetrieben und dort zwei gefüllte Geldtäschchen gezeigt, auch einem dortigen Wirthe eine gute Bezahlung versprochen, wenn er ihn beherbergte, wobei er die Bemerkung hinzufügte, daß er das Geld doch nicht mehr lange haben werde. Die Summe des Geldes, welche Ammerschläger in letzterer Zeit teils verausgabt, theils ver⸗ schenkt hat, schätzt man auf 600 fl. Bei seiner Verhaftung halle er nur noch 10 fl. Auf dem Transporte nach Ossen, bach that er die Aeußerung, daß Frankfurt sein Unglück sei. Der Verhaftete hatte einen ganz neuen Anzug. An seinem allen Rock fanden sich einige Blutflecken von det Größe eines Halbguldenstücks. Bei der Vernehmung, welche hier angestellt wurde, hat er harinäckig geleugnet. Am 30. April wurde er nach Frankfurt gebracht, wo die eigentliche Untersuchung geführt wird.

Mainz, 11. Mai. DerM. A. schreibt: Unter den Schulbuben der Nachbarstaaten Mainz und Weisenau ist seit geraumer Zeit ein Krieg ausgebrochen und fanden. schon verflossene Woche hitzige Gefechte statt. Am ver⸗ gangenen Samstag stießen die Plänkler in der Nähe des Neuthors zusammen und leider wurde diesmal aus dem Spiele blutiger Ernst. Ein Knabe von Weisenau halte durch einen Fall das Bein gebrochen und mußte nach Hause gefahren werden.

Nordheim, 8. Mai. Gestern Mittag schlug der Butz in eine Scheune. Diese und eine zweite, beide glück licherweise nicht sehr gefüllt, sind verbrannt.

Allerlei.

München. Das oberbayerische Schwurgericht hat den wegen Ermordung der Fräulein Hebberling in Anklage⸗ stand versetzten Porzellan-Dreher Heinrich Stögr mu dem Bessatze als schuldig erkannt, daß derselbe die That ohne Vorbedacht und Ueberlegung ausgeführt habe, und den⸗

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