Ausgabe 
14.4.1874
 
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. asenzstärke(40,000 Mann) zu stimmen, wenn eee e de Fessstellung der Friedenspräsenzstärke zunächst 9 1 7 Jahre erfolgt. * 10. April. Feldmarschall Graf Moltke,

iegsminister v. Kameke und General v. Voigts⸗ etz wurden beute wiederum vom Kaiser zu einer ungeren Berathung empfangen, um sich über die Köglichkeit einer siebenjährigen Feststellung der 1 von der Regierung geforderten Friedenspräsenz- en a färke von 401,659 Mann schlüssig zu machen.

ane m Reichetage ist für die Eventualität einer sieben- dana übrigen Festsetzung der Friedenspräsenestärke eine e werdchn

goße Majorität aus den, Conservativen, Frei-

1 d enservativen und National⸗Liberalen für die An- been gahme des§. 1 zu Stande gebracht. n 11. April. In der beutigen Fractions-

ng der Nationalliberalen theilte der Vorsitzende zit, daß die Zustimmung der Reichsregierung zu ner Feststellung der von ihr verlangten Präsenz- ffer auf 7 Jahre erfolgen wird, wenn die Be ämmung des F. 42 des Militärgesetzes, wonach ge Officiere von den Communalsteuern befreit werden, wiederhergestellt wird. Die Fraction rschloß mit allen gegen eine Stimme, die Be- eiung der Offitiere von der Communalsteuer mzunehmen. Man rechnet für die Annahme der Militärvorlage in dieser Fassung nunmehr auf krca 220 Stimmen. Am Montag beginnt die plenarberathung des Militärgesetzes, wobei die fficielle Erklärung der Regierung erfolgen wird. 11. April. Der Reichstag erledigte sämmt⸗ che auf der Tagesordnung stebende Wahl-Prüf⸗ ungen und erklärte alle gedachten Wahlen für ültig. Sodann wurde die Vorlage der Regierung ber Abänderung des Artikels 15 des Münz- Hesetzes in erster und zweiter Lesung angenommen unter Ablehnung des vom Staats minister Delbrück ckämpften Lenz'schen Antrags, wonach die öster zichischen Thalerstücke wie die deutschen eingelöst derden sollen, nur daß die Einlösungsfrist auf 1 4 Tage und die Bekanntmachungefrist auf einen W bite des Ser Nonat herabgesetzt wird. Das Haus vertagt 0 Geben; ich darauf, nachdem ein Nachtrags-Etat zum nn Keeichs⸗Etat pro 1874 die erste Lesung passirt hat. bee Dresden. Zeitungs-Nachrichten gegenüber S 1 enen dasDresdener Journal, daß bei katho- en,(chen kirchlichen Festlichkeiten überall, wo es sich 8. nn nicht um poltzeilichen Dienst, sondern um Betheiligung menen en der kirchlichen Feier handle, nur katholische ee e Nilitärs verwendet werden. Limburg. Wie dieElbf. Ztg. erfährt, at das Appellatlonsgericht in Wiesbaden unter Aufhebung des am 4. Februar d. J. von dem biesigen Kreisgerichte ergangenen freisprechenden Atheils den Bischof Dr. Blum wegen Anstellung ves Pfarrers Houben zu Balduinstein zu einer Heldstrafe von 200 Thaler, edent. 2 Monaten Befängniß verurtheilt. 10. April. Das Cultusministerium ver öffentlicht heute das Rechtsgutachten der betreffen- den Commission über die Frage der Anerkennung des Bischofs Reinkens als katbolischen Bischoss. Das Gutachten gebt in der Hauptsache dahin, 3 deß die bayerische Regierung nicht ermächtigt ist, 7. 11 den Bischof Reinkens mit den begehrten rechtlichen Folgen im Verwaltungswege anzuerkennen, daß dazu vielmehr eines Gisetzes, und zwar eines Verfassungsgesetzes, bedürfe. Stuttgart, 9. April. Eine zahlreich be- juchte Versammlung von Reichstagswählern nahm ine Resolution an, des Inhalts, daß die Ver- sammelten dem Reichstage gegenüber den Wunsch aussprechen, daß die sriedenspräsenzstärke der beulschen Armee durch das Militärgesetz festgestellt werde und der Reichstag sich mit der Reichs- g fegierung über die Friedenspräsenzstärke auf der 2460 don der Reichsregierung als annehmbar erachteten

Friedberg

dritt Ntliot

5

zuttbttg.

Ordnung. In der General- Debakte sprachen gegen den Gesetz-Entwurf die Cardinäle Rauscher, Tarnoczy, Schwarzenberg und die Fürstbischöfe Gasser und Wierp; dafür sprachen Tschnabuschnigg, Arneth, Neumann und Höfler.

11. April. Das Herrenhaus setzte in Anwesenheit der Kirchenfürsten und bei dichtbe⸗ setzten Galerien die General- Debatte über das erste der confessionellen Gesetze fort. Gegen die Vorlage sprachen Fürstbischof Stepischnegg, Czar- toryski, und nachdem der Schluß der General- Debatte angenommen war, als Generalredner Graf Leo Thun. Für die Vorlage traten ein: Hye, Hartig, Fürst Anton Auersperg und als Generalredner Baron Lichtenfels. Der Schluß der Sitzung erfolgte, nachdem der letztgenannte Redner ohnmächtig zusammengebrochen war und aus dem Sitzungssaal hatte getragen werden müssen.

Frankreich. Paris, 9. April. In der heutigen Sitzung der Permanenz-Commission er klärte der Minister des Innern, Herzog v. Broglie, bezüglich der Verhängung des Belagerungs-Zu- standes über Algerien: General Chanzy habe die Maßregel in Folge von Ausschreitungen der alge rischen Presse nachgesucht; die von ibm vorher zu Rathe gezogenen Notabeln von Algier hätten die Maßregel gebilligt. Bezüglich der Auflösung des Marseiller Municipalrathes bemerkte Buffet, daß die Frage, da sie die Einberufung der National- versammlung nicht veranlassen könnte, die Com- mission nichts angehe. Der Minister des Innern bestätigte die Entweichung Rochefort's.

DerAgence Havas wird aus Rom, entgegen der Meldung derLothringer Zeitung, bestimmt versichert, daß die Unterhandlungen mit dem Vatican betreffs der Grenzregulirung der deutsch-französischen Diöcesen dem Abschlusse nahe seien und hinzugefügt, daß die nothwendigen päpst- lichen Bullen vorbereitet würden.

Bapyonne. Der berüchtigte Pfarrer Santa Cruz, welcher vor zwei Wochen von französischen Behörden verhaftet und hierher gebracht worden war, ist in Freiheit gesetzt, da das Gericht die wider ihn erhobenen Anklagen nicht als begründet erkannt hat. Selbstverständlich handelte es sich nicht um Handlungen, die er auf spanischem Boden begangen hat, sondern nur um Uebertretungen, deren er sich in Frankreich schuldig gemacht haben sollte. Zugleich mit der Entlassung wurde er jedoch auf Grund einer alten ortspolizeilichen Verordnung angewiesen, das französische Gebiet zu verlassen.

10. April. Pfarrer Santa Cruz ist gestern nach Belgien abgereist.

Großbritannien. London. Nachrichten von Cap Coastcastle den 19. März zufolge hat der König der Aschantis den vom General Wol- selei entworfenen Friedens Vertrag unterzeichnet und haben die Abgesandten des Königs denselben ratificirt.

Spanien. Madrid, 9. April. Serrano ist hierher zurückgekehrt. An seiner Stelle über nimmt das Ober Commando General Concha, der bereits in Santander eingetroffen ist. Man glaubt, daß ein Uebereinkommen getroffen wird.

Die Regierungstruppen haben bis zum 9. April 50 Geschütze in die Verschanzungen von Abanto gebracht. Neue Truppenverstärkungen verließen Miranda und rückten nach Santander ab.

11. April. Der Regierung ist gestern früh ein Telegramm von der Nord-Armee zugegangen, des Inhalts, daß die Wiederaufnahme der Opera- tionen durch Sturm und Regen einstweilen un- möglich gemacht sei.

Türkei. Konstantinopel. Die Hassunisten haben dem Vertreter der Regierung die Schlüssel der Heilandskirche übergeben.

Melbourne, 10. April.

Henri Rochefort und seine Genossen baben ihre

Aus Stadt und Land.

(Verspätet.) Rühmliche Anerkenn ung verdienen die edlen Bestrebungen und ausgezeichneten Leistungen der zahlreichen Musik⸗Ausübenden, die Fried berg aufzuweisen hat; dies gilt sowohl bezüglich der Vocal

. Grundlage einigen möge. Ein Störungsversuch Australien. An ber Soclal Demokraten wurde rasch unterdrückt. 8 Abreise nach Europa auf morgen festgesetzt. 1 Ausland.

* 400 Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 10. April. 3

1 Das Herrenhaus trat heute in die Debatte, über! E. Friedberg. 5 den confessionellen Gesetz-Entwurf ein. Sämml. 1 e. liche Kirchenfürsten waren anwesend. Die Minorität i 0 ue. der Commission beantragte Uebergang zur Tages- als auch der Justeumentalmusik. Besonders zeichnen sich

hier ber Musikverein und die Dilettantenkapelle aus; dessen konnte man sich auf's Neue bei der Charfteitags⸗ production überzeugen. Durch Heranziebung lüchliger Kräfte auch von Auswärts weiß der Musfikperein seinen Aufführungen neuen Reiz und gesteigerte Anziehung zu verschaffen. So war die Gewinnung der Fräulein Amend von Darmstadt vom besten Erfolge gekrönt. Fräulein Amend entfaltete eine Alistimme von seltener Kraft, Fülle, Eleganz und Anmuth, was wir um so mehr bewundern mußten, da die Sängerin Dilettantin ist. Möge der Verein in seinen Bestreburgen nicht nachlassen und noch öfter solche erhebende, ervauliche Genüsse bieten, wie sie eben nur ächte Kirchenmusik zu bieten vermag. Mögen aber auch manche der kunstliebenden Besucher bedenken, daß es dem Vereine keineswegs zur Aufmunterung gereicht, wenn er neben seinen uneigennützigen, anzustaunenden Bemühungen auch noch Kosten der Aufführung zu decken bat. Schließlich erlaubt sich Einsender, dem äußerst thäugen und gewan ten Vereinsdtrigenten den wohlmeinen⸗ den Rath zu geben, bei Wahl der Musikstücke, die in der Stadtkirche zur Aufführung gelangen sollen, mehr auf getragene, choralmäßig gehaliene, ale auf vorherrschend figurirte, sich viel bewegende Gesangstücke Bedacht zu nehmen. Die alte, classische Kirchenmusik bietet ja hierin reiche, dankbare Auswahl. Auch dürfte bebufs der Pro⸗ duction der Standpunkt auf der Orgel dem am Altare vorzuziehen sein. Als einen sehr glücklichen Griff müssen wit es bezeichnen, daß man die biegsame, alle Nuancen erlaubende Occhesterbegleitung der dynamisch mehr gleich- bleibenden Orgelbeglellung vorzog. Möge dies auch bei späteren Kirchenconcerten des Vereins der Fall sein.

Gießen, 10. April. Während der Schwurgerichts⸗ Sitzungen vom 2. Quartal l. J. werden nachbe nerkte Anklagesachen zur öffentlichen Vetbandlung, beziebungs⸗ weise Aburtoeilung kommen, nämlich: Den 13. April, Vormittags 9 Uhr: Gegen Jacob Baumberger von Unter⸗ tuttweil im Canton Thurgau in der Schweiz, wegen Diebstahls; Vertheid.: Großh. Hofg.⸗Advocat Thorwart. Denselben, Nachmittags 3 Uhr: Gegen Karl Unverzagt von Gießen, wegen Diebstahl und Münzverdbrechens; Vertheid.: Großh. Hofg. Advocat Dr. Dittmar. Den 14. April, Vormütags 9 Uhr: Gegen Johannes Wienold von Werings, wegen Brandstiftung; Vertheid.: Großh. Hofg.⸗Advocat Dierv. Den 15. April, Vormittags 9 Ubr: Gegen Johannes Ziegenhain von Wallenrod, wegen Brand⸗ sliftung; Vertheid.: Großb. Hofg.⸗Advocat Weidig. Den⸗ selben, Nachmitiags Ubt: Gegen Andreas Hack von Hartmannshain, wegen Diepstabls; Verth.: Großb. Hofg. Advocat Kraft. Den 16. April, Vormittags 9 Uhr: Gegen Elisabeihe Schäset von Heblos, wegen Diedstalls; Verth.: Großb. Hofg. Advocat Dr. Schwarz. Denselben, Nachmittags Uhr: Gegen Elisabetlbe Hainbuch von Eudorf, d. Juliane Buchbammer von Altendurg, e. Gustav Lang von Alsfeld, wegen Meineids, bezw. Verleitung zu diesem Verbrechen; Vertheid.: Großh. Hofg.⸗Advocaten Dr. Muhl, Wolf und Dr. Rosenberg II. Den 17. April, Vormittags 9 Uhr: Gegen Elisabethe Müller von Rixseld, wegen Kindesmord; Vertheid.: Groß. Hofg.⸗Advocat Dr. Gut- fleisch. Den 18. April, Vormittags 9 Uhr: Gegen Martin Wurzvacher von Markt⸗Selbitz im Königreich Baiern, wegen Diebstahls; Vertheid.: Großb. Hofg.» Advocat Weidig. Denselben, Vormittags: Gegen Carl Weitz, früherer Ge meinde⸗Einnehmer in Ober⸗Obmen, wegen Verbrechen im Amte(Contumacialsache). Den 20. April, Vormittags 9 Abr: Gegen Conrad Gonter V. von Ober⸗Kleen, wegen Diebstahls; Vertbeid.: Großh. Hofg.⸗Advocat Dr. Dittmar. Den 21. April, Vormittags 9 Uhr: Gegen a. Carl Feied⸗ ich Wicke von Harheim, d. Joseph Hasencver von da, o. dessen Ehefrau, d. Michael Hasenever von Fritzlar, wegen betrüglichen und einfachen Bankerotts resp. Beibülsez Vertheid.: Großh. Hofg.⸗Advocat Dr. Reatz.

Lich. In der Nacht vom 2. auf den 3. Osterseiertag wurde mit dedeutender Gewallthätigkeit in die Kirche ein⸗ gebrochen und aus dem Opferkasten die Summe Geldes von elwa 7 fl. entwendet. Der oder die frechen Diebe vaben sich aber insosern betrogen, als der Opferkasten dereis am Gründonne s stag seines Inhaltes von 130 fl. von der Stifisve⸗wallung entleert worden ist. Der Spitzbubenweg führte durch ein erbrochenes Fenster.

Darmstadt, 10. April. Heute Nacht wurde von ruchlosen Buben wieder ein Act des Vandalismus verübt, indem die Strolche ein Drahtgitter am Polvlechnikum umrissen. Hoffentlich gelingt es unserer Polizei dald einmal solcher Bursche habhaft zu werden und wird es dann Sache des Richters sein, durch die strengste Strafe ein warnendes Exempel zu statuiren.

Darmstadt, 11. April. Gestern wurde eine aus dem Bayerischen gebürtige, seither in Bessungen im Dienst ge⸗ standene Frauensperson wegen Mords, verübt an dem eigenen Kinde, ins Gefängniß verbracht. Die fragliche Person war, nachdem sie ibren Zustand fortwährend geläugnet batte, vor ca. 4 Wochen mit einem gesunden Kinde nieder gekommen, das sie bei anderen Leuten in Pflege gab. Wahrscheinlich war ihr die Zahlung des Kosigeldes indessen eine Last, der sie sich zu entledigen wünschte, denn sie benutzte gestern die Abwesenheit der Pflegeeltern ihres Kindes um dasselbe auf wahrhaft scheußliche Weise ums Leben zu bringen. Die entmenschte Mutter schüttete nämlich dem Kind eine Quantität Schweselsäuxe in den Mund, so daß das arme Würmchen auf's Entsetzlichste verbrannt wurde. Wahrscheinlich mochte das furcht⸗ bare Geschrei des Kleinen das Weib doch schrecken, denn sie lief fort, während Nachbarn berbeeilten, die das Kind auf's scheußlichste verbrannt sanden. Die Mörderin wurde alsbald verhaftet und in das biesige Gesängniß abgeliefert.

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