Ausgabe 
13.6.1874
 
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den Versailler Zug zu besteigen, trat ein Herr C.. auf ibn zu und redete ihn mit den Worten an:Ich bin Bonapartist, wagen Sie es etwa, mich auch einen Elenden zu nennen? Ja wohl, antwortete Herr Gambetta. Herr C. bolte augenblicklich mit seinem Stocke aus, aber einige Freunde des Herrn Gambetta fielen ihm noch rechtzeitig in den Arm; inzwischen waren auch noch einige conservative Abgeordnete herbei- gekommen; es entstand ein Auflauf, in welchem wieder die gröbsten Schmähungen arsgetauscht wurden, und Herr C... wurde schließlich von den auf den Lärm berbeigeeilten Polizisten ver- haftet.

Belgien. Brüssel. Ale allgemeines Er gebniß der Wahler ist zu melden, daß die Liberalen im Ganzen vier Sitze in der Deputirtenkammer und drei im Senat gewonnen haben. Die klerikale Mebrbeit ist übrigens geblieben mit 13 Stimmen in der Deputirtenkammer und 7 im Senat. In Gent sind die Klerikalen Sieger geblieben. Die Aufregung daselbst ist groß und man befürchtet Ruhestörungen.

Großbritannien. London. Die Koblen⸗ gruben- Arbeiter haben die nach der ursprünglich vorgeschlagenen Lohn⸗Herabsetzung von 12½ pCt. ipnen proponirte Reduction von 10 pCt. abgelehnt. Die bedeutendsten Kohlengruben-Besitzer von Süd- Norkshire und Nord- Derbosbire beschlossen, den Arbeitern anzuzeigen, daß sie in 14 Tagen die Gruben Arbeiten einstellen würden. Die Maß- regel betrifft 24,000 Arbeiter.

Das Gerücht, daß sich die englische Re gierung der französischen Regierung gegenüber bereit erklärt hätte, Rochefort und seine Gefaͤhrten im Falle einer Landung in England auszuliefern, ist demEcho zufolge unbegründet. Die Be sitzer schottischer Eisenbütten haben beschlossen, an der Reduction der Arbeitslöhne um 40 pCt. fest⸗ zuhalten. 1

Spanien. Santander. Eine aus 25 Bataillonen bestehende, 12 Geschütze führende Haupt- Truppenabtheilung der Carlisten ist auf der Linie von Estella concentrirt. Die Regierungs- Truppen marschiren auf Tafalla zu. General Concha ist von einem leichten Unwohlsein wieder hergestellt.

Amerika. New⸗ANork. Bancroft Davis ist zum Gesandten in Berlin ernannt worden.

Aus Stadt und Land.

Bad Nauheim, 9. Juni. Der hiesige Krieger⸗ Verein beging heute das Geburtsfest Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs durch Abfeuern von 101 Böllerschüssen; die übrigen projectirten Festlichkeiten mußten unterbleiben, da der Verein durch Abwesenheit vieler Mitglieder zu sehr geschwächt ist. Die gestern Abend stattgefundene Beleuchtung des Sprudels, der Badhäuser und des Waitzschen Thurmes war eine seenhaft⸗glänzende und gebührt dafür der Groß⸗ herzoglichen Badedirecison der aufrichtigste Dank aller Kur⸗ gäste und aller Nauheimer. 5

Gießen, 7. Juni. Wiederum haben wir ein Opfer der unsinnigen Duellwuth zu constatiren. Der Student Friedrich Westernacher aus Büdingen, Bursche der ⸗Hassia starb vorgestern Morgen im Alter von 20 Jabren in Folge der bei der letzten Corpshatze auf dem Stauffenberg erhaltenen Wunde und wurde gestern Abend zur letzten Nuhestälte verbracht.

Gießen, 10. Juni. Heute Morgen wurde aus der Lahn oberhalb der Peppler'schen Mühle eine Soldatenleiche geländet. Dieselbe wurde als der Musketier Caspar Bott,

3. Compagnie des II. Inf.⸗Regiments, von Lumda recog⸗ noscirl. Dem Motiv zum Selbsimord scheint jedenfalls ein unglückliches Liebesverhältniß zu Grunde gelegen zu haben. Wie wir hören, soll der Soldat am Samstag Abend zuerst seine Geliebie in's Wasser haben stürzen wollen und darnach sich. Als dasselbe nicht gelang, trat er die Reise in's Jenseus allein an.

Mainz, 9. Juni. Zur Vorfeier des hohen Geburts- festes Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs sand gestern Abend eine von den Militärmusiken ausgeführte Serenade im Hofe des Großherzoglichen Palais stant. Hierauf zogen die Fackelträger heran: beinahe alle Mainzer Gewerke mit ihren Fahnen und Emblemen, die Feuerwehr, die Veamlen der Ludwigsbahn u. s. w. beibeiligten sich an dem Fackel⸗ zug, der so großartig und imposant war, wie er hier noch nicht gesehen worden ist. Nachdem die Feuerwehrmusit einen Fackeltanz von Meyerbeer gespielt, und unter Po⸗ saunen⸗ und Hörnerbegleitung die Beetboven'sche Cantate die Ehre Gottes in der Natur zur Aufführung gebracht hatte, brachte der Bürgermeister Wallau, bei bengalischer Beleuchtung des Platzes vor demDeutschen Hause, dem auf dem Balkon erschienenen Landesherrn ein Hoch aus, welchem begeistert zugestimmt wurde.

Mainz, 10. Juni. Zur Feier des hohen Geburts- festes Sr. Königl. Hoheit ertönten gestern Morgen 6 Uhr vom Dome herab die feierlichen Klänge der Choralmusik. Ferner fand eine Tagesreveille seitens sämmtlicher Musik⸗ chöre stalt, während von den Wällen Kanonenschüsse er⸗ schallten. Um 10 Uhr wurde im Dome ein feierliches Hochamt abgehalten, das der Bischof celebrirte; die Spitzen der Civil⸗ und Militärbeyörden und eine große Anzahl sonstiger Leute wohnten der Feier bei; auch in der prote- stantischen Kirche und in den israelitischen Tempeln wurde Gottesdienst gehalten.

Allerlei.

Flörsheim. Am Sonnaag seierte unser Turnverein das Fest der Fahnenweihe; dasselbe gestaltete sich dei dem schönen Wetter zu einem wahren Volksseste. Nach dem Festzuge durch die reichgeschmückten Straßen des Orts, an dem alle Vereine der Umgegend mit ihren Fahnen Theil nahmen, war auf dem Fesiplatze ein bewegtes Leben bis zum Abend. Ansprachen, Concert, Gesang und Turn übungen, wie sonstige Belustigungen, wechselten mit einander ab. Zwischendurch donnerten Böllerschüsse und die Feier nahm einen schönen Abschluß mit einem Festball.

Frankfurt, 10 Juni. Heule Nachmitlag nach zwei Uhr schlug der Blitz in den Eschenheimer Thurm ein. Der Strahl warf die Wetterfahne mit dem bekannten Neuner herab, sprang dann nach Süben über und glitt, ohne weileren Schaden zu verursachen, den Thurm herab.

Köln. Auf einem Personenzuge der Köln⸗Gießener Bahn wurden dieser Tage die Insassen eines Coupees durch eine höchst unangenehme Bescheerung überrascht. Urplötzlich nämlich summten Hunderte von Bienen in dem engen Raume umher und umschwärmten die Köpfe det erschrockenen Passagiere in bedrohlicher Weise. Als man sich näher nach der Ursache dieser räthselhaften Er⸗ scheinung umschaute erblickte man unter einem der Sitze einen großen Bienenkorb, dessen Flugloch, wie sich spälen ergab, zwar verschlossen gewesen, sich aber durch das Rütieln des Zuges geöffnet halle. Aus diesem römten die kleinen Siachelträger in dichtem Schwarm beraus. Schleunigst ergriff ein Herr den Korb und warf ihn zum Coupeefenster hinaus. Damit war aber der Besitzer der italienischen Bienen durchaus nicht zufrieden, vielmehr drohte er mit einer Klage wegen Schadenersatzes. Einer der Mitreisenden aber meinte, das solle er nuc thun; es liege hier freilich eine Beschädigung fremden Eigenthums vor, allein der betreffende Herr habe sie im Stande der Nothwehr ausgeführt.

Marburg. Ein entsetzliches Verbrechen ward in Mauerbuch, einer Ortschaft im Gerichtsbezirk Marburg in der Nacht vom 30. auf den 31 Mal verübt. Um 11 Ubr ftand das Wohn- und Wirihschafts gebäude des Gastwirths Huber, an der marburger Chaussee ganz isolirt stehend, von mehreren Seiten zugleich angezündet, in vollen Flammen. Die Bewohner des Hauses durch das Ge⸗ prassel aufgeschreckt, eilten zum Hausthor, um ihr nacktes Leben zu retten; allein wer beschreikt ihr Enssetzen, als sie beide Thore straßen- und hofseitig von außen ver⸗ rammelt fanden. Da die Fenster mit dicken Eisenginiern versehen sind, gestatteten auch diese keinen Ausgang. Her⸗

beieilende Bewohner der ziemlich weit enssernten Ortschaft überblickten schnell die furchtbare Lage. Zu den Thoren konnse man nicht mehr gelangen, da die Flammen bereits an denselben leckten. Einige herzhafte Männer machten sich an ein Fenster, und es gelang ihnen mit barter Mühe, ein Gitter zu lockern, so daß sie Raum zum Duichschlüpsfen einer Person schufen. Halbtodt vor Schrecken und vom Rauche betäubt, zog man die Opfer eines scheußlichen Verbrechens aus der Oeffnung. Markerschütternd war das Brüllen der Kühe und das Grunzen der Schweine, die leider nicht mehr zu reiten waren und in den Flammen ihren Tod fanden. Man gibt der Vermuthung Raum, daß ein Gast, mit welchem der Wirib an dem⸗ selben Tage wegen einer Zechschuld von 30 Kreuzern in Streit gerathen, aus Rache Feuer gelegt hat.

Berlin. Der Handelsminister hat auf den Antrag von Feuerwehr- Verbänden die Eisenbahn-Directionen ermächligt, für die zu auswärtigen Bränden requtricten Feuerwehr⸗Mannschaften und Löschgerälhe erhebliche Trans⸗ port⸗Begünstigungen zu gewähren. Auf das von der betreffenden Gemeinde oder von deren Feuerwehr⸗Vorstande an den Stationsvorsteher schriftlich zu rich tende Ansuchen soll die Beförderung der angemeldeten Mannschaften und Geräthe mit dem nächsten fahrplanmäßigen Courier⸗, Schnell, Personen- oder Güterzuge erfolgen, vorausgesetzt, daß durch die Verladung und den Transport eine Ueber⸗ schreitung der fahrplanmäßigen Fahrzeiten nicht herbei⸗ geführt wird. Gesuche um Stellung eines Extrazuges sind an die beireffende Betriebsinspection zu richten und werden thunlichst berücksichtigt werden.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 10. Juni. Der heutige Heu⸗ und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete per Cir. 1 fl. 36 kr. bis 2 fl. 12 kr., Stroh per Ceniner 1 fl. 30 kr. bis 1 fl. 45 kr., Butter 1. Qualität 36 kr., 2. Qualität 34 kr., Eier das Hundert 2 fl. 12 kr.

Mainz, 11. Juni. Productenmarkt. Waizen per Juni fl. kc., per Juli 15 fl. 30 kt., per Nov. 14fl. 10 kr. Rorn per Juni 10 fl. 50 kr., per Juli 10 fl. 42 kr., per Nov. 10 fl. 5 ke. Hafer per Juli 12 fl. 3

Rüböl per Juni fl. kr., per Oct. 20 fl. 5 kr. Raps per Sept. 17 fl. 30 kr. Geld ⸗Cours.

Frankfurt am 11. Juni 1874. Pitolen Holländische fl. 10-Stücke.% 9 45 Dutafe ns 5 3234 Ducaten al mareo 5 3436 20⸗Frankenstücke 9 25½26½ Englische Sovereigns Russische Imperiales. 9 4244 Dollars in Gold il 2

Für den Abgebrannten Franz Blatz in Nieder⸗ Mörlen sind weiter eingegangen: durch die Bürger⸗ meistereien der Gemeinde Rockenberg 14 fl. 47 kr., Gem. Griedel 14 fl. 37 kr., Gem. Gambach 4 fl. 21 kr., Gem. Melbach 3 Malter Kartoffel und 40 Gebund Stroh, Gem. Oppershofen 1 Malter Kartoffel, 40 Gebund Stroh und 3 fl. 20 kr., Gem. Ossenheim 4 fl. 30 kr., Gem. Bauernheim 4 fl. 20 kr., Gem. Ober Wöllstadt 17 fl. 21 kr., Gem. Steinfurth 13 fl. 13 kr. Von Frau Th. in Friedberg 14 fl. 3 kr. Es sind im Ganzen ein⸗ gegangen 166 fl. 59 kr. und diese wurden verwendet theils zum Ankauf von Baumaterialien und theils für Anschaffung von häuslichen Bedürfnissen. Herzlichen Dank allen gütigen Gebern. Die Sammlung ist geschlossen.

Großh. Bürgermeisterei. Der Pfarrer. Mio bs. Rach or.

Atcht kölnisches Wasser

von Johann Maria Farina.

Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober⸗ r f. Anzeigers in Friedberg empfehle ich

zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und 45 kr. per Glas gehorsamst. a 5 0 Johann Maria Farina in Cöln.

Bekanntmachung. 1803 Die Liste der zur Wahl der kirchlichen Ge⸗ meinde vertretung stimmberechtigter Mitglieder der evangelischen Gemeinde liegt am 13., 15. und 16. d. M. auf dem Bürgermeister⸗Büreau zur Einsicht offen. Mährend dieser Zeit können etwaige Reclamationen gegen den Inhalt der Liste bei dem Kirchenvorstande vor⸗ gebracht werden.

Friedberg am 11. Juni 1874. Für den evangelichen Kirchenvorstand: Ba u r.

Bekanntmachung.

1800 Montag den 15. Juni d. J., Vormittags 11 Uhr, wird in hiesigem Rathhause das Mähen des Grases zu Heu und Machen desselben, sowie das Nachhausefahren von mehreren städtischen Wiesen an den Wenigstnehmen⸗ den in Accord gegeben werden.

Friedberg den 11. Juni 1874.

Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. ee.

Bekanntmachung.

1789 Mittwoch den 17. d. M., des Vormittags um 11 Uhr, wird in hiesigem Rathhause das für die Armen⸗ Anstalt dahier pro zweites Halbjahr 1874 erforderliche Crystallöl, Seife, Kaffee, gerollte Gecste, Griesmehl, Reis, Hirsen, Ochsenfleisch, Schweinefleisch, Nierenfett, Schweineschmalz und Brod; sodann die Anlieferung des für die Schuhmacherei pro zweites Halbjahr 1874 er⸗ forderlichen Sohl-, Rind und Kalbleders, Hanfgarns, Bestechgarns, Holznägel, Absatz- und Sohlnägel, Pech und Wachs auf dem Submissionswege vergeben.

Die Bedingungen können bei Verwalter Gatzert in der Armen-Anstalt eingesehen werden.

Friedberg den 8. Juni 1874.

Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Fou ca r.

Zwei tüchtige Schuhmachergesellen

1775 finden gegen hohen Lohn dauernde Arbeit bei Bad⸗Nauheim. Jean Hartmann.

5 ü f 8A 10 Versteigerungs-Anzeige. 1817 Dienstag den 18. Juni, Vormittags 9 Uhr an fangend, werden in der Behausung des Herrn Bäcker meisters Rauch, Usagasse, nachverzeichnete Gegenstände gegen Baarzahlung nersteigert.

2 Wasserständer, 7 Stück Hohldiehlen, 1 großer und

ein kleiner Mehlkasten, eine Parthie Kuchenbretten

1 Schleifstein, 1 Leiter, 1 Schalwaage mit Gewichh

3 Stück Tortenplatten, Bänke, eine Parthie Kleides haken, Bretter, einige gute Fenster, Tische, Bettladen, 2 Schreibpul e, 1 Bettlade. 1 großer gußeiserner

Kessel, 1 Regenfaß, 3000 Stück gute Cigarren und sonst verschiedenes Hausgeräthe. Ferner in Auftrag:

Ein zweispänniger Kuhwagen

und eine große Deeimalwaage. Friedberg den 11. Juni 1874.

in Auftrag:

Jo seph Butzbach, Auectionator.

1 Ladeneinrichtung mit Glasschraͤnken, 1 Kleiderschranl,

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