Ausgabe 
11.7.1874
 
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ordnungen gestellt. Die Regierung stimmt derjenigen des Deputirten Paris bei, welche lautet: 81 Nationalversammlung, entschlossen, die dem Mar- schall Mac Mahon als Präsidenten der Republik, unter Vorbehalt der Berathung der konstitutionellen Gesetze, auf sieben Jahre übertragenen Gewalten energisch zu stützen, gebt zur Tagesordnung über. Die Versammlung stimmt zunächst über die von Lucien Brun gestellte Tagesordnung ab, welche besagt:Die Nationalversammlung, indem sie eine Debatte des Gesetzes vom 20. November ablehnt, spricht ibr Bedauern über die von dem Minisierium getroffenen Maßnahmen aus. Diese Tagesordnung wird mit 379 gegen 80 Stimmen verworfen. Ebenso wird die Tagesordnung des Deputirten Paris, welche die Zustimmung der Regierung bat, mit 368 gegen 330 Stimmen verworfen. Die Versammlung nimmt darauf die einfacht Tagesordnung mit 339 gegen 315 Stim- men an, worauf die Sitzung aufgehoben wird. Paris, 8. Juli. Nach der Sitzung der National Versammlung reichte das Ministerium seine De mission ein, deren Annahme indessen von Mac Mahon verweigert wurde. Das Cabinet bleibt sonach in seiner bisherigen Zusammensetzung. Man glaubt, Mac Mahon werde morgen an die Na tionaldersammlung eine Botschaft richten, in welcher er von Neuem seinen Entschluß, die ihm über- tragenen Gewalten während 7 Jahren aufrecht zu erhalten, ausdrücken und ferner die Nothwendig⸗ keit betonen würde, seine Gewalten zu organisiren.

Italien. Rom. Die Befestigung der Alpen- Pässe, die in der französischen Presse so viel Staub aufgeworfen, hat inzwischen wieder einen Schritt vorwärts gemacht. Die Genie-Direction hat ihre Studien vollendet, und die Regierung hat den General Menabrea beauftragt, sich an Ort und Stelle zu begeben, um sich über die Zweckmäßig keit der von ihr beantragten Forts- Anlagen ein Urtheil zu bilden. Der General wird sich in Folge dessen demnächst an die Grenze begeben und dabei von den Genetalen Brignone und Longo begleitet werden.

Türkei. Konstantinopel. Der Sultan hat vergangene Woche den Khedive durch ein sehr verbind liches Schreiben eingeladen, ihm im Laufe des Sommers in Konstantinopel einen Besuch ab- zustatten.

Amerika. Newyork. Die Cheyenne, Comanche- und Jowa-Indianer drohen, 3000 Mann ark, mit Krieg. Die Regierung hat Truppen gegen sie abgeschickt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 7. Juli. Am 5. d. M. Nachmittags schwamm eine männliche Leiche in der Lahn bei Heuchelheim, welche, nachdem sie an das Ufer getrieben, dort bewacht wurde. Als das Gericht und der Gerichtsbof sich gestern an Ort und Stelle begeben wollten, wurde gemeldet: die Leiche sei die Nacht über weiter geschwommen. Ob sie einen Stoß erhalten oder freiwillig absegelte, können wir nicht sagen, das Erstere geschieht aber haufig, um den Gemeinden keine Kosten zu verursachen. Gestern wurde die Leiche in Atzbach geländel.

Gießen, 7. Juli. Heute früh wurde in derHessen⸗ Kneipe ein Rock, in dem sich werthvolle Sachen befanden, gestohlen. Gleich darauf ermittelte die Polizei, daß der Rock beim Pfandleiher versetzt worden sei. Auch der be schriebene Unbekannte war bald gefunden. Er fübrte allerlei verdächtige Sachen und Pfaudscheine bei sich, wonach er zu Frankfurt und Mainz Röcke und Regen⸗ schirwe versetzt hat. Auch hier hatie er vor einigen Tagen einen braunen Regenschiem, auf dessen Griff der Name Neckel eingegraben ist, verpfändet. Allem Anschein nach ist der Verhaftete ein großer Dieb, der zunächst in Wirtos⸗ häusern zu siehlen pflegte. Auch besaß er ein Buch in russischer Sprache:das Leben Jesu von E. Renan, er scheint also auch einen reisenden Russen bestohlen zu haben. Hier hatte er sich seit 4 Tagen unter dem NamenTechniker Essertz aus Mainz, einlogirt; vorher hat er die Namen: Mangold und Scholten gefübrt, jetzt nennt er sich bei der hiesigen Polizeiverwaliung Joseph Schladen aus Köln. Seinem bisherigen Treiben soll gründlich nachgeforscht werden.

Offenbach, 7. Juli. Der bei der letzten Wahl⸗ campagne von der Lassaller Berliner Schule als einer der Reichstagscandidaten aufgestellie Schäfer betreibt nun dahier eine Wirthschaft. Gestern Abend betrat der Polizist Jost die Wirthelocalitäten des Genannten und bot Feier⸗ abend, was den Wirth dermaßen in Harnisch brachte, daß er einen Bengel ergriff und dem Polizisten über das eine Auge schlug, daß der Verlust desselben droht.

Narmstadt, 8. Juli. Heute Morgen wollte der hietrorts sehr bekannte Jesel Grünebaum in der Langgasse

Elwas den Zorn eines anderen Mannes, der ihm eine Katze in's Gesicht warf, welche den Jesel furchtbar zerfleischte.

Groß-Gerau, 2. Juli. Der Rhein überschwemmt so eben wieder die Gemarkungen Astheim und Trebur. In letzterer Gemarkung stehen bereits gegen 150 Heklare noch nicht abgeernteter Wiesen unter Wasser, deten Ertrag noch vor wenigen Tagen einen Werth von 15,000 fl. repräsentirte, während jetzt kaum die Hälfte zu erwarten ist. Der den Feldern zugefügte Schaden läßt sich augen blicklich noch nicht übersehen.

Worms, 6. Juli. Gestern tagten dahier die auf

einer früheren Versammlung zu Oppenheim erwählien Deͤlegirten der Krieger-Vereine Hesseng. Nachdem die Haupigrundzüge, welche darin gipfelten, einen Hessischen Krieger-Verband zu gründen, der die Selbstverwallung der einzelnen Bereine nicht beeinträchtigen, jedoch von nationalem Geiste durchdrungen sein solle, festgestellt waren, wurde zur Constituirung geschriiten. In den Vorstand des Verbandes, welcher von nun an den Namen, Hessische Krieger-Kameradschast führen wird, wurden gewählt: Herr Hauptmann Avenarius(Gaualgesheim), als Präsident, die Herren: Göbel(Oppenbeim), Medicus(Alzey), Raiß (Groß Gerau), Roemheld(Manz), Dr. Welcker(Sprend Ungen), Gernsheim(Woems) zu Vorstands mitgliedern. Nachdem die Erwählten mit der Leitung der Geschäfie beauftragt, wurde die Versammlung geschlossen.

Mainz, 8. Juli. Gestern Abend gezen 6 Uhr kam ein Individuum, das einen langen blauen Kittel an hatle und eine Mütze mit einem großen Schirm trug, in ein Haus auf der Löhrgasse und klopfte dort mit einem ge- wichtigen Stocke an sämmtliche Thüren des Panxterre⸗ Stockwerks, welches jedoch vis auf die zwei hintersten Zimmer leer steyt. Die Frau des deir. Hauses, welche allein war, sperrte vor Angst die Thüre zu, worauf der Eindringling sich in den ersien Stock begab und dort dasselbe Mannöver fortsetzte. Als der Mann nicht erreichen

nämlich, daß der Schlüssel zum Atelier außerhalb bes Thürschlosses stack, und baute hierauf seinen Plan. Als die Vorbereitungen zu seiner Aufnabme im Gange waren und der Vorfübrer ebenfalls mit sichtlichem Interesse den verschiedenen Manipulationen folgte, machte der Engländer plötzlich einen Seitensprung, riß die Thüxre auf, schlug und

schloß sie zu, und fort ging es nun in tollem Lauf. Die

Polizei war zwar auch flünk; das Schloß widerstand einem

kräftigen Ruck nicht. Der Vorsprung war jedoch schon zu bedeutend, so daß der Spitzbube leider enikam. Frankfurt, 10 Juli.

anwesenden jungen Mann ins Bein traf. Die erhaltene

Verletzung ist glücklicher Weise nicht gefährlich. Kassel. Das Programm für den vom 11. bis

14. d. M. dahier abzu haltenden neunten deulschen Feuer⸗

wehr⸗Tag ist soeben vom Local⸗Ausschuß bekannt gewacht

worden. Die Verhandlungen werden im Ganzen zwei Tage in Anspruch nehmen. Montags findet ein vom Sländeplatz ausgehender Festzug sowie Manöoriten des hiessgen Feuer⸗Löscheorps statt, nachdem vorher die Prüfung der ausgestelllen Gerälhschaften durch die betreffende Com⸗ mission ersolgt ist.

Freudenstadt. In Scharnbach wurde ein 63 Jahre alter Mann von seinen zwei Töchtern, wie es scheint, in einem Anfalle von Geistesstörung, im Bett erwürgt. Zuerst wurde er von der älteren Tochter im Schlaf über⸗ fallen, und als er die jüngere zu Hülfe rief, stand diese der* noch bei. Die Untersuchung wird Näyeres ergeben.

Gerolstein, 5. Juli. Ueber eine vulkanische Er⸗ scheinung berichtet derK. K.: Vor etwa acht Tazen schon bemerkie man aun dem biesigen sog. Sittinger Mineralwasser-Brunnen ein äußerst heftiges Aufbrodeln und bei Weitem mehr Kohlensäure-Gehalt des Wassers,

konnte, was er beabsichtigte, begab er sich wieder nach als man an demselben gewohnt ist. Jetzt aber seit vor⸗ 1

unten, sperrte vermittelst eines Dietrichs die Küchenthüregestern zeigt sich in dem erloschenen dulkanischen Krater auf, kramte sämmtliche Wäsche, die in zwei Körben lag der hier in der Näbe gelegenen Pappelkaul ein sehr pene⸗ aus und warf alles auf den Boden. Auf den Hülseruf trauter Schwefel- Geruch, und ausmerksame Beobachter der geängstigten Frau kehrte der Vagabund um, indem glauben sogar aus dem Innern desselben hervordringende, er die Küchentbüre hinter sich zuzog und das Weite suchte. leichte Rauchwöikchen bemerkt zu haben

Der Mensch machte einen um so unheimlicheren Eindruck Trapezunti. Dahier ist kürzlich eine Familie als er bei seinen Manspulallonen auch nicht ein einziges bestepend aus einem Valer, sechs Söhnen und einer Tochter,

Woet sprach.

Bingen. Unter der Anschuldigung des Kindesmords wurde am Montag eine 16jäbrige hiesige Bürgerstocher verhaftet und nach Mainz in Untersuchungshaft gebracht. Wie verlautet, ist dieselde geständig, vor ca. 4 Tagen ihr neugeborenes Kind getödtet und zu Bingerbrück ver graben zu haben, will aber den Oct der That nicht mehr mit Bestimmtheit anzugeben im Staude sein.

Bensbeim, 6. Juli. DasMainzer Journal schreibt: Die gesiern daßier abgehaltene Katholikenver sammlung war sehr zahlreich besucht. Es sprachen die Herren Graf v. Otling über Staat und Kirche, Baron v. Schierstädt, über den Liberalismus, Freiherr Franz

v. Wambolt über den Verein deuischer Katholiken Nicolaus

Racke über die gegenwärtigen Zeitderhälinssse und die Pflichten der Katholiken. Graf d. Otting brachte ein Hoch auf den Heiligen Vater aus und Hofgerichteratb und Landagsabgeordneter Dr. Frank toastirte auf S. K. H.

den Großherzog.

Allerlei.

Pfafsenwiesbach. Ueber die neulich von Kransberg aus gemeldete Ermordung eines Kindes erfahren wir nunmehr folgende Details. Der'der, ein sechzehn jähriger Bursche, Namens Möbs von bier, machte bereits vor einem Jaor einen Angriff auf ein anderes Kind. Sein Vorhaben kam jedoch nicht zut Ausführung und die Sache wurde nicht weiter verfolgt. Am 30. Juni nun paßle er einem 14jährigen Mädchen aufz das Kind wurde jedoch dadurch gerettet, daß es einen anderen Weg nach Hause nahm, als es sonst zu gehen pflegte. Nun lockte er das andere kleine 9jährige Mädchen unter allerlei Vor⸗ wänden in den Wald, mißbrauchte ee, und um seine That zu verbergen, beschloß er es zu ermorden. Er band ihm Hände und Füße und suchte es mit einem Snicke zu erdrosseln; da dies nicht vollssändig gelang, trait er ihm die Brust ein und warf es, als es tod! war, in einen verfallenen Schacht. Das Kind wurde anderen Tages von der Gemeinde gesucht und dabei verrieth sich der Mörder, indem er sagte er babe er in einem Schachte liegen sehen. Der Verdacht fiel sofort auf ihn und man machte ihn dingfest. Er hat dem Staatsanwalt bereits ein umfassendes Geständniß abgelegt. Das Scheusal sitzt jitzt in Limburg und harrti seiner Aburtbeilung.

Frankfurt, 8. Juli. Vesrflossene Nacht wurde auf der Allerhetligengasse ein Dachdecker von zwei Judividuen mißhandelt und von einem derselben gestochen. Der schwer Verletzte laumelte noch einige Schrite vorwärts und stürzie dann an demCasé Vicloria zur Erde. Es dauerte geraume Zeit, bis dem auf den Tod Verwundeten Hülfe wurde.

den Thäter namhaft machen zu können, und Litzteter wurde, als er heute Morgen die Flucht ergreisen wollte, verhaftet.

Frankfurt, 10. Juli. Gestern sollie der Engländer, welcher in dem hiesigen Arresthause unter dem dringenden Verdacht sitzt, ein Complice der Bande zu sein, weiche auf dem Coniment(in Stuttgart, Mannheim, Mainz, Frank furt ꝛc.) mittelst gefälschter Cceditbriefe verschiedene Bank- häuser in empfindlichen Schaden brachte, Ppholographir! werden, damit sein Conterfei an die verschiedensten Polizei Behörden geschickt werden könnte. Er wurde zu diesem Zwecle zu einem Photographen gefübrt, benutzle diese Ge

ein Händelchen machen und erregte dabei durch irgend

legenheu aber zu seiner Flucht. Der Strolch bemerkte

Glücklicher Weise war derselbe noch im Slande,

verbaftet worden, die dem Trapezunter Korrespondenten desLevant Herald zufolge in kurzer Zeit nicht weniger als zweihundertsünfunddreißig Morde verübte. Von dieser Anzahl sind die männlichen Mitglieder der Familie jedes für fünfunddreißig Morde verantwortlich, während die Tochler allein fünfundzwanzig verübte. Der Vater und zwei seiner Söhne wurden am 25. Mai gehängt; die anderen Söhne und die Tochler sehen im Gefängniße ihrem Prozesse entgegen.

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Wie wird zur Wetterauer Industrie⸗ Ausstellung gearbeitet? Statt eines Fragezeichens hätten wir hier auch ein Ausrusungszeichen setzen lönnen; denn noch niemals hat in der Wetterau eine so all⸗ gemeine lebhafte industrielle Thätigkeit geherrscht wie jetzt. Ueberall in den Wohnungen und Werk- stätten der zahlrsichen Aussteller wahrnehmen wir Wetteifer und Emsigkeit nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Nachdenken darüber, wie in Bethätigung des Schönheitssinnes dem Einzelnen und dem Ganzen genützt werde, ganz in derjenigen Weise, welche ein Dichter(Rückert) so schön in den Worten ausdrückt:

Wenn die Blume selbst sich schmückt,

Schmückt sie auch den Garten, Einsender hat in dieser Beziehung bei gelegent- lichen Besuchen hiesiger Aussteller eine wahre Ueber- raschung und Freude genossen. Immer mehr und

wahrhaft wetteifernd ist man bemüht die Ausstell⸗ ung zu dem zu machen, was sie sein soll, eine genossenschaftliche Reclame, zu dem Zwecke, sich geltend zu machen im eigenen wahren Werthe. Dieses ist sowohl ein Recht als auch eine Pflicht eines jeden Menschen. Im industriellen Leben zumal muß man zeigen was man hat und kann, damit Käufer und Verkäufer sich leichter finden können; und man mug sich hierbei eine fesse Stellung erringen und erhalten, um nicht auf die Seite oder in den Hintergrund gedrängt zu werden. Jenes Nachdenken über die Hebung und Hervorhebung der eigenen Leistungen ist also ein Segen der Arbeit; es ist dieses Nachdenken das selbe für die Industrie, was ein milder Mairegen für ein gut bestelltes Feld ist.

Derselbe Eifer, wie hier, waltet auch zu Buß bach, Nauheim ꝛc., und aus den kleineren Orten der Weiterau kommen die Aussteller hierher, um sich von dern guten Fortgang des Unternehmens zu überztugen und die Versicherung zu geben, vaß sie für dasselbe mit Fleiß und Begeisterung weiter arbeiten und denken wollen.

10 Zwei junge Leute spielten gestern Abend mit einem kleinen Taschenrevolver, als plötzlich der Schuß los ging und einen zufällig im Zimmer

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Weller 2 2058 Die ung borgese wege vergel dingungen k Cs wird hie 3 bis 4 W sowie an besetzte Ce gebäudes Umständen werden. Lusttrag 13. Juli l. einreichen. Friedl

2 Ab? Der Eichenbohler

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