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An alle Wähler des 2. Oberhessischen f Wahlkreises.
„ 11er
Mit dem Motto:„Für Gott und Vaterland“ treten die Unterzeichneten vor Euch wahlberechtigte Bürger des 2. Oberhessischen Wablkreises hin und rufen Euch zu: Wählet alle obne Ausnahme bei der bevorslebenden Reichstagswahl, wäßlet aber Männer von denen Ihr die seste Ueber⸗ zeugung babet, daß sie treu obigem Wablspruch auftreten für die heiligsten Rechte des großen deutschen Volkes, Männer, welche für die Interessen des Volkes, in Stadt und Land, für sein moralisches wie für sein materielles Wobl, für seine religiösen wie für seine politischen und bürgerlichen Rechte Herz und Verständniß baben, wäblet Männer in den Reichstag, die unbeitrt und ohne Scheu für Wahrheit, Freiheit und Recht, sowie für den Frieden zwischen allen Confessionen offen und ehrlich einstehen.
Als einen solchen Mann kennen und empfehlen wir Euch den
Herrn Ober-Rechnungsrath Backe in Darmstadt.
Sein und unser Programm ist in folgenden zwölf Sätzen kurz und klar ausgesprochen.
Wir wollen und verlangen:
1) Bewahrung des verfassungemäßigen Charakters des deutschen Reichs als eines Bundesstaates.
2) Eine den Frieden dauerhaft sichernde Politik.
3) Verfassungsmäßige Bürgschaften für die religiöse Frtiheit aller Reichsangehörigen.
4) Schutz der Rechte der Religionsgesellschaften gezen die Eingriffe der Gesetzgebung.
5) Das ungeschmälerte Recht religiöser Erziehung und Ehe schließung.
6) Herstellung des gestörten confessionellen Friedens.
7) Gesetztiche Maßregeln gegen die Ausbeutung des Volkee durch Wucher und durch trügerische Spetulationen und Gründungen.
8) Verminderung der Steuern und der Militärlast.
9) Unmgestaltung der Soctal- Gesetzgebung zur Rettung der bedrohten Gemeinden und zur Besserung der Lage des Arbeiter-und Handwerkerstandee.
10) Fürsorge für die durch Uebersteuerung und durch Mangel an Arbeitskräften bedrohte Landwirtbschaft.
11) Ein freisinniges Reichs Preßgesetz, um die Kundgebung der wirklichen Volkswünsche zu ermöglichen.
12) Bewilligung von Diaten an dit Reichstags-Abgeordneten, damit das allgemeine Wahlrecht nicht wirkungslos sei.
Das ist unser Programm. Wir zweifeln nicht, daß alle wahrhaft freien Bürger unseres Wahlkreists dasselbe zu dem ihrigen machen und demjevigen Manne ihre Stimmen geben, dessen Charakter und Vergangenheit uns Bürge sind, daß dies Programm nicht nur das seinige sei, sendern daß er auch den Mutd und die Fähigkeit babe, dasselbe zu vertreten, sowohl gegenüber der Gewalt, als gegenüber den falschen Vorspiegelungen jener, welche von der Freiheit den Namen geborgt, um sie zu entehren.
Als einen solchen Mann kennen wir und empfehlen wir Euch abermals den
Herrn Obet-Rechnungsrath Backe in Darmstadt.
Darum auf! Ihr Männer von Stadt und Land, ihr Katholiken, Protestanten und Israeliten! insgesammt auf, all ihr Wähler unseres Wahlkreises zu den Wahlurnen nächsten Samstag den 10. Januar! An die Wahlurnen wit dem Rufe:„Für Gott und unser großes deutsches Vaterland, für Kaiser und Reich, für Wabrheit, wahre Freiheit und Recht gegenüber dem undeutschen und religionsfeindlichen National-Liberalismus.“ Wir alle haben schon zu lange unter der Herrschaft dieser programmlosen Partei gelitten, um nicht eine gerechte Scheu vor der Freiheit zu haben, die sie uns bietet. Die Vertreter dieser Partei in unserem Wahlkreis haben durch ihre unehrliche Wahlagitation und ihr Pamphlet, das Wort fur Wort nur Lüge, Verleumdung und Entstellung enthält, sich und ihren Candidaten vor allen Katholiken und ehrlich denkenden Männern gebrandmarkt und unmöglich gemacht. Das Centralcomité in Friedberg hat mit diesen verlogenen Wuthausbrüchen seine Manneswürde entehrt. Wir überlassen eine solche Handlungsweise derer, die noch vor einigen Jahren die rechtmäßige Autorität bekaͤmpft, die Fahne des Aufruhrs aufgepflanzt und hinter den Barrikaden gestanden und jetzt sich„allein als treu zu Kaiser und Reich stehend“ brüsten, ruhig der Verachtung und Berurtheilung der gebildeten und toleranten Bevölkerung unseres ganzen Wahlbezirks. Kein Conservativer, kein Demokrat, kein einziger Katholik kann jetzt noch dem programmlosen Candidaten dieser nationalliberalen Partei seine Stimme geben, jener Partei, die die Freiheit für sich allein in Auspruch nimmt und jede andere Meinung und Willensäußerung niederzutreten sucht.
Auf denn alle, Ihr wahlberechtigten Bürger, und wählet vollzählig und einmüthig unseren Reichstagscandidaten, den
Herrn Ober-Rechnungsrath Jacke in Darmstadt.
Friedberg den 6. Januar 1874.
Das Wahlcomite des 2. Oberhessischen Wahlbezirks.


