Landkreise Heine(Fortschritt) mit 7836 Stimmen gewählt. Der Social Demokrat Bracke erhielt 5676 Stimmen.
Braunschweig. Das„Braunschw. Tagebl.“ löͤst die Widersprüche in den verschiedenen An⸗ gaben über die Regulirung der Erbschaft des Herzogs Karl durch die Mittdeilung, daß Herzog Wildelm allerdings von Seiten der Stadt Genf wegen Herausgabe des unter Curatel⸗Verwaltung stehenden Vermögens des Verblichenen verklagt worden sei. Ebenso babe aber auch Heizog Wilhelm eine Klage gegen die Stadt Genf ange— strengt, welche jedoch der Anlaß zu einem am 26. Februar abgeschlossenen Vergleich wurde.
Schwerin, 4. März. In der heutigen Standesversammlung der Ritterschaft wurden ver- schiedene, einen Beschluß in der Vertretungsfrage anbabnende Dictamina mit 105 gegen 96 Stimmen abgelehnt, darauf der den betreffenden Theil der Regierungsvorlage rein ablehnende Beschluß der Ritterschaft vom 24. Februar mit 110 gegen 101 Stimme aufrecht erhalten.
München. Der„Aschaffenb. Ztg.“ wird von bier geschrieben, daß der Referent der Com- mission für die Frage der Annerkennung Reinkens als altkatholischer Bischof, dieselbe nach dem der— maligen Stande der bayerischen Gesetzgebung als unmöglich bezeichnet. N
— Dem ablehnenden Votum des Referenten der Commission für die Frage der Anerkennung Reinkens dürsten die übrigen Mitglieder der Com- mission beistimmen.
— 4. März. Vor dem oberbayerischen Schwurgericht kam gestern eine Anklage wegen Majestäts⸗Beleidigung durch die Presse gegen den vormaligen Cooperator A. Wimmer von Alzgern! zur Verbandlung. Wimmer ist, obwohl katdoli- scher Geistlicher, von seltener Begeisterung für das deutsche Reich erfüllt, so daß er deßbalb schon mit dem Bischof von Passau in Conflict kam. Er verfaßte ein Schriftstück, worin er den deutschen Fürsten den Rath ertheilte, zu Gunsten des Reiches auf ihre Krone zu verzichten, und übersandte die Schrift auch an König Ludwig II. Dies hatte die Anklage wegen Majestäts- Beleidigung zur Folge. Wimmer vertheidigte sich selbst und ver— wahrte sich auf das Entschiedenste gegen jede beleidigende Absicht. Das Urtheil lautete auf Freisprechung.
Straßburg. Bischof Räß veröffentlicht ein Schreiben, worin er die in der Reichstags- sigung vom 18. Februar durch ihn abgegebene Erklärung als der christlich-katholischen Glaubens- lehre, dem öffentlichen Recht und der gesunden Vernunft gemäß rechtfertigt. Daß er für die Annexion Sympatbien hege, folge daraus nicht, er werde aber fortfahren, unter der neuen Ord— nung mit den Behörden in Frieden zu leben. Seine Anfeinder möchten, wenn sie nicht 1,200,000 Streiter hätten, um den Friedensvertrag zu zer- reißen, aufhören, für Frankreich und Deutschland neue Verwickelungen zu schaffen und dem Elsaß neue Härten zuzrziehen.
Ausland. Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 4. März. Abgeordnetenhaus. Der Präsident theilt eine
Zuschrift des mährischen Abgeordneten Belcredi und der 33 sschechischen Abgeordneten Böhmens mit, worin dieselben ihre frühere Erklärung wegen ihres Nichterscheinens im Reichs rathe erneuern. Der Präsident erklärt die beantragte Zuweisung der Zuschrift an einen Special- Ausschuß mit Rücksicht auf die bereilis früher erfolgte Ablehnung eines ähnlichen Antrages für unzulässig, welcher Anschauung das Haus beitritt. Das Ausbleiben der Declaranten ist somit für ungerechtfertigt erklärt. * 4. März. Graf Chambord ist gestern hier angekommen. Auch das„Vaterland“ demen— tirt die Meldung von seiner Erkrankung.— Der bisherige Nuntius in Brüssel, Erzbischof i. p. Cattani, ist in gleicher Eigenschaft hierher versetzt.
Schweiz. Bern. Der Regierung ist von der Regierung des Kantons Baselland die Mit⸗ theilung gemacht worden, daß den dahin ge-
flüchteten Geistlichen aus dem Berner Jura der
sernere Aufenthalt im Kanton Baselland unter- sagt worden ist.
Frankreich. Paris. Die Regierung er- klärt amtlich, daß das Project einer Pariser In- dustrie- Ausstellung im Jahre 1875 lediglich von Privaten ausgehe und die Regierung demselben gänzlich fern stehe.
— 5 März. Die Regierung betont mehr und mehr ibre orleanistische Richtung. Erst gab der Marschall⸗Präsident den sämmtlichen Prinzen ein Ehrendiner, vorgestern war die Reihe am Herzog Decazes; demnächst wird der Herzog v. Broglie die Prinzen v. Orleans feiern, während det arme verlassene Graf v. Chambord in Frohsdorf sitzt und nun seit 44 Jahren betet und befft.
Belgien. Brüssel, 4. März. Der Herzog und die Herzogin von Edinburg sind heute Abend hier angekommen und wurden vom Könige am Bahnbofe empfangen.
Großbritannien. London, 5. März. Das Parlament ist ohne Thronrede eröffnet wor— den. Eine solche soll noch später erfolgen. Die— jenigen Cabinets-Mitglieder, welche zugleich Par— laments-Mitglieder sind, baben sich einer Neuwahl zu unterzieben, welche am 19. März stattfindet. Für den Besuch des Kaisers von Rußland ist eine große Flottenrevue bei Spithead anbefoblen. „Daily News“ zufolge ist die Hungersnoth in Bengalen in der Zunahme begriffen. In einem Dorfe bei Mozofferpore starben binnen vier Tagen 18 Personen.
Spanien. Madrid, 5. März. Von Bilbao sind keinerlei neue Nachrichten einge— gangen. Marschall Serrano und Admiral Topete
sind mit 4000 Mann in Castro angekommen. Die(republikanische) Centrumsarmee ist aufgelöst worden und soll zur Verstärkung der Nordarmee dienen, wohin General Dominguez etwa 7000 Mann führt.
Barcelona, 4. März. Serrano und Topete haben Truppen-Verstärkungen nach San— tander mitgebracht. Von der Uedergabe Bilbao's ist daselbst nichts bekannt. Es hieß, daß die Carlisten Bilbao seit sechs Tagen bombardirten. Moriones behauplet die Stellungen, die er vor dem Angriff auf die Carlisten innegehabt.
Japan. Jeddo. Die Beziebungen zwischen Japan und den auswärtigen Mächten oder viel— mehr deren Gesandten, den Vertreter Amerika's abgerechnet, werden den neuesten Postnachrichten zufolge mehr und mehr unharmonisch. Japan widersetzt sich, wie es scheint, fortwährend allen Argumenten zu Gunsten der Oeffnung des Landes, und hält starr an den Vertragsbestimmungen. Der amerikanische Gesandte, Herr Bingham, läßt sich dies: Haltung gefallen, während die übrigen diploma— tischen Vertreter unausgesetzt Vorstellungen machen.
Nangasaki, 3. März. Die Ausständischen sind geschlagen. Die R gierungetruppen haben Saga besetzt. Der Aufstand darf als beendet an— gesehen werden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 5. März. Vorgestern verunglückte beim Rangiren ein Bremser(Familienvater von 5 Kindern) auf hiesigem Bahnhof und mußte demselben ein Bein amputut werden.— Auf dem vorgesiern und gestern ge— nalienen Viehmarkte waren aufgetrieben: 1360 Ssück Rindvieh und 1090 Schweine,
Darmstadt. Der Aussichisraih der Bank für Süd— deuischland hat dem Vernehmen nach vor, der auf den 28. März einberufenen Generalversammlung die Ver— heilung einer Dioidende von 7/0 pCt. zu proponiten. Diese Dividende übersteigt somit die des Vorjahres um ¾10 PC., was bei dem während eines groben Theiles des Jaytes 1873 sehr flüssigen Geldstande gewiß ein sehr er sreuliches Resullat für dieses Institut ist.
Mainz, 3. März. Ein schweres Unglück ereignete sich heute Früh beim Bau der Conservefabrik. Beim Graben eines Wasserreservoirs, wie eine Nachricht besagt, während eine andere behauptet, daß es bei einem Keller— gewölbe geschah, bei dem man die Stützen abräumte, waren mehrere Leute beschäftigt, als plötzlich die Sache zusemmenstürzte und die Arbeitenden verschüttete. Einer derselben, ein funger Mensch von 22 Jahten, wurde tod, zwel Andere sehr gefährlich verletzt ausgegraben und in's Spital geschafft. 25
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sich die Zahl der Verhafte ten über 40 beläuft. Olest 0 batten sich am Sonntag Abend in einer Wiribschaft der Mombacher Straße die gröbsien Excesse zu Schul kommen lassen. Zwischen den Arbeitern polnischer 1 italienischer Nationalliät war nämlich eine Schlägerel en standen, welche, nachdem sich die Jialiener(12 ag Zahl) in dem Keller verbarrikadirt hatten, zu ein sörmlichen Steinbombardement auf das Wirihsbaus Selin der Polacken(etwa 200 Mann) führe. Auch die Na barn des Wirthes wurden in Müleidenschaft gezog indem ihre Gärten und Gartenzäune beschädigt würde Die italienischen Arbeiter haben auf die Affaire hin Stabt verlassen. Odernheim, 4. März. Das bhiesige Pfarrhaus in der Nacht von gestern auf heute durch eine Feuer? brunst, deren Ursache noch nicht ermittelt ist, vollstä nil zerstört worden.
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Allerlei.
Frankfurt. Während des verflossenen Jahres die Bevölkerung Frankfurts, einer amilichen Ausstellung zufolge, durch Zuzug und Mehrgettauter sich um 5485 Personen vermehrt. 28,250 Personen zogen 1873 ven
außechalb hier an, während des verflossenen Jabres wurem
serner 1348 Reiselegitimationen, 1157 Gewerbe- Legit Vel Cor mationsscheine und Karten bierselbst vertheilt und 7000 Dienstbücher ausgefertigt. Naturalisirt wurden hier, ö Familien und 119 einzelne Personen, während 10 Familen! 120 und 131 einzelne Personen ihre Enilassung aus dem Eine Ag Staalteverbande nahmen. 1 Fislichteiten Mannheim, 3. März. Gestern Abend wurde in 1 zu betragen der Wohnung des Zimmermanns Nollert von hic 9 Inhal! (Schwetzinger Gärten) ein Schuß gehört und bald darauf zun Vresse die 29 Jahre alte Ehefrau desselben mittelst Revolver⸗ 1 Delete Kugel am Kopfe schwer verletzt im Bette aufgefunden pracht, Ste lr Tod erfolgte um 2 Uhr frühe. Für heute können we— ledoch nut so viel miuheilen, daß der Ehemann der Oe— tödeten in der Nacht noch verhaftet wurde, und soll er 5 seine Tat den ibn transportrenden Polizeibediensteten— eingestanden baben. Der Revolver wurde im Ab trim 8 dee Hauses aufgefunden. Nollert ift Vater von 3 Kinde 8% Durch diesen schrecklichen Fall fand das auf den in gleichen Hause wohnenden Architekten Manchot vor einig N
Zeit verübte Attentat mein trauriges Nachspiel.
Ein gesandt. Was den hiesigen Katholiken langjähriger Herzenswunsch gewesen, darum stets angestrebl worden, ist vor 5 Jahren in Erfüllung gegangen, durch die Errichtung einer selbstständ igen katho⸗ lischen Parochie Friedberg. 0 Zur Durchfübrung und Befestigung dieser mil sehr schwierigen Verhältnissen verbundenen kaths⸗ lischen Pastoration zu Friedberg wurde damals Herr Pfarrer Gabel berufen und so ist nach 330 Jahren in diesem Herrn der erste kattolische Pfarrer zu Friedberg erstanden. Wie hat Herr Pfarrer Gabel die von seinen kirchlichen Behörden, insbesondere dem hochwür⸗ digsten Herrn Bischof gesorderten schweren Auf⸗ gaben gelöst und unsere Hoffnungen und Wünsche?
Wien
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1380.
Wiinten berg
Ber offenem, unerschütterlichem, treuen Glaudens⸗ Hal kenntniß ist es diesem hochwürdigen Herrn Pfarrer 9 Gabel gelungen, in Friedberg und dem ganzen Kreise, bei allen Bewohnern ohne Unterschied mit gleichmäßige Hochachtung sich zu erwerben. in Jute, 9
Uns Katholiken ist er ein treuer, eifriger, un-“ den, ermüdlicher Seelsorger gewesen, ein vortrefflichen“ ige Führer, weiser Rathgeber und lieber Freund ge⸗ N worden. Er bat es verstanden, bei seinen hervor Uu bee ragenden apostolischen Eigenschaften und seinem Nane guten Beispiele ganze, ungetheilte Liebe und lun en w vollstes Vertrauen seiner Gemeinde zu gewinnen, gan, und seinem ersprießlichen Wirken ist es zu ver⸗ d in
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danken, daß die biesigen Katholiken mehr selbste“ bewußt und in ihrem heiligen Glauben stärker und festec geworden sind.
Bei allen Katholeken bestand darum auch der berechtigte Wansch, ihren liebgewordenen, braven, geistlichen Hirten zu behalten, und so hat die vor mebreren Tagen ergangene Nachricht, der hoch— würdige Herr Pfarrer Gabel verläßt uns, er ist nach Sulzheim in Rheingessen versetzt worden, für uns ein begreifliches Gefühl der Trauer hervor- gerufen.
Wir werden unserem seitherigen, würdigen Geistlichen unsere aufrichtige Liebe und Dankbar keit unwandelbar bewahren und rufen ihm auf sein uns dargebrachtes berzliches Lebewohl aus dankerfülltem Herzen nach:„Glück und Heil und Segen und gleiche Dankbarkeit und Liebe sei mit
Mainz, 4. März. Unsere Polizei war gestern in voller Thälugkeit durch Vornahme von Arrestalionen von Festungsarbeuern; gestern Nachmittag und noch hesern Abend spät wurden deren gesänglich eingebracht, so daß
ihm in seinem neuen Wirkungskreis“. Friedberg am 5. März 1874. Die Katholiken von Friedberg.


