Ausgabe 
4.7.1874
 
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beantragen. Sobald die Geldmittel bereit seien, solle schon vor Fertigstellung der neuen Stadt⸗ umwallung für die demnächst in die Stadt ein- tretenden Grundstücke Baufreiheit gewährt werden. Die alte Enceinte müsse indeß in dem jetzigen Zustande beibehalten werden, bis die neuen Fronten die erforderliche Stärke erreicht hätten.

Zabern. Vorgestern hat die Strafkammer des Landgerichts zu Zabern den katholischen Pfarrer Benard von Hof bei Saarburg auf Grund des Kanzelparagraphen zu vier Wochen Festung ver- urtheilt. Man wird sich erinnern, daß Pfarrer Benard am 16. auf dem Bahnbof zu Saarburg verhaftet wurde, als er im Begriff war, nach Frankreich zu reisen. Der Gerichtshof hat ange- ordnet, daß dem Verurtheilten die überstandene Untersuchungshaft bei der Strafe in Anrechnung gebracht werden soll.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Der öster⸗ reichische Botschafter bei der Pforte, Graf Zichy, hat die Weisung erhalten, den ihm bewilligten Urlaub nicht anzutreten, weil die türkische Re- gierung neuerdings durch ein Circularschreiben auf Einleitung von Verhandlungen über die Handels verträge dringt.

Holland. Haag. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Buitenzorg vom 29. v. M. haben eine Anzahl Bewohner des Bezirks Pedir am 20. auf die holländischen Besestigungen einen Angriff gemacht, der indeß obne Erfolg geblieben ist. Die Feinde hatten sich auf dem rechten Ufer des Flusses Atchin verschanzt. Am folgenden Morgen wurden dieselben mit beträchtlichen Verlusten aus diesen Stellungen vertrieben. Die Verluste der hollän- dischen Truppen betrugen nur 29 Verwundete.

Frankreich. Paris. Hiesige Blätter schreiben: Es bestätigt sich, daß der Abg. Lucien Brun und mit ihm ein ar derer bekannter Legitimist, v. Vaugay, nach Frohsdorf abgereist sind, um mit dem Grafen Chambord zu conferiren. Dem Genfer Journal zufolge ist Lucien Brun jedoch nicht nach Frohsdorf, sondern nach Gex gegangen, wo er am 24. Juni eintraf. Wie es heißt, befinde sich Graf Chambord in der Nähe von Genf und verhandle durch Lucien Brun mit den Pariser und Versailler Legitimisten.

30. Juni. Man versichert, der engere Ausschuß der constitutionellen Commission habe beschlossen, dae Broglie'sche Programm wieder aufzunehmen, durch welches die siebenjährige Regierung Mac⸗Mahon's bestätigt und dem Mar- schall das Recht, die Nationalversammlung aufzu lösen, gemeinschaftlich mit einer zu schaffenden Ersten Kammer, deren Mitglieder er zur Hälfte ernennt, ertheilt wird. Broglie ließ in seinem Entwurf nur ein Drittel der Ersten Kammer vom Präsidenten ernennen. Die constitutionelle Com- mission will angeblich morgen ihren Berichterstatter ernennen und am Freitag den Bericht auf den Tisch des Hauses niederlegen.

Die Dreißiger Commission verwarf die Seitens der Legitimisten beantragte Redaction des Art. 1 des Verfassungs⸗ Entwurfes, nach welchem der TitelPräsident der Republik wegfallen sollte, und genehmigte den Artikel in einer Fassung, welche besagt:Die Präsldentschaft der Republik wird dem Marschall Mae Mahon für die Dauer von 7 Jahren übertragen. Die übrigen Artikel

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wurden gemäß dem Entwurse Broglie's ange- nommen.

Belgien. Brüssel, 1. Juli. Heute erschien der Brüsseler Gemeinderath Fontainas mit seinen vier Zeugen wegen seines Duells mit dem Bruder eines von ihm entehrten Mädchens, der bekannt lich in Folge seiner Wunde gestorben ist, vor dem Zuchtpolizeigericht. Man glaubt allgemein an ein sehr strenges Urtheil.

Man bemerkt seit einiger Zeit, daß viele franzözische Familien Frankreich verlassen und sich in Belgien niederlassen. Die Ungewißheit der dortigen Verhältnssse scheint die bewegende Ursache zu sein.

Großbritannien. London. Galway und Waret, die Deputirten der Kohlenarbeiter

von Barnsley, haben den Vorschlag, den Lohn um 10 pCt. herabzusetzen, abgelehnt. Es wird ein Arbeiterstrike von 20,000 Mann befürchtet.

Die Eisenhütten-Besitzer von Nommouth (Nordwales) wollen die Löhne um 20 pct. herabsetzen. Die Köͤhlenhütten-Besitzer werden wahrscheinlich eine gleiche Lohnreduction eintreten lassen.

Spanien. Madrid, 30. Juni. Heute Nachmittag ist die Meldung von der Ankunft Zabalas in Tudela eingegangen. Die Regier⸗ ungstruppen haben die früheren Stellungen bei Oteiza, Lerin und Larraga behauptet, nur einige Abtheilungen sind nach Tafalla zurückgegangen. Es bestätigt sich, daß der Gesammtverlust der Truppen am 27. nur 800 Mann beträgt.

Die Regierung hat beschlossen, dem ge- fallenen General Concha ein feierliches Leichenbe⸗

gängniß zu veranstalten und ihm ein Denkmal zu errichten. Die Armee soll in zwei Corps formirt werden mit Hauptquartieren in Tafalla und Miranda. Die Truppen der Regierung haben kein Geschütz und kein Bagagestück verloren. Don Alphons soll am Arme verwundet sein.

Santander, 2. Juli. Der General Zabala commandirt jetzt die bei Tafalla concentrirte Nord- Armee, Moriones die Division Rossel. General Echague erbat Verstärkungen. Die Carlisten haben ihre früheren Stellungen bei Estella inne.

Rußland. Petersburg. Die samose Geschichte des Großfürsten Nikolaus, eines Neffen des Kaisers Alexander, der bekanntlich zur Be friedigung der kostspieligen Passionen einer ameri kanischen Cirte die Diamantkästchen seiner Mutter geplündert hat, soll nun schließlich ein für den leichtlebigen Prinzen sehr unangenehmes Ende Der Prinz war, nach den letzten Nach- richten aus Petersburg gesährlich erkrankt; nun hat er die Aussicht, wenn er genesen sein wird, seine Tage weit weg von Petersburg verbringen zu müssen. Es heißt, der Kaiser habe ihn zur lebenslänglichen Verbannung nach dem Kaukasus verurtheilt. Er wird streng bewacht und behandelt, auch wurde ihm das St. Georgskreuz, welches er nach der Expedition nach Khiwa erhalten hatte, abgenommen. f

DerRegierungs-Anzeiger veröffentlicht ein kaiserliches Decret über die Resorm der Pri- mair-Schulen.

Amerika. New Jork. DemHerald zufolge verlangt Präsident Grant von der spanischen Regierung Entschädigung für die hingerichteten Virginius- Gefangenen und will Schäden und Interessen für die Familien in derselben Höhe be. messen wissen, wie England dieselben gezahlt hat.

Die öffentliche Schuld der Vereinigten Staaten hat sich im Monat Juni um circa 2 Millionen Dollars vermindert. Im Staats- schatze befanden sich 74,205,000 D. in Gold und 14,576,000 D. in Papier.

Aus Stadt und Land.

Vilbel. DerVilbeler Anz. schreibt: Am Samstag Abend brachten die drei hiesigen Gesangvereine und das Feuerwehr⸗Chor mit ihrer Musik unserem nunmehr scheiden⸗ den Herrn Kreistath Hallwachs ein Ständchen. Sowobl der Gesang, als auch die Musikstück,, wurden recht lobens⸗ werth ausgeführt. Nach diesem zogen die Feuerwehr und die Gesangvereine in den Simon'schen Garten, wo man abwechselnd unter Gesang und Musik in Gesellschaft des! Herrn Kreisrath und vieler hiesiger Einwohner noch einige recht vergnügte Stunden verbrachte. Was den Abend noch besonders verherrlichte, war ein von einem hiesigen Bürger ausgeführtes Feuerwerk.

Offenbach. In der Confetrenz höherer Staatsbahn und Mimsisterialbeamten, welche Ende voriger Woche in Frankfurt abgehalten worden ist, soll, wie man denFrkj. J. mittheilt, auch das Projeel der Erbauung einer Eisen⸗ bahn von Offenbach nach Darmstadt, sowie dessen Einfluß auf die Rentabilität der Strecke Offenbach-Hanau in Er⸗ wägung gezogen worden sein.

Darmstadt. Das Gefängniß in Dieburg, in welchem seither die zu Gefängnißstrafen verurtheilten Frauensper⸗ sonen aus Starkenburg und Oberhessen ihre Strase zu verbüßen halten, ist in ein Arbeitsbaus umgewandelt worden, in welchem die der Landespolizeibehörde nach §. 362 bes Strafgesetzbuchs überwiesenen Personen unter gebracht werden. Die weiblichen Sträflinge des seitherigen Dieburger Gefäugnisses sind in die für Rheinhessen seither schon bestimmte gleichartige Strafanstalt in Mainz über- geführt Forden und werden in der Folge dort auch die zu

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Gefängniß verurtheilten Frauenspersonen der diesseltigen Provinzen ibre Strafe verbüßen.

Darmstadt, 1. Juli. Heute feiert Herr Oberappel⸗ lationsgerichtsrath Eigenvrodt sein fünfzigjäbriges Dienst⸗ jubiläum und sind dem hochverebrien Jubilar von allen Seiten die wärmsten Glückwünsche entgegengebracht worben.

Darmstadt. DieDarmst. Ztg. schreibt:Seitdem die Sommerwärme eingetreten, hat man hier zum ersten Male Muskitos beobachtet. Dieselben halten sich bis jetzt nur noch in den der Merk'schen Fabrik zunächst gelegenen Straßen auf und sind von unseren vaterländischen Schnaken leicht zu unterscheiden. Ihr Stich ist ungemein schmerz⸗ haft, und oft beginnt derselbe nach 8 Tagen auf's Neue zu brennen und Eiter abzusondern. Diese widerwärtigen Tyiere sind offenbar durch Droguen aus Neu-Guinea oder Brasilsen hierher verschleppt-worden und halten sich gegen⸗ wärtig' nur zunächst der Lagerfätte dieser Droguen auf, werden sich aber unfehlbar über die ganze Stadt verbreiten.

Darmstadt, 2. Juli. Heute Nacht wurde ein Bauernsänger, seiner Angabe nach aus Polen gebürtigt, wahrscheinlich aber Mitglied der bekannten Mainzer Firma von einem Reisenden, dem er in einer unweit der Bahn gelegenen Wirthschaft eine nicht unbedeutende Summe abgenommen, mit Hülfe zweier Bahnbediensteten dingfest gemacht und harrt nun einstweilen hinter Schloß und Riegel der Dinge, die da kommen werden.

Mainz. Die wegen des Brandes der großen Getreide⸗ Halle im Bahnhof der Hessischen Ludwigsbahn gegen den Miether eines Raumes derselben, den Kaufmann K., wegen Brandstiftung geführte Untersuchung scheint die nölhigen Anhaltspunkte gegeben zu haben, und so dürfte der Beschuldigte vor den Assisen des nächsten Quartals erscheinen. In der gleichzeitig von der Frankfurter Ver⸗ sicherungs-GesellschaftProvidentia angestreglen Betrugs⸗ und Enischädigungs-Procedur sind die nöthigen Beweise nicht zu erbringen gewesen, und die Gesellschaft hat auf weitere Schritte verzichtet.

Klein-⸗Winternheim, 30. Juni. Gestern Abend gerieth ein hiesiger, dem Trunke ergebener Mann mit seinem noch nicht ganz ein Jahr verheiratbeten Tochter⸗ mann in Streit, griff dabei zu einem Schußerkueip und erstach damit den even von der Arbeit heimgekehrten Schwiegersohn. Der Thäler wurde dereits gefänglich ein⸗ gezogen.

Allerlei.

Kransberg, 1. Juli. Zwischen hier und Pfaffen⸗ wiesbach soll ein 10jähriges Mädchen ermordet im Walde gefunden worden sein. Das Mädchen habe Gänse gehütet, als ein Kerl des Weges kam und das Kind mit in den Wald lockte. Dort hat er es wahrscheinlich mißbraucht und auf scheußliche Weise ermordet. Nähetes konnten wir noch nich! in Erfahrung bringen.

Frankfurt. Die Franksurter Ruder⸗Gesellschaft hat vomClub Nautique Gentois eine Einladung zu einer demnächst in Gent abzubaltene Regatta erhalten. Wir bemerken hierbei, daß die Ruder⸗-Gesellschaft unter 26 Ein⸗ geladenen, worunter Holländer, Engländer, Belgier und Franzosen sich befinden, die einzig deulsche derartige Ge⸗ sellschaft ist.

Hofbeim. DerKarlsruher Zeitung? wird ge⸗ schrieben:Prinz Solms, ein entsernter Verwandter des Bischofss von Ketteler, empfängt eben dahier von einem Geistlichen die nöthigen Vorbereitungen bebufs Uebertritts zum Katholicismus. Prinz Solms ist auch ein Ver⸗ wandter des Exkönigs Georg. g

K. Hanau. Den Friedbergern wohl bor Allen müssen wir vorher die Mittheilung machen, daß die Verwaltung der Franksurt-Bebraer Bahn au Exkrazüzen für das hiesige Mainthal⸗Sängerfest auf den 5. Juli, Sonntags, ver⸗ willigt hat: einen solchen um 8 Uhr 5 Min. Morgens von Frankfurt, Neckarbahnhof, ab; einen weiteren 1 Uhr 5 Min. Nachmittags von Sachsenhausen ab. Des Nachts geben dann noch 2 Extrazüge von bier in der Richtung Offenbach, Sachsenhausen um 8 Uhr 20 Min. und 12 Uhr. In Bezug auf die Preise der Plätze ist noch genauer hinzu⸗ zufügen, daß zum Concert allein nur 3 Klassen bestehen; 1 fl. 45 kr. für numerirten, 48 ke. für Sitz⸗ und 24 kr. für Steyplatz. Bon den zu allen Theilen des Festes be rechligenden 1 fl Festkarten, welche in/ Dutzenden zu 6 fl ausgegeben werden, sind zu unterscheiden die 1 fl. 12 kr. Fesikarten. Während jene im Allgemeinen nur einen Sitzplatz zum Concert garantiren, hat man das Recht, auf die 1 fl. 12 kr.⸗Karlen sich süc 36 kr. Supplemeni⸗ karte auf einen numerirten Platz zu kaufen. Diesen Vortheil haben die 1 fl.⸗Festkarten nicht.

Berlin. Ein Dienstmädchen, das am späten Abend

bei der Familie eines Berliner Beamtenzugezogen war, erwartete am nächsten Morgen in der Küche gemütlich veim Frühstück das Erscheinen derMadame, um von ihr die Anweisungen zur Verrichtung der häuslichen Arbeiten entgegenzunehmen. Die Hausfzau trat auch bald ein und sagte zu dem Mäochen, das sie mit freundlichem Kopf nicken empfangen hatte:Wenn Du mit dem Frübstück fertig bist, so komme in das Schlafzimmer.Ach so entgegnete darauf dieNeue wir duzen uns; das ist mir auch recht!

Kelkheim, bei Soden, 29. Juni. Soeben durchlief die Nachricht von einem enisetzlichen Morde unser Dorf, welche die ganze Einwohnerschaft in die höchste Aufregung versetzte. Es wurde nämlich ein Mädchen, welches bei einem hiesigen Feldbacksteinbrennereibesitzer arbeitete, erst 21 Jahre alt ist, unweit unseres Docses in einem Korn⸗ acker lodt aufgefunden. Bei näherer Untersuchung sand sich ein Dolchstich in das Genick. Hoffentlich wird der Mörder seiner Strafe nicht entgehen. Schon ist ein der

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