Ausdruck zu geben, daß noch vor der Aufstellung des Etats für 1876 auf neue finanzielle Quellen für das Reich ernstlich Bedacht genommen werde, und bezeichnete als solche die Tabaksteuer, Zoll auf Mineral- Oele, eine Erhöhung der Biersteuer, eine Reichs⸗Gewerbe- und eine umfassende Reichs ⸗ Stempelsteuer.
— Die„Pos. Ztg.“ meldet als authentisch: Graf Arnim hat den hiesigen Rechts- Anwalt Deckhorn neben dem Rechts- Anwalt Munkel zu seinem Vertheidiger gewählt. Dockhorn hat be reits mit Arnim conferirt und reist heute wiederum nach Berlin.
München, 30. Nov. Der Redacteur des „Bayerischen Vaterland“, Dr. Sigl, wurde heute, da er persönlich nicht erschienen war, ohne Zu⸗ ziehung von Geschworenen vom Gerichtshofe in contumaciam der verläumderischen Beleidigung des Fürsten Bismarck durch die Behauptung, das Attentat in Kissingen sei nur eine Comödie ge- wesen, schuldig erklärt und zu zehnmonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt. Der Staatsanwalt batte 15 Monate beantragt.
Karlsruhe, 1. Dec. Bei der gestern hier stattgehabten Wahl dreier Mitglieder der katho⸗ lischen Stiftungs Commission, woran die Römisch⸗ Katholiken und die Altkatholiken sich betheiligten, wurden die Candidaten der Letzteren gewählt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Während officibs über den Eingang der Steuern im laufen- den Jahre relativ günstige Nachrichten verbreitet werden, wird im Abgeordnetenhause im Hinblick auf die vom Finanzminister über den Stand der Finanzen abgegebenen Erklärungen erzählt, daß sich bis Ende September dieses Jahres sowohl im Eingange der directen als der indirecten Steuern ein beträchtlicher Ausfall gegen den Voranschlag zeige. Die Höhe desselben übersteige noch den Ausfall, welcher im Eingange der Zölle in der gleichen Periode eingetreten sei. Der Letztere soll sich auf 6 Millionen belaufen.
Frankreich. Paris. Eine Versammlung von Deputirten der Linken und der äußersten Linken sprach einstimmig die Absicht aus, un- mittelbar nach dem Wiederzusammentritt der Nationalversammlung zu verlangen, daß das Armeccadres⸗Gesetz berathen und jede politische Discussion, sowie die Berathung ber constitutionellen Gesetze bis nach dem 1. Januar vertagt werde. Man glaubt, die drei Gruppen der Linken würden dasselbe beschließen, auch die Gruppen der Rechten sollen die gleiche Absicht haben.
— Bei den Pariser Municipalwahlen sind gewählt worden: 53 Radicale, 10 gemäßigte Republikaner, 11 Conservative. 5 Stichwahlen sind erforderlich.
— Das„Journal ofßeiel“ meldet die Er⸗ nennug des Msgr. Colet, Bischofs von Lugon, zum Erzbischof von Tours an Stelle des ver⸗ storbenen Msgr. Fruchand. Der neue Exzbischof, ein Bauernsohn aus den Vogesen, ist 68 Jahre alt; er gehört zu den gemäßigteren Prälaten Frankreichs und galt, wenigstens bisher, für einen Anhänger des Kaiserreichs.
— 30. Nov. Die Kaiserin von Rußland und der Großfürst Alexis reisten heute Vormittag 10% Uhr von hier nach San Remo ab.— Die „Agence Havas“ bestätigt, das die Botschaft des Marschall⸗Präsidenten Mae Mahon an die Natio- nalversammlung nicht vor Mittwoch verlesen wird.
Versailles, 30. Nov. Heute hat der Wiederzusammentritt der Nationalversammlung stattgefunden. Die Versammlung looste ihre
Bureaux aus: sonst bot die Sitzung nichts Be⸗ merkenswerthes. Die Wahl des Präsidenten erfolgt morgen, die Wiederwahl Buffet's gilt als gewiß.
Großbritannien. London, 30. Nov. Gestern wurde in allen Kirchen der katholischen Diöcese Westminster ein Hirtenbrief des Erzbischofs Manning verlesen, welcher erklärt, daß jeder Katholik, der die Unfehlbarkeit leugne, dadurch ipso facto aus der katholischen Bemeinschast aus- scheide und ein Saerileg begehe, wenn er unter Verheimlichuug dieses seines Unglaubens die heiligen
Sacramente nehme. Eine Broschüre Manning's über die valikanischen Decrete und deren Einfluß auf die Unterthanentreue wird nächstens erwartet.
Italien. Rom. Hundertsechs Abgeordnete der Linken brachten in der Kammer einen Vor— schlag ein behufs Zuweisung eines Nationalge⸗ schenkes an Garibaldi, bestehend in einer jähr- lichen Leibrente von 100,000 Lire mit dem Rechte testamentarischer Verfügung über die Hälfte des Capitals der Rente.
Türkei. Constantinopel. Ein Tele- gramm der„Times“ von hier meldet: Obgleich die Pforte die Suzeränetät über die Donaufürsten- thümer nicht aufgebe, stehe doch betreffs der rumänischen Verträge in Folge der guten Dienste Englands bei den betheiligten Mächten eine be— friedigende Lösung zu erwarten.
Rußland. Petersburg. Die in aus. wärtigen Zeitungen verbreiteten Nachrichten über die angebliche Schließung der Universitäten von Charkow und Kiew sind unwahr. Zur Zeit ist von Unregelmäßigkeiten in den höheren Lehran— stalten außer den von der hiesigen Universität ge— meldeten, nichts bekannt und sind allgemeine Maß regeln gegen die höheren Lehranstalten in keiner Weise beabsichtigt.
— Der Wiener russische Gesandte theilte mit, daß eine Fortsetzung des Brüsseler kriegsrechtlichen Congresses in Petersburg für den März beab— sichtigt sei, damit die humanitären Bestimmungen des Kriegsrechts-Codex sofott bindende Formen gewönnen.
— 30. Nov. Der„Regierungs- Anzeiger“ meldet aus Livadia von gestern: Der Kaiser und die Großfürstin Marie reisten 4 Uhr Nachmittags nach Simferopol ab, von wo sie sich Abends 9 Uhr per Eisenbahn nach Petersburg begaben.
Amerika. Washington. Der Schatz secretär hat pro Dezember den Verkauf von 2½ Millionen Dollars Gold verordnet. Ein ent⸗ sprechender Ankauf von Bonds findet nicht statt. — Lowell hat die Annahme des Gesandtschafts- postens in Petersburg abgelebnt.
Panama. Der Erzbischof von Santiago und die Bischöfe von Concepcion und Serena haben eines Hirtenbrief erlassen, durch welchen der Präsident der Republik Chile, die Minister und eine große Zahl von Senatoren und Deputirten excommunicirt werden, weil dieselben sich an dem Zustandekommen der neuen Strafordnung be theiligten, welche die Veröffentlichung zu Aufruhr erregender päpstlicher Bullen verbittet. Der Hirten⸗ brief verursacht große Aufregung.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die Vorträge des Herrn Dr. Schulze aus Mainz, welche derselbe auf Veranlassung des hies. Volks, vildungsvereins im hies. Ralhhaussaale hält, finden unge⸗ theilten Beifall. War schon der erste Vottrag zahlreich besucht, da Herr Schulze dem hies. Publikum aus früheren Jahren auf's Vortheilhafteste bekannt ist, so halte sich am vorigen Samstage eine noch reichere Zuhörerschaft eingefunden, die in größter Aufmerksamkeit und Spannung dem geistreichen fesselnden Vortrage des geschätzten Redners lauschte. Wir wollen nicht unterlassen, auf den nächsten Samstag den 5. December staltfindenden letzten Vortrag des Hrn. Schulze aufmerksam zu machen, in welchem derselbe über„die modernen Theorien über Gewerbepolitik une gewerbliche Entwicklung, und deren Verhält⸗ niß zu den herrschenden Zuständen“ sprechen wird.
—t—. Friedberg. Trotz der fast an allen Orten unserer Gegend vortheilhaft wirkenden Spar- und Leih⸗ kassen fällt doch noch zuweilen ein geldloses Bäuerlein in die Hände der Wucherer und wird hart gerupft. Hier zur Warnung ein Beispiel im Kleinen. Zu einem Mehl⸗ und Landesproductenhändler kommt ein geldbedürftiger Mann und geht ihn an um ein Darlehen von 10 fl. „Geld verlehne ich nicht“, entgegnete jener,„aber ich will dir einen Sack Mehl verkaufen“.„Aber ich brauche kein Mehl, sondern wünsche 10 fl. baares Geld“ erwie— derte der Erste. Der Händler erklärte ihm nun:„du kaufst von mir einen Sack Mehl für 20 fl. gegen halb⸗ jährigen Credit und ich kaufe dir das Mehl gleich wieder ab für 10 fl. baares Geld, dann ist dir ja geholfen.“ Der Geldbenöthigte ging auf diesen sauberen Vorschlag ein und empfing 10 fl. baares Geld gegen 20 fl. Schuld.
Gießen, 30. Nov. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom 1. Quartal 1875 werden Montag den 4. Januar, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten des Schwurgerichtsbofs bestimmten Großherzoglichen Hof⸗ gerichts⸗Raihs Herrn Dr. Stammler ihren Anfang nehmen und wurden demzufolge in der heute stattgehabten öffent⸗ lichen Sitzung Großherzoglichen Hofgerichts der Provinz
Oberhessen, die Haupt- und Ergänzungs⸗Geschwornen in folgender Ordnung ausgeloost. Haupigeschworene! 1. Werner
Diehm III., Fabrikant in Lauterbach. 2. Johannes Jochem V. Landwirth in Laubach. 3. Friedrich Christjan Seitz, Schllb⸗
wirih von da. 4. Michael Kabn, Fruchthändler in Gedern. 5. Jacob Joseph Petei,
7. Moritz Heichelheim, Ellenwaarenhändler in Sießen. 8. Reinhard Prinz, Posthalter in Grünberg. 9. Loxenz Kübel, Leinwandfabrikaunt in Herbstein. 10 Hermann Homberger, Zeugfabrikant in Gießen. 11. Conrad Ron⸗ ibaler III., Bürgermeister in Langd. 12. August Heß, Gasfabrikant in Gießen. 13. Wilhelm Schudt, Pachter in Nieder-Erlenbach. 14. Friedrich Emil Gail, Haupt⸗ agent in Gießen. 15. Johannes Jacobi VI., Bürger⸗ meister in Rodheim. 16. Karl Bindernagel II., Buchbinder in Friedberg. 17. Georg Repp II., Kaufmann in Grün⸗ berg. 18. Georg Bär VI., Ziegler in Groß-Karben, 19. Johannes Sehrt III., Kaufmann in Grünberg. 20. Georg Jehner I., Kaufmann in Schwalheim. 21. Fer⸗ dinand Burk, Müller in Sießen. 22. Fritz Eckslein, Oeconom in Grünberg. 23. Friedrich Christian Pieisch, Buchdrucker in Gießen. 24. Ernst August Häberle, Kauf⸗ mann in Friedberg. 25. Ludwig Lauer, Hofgerichts⸗ Advocat in Gießen. 26. Julius Hoch, Weißbinder in Gießen. 27. Justus Müller, Gastwirth in Gießen. 28. August Nauheimer, Maurer in Gießen. 29. Friedrich Kraft, Hofgerichts-Advocat in Gießen. 30. Heinrich Quanz III., Landwirth in Eichelsachsen.
Castel, 290. Nov. Heuie Morgen stürzte sich ein hies. Mann, der gemüthskrank sein soll, von dem abge⸗ fahrenen Theile der Brücke aus in den Rhein. Einige Flößer, welche ihn bemerkten, retteten ihn aus den Fluthen, Silat sich nun bei seinen Rettern zu bedanken, äußerte er:„Was thue ich auf dieser Welt? Hättet Ihr mich er⸗ trinken lassen!“
Verloosung.
Carlsruhe, 30. Nov. Bei der heutigen Serien⸗ ziebung der badischen 35 fl. Loose wurden folgende Serien gezogen: Nr. 92 252 698 1326 1350 1413 1546 1814 3160 3974 4131 4243 4752 5682 5926 6028 6288 6419 7831 7786
Handel und Verkehr.
Friedberg, 1. Dec. Waizen 12 fl. 30 kr.; Korn 10 fl. 40 fr.; Gerste 10 fl. 50 kr.; Hafer 9 fl. 30 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.
Mainz, 1. Dec. Productenmarkt. Waizen per Dee, — fl.— kr., per März 19 M. 65., per Mai 19 M. 70. Korn per Dec.— fl.— kr., per März 16 M.—, per Mai 15 M. 90. Haser per Nov.— fl.— kr., per März 18 M. 95, per Mai 18 M. 85. Nüböl per Dec.—. — kr., per Mai 31 M. 60. Raps pet April 29 W. 35.
D, Frankfurt a. M., 1. Dez. In der gestrigen Abendbörse trat unter dem Eindruck der Londoner Dis⸗ contoerhöhung auf 6% eine weitere Ermattung der Tendenz ein. Die befländigen Discontoheraussetzungen beunruhigen die Spekulation mehr als die Lage unseres Geld marktes erheischt. Geld ist hier fortgesetzt flüssig, und der Bedarf für dasselbe ein sehr geringer. Auch heute eröffnete das übrigens beschränkte Geschäft unter matter Stimmung, bis später auswärtige höhere Ceurse eine bessere Tendenz veranlaßten. Creditactien bewegten sich zwischen 239 ¾ bis 39½¼— 39½, und 240½, Staatsbahnactien zwischen 320½— 205/— 20 und 321. Lombarden waren ohne alles Leben und notiren nach 137¼½ und 136 mit 136 ½, Oesterr. Bahnen zeigten sich fast durchgehends nachgebend, nur Ungar. Galizische sind erheblich höher(ca. fl. 4); auch Franz⸗Joseph und Alsöld besserten sich um eine Kleinigkeit. Von Banken waren Darmstädter, Deutsche Vereinsbank, Meininger, Oesterr. Nationalbank matter, Handelsgesellschaft fanden zu dem Course von 107 Neymer. Würtiemb. Vereinsbank höher. Von Anlagefonds 4½% Bavern und Württemberger anziehend. Oesterr. Fonds maiter. Russen von 1871, sowie 1881 und 1885er Ameri⸗ kaner niedriger, 1882er fest. Prioritäten theilweise gefragt und böher, namentlich 5% Staatsbahn, Alsföld und 4½% Bexbacher. Loose still. 1860er und Ungarische elwas billiger. Raab⸗Grazer fest. Fremde Wechsel wenig ver⸗ ändert, London tbeurer, Schweizer Pläße schwächer.
Geld Cours. Frankfurt am 1. Dezember 1874.
H. 9 41—43 9 49—51
Pistolen Holländische fl. 10-Stücke
17 Ducg ten.„ 584-36 Ducaten al mareo ee e ee 20 Fraenn ce 31—32 Englische Sovereign.„ 11 57-59 Russische Imperiales.„ 9 5052 Dollars in Gold„
Akcht kölnisches Wasset von Johann Maria Farina. Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober⸗ hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle ich zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und 45 kr. per Glas gehorsamst. 5 1 Johann Maria Farina in Köln.
Eisen Händler in Herbstein. 6. Eduard Karl Ferdinand Baier, Landwirth in Freienseen.
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Velsteig
Bal 9579 Dien 41 Uhr, ö Vorschuß von Gr. 4 Scheuer ne war zum wersteigert u
Friedb
Im m. 3566 Mit 10 Uhr, v Antrag der Peschriebere Hersteigert:


