Ausgabe 
3.12.1874
 
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1874. 143.

Donnerstag den 3. Dezember.

Sberhessischer Anzelger.

Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Fur den Nonat Dezember kann auf denOberhessischen Anzeiger bei der Verlags-Expedition mit 10 kr., bei den Posistellen mit 16 kr. abonnirt werden.

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Amtlicher Theil.

Zetreffend: Die Wahl der Vertreter der Forensen. Friedberg am 29. November 1874.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

nter Hinweisung auf unser Ausschraben vom 29. vorigen Monats, Kreisblatt Nr. 129, fordern wir Sie auf, sobald in Ihren resp. Demeinden die Neuwahl des Ortsvorstandes vollzogen sein wird, zur Wahl des Vertreters der Forensen zu schreiten und dabei die Vorschriften in en§§ 17 ff. der Anleitung zu beachten. In Bauernheim, Beienheim, Burg⸗Gräfenrod, Dortelweil, Fauerbach bei Friedberg, Hausen, Kaichen, Floppenheim, Nieder-Erlenbach, Ober Florstadt, Okarben, Oppershofen, Rockenberg, Rödgen, Schwalheim, Trais- Münzenberg und Weckes heim sind e zwei, in allen übrigen Gemeinden des Kreises ist nur je ein Vertreter der Forensen zu wählen.

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Formulare füt und Gemeinde C. Weis,

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Nach vollzogener Wahl sind die Akten gemäß§ 27 der Anleitung ungesäumt an uns einzusenden und nach stattgefundener Bestätigung er Wahl ist alsbald zur Beratbung und Feststellung des Voranschlags zu schreiten.

Wir wiederholen, daß die Wahl der Forensen erst dann in den Gemeinden vorgenommen werden kann, wenn die Wahl der Gemeinde zertretung, also die des Gemeinderaths, Bürgermeisters, Beigeordneten und der etwa zu ergänzenden Gemeinderathsmitglieder stattgefunden.

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detreffend: Die Ausstellung der Gemeinde-Voranschläge für 1875.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Kirchen- und Schulvorstände des Kreises.

Unter Bezugnabme auf unser Ausschreiben vom 4. August dieses Jahres, Kreisblatt Nr. 92, wollen Sie sofort die Bedürfnisse der Kirchen ind Schulen, welche in den Gemeinde⸗Voranschlägen für 1875 zu wahren sind, den betreffenden Großherzoglichen Bürgermeistereien mittheilen.

Ter a p.

Friedberg am 29. November 1874.

Deutsches Reich.

Friedberg. DasFrankf. Journal bringt solgenden beherzigenswerthen Artikel: Bekanntlich sbließt das neue Schulgesetz die Angehörigen von Orden und ordensähnlichen Congregationen von dem öffentlichen Volksunterricht gänzlich aus, und s werden daher bei voller Durchführung jenes Gesetzes in Kürze eine ganze Reihe von Schul sellen frei, welche bis dahin von englischen Fräu ein und Schulschwestern versehen wurden. Nimmt nan hierzu, daß dermalen ohnehin viele Lehrstellen inbesetzt sind, die füglich mit weiblichen Lehr käften besetzt werden könnten, so eröffnet sich für lehramts⸗Aspirantinnen ein geräumiges Feld der 7hätigkeit, worauf man um so mehr aufmerksam zu machen veranlaßt ist, als gerade in heutiger tit die Frage über entsprechende Erwerbsthätigkeit der Frauen Tag für Tag erörtert wird, und kaum eme andere Thätigkeit qualificirter Frauen eine so schere und ehrenvolle Existenz zu gewähren im Stande it, als der Lehrberuf. Auch scheint es Pflicht der Nresse zu sein, Eltern darauf hinzuweisen, daß sie durch geeignete Hinleitung ihrer Töchter nach dieser Richtung deren Existenz demnächst zu sichern in der Lage sind. Lassen doch selbst Eltern der besten Stände ihre Töchter nach dem Austritt aus den Instituten zu aller Vorsorge noch das höhere kehrerinnen⸗Examen absolviren.

Darmstadt. Am 25. Nov. wurden der Listrictseinnehmer von Bessungen, Eberhard Lein- berger, nach Wald-Michelbach; der Districtsein- uhmer von Arheilgen, Moritz Moter, nach Bes fingen; der Districtseinnehmer von Richen, Johann Jhilipp Dieter, nach Groß-Gerau; der Districts⸗ tinnehmer von Pfungstadt, Christian Müller, nach Tichelstadt, und der Districtseinnehmer von König, dranz Mischler, nach Seligenstabt; sämmtlich mit Birklung vom(. Januar 1875 an versetzt und 1 Wirkung von dem gleichen Zeitpunkte ab dem Listrietseinnehmer von Wolfskehlen, Gottlieb ristian Friedrich Fritsch, die Districtseinnehmerei Painz J, und dem Districtecinnehmer von Bad. Jauheim, Heinrich Wenzel, die Distrietseinnehmerei Vainz II übertragen.

ö Berlin, 30. Nov. Reichstag. Fortsetzung der Be⸗ rathung des Bundeshaushalts-Eilats für Elsaß-Lolhringen. Winterer spricht gegen die Anleihe-Vorlage, wozu kein Grund vorhanden sei, die Universität sei zu hoch dotir! und diene nur zur Germanisirung des Landes; an den Rosten der inneren Verwaltung könne viel gespart werden. Redner spricht ferner gegen die Zahlungen für Schulen, nachdem man die Schule gestört und sie unter den Staat gestellt babe. Reichskanzler Fürst Bismarck erwiedert: Es bandelt sich hier um die Interessen des Reichs, nicht um Elsaß Lothringen; die Universilät soll Reichszwecken dienen. Wir haben in dem guten Kriege, in welchem wir uns unserer Haut wehrten, die Länder für das Reich erobert. Nicht für Elsaß⸗Lothringen vergossen unsere Soldaten ihr Blut.(Bravo!) Wir stehen auf dem Boden der Reichs⸗ Interessen und Reichs⸗Politik. Aus dem gleichen Grunde wurden ja überhaupt Elsaß und Lothringen anneclirt, und nicht um der Kirchthurms⸗Interessen von Elsaß Lothringen willen. Wir baben im Reiche anderen Boden als jene Herren, deren Vergangenheit nach Paris, deren Gegenwart sie nach Rom treibt. Wir müssen an das Reich denken, dazu auch haben wir die Vertteler von Elsaß-Lolhringen hergerusen. Meine Ansichten üder das elsaß-lolhringische Parlament, welche früher zu sanguinisch waren, bestehen zwar principiell fort, sind jedoch modificirt, seitdem ich die Tonart der hier anwesenden elsaß⸗lothringischen Abgeord neten kennen lernte; ein solches Parlament würde dauernde Aufregung, vielleicht Gefahren für den Frieden herbei führen. schaffen, ist schwer zu beseitigen, deßhalb konnte nicht so versahren werden. In den Schulen schritten wir energisch ein, werden aber wohl noch energischer vorschreiten müssen. Wir konnten nicht Elemente in der Schule dulden, welche, ich will nicht gerade sagen auf die Verdummung hin⸗ arbeiteten, aber doch dafür sorgten, daß die Leute dort nicht zu klug werden. Meine Schrilte für Elsaß Lothringen werden steis durch das Interesse für das Reich und dessen Sicherheit geleitet sein; ich werde mich durch keine Vor würfe, Drohungen, Einschüchterungen oder Ueberredungen hiervon abschrecken lassen, aber ehe ich dort enischieden weiter forischreiten kann, muß ich die Ueberzeugung er halten, daß dor: solche Elemente vorhanden sind, denen zu tiauen ist. Von der heranwachsenden Generation dürfen wir bessere Einsicht erwarten, deßhalb müssen wir für gute Schulen sorgen. Pulikamer(Colmar) für den Etat und die Anleihe unter Widerspruch Simonis und Winterers.

tegel und für Verweisung der Vorlage an eine Cemmission, welcher Elsaß⸗Lolhringer angehörten. Löwe weist auf die normalen Verhältnisse Elsaß Lothringens hin und hebt hervor, daß die Regierung verfahre, wie sie müsse, und die Zustimmung des Reichstags erwarten könne. Die De batle wird hierauf geschlossen und der Etat und die An leihevorlage an eine Commission von 21 Mitgliedern ver- wiesen. Das Gesetz über die Einführung der Maß⸗ und

Eine solche Schöpfung auf gesetzlichem Wege ge⸗

Windthorst(Meppen) gegen die Anleihe und Schulmaß⸗

Gewichts Ordnung in Elsaß⸗Lothringen wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte angenommen, die Vorlage über die deutsche Seewarte in erster Berathung erledigt. Bei der zweiten Berathung stimmt das Haus dem Lasker'schen An⸗ trage zu, die Debatte abzubrechen und bei der Budget- Position üder die Seewarte wieder auszunebmen. Der Berner Wellpost⸗ Vereins- Vertrag wird in dritter Lesung fast einstimmig angenommen.

1. Dec. Reichstag. Erste Berathung der Gesetz⸗ enzwürfe, betreffend die Anleihen für Marine- und Tele⸗ graphen⸗Ver waltung. Gegenüber dem Corvetten⸗Capitän Saint⸗Paul, der die Verlangsamung der Ausführung des Flotien-Gründungsplans tadelt, motivirt Marineminister v. Stosch die Verzögerung des Baues neuer Schiffe durch die Nothwendigkeit, vorher genügende Schiffs mannschasten auszubilden, womit eben so wie mit den Hafenbauten möglichst rasch vorgegangen werde. Entsprechend den ge steigerten Anforderungen auf Schutz durch die Marine seuens der im Auslande fast in allen Hasen⸗Orten leben⸗ den fünf Millionen Deutschen, seien auch in der Art des Neubaues von Schiffen Veränderungen gebeten. Auf die Bemerkung, daß der Bau von Monitors nicht geföͤrder: werde, erwiedert der Minister, daß das Moniter⸗System veraltet sei. Verbesserte Terpedos in Verbindung mit gepanzerten Kanonenbodten genügten, die Flußmündungen zu schützen. Nachdem Schmidt(Steuin) die geringen Verwendungen für die Handels häsen in der Ostsee beklagt hat, werden beide Anleihevorlagen der Budget Commission ü berwiesen.

Berlin, 29. Nov. Der russische Großfürst⸗ Thronfolger wird morgen früh aus Paris hier eintreffen, im russischen Botschafts⸗Hotel absteigen, Vormittags die Majestäten und die Mitglieder der königlichen Familie besuchen, Nachmittags an der Familientafel des Kaisers theilnebmen und Abends 11 Uhr die Rückreise nach Petersburg fortsetzen.

29. Nov. In der von dem Magistrat und dem Consistorium den Altkathboliken bewilligten hiesigen evangelischen neuen Kirche fand beute Vormittag 8 Uhr der erste altkatholische Gottes- dienst statt. Professor Weber aus Breslau hielt die Messe und Communion. Dem Gottes dienste wohnten 300 Personen, der Communion 20 Mit- glieder der Gemeinde bei.

13 Bei Feststellung der Matrikular- Beiträge für 1875 im Bundesrathe erklärte sich der großb. sächsische Bevollmächtigte beauftragt, rücksichtlich der finanzpolitisch bedenklichen Steigerung der Matrikular- Beiträge dem dringenden Wunsche