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Deutsches Reich.
Berlin, 27. Jan. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung ohne Debatte die Gesetz⸗ entwürse, betreffend den Rechtszustand im Jahde⸗ gebiet, die Lösung von Jagdscheinen in Hohenzollern und die Aufhebung des Weiderechts, sowie die Aenderung des Weggesetzes in Hannover an. Die Vorlage bezüglich der Theilung des Kreises Beuthen wurde von der Tagesordnung abgesetzt, weil die Regierung denselben statt in drei, jetzt in vier Theile zerlegen will. Das Haus genehmigte ferner den Justizetat in zweiter Lesung nach den Com- missionsanträgen, desgleichen und zwar ebensalls ohne bemerkenswerthe Discussion, den Etat des landwirthschaftlichen Ministeriums— bis auf die Gestütverwaltung— in zweiter Lesung.
— 28. Jan. Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf über die Theilung der Forsten von Hannover in dritter Lesung ohne Debatte an und erledigte die zweite Lesung des landwirthschaftlichen Etats, wobei der Antrag Lattorf's auf Erhöhung der Prämien für die Pferdezucht an die Budgetcommission verwiesen, sowie die für das landwirthschaftliche Museum im Etat geforderte Summe von 150,000 Thalern dem Antrage der Commission entsprechend, ge— strichen wurde. Miquel's Antrag, betreffend die Reform der Städteordnung, wurde nach kurzer Debatte mit schwacher Mehrheit angenommen.— Schließlich erledigte das Haus Petitionen ohne allgemeines Interesse.
— In Warschau ist, wie der„Russ. Welt“ von dort mitgetheilt wird, jetzt die offizielle Nach- richt eingetroffen, Kaiser Wilhelm werde im April zum Geburtstage des russischen Kaisers nach St. Petersburg kommen.
— Die„Kölnische Zeitung“ meldet, daß das Eisenbahn⸗ Bataillon der preußischen Armee um zwei neue Compagnien vermehrt wird, welche zu den Bahnbau- und Fortifications- Arbeiten in Elsaß⸗Lothringen verwendet werden sollen.
— Unter den Gründen, weshalb der deutsche Reichstag bis zum 10. März berufen werden soll, steht, der„Spen. Ztg.“ zufolge, nicht an letzter Stelle die finanzielle Lage des Reiche, d. h. nicht sein Mangel, sondern sein Ueberfluß an Geld. Bekanntlich ist von Frankreich die dritte Milliarde im Dezember vollständig abgetragen, von der vierten Milliarde sind am 16.— 18. d. 150 Mil⸗ lionen bezahlt, und weitere monatliche Raten von 200 Millionen sind, wenn auch nicht offiziell, in Aussicht gestellt. Man hofft in Frankreich, bis Ende Mai die vierte Milliarde getilgt zu haben, und trägt sich in neuester Zeit mit dem Gedanken, auch für die fünfte Milliarde statt der Garantien Baarzahlung zu leisten. Wenn auch die letztere Absicht wohl nicht so rasch ausgeführt werden wird, so sind doch sehr bedeutende Summen theils im Besitz der Reichsregierung, theils in Aussicht, über welche durch Reichsgesetz verfügt werden muß. Es handelt sich zunächst um die Anweisung der Mittel für die allgemeinen Reichszwecke (z. B Sorge für die Kriegsinvaliden). Der Reichstag wird also mit höchst bedeutsamen Finanz- vorlagen zu thun bekommen.
— Die Zeitungen enthalten Mittheilungen von einem im Reichskanzleramte ausgearbeiteten Bank- gesetzentwurfe, wonach das Capital der preutzischen Bank durch Ausgabe junger Antheilsscheine zu 130 pCt. verdoppelt und die Noten-Emission, für welche volle Baardeckung vorhanden sein muß, contingentirt werden soll.
Coblenz. Auf das Gesuch der Altkkatho— liken von hier und Boppard um Mitbenutzung der hiesigen katholischen Garnisonskirche ist jetzt, wie wir erfahren, von der zuständigen Behörde ein abschlägiger Bescheid erfolgt.
Leipzig. Die„Deutsche Allgem. Zeitung“ meldet, daß von den 910 in den Officinen der vereinigten Druckereibesitzer beschäftigten Gehülfen 314 die Arbeit niedergelegt haben, dit übrigen aber fortarbeiten.
München. Behuss Ausarbeitung des Ent— wurfs einer Militärstrafgerichts⸗Ordnung für das deutsche Reich wird am 17. k. M. in Berlin eine Commission von Militär- und Civiljustizbeamten
zusammentreten. Da die Commission zur Erledi⸗ gung ihrer Aufgabe jedenfalls einiger Monate bedarf, so kann von einer Vorlage der Militär- strafgerichts⸗- Ordnung im Reichstage in dessen nächster Session selbstverständlich nicht die Rede sein.
— In hiesigen Correspondenzen norddeutscher Blätter ist die Rede davon, daß es seit der Rück⸗ kunft des Königs in die Residenz wieder stärker ministerkrisele.
Karlsruhe. Das Freiburger„Katholische Kirchenblatt“ zeigt an, daß nunmehr die hundertste Sendung Peterspfennige(eine Sendung beträgt 1400 fl.) nach Rom abgegangen sei. Somit sind Einmalhundert vierzig Tausend Gulden inner halb der letzten Zeit allein aus Baden nach Rom geflossen.
Ausland.
Schweiz. Der Berner Regierungsrath hat seinen beiden Abgeordneten für die Dienstag Nach- mittag stattfindende Diöcesan-Conferenz die nach⸗ folgende Instruction ertheilt. Die Anträge werden ohne Zweifel von der Conferenz adoptirt werden. 1. Es soll dem hohen Bischof Eugenius Lachat von La Scheulte die ihm bei seiner Wahl ertheilte Staatsgenehmigung zurückgezogen und damit die Amtserledigung ausgesprochen werden. 2. Es sei dem h. Eugenius Lachat die Ausübung weiterer bischöflichen Functionen in den Cantonen zu unter- sagen und an dieselben die Einladung zu erlassen, für einstweilen die bischöflichen Einkünfte nicht mehr auszurichten, beziehungsweise in den Can— tonen, in welchen die Diöcesanfonds nicht mit dem Staatsgute vereinigt sind, die betreffenden Fun⸗ dationen mit Scquester zu belegen. 3. Die Re⸗ gierung von Solothurn wird eingeladen, dem h. Eugenius Lachat die Amtswohnung im bischöflichen Palaste mit einer entsprechenden Räumungsfrist zu kündigen und für Uebergabe des dem Bisthum Basei angehörigen Inventars besorgt zu sein. 4. Es sei das Domcapitel einzuladen, nach Mit⸗ gabe des Bisthums vertrages einen den Cantonen genehmen Bisthumsverweser ad interim zu ernennen. 5. Die fünf Dibcesanregierungen werden sofort Verhandlungen über Revision des Dibcesanver— trages eröffnen und werden dazu auch die hoben Regierungen der andern Cantone für ihre katho⸗ lischen Einwohner eingeladen. 6. Den bisherigen Mit Diöcesarständen Luzern und Zug soll von diesen Beschlüssen Kenntniß gegeben werden. 7. Der h. Bundesrath soll für sich und zur diplo⸗ matischen Eröffnung an den päpstlichen Stuhl von den Schlußnahmen in Kenntniß gesetzt werden.
Frankreich. In Folge der Behauptung des Herzogs v. Gramont, daß die Originale der Depeschen, die er in seinem letzten Schreiben ver— öffentlichte, sich auf dem Ministerium des Aeußern befinden, stellte man dort die genaueste Nach- forschung an, ohne die geringste Spur von den⸗ selben zu entdecken. Wie verlautet, sollen nun weitere Maßregeln ergriffen werden. Gegen Emil Ollivier, der sich ebenfalls im Besitz von wichtigen Staats⸗Doecumenten befindet, wird ebenfalls vor⸗ geschritten werden. g
— Thiers wird wegen des Todes von Na- poleon III. Trauer anlegen müssen. Der Exkaiser war nämlich Ritter des goldenen Vließes, und da die Statuten besagen, daß für jedes verstorbene Mitglied Trauer anzulegen ist, so wird Thiers, wenn er Ritter des goldenen Vließes bleiben will, dieser Bestimmung Folge leisten müssen.
— Die„Opinion Nationale“ hat Einsicht in einen aus Griechenland eingetroffenen Brief er— halten, demzufolge der französische Gesandte in Athen, Her. Jules Ferry, auf dem Punkte gestanden hätte, die griechische Hauptstadt zu verlassen und nach Frankreich zurückzukehren; der in Piräus vor Anker liegende Desaix hätte schon die entsprechenden Weisungen erhalten. Diese plötzliche Abreise des Gesandten würde offenbar mit der Haltung der hellenischen Regierung in der Laurion- Affaire zu- sammenhängen und geradezu einen diplomatischen Bruch bedeuten. Die„Opinion“ gibt diese Nach- richt nur unter Vorbehalt.
Italien. Die„Italie“ schreibt: Die Handels- vertrags Unterhandlungen mit Frankreich haben noch nicht begonnen. Die italienische Regierung
will erst das Ergebniß der industriellen E
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abwarten und von dem kaut A trag mit dessen Tarif⸗Aenderungen Kenntniß nehmen. — Betreffs der Laurion-Frage erfährt die
„Italie“, daß Frankreich und Italien die gute
Dienste Oesterreichs nachgesucht hätten, welches in Athen einige Vorschläge gemacht habe, die aber
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von Griechenland mit unannehmbaren anderen
Vorschlägen beantwortet seien. Die Laurion-Frage habe sohin keinen Schritt vorwärts gemacht.
Frankfurt. Die Administration des Städel'schen Kunstinstituts hat ihre Liegenschaft an der Bockenheimer Landstraße(Zoologischer Garten) um die Summe von 850,000 fl. an die Herren Budge und Schenk ver⸗ kauft. Die Käufer beabsichtigen, das große Areal zu Straßenanlagen und Bauplätzen zu parcelliren.
Frankfurt. Der Besitzer eines großen Etablissements hatte mit einer benachbarten Gemeinde einen Vertrag abgeschlossen in Folge dessen er in den alleinigen Besitz
des in der Gemarkung auf Bächen und Wiesen entstehen⸗
den Eises kam. Zu diesem Zwecke mußte er 250 fl. vorausbezahlen. Da er Monate lang kein Eis erhielt, verlangte er seine vorausbezahlte Summe zurück, was Differenzen zur Folge hatte. Am Samstag fand der Prozeß dadurch sein Ende, daß die betreffende Gemeinde eine Waschmahne voll Eis aus ihrer Gemarkung dem Pächter, mit Bändern geschmückt, einsandte und dadurch documentirte, daß sie ihre Lieferung begonnen. Am Mon- tag folgten fünf Wagen mit Eis nach. 5
Vom Main. Von einem jübischen Händler wurden kürzlich in der Umgebung von Höchst billige Wämser ver⸗ kauft, welche dem Vernehmen nach aus Lazarethen her⸗ rühren. Der Mann soll vortreffliche Geschäfte gemacht haben, behördlicherseits aber gegen ihn die Untersuchung eingeleitet sein.
Darmstadt. Unser hessischer Landsmann, der schon durch eine Reihe von Stücken rühmlichst bekannte drama⸗ tische Dichter Adolf Calmberg in Küßnacht bei Zürich hat ein neues Schauspiel in einem Aufzug„Der Sohn, des Pastors“ geschrieben, welches am 21. Januar zur Feier von Lessings Geburtstag im Hoftheater zu Karls. ruhe mit außergewöhnlichem Beifall in Scene ging. Das⸗ selbe behandelt eine Episode aus Lessings Studentenleben in Leipzig. Auch andere Bühnen haben die Aufführung des Stückes in Aussicht gestellt.
Darmstadt. Die„Hess. Volksbl.“ schreiben: Unsere am 20. d. gebrachte Notiz, daß an diesem Tage der tiesste Barometerstand seit vielleicht 50 Jahren eingetreten sei, hat sich bestätigt. Jener Barometerstand von 26 Par. Zoll und 6.26 Par. Linien war der tiesste von den hier seit beinahe 50 Jahren regelmäßig beobachteten. Ein demselben sehr nahe gekommener Stand sand am 23. Dec. 1846 statt. Der höchste Barometerstand in dem angegebenen Zeitraum wurde mit 28“, 5,67“ am 9. Januar 1859 beobachtet und läßt fich hiernach annehmen, daß sich unsere Barometerstände in dem Zwischenraum von 17 9,5“, also nahezu 2 Pariser Zoll, bewegen.— Nach telegraphischen Witterungsberichten aus St. Petersburg war am 25. d. zwischen 6—8 Uhr Vorm. dort plötzlich eine Kälte von 18,6 R. eingetreten, wir haben daher bei Nord-, Ost⸗ oder Nordost⸗ Wind ebenfalls größere Kälte zu erwarten.
Darmstadt. Vor Kurzem brachten wir die Mit⸗ theilung, daß der Zoll für Eingang von süddeutschem Bier in die norddeutsche Biersteuer-Gemeinschaft seit Einführung des neuen Biersteuer-Gesetzes bedeutend ge⸗ stiegen ist. Es ist nunmehr die Anordnung getroffen, daß auch bei dem in Flaschen eingehenden Bier die Umhüllung und Verpackung dieser Flaschen, wie Kisten und Körbe, bei der Versteuerung in Anrechnung zu bringen ist. Es bürfte die Einfuhr von Flaschenbier aus Bayern, Würt⸗ temberg und Baden nach Norddeutschland sonach zu den Unmöglichkeiten gehören.
Worms. Unter dem Titel: Eine auf Notizen basirte Witterungsangabe des Winters 1821/2 bringt der Zeit⸗ spiegel folgende Notizen aus der Feder von K. H. Specht: Zwischen jenem und dem eben laufenden Winter ist auf⸗ fallende Aehnlichkeit. Da war kein Frost noch Schnee, dagegen Regen und öfters Gewitter. Im Monat Januar fand man ein Vogelnest mit Jungen in hiesiger Gemar⸗ kung, junge Hasen und Tauben zeigten sich, Mandel, Aprikosen⸗, und Kirschbäume blühten, Stöeche nisteten. Am 17. und 18. April schwärmten in Wachen⸗ und Niefernheim 6 junge Bienen. Am 16. Mai waren reife Kirschen da; am 25. desselben Monats Traubenblüthe hier und in der Umgegend, und waren diese am 8. Juni ganz verblüht. Am 10. Juni fing man an, Korn zu schneiden, und Anfangs Juli waren reife Trauben im Gebirg bei Neustadt, und machte man am 15. Juli dem König von Bayern auf seiner Rundreise in der Pfalz eine Aufwartung mit Trauben und sog. Bitzel⸗ oder Brauser-Wein. Am 11. Sept. nahm im Gebirg und am 22 Sept. die Weinlese in unserer Gegend ihren An⸗ fang, der Wein war ausgezeichnet gut.— So weit ist die Aehnlichkeit zwischen beiden Wintern, nicht aber die Preise der Lebensmittel und Früchte. 1822 kostete das Malter Korn 3 fl., Waizen 4 fl., Spelz 1 fl. 10 kr., Hafer 1 fl. 20 kr., Kartoffeln 24 kr., 1 Pfd. Butter 8 kr., Schweinefleisch 6 kr., Rindfleisch 5 kr., Kalbfleisch 3 kl., Neun Eier 4 kr. Das ganze Jahr war gut, allein Mäuse gab es Millionen, welche verbeerendes Wesen
trieben, so arg, daß man auf manchen Morgen Feld nur 8 bis 10 Garben Frucht ernten konnte, trotzdem, daß in Orten in 1 Tag 8 bis 10,000 Mäuse gefangen wurden.
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