Ausgabe 
29.11.1873
 
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Bern. Der Große Rath von St. Gallen hat mit 84 gegen 52 Stimmen das Gesetz ge⸗ nehmigt, welches Geistliche wegen Störung des confessivnellen Friedens mit Geldbuße bis 1000 Frs., eventuell Gefängniß, Amts- Einstellung und Amts⸗ Entsetzung bestraft. 5 2

Frankreich. Paris. Der Graf Cham⸗ bord ist in Frankreich, weilt ganz in der Nähe von Versailles und hat während des politischen Kampfes mit seinen Anhängern verkehrt, dieselben sogar theilweise selbst zur Abstimmung für die Verlängerung veranlaßt. Sein Aufenthalt soll den Zweck haben, selbst Einsicht zu nehmen von den Zuständen im Lande. Die Orleanisten hoffen, er werde bald die Ueberzeugung seiner persönlichen Unmöglichkeit gewinnen und zu Gunsten Louis Philipp's II. abdanken, damit der Restaurations- Vorschlag sofort nach Berathung der Verfassungs- Gesetze eingebracht werden könne. Man erklärt daher auch Rouher's offene Parteinahme gegen Mae Mahon, auf den die Bonapartisten immer noch zählen zu können Miene machten.

DasIdurnal officiel veröffentlicht die Liste der neuen Minister. Das Cadinet ist also folgendermaßen zusammengesetzt: Herzog v. Broglie: Inneres und Vite Präfidentschaft des Conseils; Herzog v. Decazes: Aeußeres; Fourtou: Unter⸗ richt; Desseiligny: Handel; Lacy: Arbeiten; Depeyre: Justiz; Magne: Finanzen; Barrail: Krieg; Dompierre d'Hornoy: Marine.

Trianon, 25. Nov. Prozeß Bazaine. General Boper berichtet über seine Mission nach Versailles. Ein am 10. October in Metz versammelter Kriegs- rath hatte die Unmöglichkeit, den Widerstand fort zusetzen, sowie die Nothwendigkeit zu unterhandeln, anerkannt. Er(Boyer) wurde ausersehen, die Unterhandlungen einzuleiten und reiste demzufolge nach Versailles ab, wo er am 14. Oct. eintraf. In den mit dem Fürsten Bismarck gehabten Unterredungen weigerte sich dieser, mit einem General der Regierung der nationalen Verthei⸗ digung zu verhandeln und erklärte, dies nur mit der Regentin thun zu wollen. Nachdem Boyer nach Metz zurückgekehrt war und Bericht erstattet hatte, wurde beschsossen, mit der Kaiserin in Unter handlung zu treten. Am 18. reiste er nach Eng⸗ land ab und begab sich zu der Kaiserin, welche von dem Fürsten Bismarck einen 14tägigen Waffen; stillstand verlangte, Fürst Bismarck schlug denselben ab. Noch während der Unterhandlung erfolgte die Capitulation von Metz.

Trianou, 26. Novbr. Prozeß Bazaine. Canrobert führt aus, daß, wenn man im October nicht mehr das Feld behaupten konnte, man doch noch im Stande war, schwere Schläge auszu⸗ theilen. Man mußte nicht eine Capitulation, sondern eine Convention unterhandeln. Wenn sie nicht ehrenvoll ausgefallen wäre, würden wir an die Waffen appellirt haben und wenigstens tapfer unterlegen, sein. Die Generale Leboeuf, und Ladmirault sprechen in demselben Sinne. Rouher sagt, die Kaiserin habe alle möglichen Anstrengungen gemacht, um dit Rhein-Armee zu retten. Fürst Bismarck habe an die Kaiserin die Aufforderung gerichtet, eine Vollmacht in blanco zu unterzeichnen, welche als Grundlage der Frie⸗ denspräliminarien dienen sollte. Die Kaiserin verweigerte dies unbedingt, da sie auf keinerlei Gebietsabtretung eingehen wollte.

Großbritannien. London. Telegram⸗ men derTimes und, derDaily News aus Philadelphia vom 26. zufolge hat der amerikanische Gesandte in Madrid, General Sickles, die officiöse telegraphische Meldung an seine Regierung gemacht, daß die spanische Regierung eingewilligt habe, den Virginius zurückzugeben.

Spanien. Madrid. DerAgence Havas wird aus Madrid gemeldet: Das in den ost⸗ spanlschen Gewässern stationirte deutsche Geschwader erschien am 25. Nov. vor Cartagena. Der Com- mandant desselben erließ, nachdem er den Befehl gegeben, zum Gefecht fertig zu machen, an die Insurgenten die Aufforderung, 25,000 Pesetos, welche diese deutschen Staatsangehörigen abge⸗ nommen, ihm zuräckzustelles, widrigenfalls er zum

erboten sich, diese Summe in kantonalen Duros zu bezahlen, was der deutsche Commandant indeß zurückwies, worauf die Insurgenten in spanischem Golde zahlten. Das italienische Geschwader hat

als Entschädigung für die durch italienische Staats. angehörige erlittenen Verluste eine Quantität alten

Kupfers angenommen. Eine spanische Fregatte wäre beinahe in den Hafen eingedrungen; der InsurgentendampferDarro, welcher versuchte, die Blockade zu brechen, wurde von ihr beschossen. Das Bombardement auf Cartagena wurde am 26. Nov. eröffnet und bis 3 Uhr Nachmitlags fortgesetzt. Die PanzerfregatteNumancia ging Nachmittags 2 Ubr aus dem Hafen in See. Italien. Rom. Die Abhaltung einer Volksversammlung, die sich zu Gunsten des all. gemeinen directen Stimmrechtes aussprechen sollte, ist verboten worden. DemDiritto zufolge bat die internationale Commission für den Bau der Gotthardbahn die von den betheiligten Staaten pro 1873 zu leistenden Beträge festgestellt. Der Gesammtbetrag derselben beläuft sich auf 4623 Mill. Francs. Hiervon entfallen in runder Summe auf Italien 2447, auf Deutschland und die Schweiz je 1087 Mill. Amerika. Wasbington. Dex Staats- secretär Fish hatte am 25. Noo. eine Besprechung mit dem spanischen Gesandten. Beide empfingen beruhigende Depeschen aus Madrid, welche eine friedliche Lösung hoffen lassen. Präsident Grant will vor Abfassung der Bolschaft eine definitive Antwort der spanischen Regierung abwarten,

Aus Stadt und Land.

Darmstadt. DieHess. Volksbl. schreiben: Ein harmonisches Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeit⸗ nehmer hat sich unlängst in unserer Nähe entwickelt. Ein Müller beschästigte nämlich einen in dem benachbarten Ort wohnenden Taglöhner, der trotz wiederholler Er⸗ mahnungen stets zu spät auf der Arbeit eintraf. Der Müller, ein höflicher Mann, ließ daher eines Tages, als die Zeit zur Aufnahme der Arbeit da war, anspannen und fuhr an dem Hause des noch sanft Schlummernden ver und beförderte ihn trotz allen Sträubens per Wagen auf die Arbeit.

Alsfeld. Wie wenig unsere jetzigen Strafen auf Verbrecher abschreckend wirken, möge nachfolgender Vorfall lehren. Ein bereits wegen Diebstahl bestraftes Subject aus unserer Umgegend, äußerte, als er bei einem wieder⸗ bolten Diebstahl erwischt wurde:Jetzt avancire ich. Nun können Sie mich nicht mehr ins Correctionshaus, jetzt müssen Sie mich in das Zuchthaus stecken. Wenn ich jetzt wieder ins Cotrectiionshaus komme, appellire ich da⸗ egen. Im Zuchthaus brauche ich keine Körbe zu machen, da babe ich wenigstens meine Ordnung. 0

Wallerstädten. Vor einigen Tagen bat sich dahier ein schrecklicher Unglücksfall zugetragen. Eine Frau ver⸗ ließ auf kurze Zeit ihre Wohnung unter Zurücklassung. zweier Kinder, von denen das eine nahezu 1 Jahr alt, in der Wiege lag und das andere, nicht viel älter, es schaukelte. Die Wiege stand neben dem Ofen. Das Kind schaukelte zu flark, so daß die Wiege um und das kleinere Kind mit dem Gesicht wider den glühenden Ofen fiel. Natürlich blieb das Gesicht so zu sagen an dem Ofen hängen, Nase und ein Auge sollen nicht mehr sichtbar gewesen sein. Das sonst sehr gesunde und kräftige Kind verschied nach zwei Tagen unter den gräßlichsten Schmerzen.

Fürth. Es dürste vielleicht unbekannt sein, daß sich in Unter⸗Schönmattenwag vulgo Schimmeldewoog eine eigenthümliche Industriebranche, die Besensabrikation, zu einer verhälinißmäßig nicht geringen Bedeutung empor gearbeitet bat, denn die dorlige Ausfuhr in diesem Arnkel wird auf jährlich 500,000 Stück angegeben.

Allerlei.

*

durch einstimmigen Beschluß Herrn Schulze⸗Delitzsch in Anerkennung seiner großen Verdienste um die neue Rechts⸗ bildung der wirthschaftlichen Genossenschaften zum Doclot juris ernannt. 11

Das Deutsche Dampfschiff Goethe, Capi. J. A. Wilson, von der Adlex⸗Linie in Hamburg, welches am 13. November cr. von Hamburg abgegangen, ist nach einer Reise von 12 Tagen am 25. November wohlbehalten in New⸗York angekommen.

17 erfaßt manchen Kranken, der alle Verzweiflung Mittel vergebens gebraucht hat

und sich verloren sieht. Selbst solchen Leidenden können

heilmethode nicht dringend genug empfehlen. Preis nur 10 Sgr.; vorxäthig in jeder guten Buchhandlung. Man lese gefälligst die heutige Annonce. e

3351 Nachträgliches von der Weltausstellung. Dieser Tage las ich ein Inserat, worin Spielwerke

Bombardement schreiten würde. Die Insurgenten] von Heller in Bern angekündigt werden; da ich mich

Heidelberg. Die Juristensacultät zu Heidelberg hat

wir das berühmte illustrirte Buch:Dr. Airy's Natur⸗

dafür ganz besonders interessire, so theile Andern mit,

was ich davon weiß.* An der Weltausstellung, Abtheilung Schweiz, war ich nicht wenig erstaunt. mich auf einmal vor einem gro⸗ ßen, im Schweizersiyl erbauten Pavillon=

finden, barauf zu lesen: Spielwerk

von J. H. He 0 wenn mit schon dg

Aeußere gewallig imponirte, und ich Zudrang vor Menschen sah(nach meiner Berechnung gingen 70009000 Menschen hinein), so war beim Beiteten

dieses kolossalen Saales, gefüllt mit Musikwerken der ver⸗ schiedensten Art, für viele hunderttausende von Gulden,

das Maaß meines Erstaunens voll, wirklich eine Aus⸗⸗- niellung⸗ sür- sich. alleis.....

Da waren verschiedene Orchestrions, das größte 16 Fuß hoch zu fl. 25,000., ein wirkliches Orchester, 2 ebenso stark spielend, alle Instrumente vertreten; eine Ka⸗. pelle von 45 Mann kann nicht alles ausführen was dieses Werk. 1

Ferner eine große Anzahl kleinerer Werke, ebenfalls re mit Walzen zum Einlegen, Orchesters im Kleinen, auch eine Menge von solchen mit je einer Walze, bis zu den ganz kleinen hinunter, jedes wieder anders spielend. 1 die

Dann eine Masse von Phantasiegegenständen, 19 0 wunderliebliche Sachen, ganz desonders geflelen auch die bensta Blumenvasen, auf denen ein Vögelchen sitzt, das na⸗ tärlich singt und alle Bewegungen macht.

Wie man mir mittheilte, hat Seine Majestät der Kaiser und die Kaiserin mehr als eine Stunde dort ver⸗ weilt, und dieselben zwei größere Werke angekauft, nach⸗

dem vorher schon Erzherzog Carl Ludwig, Victor Ludwig und Prinzessin Valerie je ein Werk kauften, a so daß das Haus Habsburg ziemlich mit Heller'schen tte Musikwerken versehen ist. 5

Von sämmtlichen Ausstellern von Musikwerken ist Herr Heller der Einzige, dem eine Medaille zu⸗ gedacht wurde, und zwar die des Verdienstes.

Der Absatz dieses Hauses soll, besonders gegen Weih⸗ nachten, stets ein ganz enormer sein, indem eine Menge von Privataufträgen eingehen; es kann in der Tha! keine schönere Zierde des Weihnachtstisches geben als ein Heller'sches Spielwerk. 1013 9

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Frankfurt am 27. Nevember 1873. se nach Preußische Friedrichsd'or. fl. 9 5859

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Holländische fl. 10⸗ Stücke 9 5 54 11

Ducaten: l 1 5 34-36 Annen

Ducaten al mareo 57503537 salwed

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Russische Imperiales. 94244Mone

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Urtheile:Diese Unterrichtsbriefe verdienen d. 1 der Nat Empfehlung vollständig. welche ihnen v. Sem- Dir ite, 0 Dr. Diesterweg. Dir. Dr. Freund, Prof. Dr. Berrig, I Dir Prof. Dr. Scheler, Prof, Dr. Schmitz, Prof. Dr.! N Städtler, Dir. Dr. Viehoff u. an. Autoritäten ge- wand worden ist.(Lehrerztg.)Der wohldurchdachte Plan Asse! u d. Sorgfalt der Ausführung treten in d. Tous- fla saint-Langenscheidt'schen Meth. recht auffällig hervor, ehreib wenn man die schlechten Nachahmungen damit 1 vergleicht, welche von der literar. Industrie auf den 49 Markt gebracht werden.(Schulbl.) Die I2fache ce Nachabmung der Meth T.-L. in Deutschland und ihre] g 1 Adoption von fast allen Kulturvölkern dürfte weitere inge Empfehlung überflüssig machen.* lich f 6. Langenschiel ts Verlag chen 3327 Berlin, S W. Möckernstr. 133. 5

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