* 5 * *
r
Deutsches Reich.
Darmstadt. Die Einnahmen aus Kameral-⸗ Domänen sind für die Finanzperiode 1873/75 zu 835,000 fl. veranschlagt und zwar entfallen hier⸗ von auf die in Zeitpacht verliehenen 5 14,000 fl., auf die unter eigener Verwaltung stehenden 213,000 fl. Nach den Provinzen vertheilt sich das Gesammt⸗ erträgniß wie folgt: Auf Starkenburg entfallen 610,00 fl., auf Oberhessen 189,840 fl., und Rheinhessen, wo s. Z. das französische Regiment den Staatsgütern den Garaus gemacht, nur 35,120 fl., größtentheils vom Holzertrag der Weidenpflanzungen am Rhein und der Gras- nutzung seiner Dämme herrührend.— Was das Braunkohlenbergwerk„Ludwigshoffnung“ bei Mel⸗ bach und das fast gänzlich abgebaute Dorheimer Werk betrifft, so sind die Einnahmen auf 51,860 fl., die Ausgaben auf 45,300 fl. veranschlagt, daher ein muthmaßlicher Ueberschuß von 6,560 fl. vor⸗ gesehen. Für Braunkohlen hofft man 49,000 fl. erlösen zu können.
— Das Ministerium hat die Wahl der Landes⸗ Synode angeordnet; der Wahltermin ist den De canen anheimgegeben. Hier wird die Wahl, wenn es ausführbar ist, innerhalb der nächsten zehn Tage stattfinden.
— Die Verordnung, nach der die niederen Angestellten der Finanzverwalkung seither gezwüngen waren, sofort nach erfolgter Anstellung in irgend einem Orte des Großherzogthums das Ortsbürger⸗ recht zu erwerben, ist, da durch die Bestimmungen des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 6. Juni 1870 die Berhältnisse, welche für jene Verordnung maßgebend waren, sich wesentlich geändert haben, aufgehoben worden.
— Bei den sich fortwährend hartnäckig er⸗ haltenden Gerüchten über die bevorstehende Ab⸗ tretung der Main⸗Weserbahn und Main⸗Neckarbahn an den preußischen Staat dürften die Angaben über die Baukapitalien nach amtlichen Quellen nicht so ganz ohne Interesse sein. Das Bau- kapital der Main- Weserbahn betrug Ende 1872 28,938,102 Gulden, wovon auf den hessischen Antheil 9,289,478 entfallen. Das seitherige Rein- erträgniß entsprach einer Verzinsung von 4,83 pCt. Bei der Main⸗Neckarbahn betrug der Bauconto vom 31. März 1872 12,388,741 fl., wovon 5,349,359 fl. hessischer, 3,916,566 fl. badischer und 3,122,826 fl. preußischer Antheil, welche Summen eine Verzinsung von 6,64 pCt. ergaben.
— Die zweite Kammer ist, was den Beruf ihrer Mitglieder betrifft, zusammengesetzt aus 16 Landwirthen, 11 Industriellen und Kaufleuten, 13 Staatsbeamten, 5 Advokaten, 3 evang. Geist⸗ lichen und 2 Privatiers; 21 derselben waren be— reits früher Mitglieder des Landtags.
— Der Entwurf des neuen Schulgesetzes ist noch nicht definitiv festgestellt, da fortwährend noch eingeforderte gutächtliche Aeußerungen vorliegen, die zum Theil sehr umfangreich sein sollen.— Für Aufbesserung der Remunerationen der Ae⸗ tuariatsgehülfen sind einstweilen 7400 fl. in Aus- sicht genommen.
— Unter den Offizieren des Großh. Artillerie- corps hat die Verleihung des eisernen Kreuzes 1. Classe an den früheren Commandeur desselben, nunmehrigen Commandeur des pommer'schen Feld- Artillerieregiments Nr. 2, Oberst Stumpf, eine freudige Theilnahme erweckt und erblickt man in vieser Auszeichnung des Genannten eine neue An- erkennung der außergewöhnlichen Leistungen des Corps in dem Feldzuge gegen Frankreich, insbe⸗ sondere in der Schlacht von Gravelotte. Eine gleiche Befriedigung erweckt die Verleihung der- selben Dekoration an Oberst v. Lynker Commandeur, des 1. Großh. Infanterieregiments Nr. 115 und an Oberstlieutenant v. Hänisch, Commandeur des Großh. Garde⸗Dragonerregiments Nr. 23. Ebenso ist dem gegenwärtigen Commandeur der 1. Großh. Hess. Infanteriebrigade, früherem Befehlshaber des zur 22. Division gehörigen 32. Infanterieregi— ments, Oberst v. Förster, durch Verleihung des Ordens pour le mérite eine hohe Auszeichnung zu Theil geworden.
— Wegen des Ablebens des Kaisers Na- poleon und der Großfürstin Helene von Rußland
ist bis Ende dieses Monats(wie die„Darmst. Ztg.“ meldet) Hoftrauer angeordnet worden.
Gießen. Wie verlautet, hat Professor Oncken dahier einten Ruf an die Universität Königsberg erhalten. Es wäre dringend zu wün⸗ schen, dieser berühmte Historiker möchte unserer Hochschule erhalten bleiben.— An Stelle des zu Ostern nach Jena abgehenden Professors Schrader ist der Orientalist Professor Merx zu Tübingen als ordentlicher Professor für das Fach alt-
testamentlicher Exegese hierher berufen worden und
wird derselbe schon mit nächstem Sommerhalbjahr seine Vorlesungen dahier beginnen. f Mainz. Bischof Ketteler hat so eben eine neue Broschüre erscheinen lassen:„Die Katholiken im deutschen Reiche. Entwurf eines politischen Programms.“(Mainz, bei Franz Kirchheim.) Wie der Verfasser im Vorworte sagt, hat er die Schrist bereits gegen Ende des französischen Krieges geschrieben, ihre Veröffentlichung jedoch aus verschiedenen Gründen aufgeschoben. Das Programm für die Partei, die vorzugsweise die Katholiken umfassen, aber die gläubigen Protestan⸗ ten nicht ausschließen soll, enthält im Wesentlichen folgende Punkte: Rückhaltlose Anerkennung der deutschen Reichsgewalt innerhalb der Grenzen ihres jetzigen Rechtsbestandee; festes nationales Bünd. niß mit Oesterreich; die christliche Religion ist bei allen Staatseinrichtungen, unbeschadet der Religionsfreiheit, zu Grunde zu legen; Selbst— ständigkeit der anerkannten christlichen Confessionen; Einrichtung der Schulen nicht nach Willkür der Staats behörden, sondern nach den realen, religiösen und geistigen Verhältnissen des Volkes; corporative Organisation im Gegensatz zu den mechanischen Verfassungsreformen des Liberalismus; Selbstver⸗ waltung im Gegensatz zur reinen Beamtenherr⸗ schaft; Ausbau der Reichsverfassung durch ein Oberhaus und oberstes Reichsgericht; Steuer- Ausgleichung; Einführung der Börsensteuer, Staats⸗Eisenbahnen; Minderung der Militärlast, Wegfall der Steuer auf nothwendige Lebens- Bedürfnisse; corporative Reorganisation des Ar⸗ beiterstandes; gesetzliches Verbot aller geheimen Gesellschaften, inabesondere des Freimaurer⸗Ordens. Berlin, 24. Jan. Abgeordnetenhaus. Auf die Interpellation Gottberg's, betreffend die Aus⸗ wanderung aus den Ostprovinzen und dagegen zu treffende Regierungsmaßregeln, erwiderte der Minister des Innern: Wenn man Freizügigkeit gewähre, könne man die Auswanderung nicht be⸗ schränken; auch lasse sich durch Polizeimaßregeln dagegen nichts ausrichten; den Auswanderungs⸗ lustigen müsse durch Gesetz und Maßregeln die Heimath werth gemacht werden, damit sie die Neigung zum Wandern verlören. Durch Hebung der wirthschaftlichen Verhältnisse und Verbesserung
der Wohnungs⸗Verhältnisse werde am desten ent⸗
gegenwirkt. Die Regierung richte darauf ihr Augen⸗ merk und rechne auf die Mitwirkung des Hauses.
— 25. Jan. Im Abgeordnetenhause erwiederte Fürst Bismarck auf eine bezügliche Anfrage Lasker's betreffs der jüngsten Vorgänge im Ministerium: „Meine Arbeitslast war zu groß, da meine Ge⸗ sundheit schwächer geworden und mir in dem Ge⸗ heimenrath Abecken ein bedeutender Helfer gestorben ist. Der preußische Ministerpräsident hat viel Ver- antwortung und nur wenig mehr persönlichen Einfluß, als andere Minister. Er muß sich fort⸗ während Einfluß erringen und eine fortwährend angespannte Verantwortlichkeit für alle Regierungs- maßregeln tragen, ohne daß der Einfluß der Stellung dazu im Verhältniß stand. Dies war für meine Nerven unerträglich. Eine Divergenz zwischen dem Neichskanzler und dem preußischen Ministerium ist unmöglich. Mein Bleiben in dem preußischen Cabinette beweist, daß ich eben das Ministerium unterstützen will, nur der weniger fruchtbaren Arbeiten und eines Theils der for— malen Verantwortlichkeit entkleidet. An eine Aende⸗ rung der Richtung ist bei dem eingetretenen Wechsel im Ministerium nicht zu denken. Solches hätte ich niemals zugelassen. Das Ministerium des Auswärtigen würde im Etat besser Ministerium
für Reichsungelegenheiten heißen. Der Etat des
Ministeriums des Auswärtigen ist nothwendig zur
welche die bisher vom Landtage gebilli
neuten Beweis meiner höchsten Anerkennung und
N
Unterhaltung der Beziehungen mit dem Rei
7 bleiben sollen.“
folgendes Schreiben des Kaisers an den Fürsten
Jahre dieser Stellung von Ihnen verlangten und will deshalb nicht länger anstehen, Ihnen Er— leichterung zu bewilligen. Zehn inhaltsschwere Jahre liegen hinter uns, seit Sie der Berufung, an die Spitze der Verwaltung Preußens zu treten, Folge leisteten; Schritt für Schritt hat Ihr Rath mich in den Stand gesetzt, Preußens Kraft zu entwickeln und Deutschland zur Einigung zu führen;
Preußens und Deutschlands verzeichnet und die höchste Anerkennung ist Ihnen von allen Seiten gerecht zu Theil geworden. Wenn ich genehmige, daß Sie die mit so sicherer und fester Hand ge⸗ führte Verwaltung Preußens niederlegen, so werden Sie mit derselben doch unter Fortführung der politischen Aufgaben in Verbindung mit denen der deutschen Reichskanzlerstellung im engsten Zu⸗
fammenhang bleiben. Durch Verleihung der
Brillanten Insignien meines hohen Schwarzen Adlerordens will ich bei diesem Anlasse den er⸗
nie verlöschenden Dankbarkeit geben. Mögen die gewährten geschäftlichen Erleichterungen die Kräf⸗ tigung der Gesundheit sichern, die Sie hoffen und ich wünsche, damit sie lange noch dem engeren und weiteren Vaterlande und mir Ihre bewährten Dienste widmen können. Ihr treu ergebener, dankbarer König Wilhelm.“ f
— Die„Nordd. Allgem. Zeitung“ wieder⸗ holt den Wunsch, die Gramont⸗Beust'sche An⸗ gelegenheit abgethan zu sehen: sie gehöre der Geschichtsforschung an. Oesterreich Ungarn mit einander verbinde, sei tieferer Natur und keine gelegentliche Annäherung. Die Lebensinteressen beider Reiche seien auf ein⸗ ander angewiesen, das hätten die beiderseitigen Regierungen deutlich erkannt, das entspreche den Empfindungen der Souveräne und gleichermaßen seien davon die Völker durchdrungen. a
— Wie der„B. B. C.“ aus guter Quelle
kirchenraths unter dem Vorsitz des Professor Dr. Hermann stattgesunden, in welcher die Annullirung der Amtsentsetzung des Predigers Dr. Sydow beschlossen wurde. gemeldet, daß Herr Hegel seine Stelle als Präsi⸗
niedergelegt habe.
— Ueber die Aufgabe des Uebungs-Ge⸗ schwaders unter Capitän Werner wird der„Wes. Zig.“ mitgetheilt, daß das Geschwader den Befebl erhalten hat, das Cap Horn zu umsegeln und sich nach Japan zu begeben. Capitän Werner ist in Barbados mit der„Vineta“(Capt. Baatsch) und„Gazelle“(Capt. Arndt) zusammengetroffen; die Letzteren haben sich aber nicht dem Geschwader angeschlossen, sondern die Rückreise angetreten, und werden voraussichtlich im Frühjahr eintreffen. Ueber die besonderen Missionen, welche Capitän Werner hat oder erhalten wird, verlautet begreiflicher Weise nichts Bestimmtes. Es hat aber den An⸗ schein, als ob das Geschwader sich demnächst theilen und das eine oder andere der Schiffe be- sondere Aufträge erhalten würde.
München. Kriegsminister Frhr. v. Pranckh anläßlich der Schwierigkeiten, welche sich gegen die vertrags⸗ mäßig einzuführenden militärischen Bestimmungen zeigen, neuerdings seine Entlassung angeboten. Die Annahme derselben ist noch zweifelhaft. Von partikularistischer Seite werden als Candidaten für das Portefeuille des Kriegsministers die Generale Walther und Hütz genannt.
Ausland.
Schweiz. Eine französische Note verlangt
vom Bundesrathe Schonung der französischen Obli⸗
9 4
— Die„Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht nach-
Reichskanzler v. Bismarck:„Berlin, 1. Jan. 1873. Sie wissen, mit wie schwerem Herzen ich Ihren Wunsch erfüllt habe, indem ich Sie vom Vorsitze
im Staatsministerium entband; aber ich weiß, welche geistige und körperliche Anstrengungen zehn
Ihr Name steht unauslöschlich in der Geschichte
erfährt, hat am Dienstag eine Sitzung des Ober⸗
Gleichzeitig wird!
dent des Consistoriums der Provinz Brandenburg
Gutem Vernehmen nach bat der l
Was Deutschland und.
ai


