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hinzu, daß das Extraordinarium des Handels ⸗ ministeriums direct der Land wirthschaft zu Gute
komme. Der Minister befürwortet sodann die Canalbauten und die Herabsetzung der Eisenjölle, geht auf die pommer'sche Auswanderung über und sagt, dieselbe sei nicht Schuld der Regierung, er habe anheimgegeben, ob nicht pachtlos werdende Domänen des Regierungsbezirks Stralsund zur Ansiedlung von Bauern Familien zu verwenden seien. Das Ministerium vernachlässige die Land⸗ wirthschaft nicht und werde, wenn der jetzige Minister der landwirthschaftlichen Angelegenheiten zurücktrete, was bisher nicht geschehen, nicht blos einen die Politik des Ministeriums unterstützenden, sondern auch einen die landwirthschaftlichen Inte⸗ ressen vertretenden Mann berufen. Das Haus beschließt die Ueberweisung des Etats des Cultus⸗ ministeriums, des Handelsministeriums und der Eisenbahnverwaltung an die Budget ⸗Commission, die Berathung des übrigen Etats im Plenum.
— Die Zustimmung des Handelsministeriums zur Erhöhung der Eisenbahn⸗Personen⸗Tarife steht nunmehr ebenfalls fest. Als Einheitssätze sind bis jetzt für die vier Wagenklassen bezw. 7, 5, 3½ und 2 Sgr. auf die Meile, ausschließlich des Aufschlags für Schnellzüge, vorgeschlagen.
— Man schreibt der„A. Z.“ aus Berlin: Um das Porto für Vorschußbriefe in Ueberein⸗ stimmung zu setzen mit dem Porto für Briefe mit Werthangabe, sell das erstere vom 1. Jan. 1874 auf 2 Sgr. bei Entfernungen bis 10 geographischen Meilen, auf 4 Sgr. für alle weiteren Entfernungen festgesetzt werden. Für unfrankirte Postvorschuß⸗ briese soll ein Portozuschlag von 1 Sgr. erhoben werden.— Nach einer Bekanntmachung der Reichs⸗ postverwaltung beträgt vom 1. Dec. ab das Porto für Correspondenzkarten nach Amerika auf den Wegen über Bremen, Hamburg und Steitin nur noch einen Silbergroschen.
— Die kaiserl. Admiralität beabsichtigt, wie die„D. Nachr.“ vernehmen, bei etwa eintretenden weiteren Verwickelungen in den spanischen Ange⸗ legenheiten noch zwei andere Schiffe der deutschen Kriegsmarine nach den dortigen Gewässern zu senden. Die Fregatten„Kronprinz“ und„Augusta“ würden eintretenden Falls vermuthlich zu diesem Zweck Verwendung finden.
Posen. Am 22. d. wurde die Pfändung bei dem Erzbischofe Ledochowski durch den Executions⸗ Inspector König vom Kreisgerichte vorgenommen, die Möbel von drei Zimmern seines Schlosses vollständig abgepfändet. Der Erzbischof war tief
erschüttert, bewahrte jedoch eine standhafte Haltung.
Cöln. Unter den Krieger⸗Vereinen tritt eine ungewöhnliche Regsarnkeit zu Tage. Anfangs dieses Monats traten zu Ellrich am südlichen Ab⸗ hange des Harzes die Spitzen verschieden:r Krieger⸗ Bünde zusammen, und es schlossen die„rheinische Krieger ⸗Kameradschaft“(zählt schon 3400 Mit⸗ glieder), der„bayerische Krieger Bund“ und die el ere Krieger⸗Kameradschaft“ einen
zartell⸗Vertrag ab. Der Hauptverband der west⸗ phälischen Krieger und Landwehr ⸗ Vereine“ ist nachträglich dem Cartell⸗ Vertrag beigetreten, und der Kriegerbund in Württemberg wird ehestens solgen. Die Vereine der„rheinischen Krieger⸗ Kameradschaft“ werden am 14. December in Re⸗ magen(oberhalb Bonn) unter dem Vorsitze des Bundes⸗Präsidenten Fr. Kienemund von hier eine Delegirten Versammlung abhalten; das zweite Bundesfest wird in 1874 in Bonn gefeiert werden.
„Düsseldors. Hier hat sich, Dank den Be⸗ mühungen des Sanitätsraths Hasenclever, endlich auch ein altkatholischer Verein gebildet, dem bis jetzt 60 Mitglieder angehören. In Hagen ist die Errichtung einer altkatholischen Pfarrei in Angriff genommen; der Bezirk der neuen Pfarrgemeinde soll den ganzen Kreis Hagen mit Ausschluß der Gemeinde Bommern umfassen. Vorläufig wird jepoch Hagen sich mit den Altkatholiken von Witten unter die Obhut eines einzigen Pfarrers begeben. Das Gehalt desselben ist auf 1000 Thlr. festge⸗ setzt, bei dessen Aufbringung die beiden Gemeinden zur Hälfte participiren.
Wilhelmshafen. Capitän Werner scheint in militärischen Kreisen eben so eifrige Gönner,
als an eigentlich politischer Stelle beharrliche An⸗ kläger 1 be Wie es heißt, soll die Anklage gegen ihn vor dem Kriegsgericht, das nun wohl nächstens in Wilhelmshafen zusammentreten wird, nicht auf Insubordination gerichtet werden, son⸗ . bloße Ueberschreitung seiner Instructsonen.
München. Per katholische Männer Verein zu Oberroth(Schwaben) richtete dieser Tage an den König eine kelegraphische Depesche, in welcher er für dessen„erhabene Worte gegenüber der Füssener Deputation und dem Festredner zu Garmisch seinen allerehrfurchtvollsten Dank aus⸗ spricht und den Schwur der Treue für den ange⸗ stammten König erneuert“. Es ist dieß bis jetzt die einzige Kundgebung dieser Art. Der genannte Verein erhielt aus dem königlichen Cabinet eine Antwort des Inhalts, daß der König die Ver- sicherung treuer Ergebenheit huldvollst entgegen⸗ genommen habe und dem Verein seinen allerhöchsten Dank entbieten lasse.
Augsburg. Die„Augsb. Allgem. Ztg.“ bringt folgendes Telegramm aus München: Dem Vernehmen nach wird die unter dem 8. April 1852 erlassene. Ministerial⸗Entschließung, den Vollzug des Concordats betreffend, mit Genehmigung des Königs außer Wirlsamkeit gesetzt werden.
Stuttgart. Der„Staats⸗Anz.“ meldet die definitive Ernennung des Justizministers Mittnacht zum Minister der Familien- Angelegenheiten des königlichen Hauses, Minister der auswärtigen An⸗ gelegenheiten und Präsidenten des geheimen Raths
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Pest. Das Unter⸗ haus nahm am 23. November nach zweistündiger Debatte mit allen gegen die Stimmen der äußersten Linken den Antrag der Rechten an, den Kaiser anläßlich seines Regierungs⸗Jubiläums durch eine Deputation zu beglückwünschen. Das Oberhaus beschloß aus dem gleichen Anlasse, corporativ mit dem Präfidenten als Sprecher an der Spitze zu erscheinen.
Frankreich. Paris. Die„Assemblée⸗Na⸗ tionale“, welche in legitimistischen Dingen wohl Bescheid weiß, bestätigt, wenn auch mit einigem Vorbehalt, das schon seit einigen Tagen cireuli⸗ rende Gerücht, daß der Graf Chambord kürzlich incognito nach Frankreich und sogar nach Paris gekommen sei.
— Letzten Donnerstag wurde in dem Tempel zum heiligen Geist in der Rue Roquépine zu Paris die zweite Session der General Synode der reformirten Kirche von Frankreich eröffnet. Die Synode besteht aus 108 Delegirten, wovon 54 dem geistlichen und 54 dem weltlichen Stande angehören.
— Das„Journal officiel“ meldet, daß die Minister am 25. November ihre Demission ge⸗ geben haben und diese angenommen ist. Man glaubt, das amtliche Blatt werde schon am 27. Nov. das neue Ministerium publieiren.
Versailles. In der Sitzung der National- Versammlung am 24. Nov. kam ein Schreiben Mac Mahon's zur Verlesung, worin derselbe der Nationalversammlung für das durch die Verlänger⸗ ung seiner Gewalten ihm bewiesene Vetrauen seinen Dank ausspricht und sagt, daß er der feste Vertheidiger der Ordnung und eine treue Stütze der National⸗Versammlung hinsichtlich ihrer Ent⸗ scheidungen sein werde. Hierauf ergriff Leon Say das Wort um seine Interpellation zu entwickeln. Derselbe machte dem Ministerium den Vorwurf, Wahlen vertagt zu haben, um gewisse Parteien zu begünstigen. Der Minister des Innern, Beuls, wies den Vorwurf zurück, indem er die Unpartei⸗ lichkeit der Regierung in dem hinsichtlich der Wahlen von ihr beobachteten Verfahren darzuthun suchte. Nachdem noch Broglie gesprochen, wurde die einfache Tagesordnung, welche die Regierung anzunehmen erklärt hatte, mit 364 gegen 314 Stimmen beschlossen.
Belgien. Brüssel. Die„Indépend.“ erfährt aus Paris, daß die Orleans mit Chambord vollständig gebrochen haben sollen. Letzterer habe
Königthums zu erzielen. Die Regierung sei jedoch 18 von diesem Plan benachrichtigt worden und habe eirferser een: 1 1 e e 1 n 24.6 gramm der„Times“ aus Philadelphia vom 24. b. eldet? Der ene e Pla er meldet tele gecphisch von Havanna, daß man mit der Rück⸗ gabe des auf dem„Virginsus“ ese amerikanischen Eigenthums vorschreste. Ver⸗ nehmen nach wird der Congreß eine Politik des Friedens befolgen.. — Von der Goldküste her wird ein zweiter Sieg über die Aschantis gemeldet, der im Verein mit dem ersten den Rückzug des Königs Kosst zur Folge hatte. Oberst Festing hatte das Glück die Aschantis bei einem Frühstück zu überraschen, ihr Lager zu nehmen und eine Quantität Pulder zu zerstören. Die Aschantis faßten indessen nach der ersten Bestürzung wieder Muth, und wagten im Vertrauen auf ihre Ueberzahl einen Front- und Flanken⸗Angriff. Zwei bis drei Stunden dauerte Wix der Kampf im Busch. Die Engländer benutzten mit großem Erfolge die abessinischen Siebenpfünder und Raketen. Der Feind ergriff, als er nichts ausrichten konnte, die Flucht. Auf englischer Seite—— ward einer getödtet, 42 Mann und 5, Officiere — darunter Capitän Godwin schwer— ver⸗ 1 wundet. Die Aschantis sind auf dem Rückzug 0 zum Prah, und Sir Garnet bedauert ungemein,— keine größere Truppenmasse zur Verfügung zu 525 haben um gleich auf Kumassie losgehen zu können. 15 Dem Uebelstande wird wohl in kurzer Zeit schon— abgeholfen sein. lutber Spanien. Madrid. Zu Vertretern der 9055 Regierung sind bestimmt worden: Comyn für Ant London, Rances für Berlin, Balart für Rom.— berge Die amerikanischen Nachrichten“ über hiestge De ⸗ 8. monstrationen des Volkes gegen den amerikanischen 5 Gesandten Sickles werden dementirt. Die Re⸗ 1
gierung meldet, daß eine gütliche Beilegung der defend Virginius Affaire in Aussicht stehe. Die Frage 41 dürfte dem schiedsrichterlichen Spruche einer Groß⸗ bebn
macht, wahrscheinlich Deutschland unterbreitet 711 werden. cinsin Italien. Rom. Bei der Berathung des 0
Budgets des auswärtigen Ministeriums in der— Deputirtenkammer entwickelte Mancini einen An⸗ 1
trag zu Gunsten eines einzasetzenden internationalen
Schiedsgerichts. Derselbe wurde, nachdem sich Ar auch die Regierung dafür ausgesprochen hatte, eh einstimmig angenommen. Eine bezügliche Anfrage 1 beantwortend, erklärte Visconti⸗Venosta, die Regie⸗ für de rung sei gegen Spanien sehr freundschaftlich ge⸗ nichr sinnt und werde in der Anerkennungsfrage ihrer fü 5 bisherigen Haltung treu bleiben, die derjenigen 15 10 der andern Mächte conform sei. i Aus Stadt und Land. 30 Ku Friedberg. Nach einer längeren Pause fand am woe 16. d. M. wieder eine Versammlung des landw. Casinos Aufge
für Friedberg und Umgegend im Saale des Herrn Burck Local statt. Dieselbe war recht zahlreich besucht und wäre es stelle
gestattet, hieraus eine Schlußfolgerung zu ziehen, so dürfte Für in dieser Saison wieder einer zahlreicheren Betheiligung** entgegen gesehen werden. Der Vorsitzende, Herr Kreis⸗ ist in assessor Haas, gab diesem Wunsche in seiner Begrüßungs⸗ vero. rede recht lebhaften Ausdruck und forderte die Anwesenden dürfn auf, ihren Einfluß füt eine immer größere Theilnahme zur und Geltung zu bringen. Bei der bierauf vorgenommenen 3 Vorstandswahl wurde Herr Kreisassessor Haas wieder zum Mind Vorsitzenden und Herr Landwirthschaftslehrer Rückert zum waldi Schriftführer per Acclamation gewählt. Herr Kreisassessor dere Haas dankte für das ihm wiederholt bewiesene Vertrauen ting und glauble darin einen Sporn zu finden, anf der betresenen
Bahn weiter zu gehen. Hierauf referiete Herr Rückert in ch einem eingehenden Vortrag über Obülbau. Derselbe wies stim besonders auf die Punkte bin, welche nach den vorliegen? werd den Erfahrungen berücksichtigt werden müßten, wenn der g Obstbau nicht zurückgehen, sondern zu einem immer lohnen: 25
deren Zweig der Landwirthschaft herangebildet werden solle, ö was unter den gegenwärlig geschraubten Verhältnissen von Lug der größten Wichtigkeit sei. Nicht eine Vermehrung der Haaf Obstbäume der Zahl nach, sondern eine intensirere Be. der wirtbschaftung sei anzustreben. Referent erläuterte dies ei
ausführlich und erklärte zum Schlusse einen besseren Felde bitt schuz im Allgemeinen als sehr wünschenswerth, damit ligt insbesondeere das Obst nicht zu früh geerndtet werde, wie a dies im laufenden Jahre der Fall gewesen sei, wodurch Hot das Fru helz aich dlaß ech dige sondern hr ost dam d die Erndten für die nächsten Jahre vernichtet würden. ul Der Herr Vorsitzende dankte dem Referenten für seinen Nan
beabsichtigt, plötzlich in der Nationalversammlung zu erscheinen, um die Proklamation des legitimen!
interessanten Vortrag und ging bann über zu dem letzten Gegenstand der Tagesordnung, Jahresfeier des zweijährigen 1 1


