Ausgabe 
26.8.1873
 
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a a Ausland. 2.

Oesterreichlungarn. Wien. Der Kaiser empfing am 21. d. M. den bier eingetroffenen französischen Handelsminister, Hrn. de la Bouillerie, und besuchte den Cardinal Rauscher welchen er zu seinem fünfzigjährigen Priesterjubiläum beglück⸗

ünschte. 5 Schweiz Bern. Der Bischof von St. Gallen hat geben das Verbot der Regierung be⸗ treffs Theilnahme der Geistlichen von St. Gallen an auswärtigen Priesterexercitien Protest erkoben.

Frankreich. Paris. Wie man demParis-

Journal aus Trouville meldet, wäre der Prinz Arthur von England, als er ein Bad nahm, bei⸗ nahe ertrunken. Er wurde von seinem Adjutanten und einem Bademeister, Namens Coste gerettet; der Letztere erhielt ein Geldgeschenk. Wie derOrdre meldet, hatt der Abbé Godard, der katholische Pfarrer von Chislehurst, von dem Papst einen besonderen Segen für sich und seine Pfarrkinder erhalten. Dieser aposto⸗ lische Segen ist ihm durch den Cardinal Prinzen Bonaparte übermittelt worden.

Die Exkönigin Isabella von Spanien, er⸗ zählt dasEvemment, schrieb während ihres Aufenthaltes in Wien dem Grafen Chawbord einen sehr ergebenen Brief, in welchem sie ihn um eine Begegnung bat. Der Graf Chambord ant⸗ wortete ablehnend; für ihn gebe es nur einen König von Spanien, nämlich Don Carlos, und so lange die Königin Isabella diesen nicht aner⸗ kannt hätte, müsse er eine Begegnung vermeiden, welche zu falschen Auslegungen Anlaß geben könnte.

Nach dem Vorgange von Rußland und Belgien hat nun auch Frankreich in Berlin sich bereit erklärt, sich an dem internationalen Posteongreß zu betheiligen, welcher am 1. September in Bern zusammentreten soll.

Marseille. Dahier fand am 18. d. M. eine Wallfahrt nach Notre⸗Dame de la Garde statt, deren Theilnehmer von einem dortigen Blatte auf Hunderttausend veranschlagt werden. Ein anderes Blatt hält diese Ziffer für übertrieben, doch soll der Hügel, auf welchem die Gnadenkirche steht, buchstäblich mit Menschen bedeckt gewesen sein.

Spanien. Bayonne. Der General Sanchez Bregua ist mit 12,000 Mann in Bilbao einmarschirt. In Folge dessen gaben die Carlisten ihre Posi⸗

tionen vor der Stadt auf.

Italien. Rom. Ein päpstliches Breve dom 19. d. M. gewährt den Theilnehmern an den im

Laufe des September stattfindenden drei Wall- fahrten Ablaß; ebenso wird Jenen Ablaß ertheilt, welche nach Empfang der Sacramente die Kirche besuchen und für die Eintracht der christlichen Fürsten, die Ausrottung des Irrglaubens, die Bekehrung der Sünder und die Erhöhung der Kirche beten.

Aus gutunterrichteten Kreisen verlautet, daß die Reise des Königs nach Wien wieder an Wahr scheinlichkeit gewonnen hat. Behufs Re⸗ vision der Geschichte des vatifanischen Coneils bis zur Definttion des Unfehlbarkeits-Dogmas wurde

eine aus Cardinälen und Bischöfen bestehende Commission eingesezt. Der bisherige italienische Gesandie in Petersburg, Caracciolo, foll an Stelle des General Medici Präfect von Palermo werden. Thiers wird erst Turin und dann Rom besuchen.

Salerno. Der Brigant Manzi wurde von den Carabiniers angegriffen und mit sechs Mann von seiner Bande getödtet. Die Carabiniers hatten einen Todten und drei Verwundete.

MNußland. Petersburg. DerRussische Invalide veröffentlicht einen Tagesbefehl des Großfürsten Michael, worin dem Obersten Marko⸗ soff und seiner Abtheilung, welche auf dem Wege nach Chiwa umkehren mußten, vollkommene Aner- kennung gezollt wird.

Aus Stadt und Land.

Ortenberg. Am 21. August verunglückte der Förster Winter aus Konradsdorf dadurch, daß er bei Ge⸗ legenheit des Verkaufs von Weizen aus dem hiesigen hertschaftlichen Boden 3 Stockwerk hoch hetabstürzte und eine lebensgefährliche Kopfoerletzung davon trug. Am 20. d. M. kam in Hirzenhain ein Hüttenknabe, gebürtig aus Gelnhaar, Namens Leuning, unter ein Fuhrwerk

und wurde derselbe dermaßen von den Rädern über⸗ fahren, daß er seinen Geist aufgab.

Oberolm. Von hier erfahren wir, daß ein mit Heuaufladen beschäftigter Oeconom sein vierjähriges Kind auf den beladenen Wagen gehoben; dann suchie er sein Werkzeug zusammen und warf dasselbe ebenfalls auf dem Wagen, warf aber so unglücklich, daß die Sichel den Kinde in den Rücken fuhr. Daß Kind wurde dadurch so schwer verletzt, daß es in kurzer Zeit in den Armen seines verzweifelnden Vaters starb.

Gießen. Am verflossenen Mittwoch Abend wurde

feinem Arbeiter auf hiesigem Bahnhofe beim Nangiren

ein Arm abgeguetscht. Der Verunglückte wurde in die Klinik gebracht. Die Fitrina J. B. Noll hierselbst er⸗ hielt für ihre ausgezeichneten Fabrikate auf der Wiener

Weltausstellung die Fortschritts⸗Medaille. Im Laufe

der vorigen Woche stand auf dem Brande vor der Ka serne eine Jauersfrau und weinte. Soldaten, die vor⸗ beigingen, fragilen dieselbe, was ihr fehle.Ach, erklärte sie, meinen Sohn haben sie da drinne zum Gefreiten ge⸗ macht. Die Soloaten trösteten die Frau und meinten, sie möge doch darüber froh sein, ein Gefreiter sei doch mehr wie ein Gemeiner. Doch die Frau sagte:dous es ja alles recht gaut un schih, aber wann's wieder lus giht und dann werd uf die Huhche am erste geschosse.

Darmstadt. Bei in biesiger Stadt einquartirten Soldaten des 4. Infanterie-Regiments ist, nach det Darmst. Ztg., die Brechruhr zum Ausbruch gekommen. Dicselben waren in der Altstadt(Ochsengasse) einquartirt.

Großgerau. Nach zweijähriger Ruhe fanden am 16. do. Morgens bei klarem Himmel wieder zwei be deutende Erdstöße statt. N

Mainz. Die Mainzer Industrie hat auf der Wiener Weltausstellung eine staltliche Anzahl von Ver⸗ dienst⸗Medaillen davongetragen. Bekannt sind bis jetzt solgende mit dieser Medaille ausgezeichnete Firmen: Möbelfabrik von Joh. Heininger, wieder die einzige Fabrik dieser in unserer Stadt so bedeutenden und be⸗ rübmten Branche, welche sich zur Wettbewerbung veran⸗ laßt fand; Lederfabrik von Carl Betielhäuser(die welt⸗ berühmte Fabrik der Herren Mayer, Michel und Den⸗ ninger blieb vom Concurs ausgeschlossen, da einer ihrer Chefs als Juror fungirte); Schuhfabrik von Simon Wolf; die beiden Lederireibriemen-Fabriken von L. Stark und Th. Hager. Ohne Zweifel werden noch einige bekannt werden; es läßt sich somit jedenfalls behaupten, daß Mainz seine nicht zu verachtende industrielle Bedeu⸗ tung auch bei dieser Gelegenheit in würdiger Weise re präsentirt hat. g

Woruis. Unserer thätigen Polizei ist es bereits gelungen, die Mutter und wahrscheinsiche Mörderin des in einem Garten vor dem Speyerthore gefundenen neu⸗ geborenen Kindes ausfindig zu machen, und zwar ist es ein Mädchen aus Offstein, welches in Zweibrücken in Diensten gestanden, dort mit einem Soldaten ein Ver⸗ häliniß unterhalten hatte, dessen Folgen nicht ausgeblieben. Wie es nun bis jetzt feststeht, scheint das auf der Heim⸗ reise begriffen gewesene Mädchen ünterwegs von Geburts- wehen befallen worden zu sein und solches sich seines Kin⸗ des auf die bereits bekannte Weise entledigt zu haben. Ob das letztere bei seiner Geburt gelebt hat, wird die ärztliche Untersuchung feststellen. Durch den Umstand, daß das Mädchen in der gleichen Nacht spät in der Scheuermann'schen Wirtbschaft gegenüber dem belr. Gas ten sich einfand, dort übernachtete und gewisse Spuren und sein bleiches, verstöctes Aussehen auffielen, so lenkte sich

nach Bekanntwerden der That der Verdacht der hiervon

benachrichtigten Polizei sofort auf das bereits abgereiste

Mädchen, welches denn auch wirklich in Offstein krank im

Beite gefunden wurde und sofortige ärztliche Untersuchung erwies, daß solches Wöchnerin ohne Kind sei. Die Un⸗ glückliche wurde sofort in geschlossener Chaise hierher ins Hospiial gebracht, ist ihrer That jedoch noch nicht geständig.

Allerlei.

Friedberg. Staustischen Tabellen entnehmen wir Folgendes: Auf 100 eheliche Geburten kommen uneheliche in Lendon 4, in Paris 48, in München 91, in Wien 118, in Rom 243. In England kommt 1 Mord auf 178,000 Emwohner, in Holland auf 163,000, in Preu⸗ ßen auf 100,000, in Oesterreich auf 59,000 in Spanien auf 4113, in Neapel auf 3751, in Rom auf 760.

Frankfurt. Der Frankfurter Bienenzucht⸗Verein, welcher sich leit ca. einem Jahre als selbstständiger Lokal⸗ verein für hier und Umgegend constituirt hatte, hielt am 17. August seine erste Hauptversammlung im Saale zur Rosenau ab, au welchet sich ca. 30 Bienenzüchter von hier, Offenbach, Oberrad, Vockenheim und Vilbel be⸗ theiligten. Den Vorsitz führte Pfarrer Wucherer, der einen Rechenschaftsbericht über die Entwickelung, Thälig⸗ keit und die Leistungen des Vereins gab. Die mil' der Versaminlung verbundene Ausstellung war sehr interessant und von einem zahlreichen Publikum besucht worden.

Frankfurt. Am 21. d. M. Nachmittags machten

sich Schulknaben in der Nähe des Oberräder Fußweges

das Vergnügen, daß sie vor den von Offenbach in den Bahnhof zu Sachseuhausen eiglaufenden Zug, in nächster Nähe der Locomotive Steine auf das Schienengeleis legten, wodurch nicht nur mit Leichtigkeit der Zug hälte ent⸗ gleisen können, sondern einer der Knaben auch beingbe von der Maschine erfaßt worden wäce. Die betreffenden Knaben sind zur Anzeige gebrach!.

Frankfurt. Die hiesige Feuerwehr hat sich über 400 Mann stärk mittelst Extrazugs der Ludwigsbahn zum Feuerwehrtag nach Mainz begeben; ihr schlossen sich die

itelwili uerwehten von- Ober⸗ Bornheim, Rödelheim und Bockenheim an.. . Cronberg, Welchen Werth die Obstzucht für el zelne Gemeinden hat, mag daraus erhellen, daß füt 1 Ernte von einem Baumstück mit Mirabellen 2000 fl.. zahlt würden. 77 1 0 Marigzell. In einem Graben Hallthals, anden halb Stunden d. 06e be lebten zwei Köhl in friedlicher Nachbarschaft. Am 16. d. um 10 U Vormittags hörte der eine Köhler seinen von ihm eln 150 Schritt entfernt wohnenden Nachbar mit eine Knaben zanken. Ohne Arges zu ahnen, begab sich H Köhler dahin, um die Ursache dieses Schreiens zu erfahre und sah dort ein gräßliches Bild. Ein Knabe im Ali, 1 von 12 13 Jahren lag mit vom Rumpfe getrennes Kopfe, mit aufgeschnittener Brust⸗ und Bauchhöhle entsen⸗ vor der Köhlerhütte in einer Blutlache. Als der Mörd des Nachbars ansichtig wurde, ging der Unmensch m blutig gezücktem Messer auf diesen los, riß ihn zu Boh und zertrümmerte dessen Schädel und Gesicht, nachdem ihm mit dem Messer den Hals bis zur Wirbelsäule du schnitten hatte und ihn mit einem schweren Steine einer formlosen Breimasse zerquetscht hatte. Der Ki des ermordeten Knaben wurde 50. Schritte wein unsge treff einem Bergabhange aufgefunden. In dieiem verstüg melten Zustande wurden beide Leichen von der sogleich gg den Thatort beorderten Gerichts⸗Commission angetroffaß Die Molive des Verbrechens sind noch nicht aufgekla 0 Der Mörder, ein noch junger Mann von 28 Jahren, wsid abge zwar gefürchtet und gemieden als ein roher Geselle un hechung dem Trunke ergeben, zeigte aver nie Spuren von Geiste auch zerrüttung. Er wurde noch am Thatorte ergriffen un bring dem Gerichle überlieferl. Es sind gewichtige Verdachssh bring gründe vorhanden, daß der Ergriffene der noch unbekanns Mörder des im Monat Februar bei Mariazell erschlageng ee Mautner sei. 9 5 Wien. Zu all dem Unglück, mit welchem die Wa Ausstellung zu kämpfen hal, ist jetzt auch noch die Ei deckung don Defraudation gekommen, welche sich ein Cassen⸗Beamte an Tourniquet zu Schulden kommen ließisgmeinde Die Höhe der entwendeten Summe ist zwar noch nipuden f festgestellt, allein drei der verhafteten sechs Beamten siß bereits geständig, die Defraudationen seit dem Monat Ju. zu treiben, mit einem täglichen Erfolg von 2530 ffinehme für jedem derselben. 1 19.04

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Friedberg. Der Vorstand des hiesig e Handelsverxeins hatte sich am 11. Juni d. in einer Eingabe an das Preuß. Handel ministerium gewandt, worin er sich über Mißstände, welche die Anordnung der Direetisf der Main- Weser⸗Bahn bezüglich der Abstempelusß der Retour Billete verursacht, sowie über die v 1 ff der Obergüterverwaltung derselben Bahn getrofft 3 Bestimmung, wonach vom 1. Juli d. J. an die von der Hof- und Waisenhaus Buchdruckassgag. gefertigten Frachtbrief Formulare verwandt werd ern können, beschwerend ausgesprochen und das Handel 5 ministerium um Aufhebung beider Verfügungen g 8 1 beten hatte. Hierauf ist unter dem 15. Auge folgende Antwort seitens des Handelsministeriuass in Berlin an den Vorstand des hiesigen Handle vereins zerselgt;, 5* Berlin den 15. August 1873. 1 die in der Borstellung des Vorstandes voi 11. Juni cr. vorgebrachten Beschwerden ei 0 näheren Prüfung unterzogen worden, eröffne ie demselben, daß ich zu einer Wiederaufhebung Mei, die Abstempelung der Retour- Billets betreff g ik, den Verfügung der Königlichen Directien dag 9 Main- Weser⸗Bahn vom 1. April er. zur Zeit mis en 3 Lere

nicht in der Lage befinde. 3 9 Ich verkenne nicht, daß die qu. Maßregel so 5 wohl für das Publikum, wie für das Expepitiongen be personal mit wesenklichen Belästigungen verknüß aa ist; dieselbe bildet indeß zur Zeit das einzig wille wa same Schutzmittel gegen die, leider von ein ih Theile des Publikums geförderten Bille, Defrauten dos deren möglichst volständige Abstellung nicht sowofs im finanziellen Interesse des Staates, allaie gielmehr mit Rücsicht auf die andernfalls fi dat erwartende Demoralisirung eines Theiies des Fall beamten-Personals im allgemeinen waltungs⸗Interesse durchaus geboten erscheint

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Benennen, die g eder qu. e ergebe d den Unbegttemlichkelten, durch Erwziterung, der se Expeditiors Einrichtungen pp. auf das thunlschss untere geringe Maß zurückzuführen. Nuch werden Baß eipten ke ungen getroffen werden, durch welche bezüglisle drei der am halben, Tage zur Hin- und Rückfahrt all g benutzenden Retour: Billets eine gleichzeitige, M stempelung für Hin- und Rücktour ermöglicht ue somit für den wesentlichsten Theil des Rekourbill

Verkehrs die qu. Belästigung gänzlich behoben wil