Italien. Rom. Ein königl. Dekret er. nennt die Mitglieder der Commission, welche mit der Liquidirung der Kirchengüter in Rom betraut werden soll. Die Commission beginnt am 23. d. ibre Arbeiten, das Consistorium zur Ernennung der Bischöfe denititiv am 25. d. M.— Pfarrer Santa Ceuz wird im Vatikan nicht empfangen werden.
Aus Stadt und Land.
d⸗ Nauheim. Unsere Stadt wurde am 20. Juli 5 wahrhaft überfluthet. Mit dem 11 Uhr Zug kam von Frankfurt eine solche Masse Gäste an, ebenso um 12 Ubr von Butztach und Gießen, daß am Nachmittag, trotzdem auf unserer Terrasse etwa für 1000 Sigplätze ge⸗ sorgt wurde, dennoch nur mit Mübe ein Stuhl zu be⸗ kommen war. Außerdem, daß Nauheim ein besuchtes Heilbad ist, wird es auch immermehr ein besuchter Aus⸗ fluasort für unsere Nachbarstädte und die nächste Umgegend. Unsere Fremden amüsirt das Leben und Treiben an solchen Tagen wie gestern ungemein und unsere Eintagsgäste haben die beste Gelegenheit, unsere Fremden aus aller Herren Länder, unsere hohen und höchsten Herrschaften und unseren Damenflor, worunter sich einige aus gezeichnete Schönheiten befinden, mit aller Gemüthlichkeit zu bewundern und mit ihnen bekannt zu werden. 9855
Bad⸗Nauheim. Als ein beachtenswertbes Beispiel von Bereitwilligkeit, der Intentionen des Gesetzes über die Dotation der Schulstellen in unserm Lande zu ent⸗ sprechen, möge die Art und Weise bier Erwähnung finden, wie nach dem dieser Tage gefaßten Beschluß unseres Stadt⸗ raths die Besoldungen an der hiesigen Schule künftig normirt sein werden.— Darnach wird der Minimalgehalt einer definitiv besetzten Stelle 600 fl., der Maximalgebalt 800 fl., der Gehalt des Lebrers der fremden Sprachen 900 fl, der des Inspectors 1000 fl. betragen, excl. Wohnung oder der gesetzlichen Vergütung für dieselbe. Das Dienst⸗ einkommen für Vikare ist auf 500 fl. festgesetzt.— Obgleich diese Vesoldungssätze in Betracht der biesiden Tbeuerungs⸗ verhällnisse und im Vergleich mit den Besoldungsregu⸗ lirungen der größeren Städte des Landes, denen Bad⸗ Nauheim, was der Preis aller Lebensbedürfuisse anlangt, in Nichts nachstebt, gewiß bescheiden genannt werden müssen und zumal die Maximalsätze in Berücksichtigung der ob⸗
waltenden Verhältnisse wohl etwas höher hätten gegriffen werden dürfen; so verdient gleichwohl der erwähnte Be⸗ schluß des hiesigen Stadtraths, um deßwillen alle Aner⸗ kennung, weil er über die Bestimmungen des Gesetzes hinausgeht, insofern er den Minimealgebalt statt auf 550 auf 600 fl. firirt und, was sehr wesentlich ist, für den In⸗ haber jeder Stelle das Anrecht auf den Maximalgehalt nach erlangter 20jähriger Dienstzeit gewährt. Der Stadt⸗ rath hat damit abermals bewiesen, daß Förderung des Schulwesens ihm nicht eine bloße Phrase, sondern ein ernstes Anliegen ist; den betreffenden Lehrern aber wird der ohne Zögern und einmüthig gefaßte Beschluß desselben ein neuer Sporn sein, zum Besten der ihrer Obhuth an⸗ vertrauten Schulanstalt ihre ganze Kraft einzusetzen.
Darmstadt. Semper's Kostenvoranschlag für den Wiederaufbau des neuen Hoftheaters ist bier eingetroffen und ißt die erforderliche Summe auf 1,200,000 fl. veran⸗ schlagt. Eine darauf bezügliche Vorlage wird Seitens des Finanzministeriums demnächst an die Stände gelangen. Die Aufgabe Semper's bestand darin, mit möglichster Be⸗ nutzung der vorhandenen Umfassungsmaueen ein Theater berzustellen, auf dessen Bühne es möglich ist, Prunkopern im größten Style herzustellen und dessen Zuschauerraum groß genug ist, um auch eine Rentabilität derartiger Vor⸗ stellungen erwarten zu lassen und mindestens 2000 Sitz⸗ plätze faßt. Diese Aufgabe ist bei dem neuen Entwurfe vollständig gelöst. Es hat sich ergeben, daß die Umfassungs⸗ mauer der seitherigen Lichthöfse die nöthige Tragfähigkeit besitzt, um darauf die neue Umfangsmauer für Bühne und Zuschauerraum gründen zu können, so daß aller Raum, welcher seither zu Treppen und Corridoren verwandt wurde, nunmehr zu Zuschauerplätzen benutzt und damit die Zahl 2000 erreicht wird. Weitere erforderliche Räumlichkeiten werden durch Anbau von Seitenflügeln gewonnen. Der Schnürboden wird beträchtlich erhöht, so daß das Brechen der Decorationen, welches seither oft stattfand, vermieden wird. Der Maler⸗Saal und die Decorations-Magazine werden, um die Feuergefährlichkeit zu vermindern, in einem Separat-Gebäude, welches im Theaterhof errichtet werden soll, untergebracht.
Mainz. Ein Gewilter am 18. d. M. konnte leicht von sehr schlimmen Folgen werden für 4 Frei-Weinheimer Steinfuhrleute. Dieselben waren mit ihren leeren Wagen auf dem Heimwege nahe am Ausgang des Waldweges auf der Chaussee, als der Blitz und Krach erfolgte und sofort
auch die vier Pferde zusammenstürzten. Drei berselben wühlten Maul und Nasen in den Sand, was sie wohl
war an keinem wahrzunehmen. Auf die vier Fuhrleute und einen Knaben, der bei inuen saß, war die Wirkung ebenso verschieden. Der Knabe blieb vollständig verschont, die Fuhrleute waren alle betäubt, doch nur einer derselben und zwar der Eigenthümer des getödteten Pferdes ver⸗ langte thätige Hülfe, um ihn seiner todtesähnlichen Be⸗ täubung zu entreißen, nicht ohne daß er noch den ganzen nächsten Tag in bedenklicher Lage blieb.— Zur selben Zeit wurde zwischen Horrweiler und Gensingen ein Mädchen vom Blitz erschlagen. Seine Schwester, die mit ihm ging, wurde wohl auch niebergeworfen, jedoch blos betäubt.
Allerlei.
brannte Scheuer und Sällchen des Ortsbürgers Fritz Weber in Bruchkölbel ab und ist dabei das weitere Unglück zu beklagen, daß ein sechsjähriges Kind, dem Weißbinder Herwig gehörig, verbrannte und todt aus den Trümmern gezogen wurde; ein Sohn des vom Brandunglück heim— gesuchten Weber wurde an demselben Tage von einem Fuhrwerk am Main überfahren und ihm das eine Bein schwer verletzt.
Schweinfurt. Am 18. d. M. ist das Dorf Berg⸗ rheinfels bei Schweinfurt gecößtentheils abgebrannt;
standen sein und wurde durch den heftigen Westwind mit Sturmeseile über das ganze Dorf verbreitet.
Wien. Eine hiesige Zeitung bringt Folgendes: Dieser Tage erhielt eine Gemeindevertretung im Melniker Bezirke eine Correspondenzkarte von einem achtzigjährigen Schmied aus der Stadt W... In derselben eröffnet der Ab- sender, daß er seines hohen Alters wegen sein Heimwesen mit der Werkstätte seiner Tochter übergeben werde, weil diese aber keinen passenden Bräutigam habe, so ersuche er seine Gemeindevertretung, falls in deren Gemeinderayon sich ein passender Bräutigam befinden sollte, denselben dahin zu schicken.
Zürich. Ferdinand David, der berühmte Violinspieler und Lehrer von Joseph Joachim und August Wilhelmj,
ist in der Schweiz nach längerem Leiden gestorben.
Versteigerungs- Anzeige.
2100 Mittwoch den 30. Juli d. J., Vormittags 10 Uhr,
sol in hiesigem Rathhause auf sreiwilligen Antrag der
Erben der verstorbenen Heinrich Waas II. Wittwe
dahier die nachgenannte Crescenz auf dem Halmen, als: 19 Morgen Waizen,
2½„ Gerste, 2/2„ Korn, 20„Hafer, 1. Erbsen, Futterwicken
affentlich meistbietend versteigert werden.
Die Flurschüzen Kopp und Sauer dahier sind von den Erben beauftragt, jede gewünscht werdende Auskunft zu ertheilen.
Friedberg den 22. Juli 1873.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg.
Foucar.
Mobiliar-Versteigerung. 2093 Nächsten Montag den 28., Dienstag den 29. und Mittwoch den 30. d. M., jedesmal Morgens von 9 Uhr ab, werden in hiesiger Parrhofraithe die zum Nachlaß des
Herrn Pfarrer Reuß gehörigen Mobiliargegenstände, als: 2 Sopha, 4 Kommode, 2 Kleiderschränke, Tische,
Wasch⸗ und Nachttische, 2 Dutzend Stühle, Sessel, Schreibpult, Glasschrank, 3 vollständige Betten, Bücher, 1 silverner Armleuchter, 1 silberner Vor⸗ legelöffel, 13 silberne Eßlöffel, 1 Dutzend dlg. Kaffeelöffel, 2 Dutzend Messer und Gabeln(Stiele mit Silber plattirt), 3 Wand- und 1 goldene Taschen⸗Ubr, 60 Herrenhemden und verschiedene Kleidungsstücke, Tafeltücher, Vorhänge, sonstiges Weiß⸗ und Bettzeug, Porzellan, Zinn, Flaschen, Gläser, Fösser, Bütten, Züber, circa 10 Raummeter kleingemachtes Buchenholz, Bienenkörbe, sowie noch sonstiges Haus-, Küchen- und Oeconomiegeräthe einer öffentlichen Versteigerung gegen Baarzahlung aus— esetzt. 0 Gemerkt wird, daß den ersten Tag die Betten, sämmt⸗ liches Weißzeug, Porzellan und Bucher, den zweiten Möbel, Silberzeug, Uhren, Fässer, Gläser und Flaschen, den dritten Tag Bütten, Züber, Holz, und die noch vor— handenen Oeconomie-, Haus- und Küchengeräthe zur Versteigerung kommen. Juli 1873.
Oppershofen am 20. 1 2 A.? Großherzogliches Ortsgericht Oppershofen. Schmidt.
Das 2tlö l-, Bett-& Spiegel-Lazer von Alexander Bium, Frankfurt a. M., große Gallusstraße 5,
1915 empfiehlt große Auswabl in Möbeln aller Art, Betten einfach bis zu den Feinsten, Spiegel mit Gold— und Holzrahmen in allen Größen bei billigen Preisen und reeller Bedienung. Ganze Einrichtungen werden
übernommen und genießen einen Extra- Nabatt.
Bekanntmachung.
2137 Samstag den 26. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, werden an hiesigem Rathhause verschiedene Stücke Eichen⸗ holz von der städtischen Brückenwaage öffentlich meist⸗ bietend versteigert. Friedberg den 24. Juli 1873. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. o ue ar.
n 2120 Montag den 28. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhause die Lieferung von 20 Centner Waizenstroh für den städtischen Faselstall an den Wenigst⸗ nehmenden in Accord gegeben werden.
Friedberg am 24. Juli 1873. Großerzogliche Bürgermeisterei Friedberg. Fd s ar
Immobiliar⸗Versteigerung.
2116 Dienstag den 29. Juli d. J., Vormittags 10 Uhr, sollen in hiesigem Rathhause auf freiwilligen Antrag der
Erben der verstorbenen Heinrich Hanstein IV. Eheleute dahier die denselben zustehende Güterstücke, in Fried⸗ berger und Fauerbacher Gemarkung gelegen, nochmals öffentlich an die Meistbietenden versteigert werden. Friedberg am 23. Juli 1873. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. o u car.
Hofraithe-Versteigerung. 2136 Donnerstag den 31. Juli d. J., Vormittags 11 Uhr, soll in hiesigem Rathhause auf freiwilligen An⸗ trag des hiesigen Bürgers Carl Bingmann die dem⸗ selben gehörende Hofraithe, nämlich: Gemarkung Friedberg.
Flur. Nr. Klftr. a
2. 458. 17,9. Hofraithe in der Stadt 4 öffentlich meistbietend versteigert werden.
Friedberg am 23. Juli 1873.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg. n
Holz-Versteigerung. 2119 Nächsten Dienstag den 29. d. M, von Vormit⸗ tags 7 Uhr ab, werden in hiesigem Stadtwalde, Schlag Lichtenberg, folgende Holzsortimente öffentlich an den Meistbietenden versteigert: 20 Raummeter Eichen⸗Schäl⸗Scheitholz, 118 5 f„ Prügelholz, 21376 Wellen Eichen Schäl⸗Reisholz, 90 Läste Allerleiholz und 50 Stämme von 4—6 Meter Länge und 18—24 Centimeker Durchmesser. Bad⸗Nauheim den 23. Juli 1873.
Großherzogliche Bürgermeisterei Bad-Nauheim. Schutt. 5
Bekannt m a ch ü neg.
2132 Die am 23. Juli d. J. auf dem Gemeindehaus zu Münster abgehaltene Versteigerung, das Anfertigen einer neuen hölzernen Wasserpumpe, hat die Genehmigung nicht erhalten und soll dasselbe Mittwoch den 30. d. M. abermals in Accord gegeben werden.
Münster den 24. Juli 1873.
. Großherzogliche Bürgermeisterei Münster.
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prämiirt, liefert billig Lentze's Dachpappenfabrik in Einbeck, Provinz Hannover. 1 5 5
Hanau. Am 18. Juli Nachmittags kurz nach 1 Uhr
von 167 Häusern steben kaum noch 30. Das Feuer soll durch eine geisteskranke Frau, welche kochen wollte, ent
Topf Thlr. 12/3.— fl. 3.— Zahlreiche Zeugnisse und
gerettet haben mag, das vierte blieb todt. Eine Verletzung


