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den Seminarien in eine einzige mit tüchtigen Kraͤften besetzte, für alle Confessionen bestimmte Anstalt ausgesprochen.

Mainz. Am 3., 4. und 5. Juni soll in unserer Stadt die erste Generalversammlung des Vereins deutscher Katholiken statthaben, und es wird auf einen so außerordentlichen Zufluß ge⸗ hofft, daß die Unterkunft im Voraus als schwierig dargestellt wird. Den Anfang macht eineGeneral- Communion im Dome; den Schluß der Ver sammlung bildet eine Wallfahrt, und zwar nach Marienthal im Rheingau.

Berlin, 19. Mai. Der Reichstag hat in seiner heutigen Sitzung das Gesetz über den Um⸗ bau der Festungen in zweiter Lesung nach den Anträgen der Commission, Artikel 4, allein mit einem von dem Minister v. Kameke befürworteten Amendement Bürgers angenommen. Das Amende⸗ ment bestimmt, daß der Erlös aus dem Verkauf der von der Militärverwaltung besessenen Grundstücke auch dann zu den Kosten der Erweiterung zu verwenden ist, wenn die Erweiterung über den Zweck der Sicher⸗ heit der Festung hinaus, lediglich zu Zwecken der Entwickelung des Handels oder der Verkehrsinte- ressen der betreffenden Städte erfolgte. Der Reichs- tag berieth ferner über den für den Bau eines Parlamentsgebäudes zu erwählenden Platz.

20. Mai. In seiner heutigen Sitzung nahm der Reichstag nach kurzer Debatte in dritter Lesung fast einstimmig das Gesetz über den Um⸗ bau der Festungen an, ebenso fast einstimmig den Antrag Tellkampf'e und Genossen betreffs Vor⸗ legung eines Bankgesetzes. Der Antrag Petersens und Genossen wegen Vorlegung eines Gesetzent- wurfs über den Schutz von Fabrik- und Waaren⸗ zeichen wurde gleichfalls angenommen. Bundes⸗ Commissär Weimann sicherte eine anderweite Erwägung des Antrags durch den Bundesrath, der bislang die bezüglichen Bestimmungen der Strafgesetze für genügend gehalten habe, zu.

Der Kaiser wird auf der Reise nach Wien von der Kaiserin, dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Moltke begleitet werden, wie mehrere offi⸗ ciöse Quellen verlauten lassen.

Der Schluß des Landtags erfolgte am 20. d. M. in feierlicher Weise im weißen Saal durch Herrn v. Roon, da dem Könige seiner Ge sundheit wegen, wenngleich er von der Erkältung, die er sich auf der Reise nach Petersburg zuge- zogen, sich vollkommen erholt hat, Schonung dringend angerathen ist.

Ueber die Prüfungs⸗Commissionen, welche

auf Grund des Gesetzes über die Vorbildung und

Anstellung von Geistlichen gebildet werden sollen, werden auch die geistlichen Behörden, so weit die⸗ selben dazu bereit sind, zu Rath gezogen. Im Allgemeinen wird jede Provinz eine solche Com⸗ mission erhalten, wenn nicht gerade besondere Um⸗ stände dies unthunlich machen.

Kassel. Eine am 16. d. M. dahier abge- haltene Versammlung der zur Vilmar'schen Partei

zählenden Pastoren Niederhessens faßte Beschlüsse

über ihre Stellung zum Gesammt⸗Consistorjum, das als der hessischen Kirchenverfassung zuwider angesehen wird. Es steht zu erwarten, daß gegen diese Behörde ein passiver Widerstand organisirt werden wird. Viele Pastoren sollen die Absicht geäußert haben, lieber aus der Landeskirche aus-

zutreten, als sich der Jurisdiction des Gesammt⸗

Consistoriums zu fügen.

Die Ultramontanen in Fulda hegen angeblich, nach einem Bericht derNat.⸗Zeitung große Befürchtung, daß ihnen bei den nächsten Landtags- und Reichstagswahlen die seitherigen Sitze genommen werden möchten. Es steht naͤm⸗ lich in dem Reichstagswahlbezirke Fulda⸗Gersfeld⸗ Schlüchtern, sowie im Landtagswahlkreise Hünfeld⸗ Gersfeld eine Coalition sämmtlicher freisinnigen Parteien bevor, welche der Agitation des Klerus entgegentreten soll.

Dresden. Der König von Sachsen ist am 18. d. M. nach Leipzig und am 19. früh von dort zum Gebrauche einer Kur nach Ems gereist. Während seiner etwa vierwöchentlichen Abwesen⸗ heit ist der Kronprinz zum Stellvertreter des Königs ernannt worden.

München. DerNbg. Pr. zufolge ist ein neues Landtags wahlgesetz, welches dem im Herbste zusammentretenden Landtag zur Berathung vor- gelegt werden wird, im Enzwurfe fertig gestellt. Das bisherige indirecte Wahlsystem ist in dem⸗ selben aufgehoben.

Würzburg. Unsere Universität erfreut sich in diesem Semester einer Frequenz, wie noch selten vordem, indem bereits das achte Hundert der an⸗ gemeldeten Studirenden weit überschritten ist. Das Gesuch des hiesigen katholischen Reform- vereins um Ueherlassung der Bürgerspitalskirche behufs Abhaltung regelmäßigen Gottesdienstes da⸗ selbst, wurde von Seite des Stadtmagistrats ab- gewiesen.

Ausland

Oesterreich. Wien. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen ist am 18. Mai auf der Nordwestbahn von hier abgereist. Der Kronprinz Rudolf war am Bahnhofe erschienen und verab⸗ schiedete sich in der herzlichsten Weise von dem Kronprinzen.

Schweiz Bern. Ein Aufruf des ultra- montanen Central⸗Comites fordert alle Rom treu gebliebenen Katholiken zu einer Volksversammlung nach Correndlin am 25. d. M. auf. Es sei ge⸗ nug protestirt und Zeit, sich an das Volk selbst zu wenden.

Der Cantonalrath von Solothurn hat bei der Berathung der Strafgesetze die Todesstrafe mit 70 gegen 11 Stimmen aufgehoben und die Bestimmungen gegen den Mißbrauch der Kanzel angenommen.

Der Bundesrath erklärte, daß der Protest der Walliser Regierung gegen die Versteigerung der Ligne d'Italie unzulässig sei, und daß er seinen Beschluß festhalte.

Zürich. In einer Zuschrift an den Großen Rath protestiren die Distdenten im Canton Zürich gegen das von der Kirchensynode ausgearbeitete Kirchengesetz, wonach sie zu Gunsten der Kirche besteuert werden sollen, und gegen die Führung der Civilstandsregister durch die Geistlichen. Die Disidenten erklären, daß sie eine Gesetzbestimmung im Sinne des§. 13 des Entwurfs als Verfafsungs⸗ verletzung bei den Bundesbehörden ansehen würden.

Frankreich. Paris. Einem Telegramm

derAgence Havas zufolge hätte im Verlauf der Ministerkrisis auch der Kriegsminister General de Cissey seine Entlassung angeboten. Thiers habe die Ansicht ausgesprochen, diese durch Chanzy zu ersetzen, worauf Mac⸗Mahon erklärte, daß er das Ober⸗Commando niederlegen werde, wenn Chanzy Kriegsminister werden sollte. DasBien public versichert in einer besonderen Ausgabe, daß das Ministerium folgendermaßen zusammengesetzt ist: Casimir Perier Inneres, Remusat Aeußeres, Du⸗ faure Justiz, Léon Lay Finanzen, Fourton Cultus, Waddington Unterricht, Berenger öffentliche Ar⸗ beiten, Teisstrene Handel, Cissey Krieg, Pothuau Marine. DasParis-⸗Journal meldet, daß Chan⸗ garnier eine Interpellation der Rechten einbringen wird. DasJournal officiel sagt, daß der Präsident der Republik, die Nothwendigkeit auer⸗ kennend, die Verwaltung zu ändern, die Demisston aller Minister verlangt. Das neue Ministerium ist so zusammengesetzt, wie oben gemeldet worden. L Gambetta ist am 16. d. in Nantes ein⸗ getroffen. Eine ungeheuere Menschenmenge er- wartete ihn am Bahnhof und empfing ihn mit Hochrufen auf die Republik. Bei dem Banket, welches man, um ihm besser seinen Privatcharakter zu wahren, auf 200 Gedecke beschränkt hatte, zählte Gambetta die Fortschritte auf, welche die republikanischen Ideen seit einem Jahre im Lande gemacht. Er forderte schließlich die republikanische Partei auf, einig und compact zu bleiben und sich vor einer Ungeduld zu hüten, welche den Eintritt der definitiven Republik nur verzögern könnte.

Wersailles, 19. Mai. Nationalversamm⸗ lung. 160 Mitglieder der Rechten und des rechten Centrums verlangten, in Anbetracht, daß der Ernst der Lage ein Cabinet erfordere, dessen Festigkeit das Land beruhige, über die vollzogenen Minister⸗ Aenderungen und die Nothwendigkeit einer ent⸗

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schieden conservativen Politik die Regierung zu

interpelliren. Sie beantragten, daß die Berathung hierüber auf Freitag festgesetzt werde.

Discussion festzusetzen.

Spanien. Perpignan. Aus Gerona wird gemeldet, daß General Cabrinety die Carlisten geschlagen habe.

Madrid. Die amtlicheGaceta vom 18. d. erklärt das von demMemorial diplo⸗ matique verbreitete Gerücht von Verhandlungen zwischen Deutschland und Spanien über eine even- tuelle Abtretung der Philippinischen Inseln für durchaus unbegründet.

Italien. Rom. Einer Meldung derItalie zufolge hat der Papst am 17. d. M. mehrere Persönlichkeiten empfangen. Am 18. d. findet Empfang im Vatican statt. Die Regierung hat vorsichtshalber eine Verstärkung der Garnison von Rom angeordnet.

Der Papst hat am 18. d. M. eine Depu⸗ tation von 200 Personen empfangen, welchen er nach einer kurzen Ansprache den Segen ertheilte.

Serbien. Belgrad. Die serbische Regie- rung unterhandelt durch die serbische Hauptbank mit englischen Bankfirmen wegen Contrahirung einer Eisenbahnanleihe in Höhe von 50,000,000 Fres.

Rußland. Petersburg. In Ortenburg will man wissen, daß die russischen Truppen das chiwanische Gebiet erreicht hätten ohne indeß den Feind zum Stehen zu bringen. Die beiden turke⸗ stanischen Detachements unter General Kauffmann sind 5000 Combattanten stark; sie führen 1400 Pferde, 9000 Kameele, 32 Geschütze, 4 Mörser und 4 eiserne Fährboote mit sich.

Moskau. Der Schah von Persien ist am 19. d. M. hier angekommen. Die Nachrichten englischer Zeitungen über die Einnahme von Chiwa sind als unbegründet zu bezeichnen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Ueber den von uns bereits gemeldeten Eisenbahnunfall in Gießen erfahren wir folgendes Nähere: Am 19. d. M. früh rannten auf dem Main⸗Weser⸗Bahnhof mehrere mit Steinen beladene Wagen auf den nach Frank⸗ furt abgehenden Personenzug. Der Umsicht und Geistes⸗ gegenwart einiger Beamten gelang es, den Hauptanprall abzuschwächen, so daß kein Menschenleben gefährdet wurde. Mehrere Wagen wurden zertrümmert.

Butzbach. Eine Stunde von hier entfernt erhebt sich, bis zum Scheitel mit Waldesgrün bekleidet, 1800 Fuß hoch der Hausberg, zu der Gruppe der nördlichen Vor⸗ berge des Taunus gehörig. Der Weg dahin, abwechselnd durch jungen Buchen- und Fichtenwald, durch Wiesen⸗ gründe und Getraidefelder führend und das Dörflein Hausen berührend, bietet einen der lohnendsten Spazier⸗ gänge und die auf der ae Rand Spitze des Berges vor den Augen ausgebreitete Rundsicht ist eine wahrhaft großartige. Das Auge beherrscht die ganze untere und obere Wetterau bis in die grünen Thäler des Vogels⸗ bergs hinein, es schweift über die Höhen, welche die Main⸗ Weserbahn zwischen Butzbach und Gießen zu übersteigen hat, weit in das Lahngebiet hinaus; nur in Westen und Süd ⸗Westen wehren die vorgeschobenen bewaldeten Berge des Nassauerlandes einem weiteren Vordringen. Da aber dieser reichen Augenweide die den Gipfel des Hausbergs überragenden hohen Fichten hemmend im Weg fanden, so trat schon im Jahre 1862 hier eine Gesellschaft zu⸗ sammen, um die Mittel zur Erbauung eines Thurmes aufzubringen. Der Thurm, über 40 Fuß hoch, ist nun vollendet und soll am Nach mittag des Sonntags vor dem Pfingstfeste die Weihe und Erschließung für das Publikum empfangen. Es sind zu diesem festlichen Akte einerseits die den Bau durch Lieferung von Holz unkerstützenden

Nachbargemeinden mit ihren Vereinen und Schulen, sowie

alle Freunde der Natur von Nah und Fern eingeladen. Gewißlich wied die Eisenbahn auch manchen Gast aus der Ferne herzuführen und so steht denn, wenn der Himmel den Tag begünstigt, ein belebtes Volksfest in Aussicht. Bemerkt sei noch, daß auch der Alterthümler einen Gang auf den Hausberg sehr lobnend finden wird, da der drei⸗ sache Ringwall des Römerkastells, das einstmals den in der Linie des Pfahlgrabens gelegenen Berg gekrönt, theil⸗ weise sehr gut erhalten geblieben ist.

Eschbach. Dieser Tage wurde hier ein Mann be⸗ erdigt, in dessen Leichengefolge sich 82 Enkel und Urenkel

befanden. Kinder des Verstorbenen folgten 22 ber Leiche.

Darmstadt. In seiner Sitzung vom 19. Mai ver⸗

warf der Cassationshof die Nichtigkeitsbeschwerde des wegen Beleidigung des Staatsprokurators Schön zu 20 Thaler Geldstrafe verurtheilten Kaufmanns A. Harrig von Mainz. Der Prozeß hatte seiner Zeit ein bedeutendes Aussehen erregt, da ihm politische Momente nicht fremd waren. Mainz. Am 18. Mai Nachts hat leider ein be⸗ deutender Eisenbahnunfall stattgefunden, indem der um

12 Uhr 29 Min. in Bingen eintreffende Personenzug bei

Die Ver⸗ sammlung beschloß indeß, auf den Wunsch des Justizministers Dufaure, erst morgen den Tag der

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