Ausgabe 
22.2.1873
 
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meter und mehr haltenden Kriegergräber im Kreise Metz stellen eine Gesammifläche von 50,023 Quadrat- meter dar; 109 Gräber haben 100 Quadratmeter Flächeninhalt und darüber. Wie wir hören, be⸗ rechnet man die voraussichtliche Ankaufssumme aller dieser Grabstätten auf 200,000 240,000 Franken. Der Ankauf ist überall im Werke.

Ausland. a

Schweiz. Im Großen Rath zu Genf wurde das Gesetz, betreffend die Wahl der Geistlichen durch das Volk, mit 76 gegen 8 Stimmen desi⸗ nitiv angenommen. Die Berathungen verliefen sehr stürmisch. Anläßlich eines von den katho⸗ lischen Geistlichen des Cantons in sehr beleidigenden Ausdrücken gegen die Cantonal- und Bundes- regierung abgefaßten Protestes ging die Ver sammlung zur einfachen Tagesordnung über.

Die katholischen Geistlichen der Dibcese Basel protestirten theilweise gegen das Verbot amtlichen Verkehrs mit Lachat. Der Thurgauer Große Rath billigte mit 75 gegen 14 Stimmen das Vorgehen der Regierung gegen Lachat.

Frankreich. In der Prozeßsache des Prinzen Napoleon gegen Victor Lefranc wegen der Aus- weisung des Ersteren erklärte das Civiltribunal seine Incompetenz und verurtheilte den Prinzen in die Kosten.

Großbritannien. Ein in London einge⸗ troffener Brief aus Zanzihar constatirt, daß Livingstone in guter Gesundheit Cyje, um nach den Nilquellen zu gehen, verlassen hat.

Spanien. Aus Cadix wird gemeldet: Der DampferMurillo ist freigegeben. Die Unter⸗ suchungs⸗Commission erklärte, daß derMurillo dieNorthfleet nicht niedergebohrt habe.

Das Rundschreiben Castelar's an die Vertreter Spaniens im Auslande erklärt ausdrück⸗ lich, daß die Republik nicht in augenblicklicher Ueberraschung, sondern in wohl überlegter Absicht von den Cortes beschlossen wurde. Das Rund⸗ schreiben läßt der Loyalität sowie den constitutio⸗ nellen Grundsätzen des Königs Amadeus volle Gerechtigkeit widerfahren; es sei demselben aber nicht gelungen, die stolze Abneigung der auf ihre Unabhängigkeit eifersüchtigen Nation zu besiegen. Die Gründung der Republik sei ohne jede Pression erfolgt und die gewählte Regierung entschlossen, mit aller Energie die Ruhe aufrecht zu erhalten. Das Schreiben beauftragt die Vertreter Spaniens, den ausländischen Regierungen darzulegen, daß die Republik Garantien für die Erhaltung der Ruhe biete, sowie daß sie sowohl nach Innen als nach Außen den friedlichsten Charakter trage. Ferner

enthält das Rundschreiben die Aufforderung an

die Vertreter Spaniens, die irrthümlichen Ansichten bezüglich der Haltung der Armee zu zerstreuen; die Armee sei entschlossen, die öffentliche Autorität, welche, weil aus dem Volkswillen hervorgegangen, eine legitime sei, aufrecht zu erhalten.

2 Friedberg. Am verflossenen Dienstag hielt Herr Reallehrer Klein einen Vortrag über Nicolaus Copernicus als Gedächtnißrede bei dessen 400jährigem Geburtstage(19. Februar.)

Copernicus ist einer der großen weltbewegenden Geister. Wie Columbus ein halbes Jahrhundert früher, so hat auch er eine große Entdeckung gemacht, die die ganze bis⸗ herige Weltanschauung über den Haufen warf und eine Masse von bis dahin räthselhaften Erscheinungen in wun⸗ derbare Harmonie brachte, damit aber zugleich der Un⸗ wissenheit, dem Aberglauben und Vorurtheil seiner Zeit⸗ genossen den Ktieg erklärte.

Zu Thorn in Westpreußen als Sohn einer wahrscheinlich deutschen Familie am 19. Februar 1473 geboren, in Krakau für die Mathematik und Astronomie gewonnen, in Bo⸗ logna zum Meister derselben ausgebildet, als welcher er schon in seinem 28. Jahre in Rom hohen Ruhm erwarb, trat er darauf in den geistlichen Stand über und brachte sein ganzes übriges Leben als Domherr in der ostpreu⸗

ßischen Siadt Frauenburg zu. Aber sein Grübeln und

Denken, sein Studieren und Rechnen bleibt den leuchten⸗ den Gestirnen des Himmels zugewandt. In 33jährigem Forschen ist er zu den großartigen Resultalen gekommen, die seinen Namen unsterblich machen. Sie sind der Welt kundbar gemacht worden in dem zu Nürnberg anuo 1543 er⸗ schienenen Copernicanischen Werke:Von den Umwälzungen der Himmelskörper. Die neue Wahrheit, welche der große Forscher in diesem Werke verkündet, ist folgende: Nicht die Erde ist der Mittelpunkt der Welt, sondern die Sonne. Um sie bewegen sich in

Kreisbahnen die Planeten Mercur, Venus,

erde, MarsJupiter, Saturn. Die Erde be⸗

wegt sich in ein zm Tage um ihre Axe, in einem Jahre um die Sonne. Um die Erde dreht sich allein der Mond. Der Beweis für die Richtigkeit dieser Lehre, der allerdings von Copernicus nur indirect durch Beobachtungen am Himmel und Schlußfolge⸗ rungen aus denselben erbracht wird, stützt sich auf eine Menge von Erscheinungen, die vorher jeder vernünftigen Erklärung entbehrten und darum zu den abenteuerlichsten Hypothesen Veranlassung gaben, für welche aber nun mit einemmale der Schlüssel gefunden war. Die für die Beobach⸗ tung wie für das Verständniß zugänglichsten unter diesen Ex⸗ scheinungen sind der Wechsel von Tag und Nacht infolge der täglichen Umdrehung der Erde um ihre Axe und der Wechsel der Jahreszeiten infolge der jährlichen Be⸗ wegung der Erde um die Sonne. Die Astronsmie aber hat seit nunmehr 330 Jahren Tausende von Erscheinungen erklärt und tbut es forfwährend auf Grund und zugleich zu immer erneuter Bestäligung der Copernicanischen Lehre, und die Matbematik mit ihrem strengen Gewissen drückt freudig das Siegel der Bestätligung unter jede neue Errungenschaft.

Copernicus hat die Herausgabe seines Werkes nicht erlebt. Daß er dasselbe erst in seinem Todesjahre dem Drucke übergab, wird mehr aus der Scheu vor den Menschen als absurd zu erscheinen, als aus der Furcht vor Folter und Scheiterhaufen erklärt werden müssen; hat er sein Buch doch dem Papste selbst zugeeignet und spricht er sich doch sehr derb gegen die Schwätzer aus, die seine Lehre um ihres vermeinten Widerspruchs gegen eine Stelle der Schrift als gottlos anfeinden möchten. Er würde übrigens wohl schwerlich dem Schicksale eines Giordons Bruno oder Galilei entgangen sein, wenn ihn nicht der Tod zeitig im Mai des Jahres 1543 in das Land der ewigen Freiheit hinüber gerettet hätte. Seine Gebeine ruhen in dem Dome zu Frauenburg. Dort und in Krakau ver⸗ herrlichen Denkmälerden Beweger der Erde, den Be seiger des Himmels.

Nächster Vortrag: Herr Seminarlehrer Stamm über Shakespeares Richard III.

ez Aus Oberhessen. Die Landesversammlung der israel. Gemeinden des Großherzogtbums fand am 16. d., Vormittags 10 Uhr, in den Räumen des Hotel Ullmann in Frankfurt statt. Die sämmtlichen Provinzen des Landes waren in großer Anzahl theils durch ihre Cullusrepräsentanten, theils durch eigens hierzu entsen⸗ dete Delegirte vertreten und hatten sich außer vielen Privaten auch der Landtagsabgeordnete Edinger aus Worms, mehrere Rabbiner und ein großer Theil der dem Lehrer⸗ stande angehörenden Mitglieder daselbst versammelt. Als Präsident wurde H. Simon aus Gedern und zu Schrift führern die Hrn. Heß, Lehrer in Friedberg und Or ten⸗ berger in Klein-Karben gewählt. Gegenstand der Be⸗ rathungen bildeten namentlich die Punkte, die sich auf Hebung der Schule, Aufbesserung des Lehrerstandes und Anstellung eines jüdischen Lehres an die Landesseminarien bezogen. Die Verhandlungen wurden durchgehends im Sinne der liberalen Anschauungen geführt und boten auch für Nichtinteressenten vielfache gewichtige Momente. Erst um 4 Uhr Nachmittags erfolgte Schluß der Sitzung, nachdem das Präsidium für die rege Theilnahme der Versammlung gedankt und diese an Stelle des seitherigen Comites eine Commission von neun Mitgliedern zur Forisetzung des angebahnten Werkes ernannt.

Gießen. Vor einigen Nächten wurde um 11 Uhr auf dem Seltersweg am Thor des Küchler'schen Hauses die Leiche des Taglöhners Karl Heiland von hier gefun⸗ den mit zwei Stichwuͤnden in der Brust. Die Polizei bat festgestellt, daß sein Kamerad, der oft bestrafte Heinrich Euler von hier, denselben erstochen, nachdem sie sich über Holzmacherlohn disputirt hatten. Der Thäter sitzt. Er soll geständig sein.

Mainz. Der Carneval verspricht in diesem Jahr großartiger zu werden, als in allen vergangenen. Das ächt carnevalistische Leben nahm so recht eigentlich seinen Anfang mu dem 1. Fackelzug, dem im Laufe der Woche noch mehrere folgen werden. Man spricht fast nichts mehr als von den sich bildenden Gruppen, von der glanzvollen Herrichtung der Wagen, von den brillanten Anzügen, so daß wir nächsten Montag wohl einen Zug bekommen werden, so großartig wie nie zuvor. Auch dat das Comite dieses Jahr eine andere, viel zweckmäßigere Einrichtung getroffen, indem der Zug erst um 12 Uhr sich in Be⸗ wegung setzt.

Mainz. Vor einigen Tagen wurden auf der Mainz⸗ Alzeyer Strecke der hessischen Ludwigsbahn Versuche mit der von Heberlein(Betriebs⸗Maschinenmeister der bayerischen Staatsbahnen) erfundenen selbstwirkenden Brems- vorrichtung für Eisenbahnzüge gemacht, welcher außer dem Erfinder, den Mitgliedern des Verwaltungsratbes und Beam ten der hessischen Ludwigsbahn mehrere Techniker der benachbarten Bahnen beiwohnten. Die Wirkung des Apparates war eine überraschende. Mitten in vollster Fahrt wurde der Zug sowohl auf horizontaler Strecke wie auch in Gesällen von ¼0 bis 1½ñ00 stets innerhalb 15 bis höchstens 22 Secunden auf eine Entfernung von 80150 Meter zum völligen Stillstand gebracht. Es wurbe beobachtet, daß schon 68 Sekunden nach erfolgtem Signal die Schwungkraft des Zuges stets vollständig ge⸗ brochen war, während die übrige Zeit bis zum vollständigen Stillland des Zuges aufgewendet wurde. Trotzdem war die Wirkung für die in den Wagen befindlichen Personen durchaus keine unangenehme oder stoßartige, sondern die Geschwindigkeit verminderte sich successive, wenn auch mit raschem Uebergange.

Mainz. Der Zudrang zu dem biesigen Pfandhaus ist gegenwärtig ein sehr starker; gewiß kein gutes Zeichen.

Wie in früberen Jabren wird auch dieses

ja vor Fastnacht das Pfandhaus geschlossen, weil Zudrang nicht zu bewältigen wäre. a 0 Vom Main. In turnerischen Kreisen war auf das vecunglückte Bonner Tur nfest nie gut z sprechen, jetzt aber schon gar nicht, da die einzelnen Mittelrhein⸗Kreis angehörigen Vereine das Bonner De sollen decken helfen. Die Quote, welche auf den Mi rhein⸗screis ausgeschlagen ist, beziffert sich auf 1750 fl. Lichtenstein, DemChemnitzer Tageblatt berich man aus Lichtenstein vom 15. Februar:Heute ereigne sich hier ein höchst seltener Fall. Das Ehepaar Christian Friedrich Lange, Haus⸗ und Grundstücksbesitzer, und Emili Wilhelmine Lange, geb. Seifert, feierten heute das fünf undsiebenzigjährige Ehejubiläum. Der Ehe⸗ gatte hat das Alter von 103 und die Ehegattin das Alter von 98 Jahren. Das Ehepaar lebt heute noch in det besten Gesundheit. f Berlin. Eig. wunderliches Inserat befand sich in einem Berliner Blatte. Dasselbe lautete nämlich:Ein Miether, der verpflichtet ist, die von ihm innegehabte Wohnung seinem Wirth in demselben Zustande abzugebe 1 wie sie ihm übergeben worden ist, sucht 2000 lebende

Wanzen. Adressen unter poste restante. n

Verloosung

des Gustav-Adolf- tanenvertins. Der unterzeichnete Vorstand beabsichtigt wie schon in früheren Jahren auch in diesem wieder

eine Verloosung für die Zwecke des von ihm ver⸗

tretenen Vereins, Unterstützung von Confirmanden⸗ häusern und Schulen, von Wittwen und Waisen, Ausschmückung von Kirchen, Anschaffung von Altargefäßen, Glocken u. dergl., zu veranstalten und wendet sich deßhalb an alle Freundinnen des Vereins mit der vertrauensvollen Bitte, denselben zu diesem Behufe mit weiblichen Arbeiten freund⸗ lichst unterstützen zu wollen. Zur Empfangnahme

verselben sowie anderweitiger Gaben, welche bis

Ende August d. J. erbeten werden, erbieten sich

folgende Mitglieder des Vorstandes: Frau Bin⸗ 0 9

dernagel, Frau Fertsch,

Frau Köhler, Frau Meyer, Frau Schwabe,

bei welchen auch Loose à 6 kr. für die in nächstem

Herbste beabsichtigte Verloosung zu haben sind. Friedberg, den 20. Februar 1873.

Der Vorstand des Gustav-Adolf⸗Frauenvereins.

Bitte an edle Menschenfreunde.

Ich Unterzeichneter, wurde im Jahr 1850 beim Bau der Main- Weserbahn, an welcher ich damals als Taglöhner arbeitete, durch das Zu⸗ sammenstoßen zweier Erdwagen so an einem Beine beschädigt, daß mir daseselbe in der Mitte der Wade abgenommen werden mußte.

Durch diesen Unglücksfall kann ich ohne ein künstliches Bein nicht bestehen; meine Mittel reichen aber bei meinem geringen Vermögen nicht hin, die Kosten von etwa 70 fl. zu bestreiten und auf Krücken zu gehen ist ein elendig Leben. Durch

die Anschassung eines solchen Beines werde ich! aber auch in den Stand gesetzt manche Arbeit zu

verrichten.

Ich trete deßhalb mit der Bitte und in den Hoffnung leine Fehlbitte zu thun, an edle, wohl-

wollende Menschenfreunde heran, mir, wie vor 20 Jahren, eine kleine Gabe spenden zu wollen zur Anschaffung eines neuen künstlichen Beines. Allen Menschen, welche von Gott mit völliger Gesund heit aller Glieder begabt sind und welche sich auf Jagden, Tanzvergnügen, Spaziergängen

in Gottes schöner Natur in Wäldern und Fluren 0

erfreuen können, möchte ich meine Bitte beson⸗

ders an's Herz legen, mir eine kleine milde Gabe

mit frohem Herzen zukommen zu lassen, denn nur

den fröhlichen Geber hat Gott lieb. 12

Hoch⸗Weisel den 13. Februar 1873. 1 Jakob Sommer.

Wir erklären uns zur Annahme von Gaben

bereit. Die Exped. d. Oberhess. Anzeigers.

Productenbörse zu Friedberg.

am 20. Februar. Heutiger Preis loco Waizen, gute Qualität, fl. 15 15. Korn, fl. 10. Gerste, fl. 10. 45. afer, fl. 7. 15. artoffeln, fl. 2. 3035. n Alle Preise verstehen sich 200 Pfund 100 Kilo

Frau Huber,

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