Frankreich. Paris. Thiers war am 15. d. M. in Belfort, wo er auf seiner Reise nach der Schweiz anhielt und bei Herrn Köchlin über⸗ nachtete, der Gegenstand, wie es scheint, wahrhaft enthusiastischer Kundgebungen. Die Stadt bedeckte sich mit Fahnen und war bis Abends illumtnirt; aus den Umgebungen war auf die Kunde von dem Eintreffen des berühmten Gastes die Landbe: völkerung herbeigezogen und mischte ihre Hochrufe in diejenigen der Einwohner. Thiers besuchte die elsässischen Asple(chaumières alsaciennes), wo man ihm einen warmen Empfang bereitete, und setzte am 16. früh seine Reise fort. Bei seiner Abfahrt fand er eine ungeheure Volksmenge auf dem Bahn- hof; die Ordnung wurde keinen Augenblick gestört.
— Das„Journal officiel“ meldet, daß der Handelsminister de la Bouillerie nach Wien ab- gereist ist, um dort der Preisvertheilung der Welt⸗Ausstellung beizuwohnen, welche am 18. d. stattfinden wird.
— Dem„Rappel“ zufolge wäre der Bischof von Orleans mit Aufträgen der fusionistischen, Partei an den Grafen Chambord nach Wien gereist.
— Die in den letzten Tagen hier stattgehabten Berathungen der Monarchisten haben zu dem Er⸗ gebniß geführt, daß von einer Einberufung der Nationalversammlung vor dem Ablauf der Ferien definitiv abgesehen werden soll.— Nachrichten aus Wien zufolge wird Graf Chambord zunächst in Lausanne Aufenthalt nehmen.
Schweden. Malmö. Der deutsche Kron— prinz, welcher bei seiner Ankunft am 17. d. in hiesiger Stadt durch den kurz vorher von Kopen⸗ hagen eingetroffenen Kronprinzen von Dänemark empfangen wurde, wird, die unmittelbar? Rückkehr nach Deutschland aufschiebend, einer von dem Kronprinzen von Dänemark überbrachten Ein⸗ ladung folgend, die dänische Königsfamilie in Fredensborg besuchen.
Dänemark. Kopenhagen. Der Großfürst Thronfolger von Rußland und Familie kamen am 17. d. M. in Helsingör an, woselbst sie von der königlichen Familie empfangen wurden. Dieselben begaben sich alsbald nach Fredensborg.
Helsingör. Der deutsche Kronprinz traf mit dem dänischen Kronprinzen am 17. d. um 6 Uhr Abends an Bord der„Grille“ unter Kanonensalut bier ein und wurde von dem König von Dänemark, dem Ministerpräsidenten und den Spitzen der Behörden empfangen; er fuhr sofort uach Fredensborg.
Fredensborg. Bei dem großen Diner am 18. Aug. brachte der König von Dänemark die Gesundheit des deutschen Kronprinzen aus, für dessen Besuch besonders dankend. Der Kronprinz erwiderte den Toast mit einem Hoch auf die königliche Familie und die wieder hergestellte alte Freundschaft zwischen beiden Häusern.
— Der deutsche Kronprinz ist zum Ritter des Elephantenordens ernannt worden. Die Journale. äußern ihre Befriedigung über den Besuch, wel— cher, wie„Dagbladet“ hofft, ein Gegengewicht bilde gegen die irrige Anschauung einer Isolirung Dänemarks durch die Annäherung Schwedens und Deutschlands.
— Der dautsche Kronprinz wird am 20. Aug., begleitet von der königlichen Familie und dem russischen Thronfolgerpaare, der Königin Wittwe in Lyngbye einen Besuch machen und dann via Kopenhagen⸗Korsör nach Kiel abreisen.
Großbritannien. London. In der zu Chiselhuest am 17. d. M. gehaltenen Conferenz wurde die Thatsächlichkeit der Fusion bestritten und im Ganzen für vas Zusammengehen mit den Republikanern gestimmt. Rouher behauptete, einen König lasse sich Frankreich nicht aufdringen und werde sich empören. Es wolle ein Plebiscit, und dieses könne nur far den Bonapartismus ausfallen.
Spanien. Madrid. Die Cortes haben einen Gesetzentwurf übet die Einberufung von 80,000 Reserven endgültig angenommen. Die Insurgenten in Cartagena öffneten den dortigen Bagno und bewaffneten 1500 S:uäflinge. Bibao wollen die Behörden auswärtige Artillerie- Offiziere für die Vertheidigung der Stadt berusen, falls die spanischen Offiziere dieselbe verweigern.
In
7
Die Stä t ke der Carlisten wird officiell auf 26,000 Mann Infanterie, 450 Reiter und 17 Kanonen angegeben. E 17175 — 1000 Insurgenten von Valencia, welche sich in Grab auf dem Dampfer„Mathilde“ ein- geschifft hatten, sind in Rada an der Küste von Alicante gelandet, haben diese Stadt mit Contri⸗ butionen heimgesucht und sind dann in der Rich- tung nach Alcoa weitergezogen. — Die Carlisten stellten sich zu beiden Seiten der Rhede von Bilbab auf und beschossen ohne Unterschied spanische, englische und französische Schiffe and Gebäude; auch respectirten sie nicht die rothe Kreuzflagge. Eine Anzahl von Per- sonen wurde getödtet und verwundet und viel Eigenthum beschädigt. 0 Perpignan. Die Carlisten wurden bei Balsareny(Provinz Barcelona, nördlich von Man- resa) geschlagen; dieselben gaben ihre Stellungen vor Berga auf und marschirten in der Richtung von Suria(ebenfalls bei Manresa) ab.— Die Internationale läßt Plakate verbreiten, in denen anläßlich der Brandlegungen in Alcoy und ander— wärts gesagt wird, daß die Arbeiter nicht nöthig hätten, Fabriken anzuzünden, die ihnen selbst doch einst gehören würden. b Türkei. Konstantinopel. Der Schah von Persien ist am 18. Aug. hier eingetroffen. Rußland. Petersburg. Der Kaiser tritt seine Reise nach der Krim am 15. 27. Aug. an, nimmt in Moskau Aufenthalt, wo er im Kreml residiren, die Kathedrale besuchen und eine Truppenrevue auf dem Chodynfelde abhalten wird.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Bezüglich des letzten Brandes in den Windecker'schen Localitäten war seither eine Untersuchung im Gange und hatte man, auf die Angabe eines kleinen Sjährigen Jungen hin, einen armen Geisteskranken im Verdacht gehabt. Es hat sich nunmehr aber fast bis zur Evidenz herausgestellt, daß der kleine Junge selbst das Feuer anlegte. Er soll mit Streichhölzern und Stroh— hälmchen ein Feuerchen angemacht haben und die Aeußer— ung fallen lassen haben, es habe so schön ausgesehen,„wie das Feuerchen die Treppe hinaufgelaufen sei.“
Friedberg. Vergangenen Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein den Jahrestag der Schlacht von Gravelotte. Die Mugrlieder halten sich ziemlich zahlreich N Ein Zug mit Musik durch die Stadt, sowie gesellige Ver⸗ einigung auf dem Windecker'schen Felsenkeller zog auch anderes Publicum an und verlief das ganze Fest in schöner und würdiger Weise. Die„Kapelle Schellhaas“ sowie der
„Liederkranz“ frugen wesentlich zur Verherrlichung des Tages bei. Gießen. Den Butterhändlern der Umgegend scheint
die Butter noch nicht theuer genug zu sein, denn es wurde eine Frau aus Groß⸗Buseck auf hiesigem Wochenmarkte polizeilich angehalten, die einen mit Rindsfett vermischten Butterweck verkaufen wollte und die am vorigen Markte einen solchen verkauft halte, der so übel geschmeckt, daß die Käufer, die davon genossen, das Erbrechen bekamen. Die Verkäuferin versicherte auf dem Polizei-Bureau, daß sie selbst die Butter nicht verfälscht, sondern solche von(von ihr bezeichneten) Bauersleulen in Groß-Buseck gekauft habe. Hoffentlich erhalten die Verkäufer eine Strafe, die sie vor abermaligen Verfälschungen abschreckt.
Mainz. Bei Weisenau hufte am 14. d. M. das an einen Karren gespannte Pferd eines Bauunternehmers in den Rhein und ertrank. Der Cadaver des Pferdes sammt dem Wagen wurde zwischen Castel und Kostheim geländet.
Mainz. Die Kinder eines hiesigen Arztes wurden verflossene Woche durch die Geistesgegenwart eines Poli⸗ zisten gerettei. Die Pferde an dem Wagen, in welchem die Kinder faßen, wurden scheu und rannten ducch den blauen Stein im Gartenfeld. Jumitten dieses Weges and ein Karren und wenn nicht der Poltzist mit eigener Lebensgefahr den Pferden in die Zügel gefallen wäre, so hälte ein gräßsicher Zusammenstoß der beiden Fuhrwercke stattgefunden. Die in dem Wagen sitzenden Kinder kamen daher glücklicherweise mit dem Schrecken davon.
Gonsenheim. Am verflossenen Donnerstag ist ein bei dem Föcster auf dem Leniavberg arbeitender Gärtner aus Finthen der Gegenstand eines nichtswürdigen Buben⸗ streiches gewesen. Während der Arbeiter frühstückie, füllte der 18jährige Sohn des Försters die Tabakspfeife desselben mit Pulver und bedeckte dann, damit es nicht gesehen würde, das Pulver mit Tabaksasche. Als der Arbeiter seine Pfeife wieder anzündete, explodirte der Inhalt und verbrannte die gauze Umgebung des rechten Auges, welches ebenfalls schwec beschädigt wurde. Gerichtliche Untersuchung ift eingeleit e.
Bodenheim. Ein Mann, welcher mehr als nöthig dem Glise zusprach, erhängte sich am 15. d. Mis. in einer Wohnung. Der Erhängie halte sich Abends zu Beit gelegt, und als seine Frau erwachte, hing ihr Mann an der Stubenthür. 0
Alzey. Die Besucher des Kriegerfestes, welches am
17. d. We. hier stastfand, kehrten fehr befriedigt vom Vers!
laufe desselben zurück. Etwa 46 auswärtige Vereine, darunter auch der von Worms, haben sich an dem Fesie
prangte im Fesigewande. Die Wahl des Festplatzes, die alte Burg, darf eine sehr glückliche und für solche Ver⸗ anlassungen als höchst geeignet bezeichnet werden. Das Innere des Platzes war recht prachtvoll verziert und das Arrangement der italienischen Nacht war brillant. Concert und Ball hatten den schönsten Verlauf. Auch die Musik des 88. Insanterie-Regiments unter Leitung des Kapell⸗ meisters H. Baunack ließ nichts zu wünschen übrig⸗
8 Allerlei.
Niederrad. Die Consecration der hiesigen katho⸗ lischen Kirche am 15. August hat in Folge der Bemüh⸗ ungen des hiesigen katholischen Casinos sich zu einem Fpeste gestaltet, das ganz Nieberrad auf- und anregte. Gestern Abend, sogleich nach Ankunft des Dom⸗Capitulars Dr. Thissen, des Gründers der hiesigen katholischen Ge⸗ meinde, wurde bemselben ein Fackelzug mit Ständchen, an denen sich Katholische und Evangelische in schöner Eintracht betheiligten, gebracht. Diese Ovation endete nach einer sehr maßvollen Ansprache des Dr. Thissen mit bengalischer Beleuchtung der Kirche und des Pfarrhausee. Das heule nach vollendeter Consecratlon abgehaltene Hoch⸗ amt war von der Umgegend, besonders aber von Frank⸗ jurt aus sehr stark besucht..
Köln. Gold und Silber sind unstreitig noch nie in dem Maße spaziren gefahren, wie in den beiden letzten Jahren! Noch zwei bis drei Sendungen über Köln, und Frankreich hat die staunenerregende Summe von füuf Milliarden Kriegsschuld gedeckt. Dagegen leisten die nordischen Staaten Schweden, Dänemark und Norwegen auch Großes auf diesem Gebiete; denn seit geraumer Zeit passiren wöchentlich mebrmals einige mit Silber- und Goldbarren befrachtete Waggons unsere Stadt, um nach Frankreich dirigirt zu werden.— Am 18. Aug. daf der Glockengießer Andr. Hamm en Franken ihal den Vorstand des Ceniral⸗Dombau⸗ Vereins benachrichtigt, alle Vor⸗ bereitungen zu dem Guß der großen Glocke für den Kölner Dom seien beendigt, am 19. Aug. werde der Guß vollzogen werden. N
München. Auf Antrag des Gesundheitsraths der Stadt Freising ist die auf den 27., 28. und 29. d. Mis. dorthin anberaumte Generalversammlung des Katholischen Erziehungsvereins in Bayern vorläufig vertagt worden.
München. In den 10 Tagen vom 6/7. bis 15./16. August sind dahier 232 Personen an der Cholera erkrankt und 82 gestorben. Die Erkrankungsfälle stellen sich in der Reihenfolge der Tage vom 6/7. bis zum 15/17. wie folgt: 17, 19, 19, 8, 24. 38, 27, 27, 28 25; die Todesfälle; 6, 6, 7, 8, 5, 10, 5, 14,8, 13, Seit dem Auftreten der Krankheit sind bis zum 16. Aug. Abends 305 Personen erkrankt und 110 gesterben. Das Kriegsministerium hat genehmigt, daß die beurlaubten Maunschaßten des Jahrganges 1850, welche am 15. d. einrücken sollten, noch einen weiteren Monat in Urlaub verbleiben dürfen. Auch werden mit Rücksicht auf oie be⸗ siehenden Gesundheitsverhältnisse alle beabsichtigten größeren militär'schen Herbnübungen unterbleiben, mit Ausnahme der Artillerie-Schießübungen auf dem Lechfelde.
Düsseldorf. Zu dem eigenthümlichen Eisenbahn⸗ Unfall, den wir bereits mitgetheilt, wird weiter berichtet: Tausende von Menschen strömten nach der Friedrichsstraße, um sich den zudringlichen Gast, die Lecomotive„Spichern 9 die dem Möbelfabrikanten Herrn A. Arnold einen Besuch abgestatter, zu besehen. Viel ist von derselben, da die Locomotive noch in dem Hause steckt, nicht zu sehen. Der Schaden ist bedeutend. Die kostbarsten Möbel sind zer⸗ trümmert. Auf polizeiliche Anordnung müssen sämmtliche Insassen das bedrohte Haus verlassen. Man spricht von 50 70,000 Thlr., die es wohl die Dizection der Köln⸗ Mindener Eisenbahn kosten wird. n
Wien. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Grant, welcher vor seiner Wahl zu dieser Cbrenfielle Gerber war, hat ein von ihm angefertigtes Stück Leder nach Wien gesandt. Dieses Ausstellungs⸗Object soll nach der Versicherung der Fachmänner vorzüglich sein.
Von dem Vorstande des hiesigen Handels? vereins werden wir um Veröffentlichung folgen“ der Mittheilung gebeten:
Int Hinblick. auf die neuerdings in großer Zahl in Umlauf kommenden Noten der neuge⸗ gründeten Luxemburgischen Nationalbank balten wir es für geboten, das Publikum vor deren Annahme ernstlich zu warnen, um es gor leicht eintretenden späteren Verlusten zu schützen. Die Luxemburgische Nationalbank wurde eigens zu dem Zwecke ins Leben gerufen, den deutschen Markt durch Ausgabe von Papier-Werth— zeichen auszubeuten. Schon unter dem 12. De⸗ zember 1871 eröffnete desfalls das Reichskanzler⸗ Amt der Luxemburgischen Regierung Folgendes: „Wenn vie Reichsgesetzgebung, um für die Regelung der Banknoten ⸗Ausgabe nicht neue Schwierigkeiten entstehen zu sehen, das Entstehen neuer Noten- privilegien in Deutschland inhibirt hat, kann sie nicht zulassen, daß auswärts entstehende
Banken ihre Noten im Reichsgebiet in Umlauf setzen. Sie würde daher, wenn ein
* 0
betheiligt. Die ganze von Fremden fast überfüllte Stadt
558
D Aussch Buchhe det N. sieht ft. in dem langen, den we
ausschi Woche der zw ucten. ersten gegen die dre stühere bereits wurde hiesige als 3 Starke untern Hossm Wahl 2 welche mache daß österr die gegen führun halt nomm Zunah nach lionen Weise geheue dewint wird dieses die se am 6 brinzet Jungs! 9 dom g wiede — üg!


