Ausgabe 
21.1.1873
 
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Die neue Kreisordnung, ein sehr umfang-

reiches Werk, soll den Ständen in Kürze gedruckt

vorgelegt werden. Die Landbevölkerung ist dem vorgeschlagenen Modus einer zweimonatlichen Steuererhebung in ihrer großen Mehrzahl ent schieden abgeneigt. Zur Frage der Besteuerung der Waldungen mögen nachfolgende Notizen am Platze sein. der Clasfe ist am böchsten im Steuercommissariate Friedberg mit 2 fl. 10 kr. besteuert, Buchenhoch⸗ wald daselbst mit 2 fl. 14 kr., Nadelholz in Butzbach mit 1 fl. 55 kr.

Berlin, 17. Jan. Sitzung des Abgeord⸗ netenhauses. Fortsetzung der Debatte über die Gesetzvorlage, betreffend die Vorbildung der Geist⸗ lichen. Graf Bethusp⸗Huc sprach für die Vorlage. Strosser persönlich, nicht im Namen seiner Partei, gegen dieselbe. Darauf ergriff der Cultus minister Falk das Wort und richtete dasselbe gegen einige Bekämpfer der Vorlage. Er erwiderte dem Abg. Reichensperger, daß die Vorlage keinen Geistlichen hindere, nach wie vor die Heilswahrheiten zu verkünden, was die Centrumspartei zur Ver- wirrung der Gemüther und zum Schaden der eigenen Sache behauptete. Es muß ins Land hinausgerufen werden, daß die Staatsregierung nicht daran denkt, die Geistlichen zu drücken und in ihrem Behufe zu hindern. Gegen rechtsgültige Gesetze aber wurde von den Klerikalen als gegen einen angeblichen Rechtsbruch protestirt. Beweis die Fuldaer Bischofserklärung gegen das Schul- aufsichtsgesetz. Das heiße nicht, dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Jeder müsse dem Gesetze gehorchen. Nachdem serner Virchow für, Wind- thorst(Meppen) gegen die Vorlage gesprochen, bemerkte der Ministerpräsident Letzterem gegenüber, daß der Cultusminister seiner Unterstützung nicht bedürfe und censtatirte, daß das ganze Ministerium bezüglich der gegenwärtigen Vorlagen von der Nothwendigkeit einer entschiedenen Abwehr gegen Rom durchdrungen, sowie daß ein neues Mini- sterium an die Stelle des seitherigen getreten sei, wurde der Schluß der Generaldiscussion ange⸗ nommen und die Vorlage einer besonderen Com- mission von 21 Mitgliedern überwiesen.

DerReichsanzeiger publicirt das neue Gesetz, betreffend das zur Eheschließung erforder⸗ liche Lebensalter.

Wie man derD. Allg. Ztg. mittheilt, erhalten nach einer Cabinetsordre des Kaisers die aus den elsässischen Soldaten ernannten Unter- ossiziere durch Civillehrer Unterricht im Rechnen, Schreiben, der deutschen und bedingungsweise auch der französischen Sprache, zu welchem Zweck den betreffenden Generalcommandos je 500 Thaler zugewiesen worden sind.

Nach neuerer Meldung wird dem Bundes- rath zunächst der Entwurf des Reichspreßgesetzes vorgelegt werden. Nach früheren Angaben sollte der Entwurf nicht nur die Cautionsbestellung für politische Zeitungen beseitigen, sondern auch daz Recht der vorläufigen Beschlagnahme aufheben, letzteres freilich im Widerspruch mit den Wünschen der preußischen Regierung.

Der größte Theil der hiesigen Zeitungs- verleger hat am 13. d. M.(so meldet dasPr. Volksbl.) einen notariellen Vertrag abgeschlossen, durch welchen sie sich bei hoher Conventionalstrafe verpflichten, jeden in irgend einer der verbundenen Zeitungsdruckereien ausbrechenden Strike der Buch⸗ druckereigehülsen mit sofortiger Einstellung aller Zeitungen und der Entlassung der Setzer zu be- antworten, an Stelle der suspendirten einzelnen Zeitungen ein gemeinschaftliches Organ herzustellen und dies bis zur Beendigung des Strikes fortzu⸗ setzen. In der Versammlung waren nur drei oder vier Berliner Zeitungen nicht vertreten.

Metz. Die aus französischen und deutschen Beamten zusammengesetzte Commission, welche die neue Grenze zwischen Deutschland und Frankreich festzustellen und abzustecken beauftragt war, hat dieser Tage ihre Arbeiten beendet. Die neue Grenze ist durch 1,03 Meter hohe und gegenseitig 100 Meter entfernte Steine bezeichnet, und es ist mit zwei Ausnahmen gelungen, die Grenzlinie so zu zichen, daß sie keine Ortsgemarkungen durchschneidet.

Der Morgen Eichenhochwald erster

DemCour. de la Mos. zufolge sol die

von dem Bürgermeister Amt Metz angeordnete

Zählung in Metz eine Einwohnerzahl von 15,000 Deutschen und eben so viel Franzosen ergeben haben.

Ausland. 9

Frankreich. DieOpinion nationale glaubt melden zu können, daß die vierte Milliarde der Kriegsentschädigung bis Ende Mai vollständig gezahlt sein und daß die Regierung dann der Kammer die Absicht zu erkennen geben werde, so⸗ gleich mit Deutschland wegen der Anbietung von Garantien für die fünfte Milliarde zu unterhandeln. Nach der Berechnung derOpinion könnte die Räumung Frankreichs Seitens der deutschen Truppen im August oder September eine vollzogene That⸗ sache sein. 9

Wie dasJournal des Döbats erfährt, hat der General Trochu nun definitiv um seine Versetzung in den Pensionsstand nachgesucht und der Kriegsminister diesem Gesuche willfahrt.

Wie man meldet, hat General Rivieère seinen Bericht über die Affaire Bazaine vollendet. Nach einer detaillirten Schilderung der Thatsachen hält er die Anklage in Betreff zweier Punkte aufrecht: 1. Ungerechtfertigte Capitulation, 2. Ver⸗ nachlässigung der nöthigen pflichtgemäßen Obsorge aus politischen Gründen. In Betteff des dritten und am meisten gravirenden Punktes, Einverständniß mit dem Feinde, wurde die Anklage aufgegeben, aber schon das Vergehen Nr. 1. kann kraft der Verordnung von 1812 die Todesstrafe nach sich ziehen.

Die Dreißiger⸗Commission genehmigte von der Verlage der Subeommission bezüglich der Be fugnisse der Executive die Einleitung mit 20 gegen 3 Stimmen, während fünf Commissionsmitglieder sich der Abstimmung enthielten und zwei fehlten. In der Debatte wurde darauf hingewiesen, daß die Fassung der Gesetzesvorlage die Frage, ob Republik oder Monarchie, unentschieden lasse und die Entscheidung der Zukunft aufspare, wogegen die Linke unter Berufung auf die letzte Botschaft des Präsidenten Protest erhoben. In der Com- mission gelangte ferner der erste Paragraph des ersten Artikels über die Botschaften, durch welche der Präsident mit der Nationalversammlung com- municirt, zur Annahme, worauf die weitere Be- rathung auf Montag vertagt wurde.

Großbritannien. DerTimes wird aus Paris gemeldet, daß Thiers und Remusat eine Unterredung mit Lord Lyors über den englisch⸗ französischen Handelsvertrag gehabt hätten, welcher demnächst der Nationalrersammlung vorgelegt werden solle.

DieTimes berichtet aus Rio de Janeiro vom 23. Dez. v. J., daß die kommende Kaffee- Ernte in Folge anhaltender Regengüsse eine Miß⸗ ernte zu werden droht.

DieMorning Post schreibt: Prinz Na- poleon kehrt nach der Schweiz zurück. Derselbe wird sich weder als Prätendent noch zu Gunsten einer Regentschaft für den kaiserlichen Prinzen an politischen Kundgebungen betheiligen, wünscht viel mehr nur die Anerkennung seiner Rechte als fran zösischer Bürger durch das Tribunal der National versammlung.

Griechenland. Mehrere Capitalisten schlugen der Regierung die Gründung einer Actien-Gesell⸗ schaft des Laurion⸗Bergwerkes vor. Wahrscheinlich wird die Regierung mit den Capitalisten Com- pagnie unter Vorbehalt gleichen Gewinnantheils bilden. Der englische Geolog Anstet schätzt in seinem Memoire an die Regierung den Reinge- winn aus der Verarbeitung der Laurion-Bleihalden auf 7 Millionen Pfund Sterling.

Amerika. Der DampferErie aus Rio de Janeiro ist in der Nähe von Pernambuco ver brannt; derselbe verlor 34,000 Sack Kaffee.

Homburg. Die städlische Kur⸗ und Babeverwaltung macht bekannt, daß sämmtliche Kur⸗Etablissement seit dem 1. Jan. an dieselbe übergegangen und die aufs reichste ausgestatteten Lesecabinete und Conversationssäle gegen Saisonkarten zum Preise von 2 resp. 4 Thalern und Monatskarten von ½ resp. 1 Thaler für einzelne Per⸗ sonen resp. Familien dem Publikum geöffnet sind. Zu den täglichen Abendconcerten ist der Eintritt frei.

Frankfurt. Der vor einigen Tagen in einem Züge 5 Main⸗Weser⸗Bahn verhaftete Postconducteux ist beschuldig einen Postbeutel mit 500 Thlr. unterschlagen und auf dem Wege nach Treysa einen Werthbrief bei Seite ge⸗ schafft zu haben. 5 31

Frankfurt. Der gemeldete Fall von Trichinose it leider bedeutender, als man glaubte. Die Infection fand statt an dem Tische eines beliebten hiesigen Musiklehrers; er und seine Frau erkrankten(Beide, besonders er, liegen noch lebensgefährlich darnieber), der zum Festtagbesuch gekommene Bruder liegt, in seinen Wohnort Würzburg zurückgekehrt, dort eben so schwer darnieder; auch drei junge Damen erkrankten auf's Schwerste, und das Diensi⸗ mädchen wurde todtkrank in sein heimathliches Dorf ge⸗ bracht. Eine Diaconissin, die zur Pflege gerufen, als die Krankheit noch nicht erkannt war, sich auch noch von dem schlimmen Schinken nährte, erkrankte als Letz ie.

Frankfurt. Es finden hier gegenwärtig sehr an⸗ sehnliche Umsätze in Norwegischem See-Eis statt. Der 0 Preis ist 54 kr. per Centner für im Januar oder Februar lieferbare Waare, wobei überdies der Käufer berechtigt ist, gegen 6 ke. Reugeld bei Erklärung am 1. Februar von dem Kauf zurückzutreten. Herr Joseph Strauß, Agent hier, nimmt Aufträge zu obigen Bedingungen entgegen.

Frankfurt. Die hiesigen Händler mit Haasen fühlen sich ducch den plötzlichen Schluß der Jagd in Frankreich in höchstem Maße gekränkt. Seit drei Tagen ist Frankreich zu und das Wiloͤprel ift dahier im Preise außerordentlich gefallen.

Darmstadt. Als ein Beweis dafür, wie sehr in J unserer Stadt der Werth des Grund⸗Eigen thums im Steigen begriffen ist, verdient angeführt zu werden, daß ein neun Morgen großes Gut, das der letzte Besitzer vor sieben Jahren um 26,000 fl. erstand und welches innerhalb des letzten Jahres in mehreren Antheilen von ihm verkauft wurde, im Ganzen durch diese Veräußerung einen Gewinn von 100,000 fl. abwarf. Das betreffende Gut liegt in unmittelbarer Nähe des Bolanischen Gartens.

Worms. Kürzlich fand der hiesige Schiffer Hart⸗ mann im Rheine in der Nähe der Mündung des Franken⸗ thaler Canales die Ober- und Unterschenkelknochen von einem Mammuth. Dieselben gehörten jedenfalls zu einem sehr großen Thier, denn der Oberschenkel hat eine Länge von 1,10 M. und dessen Gelenkknopf einen Umfang von 0,80 M. und ein Gewicht von 64 Pfund. Freunde der⸗ artiger Dinge können von dem Funde im Hause Nr. 28) auf der großen Fischerweide Einsicht nehmen. 1

1 NI Aphorismen über Pesteuerung; insbelondert übe 2 das Uebeneinanderbestehen von Grund-, Gewerb- und 0

Einkommeusteuer. (Forisetzung und Schluß.)

Ich habe nun noch einige Bemerkungen über

das Streben zur Beseitigung der in⸗ directen Auflagen zu machen. Ich meiner 0 1 Seits kann nur lebhaft wünschen, daß alle in⸗ directen Auflagen in Wegfall kommen; ich halte dies aber gegenwärtig nicht für ausführbar. Unsere Zölle hatten früher den doppelten Zweck, 1) die heimische Production vor der Concurrenz des Auslandes zu schützen(Schutzzölle), was ich nach dem heutigen Stand unserer Industrie nicht mehr für nothwendig oder auch nur für räthlich halte; 2) dem Staate eine Einnahmequelle zu bilden(Finanzzölle). Unsere Zölle Jaben im Laufe der Zeit und durch die richtige Initiative der Königl. Preuß. Regierung den Charakter als Schutz zölle mehr und mehr verloren und sind jetzt vorzugsweise Finanzzölle. Die hauptsächlichsten großen Consumtions Artikel, Kaffee, Thee, Zucker, Gewürze, Taback ꝛc. liefern den Hauptertrag in den Zöllen. Könnten wir die Zolleinnahmen ent⸗ behren, d. h. durch directe Besteuecung aufbringen, und könnten wir die übrigen Einnahmen aus in⸗ directen Auflagen im Inland, Salz, Branntwein⸗, Bier-, Weinsteuer ꝛc. missen, so daß die Pro- duction aller lästigen Contrelmaßregeln enthoben und der Verkehr ganz freigegeben werden könnte, so würde ich dies mit aufrichtiger Freude begrüßen. Für Aufhebung einer Steuer, der Weinsteuer, kann ich nicht stimmen, so lange noch Steuer auf Salz, Bier, Kaffee ꝛc. ruht. Hessen kann sich rühmen, in Aufhebung indirecter Auflagen weiter gegangen zu sein, als die Mehrzahl der anderen Staaten. Wir haben das Chausseegeld aufge- hoben, das uns eine Einnahme von 160,000 fl. ergab, während uns gegenwärtig die Unterhaltung der Staats- und Provinzialstraßen gegen 400,000 fl. jährlich kostet; wir haben keine Zeitungsstempelsteuer, keine unverhältnißmäßig hohen Abgaben beim Be⸗ sitzwechsel von Immobilien ꝛc. ꝛc. In England,

Amerika, Frankreich und Italien sind die indirecten 10 Auflagen unverhällnitzmäßig böher, als bei uns, d (so liefert z. B. nur die eine Biersteuer in

Bayern 15,5 pCt. aller Staatseinkünfte, in Eag,