Ausgabe 
20.5.1873
 
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conservator der wissenschaftlichen Sammlungen des Staates ernannt worden.

Vom Staatsministerium wurden zur Ab⸗ sendung an die Wiener Weltausstellung behufs Kenntnißnahme der dortigen Fachgegenstände und Berichterstattung hierüber 10 Staatsbaubeamte beordert.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die Anmeldungen bei dem Belehnungscomite haben täglich abge⸗ nommen. Am ersten Tage wurden 7 Millionen liquidirt, am 15. d. sind 5 Millionen angemeldet worden, wovon 3 Millionen angewiesen wurden. Der Gedanke der Liquidirung und Fusionirung der kleineren Banken macht sichtlich Fortschritte. Eine eigentliche Handelskrise ist aus der Börsen⸗ krise bis jetzt nicht hervorgegangen. Kein einziger Insolvenzfall wurde gemeldet. Gleich Günstiges ist aus Prag und Pest wie überhaupt aus den Provinzen zu melden. Der Finanzminister wies die Regierungscommissäre sämmtlicher Actiengesell⸗ schaften an, unverzüglich die Rohbilanz der ihrer Ueberwachung unterstellten Institute aufzustellen und ihm vorzulegen. Die Maßregel bezweckt, die Fähigkeit der Beurtheilung bezüglich der Noth⸗ wendigkeit der Liquidirung oder Fustonirung ein⸗ zelner Unternehmungen zu gewinnen.

Frankreich. Paris. DieAgence Havas publicirt ein Telegramm aus Rom vom 14. d., wonach das Befinden des Papstes besser ist. Der Papst habe die Messe gehört und einzelne Congre⸗ gationsbeamte in Geschäften empfangen.

Die Demission der Minister Goulard und Jules Simon ist angenommen und Casimir Perier zum Minister des Innern ernannt worden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, daß Berenger zum Unterrichtsminister und Martel zum Cultusminister ernannt werden.

Die Parteiblätter der Rechten erklären, alle Schattirungen der Rechten stimmten in der einzunehmenden Haltung überein, namentlich in dem Punkte, daß der parlamentarische Kampf sich nicht um Republik oder Monarchie drehe, sondern um die Nothwendigkeit, aufs entschiedenste eine conservative Politik einzuschlagen. Eine Inter⸗ pellation der Rechten soll die Ernennung eines homogenen verantwortlichen Cabinets fordern.

Großbritannien London, 17. Mai. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses bean- tragte Miall, eine auf Abschaffung der angli⸗ kanischen Staatskirche gerichtete Resolution anzu⸗ nehmen. Nachdem Gladstone der Annahme der Resolution widersprochen hatte, wurde dieselbe mit 356 gegen 61 Stimmen verworfen.

Spanien. Perpignan. Das callistische OrganDrapeau francais theilt mit, Don Carlos habe in der Nacht vom 14. zum 15. d. Mts. die Gränze von Navarra überschritten und das Commando der königlichen Armee von 1500 Mann übernehmen wollen, um mit derselben zu siegen oder zu sterben. Ferner meldet das Blatt, daß Don Carlos eine Anleihe von 400 Millionen Realen mit einem englischen Consortium abge- schlossen habe.

Italien. Rom, 15. Mai. In der heu⸗ tigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde die Generaldebatte über das Klostergesetz zu Ende ge⸗ führt. Der Justizminister wies nochmals die Vor⸗ theile des Gesetz⸗ Entwurfs nach und zeigte die Gefahren, welche eine Aenderung des bisherigen politischen Systems bringen würde.

Die Besserung in dem Befinden des Papstes ist anhaltend. Derselbe las am 16. d. M. eine Messe in seinen Gemächern.

DerAllg. Ztg. telegraphirt man unterm 16. d.: In dem Befinden des Papstes ist eine bedeutende Verschlechterung eingetreten: während der letzten Nacht verfiel der Papst in mehrere langdauernde Ohnmachten, man befürchtet das Aeußerste.

Türkei. Konstantinopel. Der Minister des Auswärtigen Sapfet Pascha ist zur Dispo⸗ sition gestellt worden. Der bisherige Minister der öffentlichen Arbeiten ist an seine Stelle getreten und der bisherige Vali von Jemen Mouktar

Pascha zum Arbeitsminister ernannt worden.

Rußland. Petersburg. Der Schah von Persien ist, wie von Astrachan gemeldet wird, nach einer stürmischen Ueberfahrt über das Kaspische Meer im besten Wohlsein dort eingetroffen und wird über Zaritzin seine Reise fortsetzen. Der Großfürst Michael hat sich nach dem Kaukasus begeben.

Amerika. Philadelphia. Die Modoc⸗ Indianer, deren Zahl nunmehr auf 32 zusammen⸗ geschmolzen ist, werden scharf von den amerikanischen Soldaten und den mit diesen verbündeten In⸗ dianern verfolgt. Man will dieselben um keinen Preis zur Ruhe kommen lassen. Die Modocs leiden anscheinend großen Mangel an Munition und marschiren die Kreuz und die Quer in der Hoffnung, ihre Stellungen in den Lavaschluchten wieder gewinnen zu können.

specistcirten Kriegskosten von 1,100,000 runder Summe) nach den heutigen Werthe 4. 400,000 Gulden betragen würden, welch

Summe in Franken sich auf 9,428,571 ¾ be rechnet. Die Einwohnerzahl des Fuldaer Län

chens belief sich aber im siebenjährigen Krieg auf 80,000, so daß also von den ½ Franke abgesehen, auf den Kopf 117 Franken 85 Cent mes, also beiläufig 55 Gulden trafen. Frankreich zählt dermalen 36 Millionen Einwohner. Würd nun jeder Franzose eden so viel zahlen müssen wie ehedem ein Unterthan des Fürstbischofs vo Fulda, so würde dies 4,242,857, 142⅝ Franken also ungefähr Milliarde geben, also naht zu die Summe, welche Frankreich soeben Kriegskostenentschädigung aufbringen muß.

Friedberg, 19. Mai. Aus glaubwürdiger Quelle erfahren wir, daß heute Morgen ein von Norden kommen⸗ der Güterzug kurz vor der Station Gießen entgleiste, wobei mehrere Wagen zertrümmert wurden. Menschen⸗ leben sind glücklicherweise nicht zu beklagen.

Friedberg, 19. Mai. Bei dem heute Vormittag stattgehabten heftigen Gewitter sollen bei der Haselhecke 2 Ochsen auf freiem Felde erschlagen worden sein. Ein Mann sei auf der einen Seite gelähmt worden. Heute Nachmittag wiederholte sich das Gewitter und schlug der Blitz Lmal in hiesige Scheunen ein, glücklicherweise ohne Schaden zu thun. Soeben bei Schluß der Redaction trifft noch die Nachricht ein, daß der Blitz auch heute früh in Melbach eingeschlagen habe. Auch war das Gewitter mit Hagelschlag verbunden und hätten bei dem Schwal⸗ heimer Brunnen die Schloßen zollhoch gelegen.

Darmstadt. Der Gartenbauverein zu Darmstadt veranstaltet im nächsten Monat die zweiteAllgemeine Rosenausstellung, verbunden mit einer Ausstellung von anderen Blumen und Pflanzen, in den Sälen des Groß⸗ herzoglichen Hof-Orangeriegartens und hat alle Gärmer und Gartenfreunde des In⸗ und Auslandes zur Be⸗ theiligung eingeladen. Wegen der Jubelfeier der 25jährigen Regierung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird die Ausstellung Dienstag den 17. Juni, Vormittags 10 Uhr, eröffnet werden und Sonntag den 22. Juni, Abends 7 Uhr, beendigt.

Nürnberg. Dem Großherzog von Hessen hat die Sammlung der Feuerwaffen des Germanischen Museums eine Bereicherung zu danken, die nicht hoch genug zu schätzen ist, indem derselbe die bisher in seinem Privat⸗ besitze befindliche Handbüchse, welche mit so vielen anderen interessanten Gegenständen im Jahre 1848 aus dem 1399 zerstörten Schlosse Tannenberg ausgegraben wurde, dem Museum zum Geschenk gemacht hat. Wenn auch äußerlich unscheinbar, ist dieses Stück doch deshalb von unschätz⸗ barem Werthe, weil es vielleicht das einzige ist, das un⸗ zweifelhaft noch ins 14. Jahchundert gehört, und somit eine Bereicherung der Gewehr⸗Sammlung ist, die ihr von gar keiner andern Seite hätte werden können.

Eine Kriegskostenrechnung im sieben⸗ jährigen Kriege.

ImNürnb. Corr. finden wir folgendes interessante Excerpt: Das unlängst erschienene, auf gleiche Weise der Sage und der Geschichte geweihteFuldaer Historienbüchlein von Dr. G. J. Malkmus enthält eine Kriegskostenrechnung aus dem siebenjährigen Kriege, weiche der Repo⸗ situr der ehemaligen Fuldaer Regierung entnom⸗ men ist, und welche ihrem Betrage nach sich ver⸗ hältnißmäßig als fast ebenso groß herausstellt, wie die Kriegskostenentschädigung, welche Frank⸗ reich an Deutschland zu zahlen hat. Die specisi⸗ cirten Kriegskosten des Hochstifts Fulda während des siebenjährigen Krieges bezifferten sich nämlich auf 1,069,662 fl. 38 kr., welche Summe der Herausgeber des genannten Büchleins mit Ge schicklichkeit zu den 5 Milliarden Fres. in Parallele zu bringen wußte. Um den Werth des Geldes zur besagten Zeit zu ftxiren, zog er eine Anzahl von Rechnungen aus den Jahren 174065 herbei, aus welchen folgende Lebensmittelpreise ersichtlich wurden:

1740-65. 1872. 1 Pfd. Ochsenfleisch 4 kr. 19 kr. 1 Karpfen 7 22 1 Stocksisch 5 14 1 Schaf 1 fl. 40 8 fl. 40 1 Kalb 1 30 10 67 30 77 1 Pfd. Reis 5 10 1 Rosinen 7 28 1 Malter Gerste 5 14 1 Maß Branntwein 20 40 8 fl. 58 kr. 35 fl. 23 kr.

Hieraus ergibt sich also das Verhältniß von 1 zu 4 von damals und heute, so daß also die

D. Frankfurt a. M., 17. Mai.(Börsenwoce

vom 10. 16. Mai.) Die Wiener Katastrophe spiegel sich im Laufe unserer Berichtswoche getreulich in den Eh eignissen des hiesigen Platzes wieder. Indeß war au die Haltung Berlins nicht ohne Einfluß auf unser Markt, da es durch sein massenhaftes Abgeben internal naler Werthe an den Letzteren, die von Wien ausgehen

intensive Baisseströmung wesentlich verflärkte, so daß dg

selbe am Dienstag in einer Panik culminirte, welche Cous erzeugte, wie sie die Kriegsjahre 1866 und 1870 nich gesehen hatten. Die Aufhebung der Bankacte, sowie alf übrigen in Wien getroffenen Maßregeln um der Bös aufzuhelfen, trugen zwar etwas zur Beruhigung be konnten aber nicht die Täuschung hervorrufen, daß d Zersetzungsprozeß an der Wiener Börse hierdurch in seing Wirkungen aufgehalten werden könne. Die Liquidalig verlief gegen Erwarten, fast ohne Schwierigkeit, da Gel vorhanden war. Primaadressen konnten zu ca. 7% p longiren, nur fürschwache Hände stand es schlimm un gelang es vielen nicht, ihre Engagements zu übertrages weshalb umfangreiche Selbstexecutionen staltfanden. D Nachrichten über die Wiener Liquidation enthüllten eim äußerst trostlose Lage, doch gab man hier der Anschauun Raum, daß die nicht zu vermeidenden Masseninsovenze zur Klärung der höchst verworrenen Situation und zu wünschenswerthen Beendigung unhaltbarer Zustände be tragen würden. Die Börse verkehrte deshalb heute ruhig und in festerem Tone; für Anlagefonds, besonders Priol täten machte sich sogar gute Kauflust bemerkbar. Unseg Platz blieb bis jetzt von der Krisis unberührt; bie eit getretenen vier Infolvenzen sind ohne Bedeutung. Al dem Speculationsmarkte unterlagen die stark von Berli hierher geworfenen Creditactien unter dem Einflusse dg Wiener Deroute der bedeutendsten Baisse. Ste eröffnete mit 331½, sanken am Dienstag auf 293 und schließe 304. Die von der Krisis wenig beeinträchtigten Staat bahn und Lombarden hielten sich verhältnißmäßig festes, Staatsbahn schwankten zwischen 346328(Dienstag) bil 344½. Lombarden varriirten zwischen 201197½ 186(Dienstag)196½. Die günstigen Mehreinnahmes übten einen unverkennbaren Einfluß auf die relalilh Festigkeit der beiden Effecten aus. Oesterr. Bahnen vel kehrten ebenfalls unter nicht unerheblichen Variationen besonders Galizier und Franz⸗Josef, welche matter blieben, Matter schließen ferner: Alföld, Elisabeth und Nordwefß Ungarantirte Elbthal sanken 20 fl. Deutsche Bahnen waren in gutem Begehr. Prioritäten wichen unter del Panik, holten jedoch bei Schluß unserer Berichtswoch in Folge lebhafter Kaufordres, ihre Courseinbußen wiede ein. Von Staatsfonds waren Süddeuische preishaltend Loospapiere zeigten sich im Allgemeinen leblos und klein Loose gefragter. Nach den Speculationspapieren wurdes Banken durch die Deroute und in Folge der überhauf gegen diese Papiere herrschenden Mißstimmung am Härtestel betroffen. In den letzten Tagen gab sich indeß für dit soliden Bankwerthe einige Besserung kund. Wir erwähnen, daß die Vereinsbank heute dem Syndicat der vereidigtes Makler gegen Depot eine Million zur event. Abnahm von Effecten zur Verfügung stellte. Die stärksten Cours verluste erlitten Bankverein und seine Gründungen. Bessi blieben: Deulsche Effectenbank 3¼½ 9%, östert. National bank. Letztere haussirten ursächlich der Aufhebung de! Bankacte. Devisen waren in Folge des Sinkens del Wiener Valuta(am Mittwoch 40/) ausgeboten, besserten jedoch ihren Stand heute wieder etwas auf. Oeslert, Banknoten gingen von 107 auf 104½ herab. Vol Sorten Sovereigns 4 Kr., Napoleons Kr., Friedrich dors und Imperiales je 1 Kr. niedriger.

Marktberichte.

Grünberg, 17. Mai. Die Preise auf unseren heutigen Fruchtmarkle betragen: Waizen(100 Kilo) 16 fl 59 kr.; Korn(90 K.) 14 fl. 4 kr.; Gerste(80 K.) 9 fl. 55 kr. Hafer(60 K.) 6 fl. 55 kr.; Molter 10 fl. kr.; Erbses (110 K.) 11 fl. 50 kr.; Linsen(100 K.) fl. kr. Saamen(90 K.) 16 fl. 32 kr.; Kartoffeln(100 K.) 3 fl. 9 kf

Mainz, 16. Mai. Zu notiren ist: Waizen effect 16½16¼ fl., per Juli 16¾ 16/0 fl., Korn effeclst 10½11¼ fl., per Juli 11¾½ fl., Gersie 12½½ bi 43 fl., Haler effectiv 55/5 fl., per Mai 5% fl. Rüböl verkehrte in etwas festerer Hallung, aber be schränktem Gchäfte, effectiv 7 fl. ohne Faß, per Miß

bis 22½ fl., Mohnöl 37 ½ fl. Kohlsamen 19½½ b

21 ¼22 fl., per Oct. 22½ fl. mit Faß; Leinöl 2

19 fl. Kleesamen verkehrle wenig zu unveränderte! Preisen, ebenso Hülsenfrüchte. Repskuchen 98100 fl. 0

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