Ausgabe 
18.11.1873
 
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Woche vom Staatsministerium angetragen worden war. Mittwoch Abend, als Blanckenburg hierher gekommen, um den Grafen Roon vor dessen

riums erfolgt, Blanckenburg zum Eintritt zu bewegen.

Wie verlautet, haben sich die Verhand⸗ lungen mit Wien betreffs der österreichischen Silber · Anleihe deßhalb zerschlagen, weil in Berliner Finanzkreisen erbebliche Bedenken wegen des über⸗ großen Silber- Abflusses aus Deutschland geltend gemacht worden sind.

Köln. Das Zuchtpolizeigericht verurtheilte den Erzbischof Melchers und den Weihbischof Baudri wegen Beleidigung von vier altkatholischen Priestern und Beleidigung(nicht Verläumdung, worauf die Anklage gelautet hatte) der Altkatholiken von Köln und Bonn den Ersteren zu 50 Thlr. Geld- strafe event. 14 Tage Gesängniß, den Letzteren zu 25 Thlr. Gelostrafe event. 8 Tage Gefängniß. Die Kläger wurden zugleich ermächtigt, das Ur- theil auf Kosten der Verurtheilten veröffentlichen

zu lassen. Karlsruhe. Der Landtag ist auf den 20. d. einberufen worden. Vom Großherzoge sind

folgende Ernennungen zu Mitgliedern der ersten Kammer erfolgt: Oberhofrichter Oskircher, Hof⸗ gerichts ⸗Präsident Hildebrandt, Verwaltungshof⸗ Director Fecht, Geheimrath Muth, Hofgerichts⸗ Director v. Hillern, Buchdruckereibesitzer Malsch, Fabrikant Dennig und Kaufmann Hummel. Zum Präfidenten ist Oskircher, zu Vice⸗Präsidenten sind v. Gayling und v. Rüdt ernannt worden. Straßburg. Dem Vernehmen nach soll das Festungsproject in Bezug auf die rechts · rheinischen Forts eine Abänderung, bezw. Er⸗ weiterung dahin erhalten, daß zwischen die drei projectirten Forts Auenheim, Neumühl und Sund⸗ heim feste Erdwerke geschoben werden, und zwar 1) bei Bodersweier zur Deckung der Straße Bodersweier⸗ Kehl und Bodersweier⸗ Offenburg, 2) bei Kork zum Schutz der Straße und Bahn Kehl⸗ Appenweier und Kehl⸗ Offenburg; ferner soll ein weiteres Fort nach Diersheim geschoben werden, um einestheils eine nähere Verbindung mit Rastadt zu erhalten und anderntheils einen möglichst großen Theil des Rheines im Deckungsbereich zu haben.

Ausland.

Schweiz. Bern. Der Ständerath hat beschlossen, seine Sitzungen bis zum 4. Dezember in der Voraussetzung zu vertagen, daß das Präsi⸗ dium ihn im Falle der Nothwendigkeit auch eher einberufen werde.

Frankreich. Paris. Das Zuchtpolizei gericht von Versailles hat den Obersten Stoffel am 13. d. M. wegen Beleidigung des Generals Rivière in der Sitzung des Kriegsgerichts vom 4. d. zu drei Monaten Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt.

Das rechte Centrum hat alle von ihm früher gefaßten Resolutionen aufrecht erhalten und seine Repräsentanten in der Fünfzehner-Commission beauftragt, sich mit der Regierung zu verständigen. Am 15. wird ein Brief der früheren Deputirten von Elsaß Lothringen erscheinen, worin dieselben erklären, daß sie an den Arbeiten der National- versammlung nicht Theil nehmen könnten. Man versichert, daß die Regierung im Einvernehmen mit den Fractionen der Rechten entschlossen sei, bei der zehnjährigen Verlängerung zu beharren. Die Regierung werde überhaupt keine Verlängerung annehmen, die an Bedingungen geknüpft wäre und nicht mit einem bestimmten Zeitpunkte begänne.

In der Sitzung der Budget-Commission am 15. d. Mts. erklärte der Kriegsminister, daß die Durchführung der Armee⸗Organisation für die Zukunft eine Erhöhung des Budgets erfordere; augenblicklich seien 17½ Millionen nöthig, um dem Armeegesetze gemäß den zweiten Theil des Con⸗ tingents von 50,000 Mann einberufen zu können. Im Hinblick auf die obwaltenden finanziellen Schwierigkeiten gebe er indeß seine Zustimmung, daß die Einberufung auf ein Jahr hinausgeschoben werde.

Spanien. Madrid. Nach dem Treffen

von Cardeden(Provinz Barcelona) verbrannten

Ab⸗

reise nach Italien nochmals zu sehen, sei ein neuer aber erfolgloser Versuch des Staatsministe⸗

die Carlisten, wie man in Barcelona wissen will, 12 republikanische Freiwillige in einer Kirche; weiter wurden 18 Gefangene erschossen und mehrere Häufer geplündert. Die Freiwilligen hatten 18 [Stunden lang Widerstand geleistet; der für sie bestimmte Succurs kam 24 Stunden zu spät. IStalien. Rom. Das Parlament ist am 15, d. durch den König mit einer Thronrede er⸗ öffnet worden. Dieselbe betont die Unabhängigkeit des Papstes und die Achtung der religiösen Frei- heit ohne einen Angriff auf die Gesetze und nationalen Institutionen zu dulden, constatirt die freundschaftlichen Beziehungen mit allen Mächten unter Hinweis auf die herzliche Aufnahme des Königs von Italien bei dessen Besuche an den Höfen Oesterreichs und Deutschlands Seitens der Souveräne und Völker dieser Länder, hofft eine lange Dauer des Friedens und zählt sodann die vorzulegenden Gesetzentwürse auf.

Amerika. Newyork. Meldungen zufolge sind der Capitän und 48 Mann von der Be satzung des Flibustier⸗FahrzeugesVirginius am 7. und 8. d. M. in Santiago erschossen worden. Der Befehl, welcher die Hinrichtung noch aus setzen sollte, traf in Folge einer Störung des Telegrapbenkabels zu spät ein. Der Prozeß der übrigen Flibustier in Santiago soll, Nachrichten aus Cuba zufolge, auf's Möglichste beschleunigt werden. Die Aufständischen haben am 12. d. einen Angriff auf Manzanillo gemacht, sind in⸗ dessen nach dreistündigem Kampfe zurückgeworfen worden.

Mehrere Panzerschiffe machen sich fertig, um nach Cuba zu gehen. bezüglich der Virginius⸗ Affaire eine feste Politik befolgen; sie ist der Ansicht, daß die von den spanischen Freiwilligen in Cuba ausgehenden Be⸗ schimpfungen ein Ende haben müßten. Wenn die spanische Regierung der gesetzlichen Autorität keine Geltung verschaffen könne, so sei Amerika ver- pflichtet, zur Gewalt zu greifen und die Interessen der Ehre zu schützen, iadessen würden äußerste Maßnahmen bis zum Zusammentritt des Con- gresses verschoben werden.

Von Cuba hier eingegangenen Nachrichten zufolge sind weitere 57 Mann der Besatzung des Virginius erschossen worden. Man nimmt an, daß sich nur 18 Mann gerettet haben. Im Cen⸗ tral⸗ Departement kam es zwischen Spaniern und Insurgenten zu einer Schlacht, in welcher 100 Insurgenten und 54 Spanier fielen. Die Insur⸗ genten wurden vollständig geschlagen. Washington. Betreffs der Erschießung des Capitäns und eines Theils der Besatzung des DampfersVirginius wird noch aus Santiago gemeldet, daß der dortige amerikanische Vite-Consul vergebens darauf gedrungen habe, daß die Exe⸗ cution aufgeschoben werde. Staatssecretär Fish hat auf telegraphischem Wege gegen dieses Ver⸗ fahren in Madrid protestirt und bezeichnete diesen Act als eine Schmach für die Civilisation und Menschlichkeit und als eine Beleidigung Amerikas. In ihrer Antwort räumt die spanische Regierung ihre Verantwortlichkeit ein, erneuert die Versicherung ihrer freundschaftlichen Gesinnungen, mißbilligt die Hinrichtung und verspricht Genugthuung. Der Staatssecretär hat eine lange Conferenz mit dem englischen und dem spanischen Gesandten gehabt. Die Befestigungen in den Häfen des Südens werden verstärkt.

Am 14. Nov. hat ein Ministerrath statt⸗ gefunden, in welchem beschlossen wurde, in Ueber⸗ einstimmung mit dem nationalen Gefühl die ge⸗ eigneten Maßregeln zu tressen, um die Würde der Vereinigten Staaten zu behaupten. Es wird ver⸗ sichert, Amerika werde von Spanien die Bestrafung der für die Hinrichtung verantwortlichen Behörden von Santiago fordern und zu den äußersten Mit⸗ teln greifen, wenn Genugthuung verweigert werden sollte. Nach dem Ministerrath gab der Marine⸗ Minister den Marine ⸗Arsenalen telegraphisch den Befehl, die vorhandenen Schiffe kriegsmäßig aus; zurüsten. Das nordatlantische Geschwader geht Montag nach der Havanna ab. Man glaubt, daß amerikanische Truppen im Falle eines Bruches sofort nach Cuba eingeschifft werden.

Die Regierung wird

Aus Stadt und Land. 1 187 Offenbach. Die im Laufe dieses Jahres gor 00 Gesellschaft zur Reviston und Ueberwachung von Dau kesseln mit dem Sitze in Offenbach a. M. zählt gegen wärtig 128 Mitglieder mit 205 Dampfkesseln. Dieselhen werden jährlich mindestens zweim 1 1 einem eigeg hierzu angestellten Ingenieur, Herrn A. Arnoldi Offenbach a. M., äußerlich und wenn irgend möglich aul innerlich untersucht und sind dagegen von der staa Controle befreit. Den Mitgliedern wird außerdem all über jede ihre Anlage betreffende technische Frage kostensf Auskunft ertheilt. Da periodisch wiederkehrende Unten suchungen der Dampfkessel⸗Anlagen durch einen erfabrengs Sachverständigen nöthig sind, um dieselben sortwähren 7 in gesahrlosem Zustande erhalten zu können, so liegt d Eintriit in die Gesellschaft gewiß im Interesse eines jed Dampsfkesselbesitzers. Darmstadt. Am 20. d. M. sind es 50 Jahre, di Se. K. Hoh. unser Großherzog als Stud. jur. und phil auf der Universität Leipzig immatrikulirt wurde. Universität Leipzig wird zur Beglückwünschung eine Dez tation hersenden. Die Doktoren Leukhardt(Profess ö Zoologie) und Schmidt(Professor der Rechte) sin Deputirie ausersehen.. 1 Mainz. Ein gräßlicher Mord wird demnächst vos den Schranken unserer Justiz verhandelt werden. J treffe dem benachbarten Hechtsheim hörten am 12. d. M. einig 1 Maurer in dem Hause des wohlhabenden Ackersmannid Ringel einen Hülferuf, aus den unteren Räumen di Hauses herauftönend. Sie suchten und kamen in da Keller. Dort begegneten sie dem Hausbesitzer, welchtsgehalb auf die Frage der suchenden Maurer, was es hier gäb wer nach Hülfe gerufen habe, erwiderte: daß sich seins Frau erhängt babe,hier hängt sie ja, sagte er. Unste treffe so war es deun, die Frau war erhängt und nicht die gi ringste Spur von Leben mehr zu entdecken. Den Blick der Leute fiel aber auch ein in der Nähe befindliches Be auf und gerechtes Bedenken und natürlich auch Verdachse gegen den Mann der erhängten Frau, welcher ein ves sigung d slörtes Wesen zeigte, wurde in ihnen wach. Es wurlshirch de selbstverständlich sosort Lärm geschlagen und in dem ganzes Dorf entstand eine nicht geringe Aufregung. Obwohl nuf zwar Niemand für die Veranlassung zu dieser gräßliche That Erklärung finden konnte, so waren doch Grünsshltreffe genug vorhanden, um in dem Mann einen Gattenmörbe zu erblicken und so wurde er denn festgenommen ug, 121 geknebelt hierher gebracht. Es ist gegen den Verhafteles nur bekaunt, daß er seine Frau schon öfter, so auch ai Oft 12. d. M., mißhandelt habe. Er soll auch, wie ma hört, an Geistesstörung leiden. Das Weitere muß nat it lich die Untersuchung ergeben. Der Mainzer Anzeige dem wir diese Mittheilung entnehmen, erfährt nachträglich Vet daß dem in Rede stehenden Morde eine haarsträubend reff Anga len der Ermordeten Seiten des Mörders voi anging,.. 1 Mainz. Auf einer dahier abgehaltenen Versammlur 87 5 von Freunden des Schachspiels wurde die Bildung einesseewann süddeutschen Schachbundes beschlossen. In den Bunde 1 vorstand wurden gewählt: K. W. Mensch und J.& Schwarzschild in Frankfurt, Dr. Eberts in Mainz, 0 2 Lehzon und L. Stern in Mannheim.) Mäbdchs 4)

Lampertheim. Ein sieben Jahre altes das Holz zum Ofen trug, brachte ihr Halstuch hiebei uche dem Feuer in Berührung und stand alsbald selbst 8 Flammen. Ehe die erschreckten Eltern zur Hülfeleistuß ln Ge herbeieilen konnten, hatte das Kind schon so schwere Brass wunden erlitten, daß es nach zwei Stunden starb.

Allerlei. Frankfurt. Der Brieftauben⸗Club verlor in d uur geh

letzten Tagen an 50 Tauben und zwar größtentheils Die armen Thierchen, welche von Bruchsal d Gee

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besten. Frankfurt in 5 Stunden flogen, wurden weggeschossen u f kamen theilweise noch mit abgeschossenen Körperteilen g Schlage an.* Frankfurt. Ein hiesiger rasch reich gewordener heiratheier Kaufmann und angehender Kunst⸗Mäcen faß an einem schönen Mädchen Gefallen. Mit besonden Gunst ruhte sein Auge auf der Schönen, die aber für i. trotz all seiner Schwärmerei eine kalte Statue blieb. 1 Dar verschuldete bedrängte Lage der lieben Eltern sollte de siftlberg modernen Pygmaleon Gelegenheit geben, 907 angebotessis Bild zu beleben und seinen Wünschen zugänglicher zi machen. Ueber die Präliminarien zum Ziele erträumt Glückes ist uns nichts bekannt geworden, aber so wissen wir, daß der edle Beschützer trotz seiner Reich thün un letzten Augenblick bei der schönen Tugend abgefahl und eine Unkersuchung wegen Verführung zur Unzuß

und Kuppelei im Gange ist. Das verfolgte Mädchen. 6 einsiweilen in der Person eines hiesigen Advokaten ei galwaltu gerichtlichen Vormund erbalten und wurde aus dem ante

reich der schädlichen Frankfurter Luft gebracht. 1 Kassel. Der Kasseler Frauenverband, welcher d steten Steigerung der Lebensmittelpreise Einhalt eh will, ist jetzt vollständig organisirt. Ein Metzger hat f bereits gefunden, welcher gegen Vorzeigung der Vereil 0 N marke das Fleisch zu dem Preise von nur 6 ½¼ Sgr. Aslregt Pfund verabfolgt. Auf dem Markte sind Waagen aufg 10 gestellt, mittelst welcher das Gewicht der Butter, Geflügels 2c. festzustellen ist. Aßmannshausen. Der projecticte Bau einer Ef bahn auf den Niederwald macht hier und in der Umgeß viel von sich reden und wird immer noch, besonders solchen, welche dadurch ihren Sommerverdienst gefäß sehen, stark bezweifelt. Die Gesellschaft, welche den in Ausführung bringen wird, beabsichtigt, zunächst! 0 Stand

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