Ausgabe 
16.1.1873
 
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des Präsidenten des deutschen Vereins. Die Adresse betonte die Unfehlbarkeit des Papstes, protestirte gegen die Verfolgung und die ungerechten Gesetze, welche gegen die Kirche in Deutschland gerichtet würden, und drückte die Hoffnung auf den Sieg der Kirche aus. Der Papst antwortete mit dem Hinweis auf das Tages Evangelium und daß Gott den Mächtigen der Welt Waffen gegeben habe, damit sie die Religion schützten, nicht die Kirche verfolgten. Nebst der Kirche wollten sie aber auch die Moral zerstören und die Jugend in ihrer Weise unterrichten, während die Kirche ein gebeiligtes Recht auf den Unterricht habe.

Rußland. Die Aufstellung des russischen Reichsbudgets für 1873 ergibt nicht allein kein Desicit, sondern sogar einen Ueberschuß der Ein⸗ nahmen über die Ausgaben.

Frankfurt. Zehn bhiesige Bierbrauer und eine An: zahl Hoteliers sind zusammengetreten, um ihren Eis bedarf aus Norwegen zu beziehen. Dieselben werden das Eis in ganzen Zügen kommen lassen, und berechnet sich der Ceniner bis an das Thor auf 59 Fres, Im Taunus sammeln die Bauern dermalen sorgfällig den Schnee und bringen ihn zur Stadt. Verflossene Woche wurde pro Wagen 16 fl. bezahlt. 7 8

Frankfurt. Die Dyphteritis fordert dermalen in den Kinderkreisen viele Opfer; so starben diese Woche in einer Familie an einem Tage zwei hoffnungsvolle Kinder im Alter von 7 und 6 Jahren an dieser schrecklichen Krankheit. An der Verbindungsbahn und dem Hanauer⸗ bahnhof fuhren zwei Locomotiven zusammen und fand in Folge dessen eine Entgleisung stat, ohne daß jedoch Menschenleben zu beklagen wären. Der Genuß des Pferdefleisches nimmt auch in unserer Stadt immer mehr zu. Es wurden seit dem kurzen Bestehen der zwei hiesigen Pferdeschlächtereien in denselben 1521 Pferde ge⸗ schlachtel. Da alle übrigen Fleischsorten fortwährend im Wehe steigen und das Pferdefleisch heute noch immer 6 kr. per Pfund kostet, so dürfte sich der Consum, zudem auch das Vorurtbeil gegen dasselbe immer mehr schwindet, bald noch steigern. 8

Darmstadt. Am Samstag Nachmittag wurde hier ein Kind entführt und wird hierüber folgende Mit⸗ theilung gemacht: Ein von seiner Frau getrennt lebender Mann fuhr zwischen 2 und 3 Uhr vor der in der Nähe des Bahnhofs gelegenen Wohnung vor, eilte in dieselbe und brachte alsbald sein kleines Kind, das die Mutter sich bis⸗ her auszuliefern geweigert hatte, in den Wagen, welcher alsbald im Galopp davonsuhr, so daß eine Verfolgung unmöglich war.

Darmstadt. Eine hiesige Dame verkaufte einige Tage vor Weihnachten ein hessisches 50 Gulden⸗Loos. Wer beschreibt aber den Aerger der Betroffenen als dasselbe bei der am 3. Jan. stattgefundenen Ziehung mit 60,000 fl. gezogen wurde.

Mainz, Zur Warnung für Hühneraugen ⸗Besitzer wird mitgetheilt, daß der hiesige Tanzlehrer Petersohn an den Folgen der Operation eines solchen plötzlich ge⸗ storben ift.

Gotha. Die Ausdehnung des Eisenbahnnetzes der Erde wird imGothaischen Hoskalender für das Jahr 1873 zu 235,254 Kilometern oder 31,703 geogra⸗ phischen Meilen und zwar bis Ende 1871 berechnet. Die

änge der Telegraphen⸗Linien läßt sich mit gleicher Schärfe nicht berechnen. Namentlich ist es schwierig, die Angaben auf den gleichen Zeitpunkt zurückzuführen. Das Gothaer Taschenbuch schätzt dieseibe auf 576000 Kilo⸗ meter oder 77,620 geographische Meilen, während die Gesammtlänge der Dräthe etwa das dreifache, nämlich 1,681,000 oder 226,540 geographische Meilen betragen soll,

Hamburg. Wie wir derH. N. entnehmen, traf am 9. d. dem Todestage Rapoleon's, in Hamburg auch die Nachricht ein, daß das hamburgische Dampfschiff Sedan in den chinestschen Gewässern untergegangen ist. Die hamburgtsche Assecuranzbörse erleidet durch das Schiff einen Verlust von 300,000 Mark Banco.

Berlin. Vor einiger Zeit erhielt die Berliner Polizei den Auftrag, ein Dienstmädchen zu ermitteln. Es ge lang, dasselbe als Köchin bei einem Premier⸗Lieutenant der Artillerie in Colberg in Diensten stehend, aufzufinden, und man theilte ihr mit, daß ihr Bruder in Newyork ge⸗ storben und ein Vermögen von 13 Millionen Dollars hinterlassen hat, wovon ihr 1 Million zugefallen sind.

Bern. In den letzten Tagen des Decembers ist aus der ehemaligen Wohnung J. J. Rousseau's zu Char⸗ mette bei Chambery, muthmaßlich von Touristen, dessen dort noch aufbewahrte Taschenuhr entwendet worden. Dem Besitzer sollen schon einmal 2000 Fres. für das Stück geboten worden sein. Dasselbe, eine große silberne Uhr mit silbernem Zifferblatt, hat keinen materiellen, nur historischen Werth.

Paris. Die Selbstmordmanie fordert hier täglich neue Opfer. In ber Rue de Levis stürzte sich die 62jähr. Haushälterfrau Lagardel in den Brunnen und wurde als schrecklich verstümmelte Leiche hervorgezogen; in der Rue Petit erhängie sich aus Noth ein gewisser Waisse, den Blättern zufolge einPrussien; in der Rue des Fosses⸗ Saint⸗ Bernard jagte sich ein neunzehnjähriger junger Mensch aus Liebesleid mit einem Revolver drei Kugeln in den Leib und wurde sterbend nach dem Pitie-Hospital gebracht; das Hospital Lariboistere empfing einen jungen Mechaniker Namens Leon Philippe, der sich wegen ähn⸗

1 4 e 5* 1 lichen Mißgeschicks eine Pistole in den Mund abgedrückt] ausgeführt, so wird auch der Band, ö

halte und gräßlich entstellt mit dem Tode rang; und end⸗ lich erschoß sich aus ähnlichen Motiven der 24jährige Paul Müller in seiner Wohnung am Boulevard Magenta. In wenigen Tagen sind hier über 20 Fälle von Selbst⸗ mord constatirt worden.

Die Hanau Friedberger Bahn.

Die königl. preußische Regierung hat wie be⸗ kannt vor Kurzem einen Gesetzentwurf, be. treffend die Aufnahme einer Anleihe von 120 Millionen Thaler zur Erweiterung des preußischen Staatsbahnnetzes, dem Abgeordnetenhause vorge gelegt. Unter den projectirten Bahnen befindet sich auch die Strecke Han au⸗Friedberg, welche für Friedberg und die Wetterau von hoher Wich tigkeit und unmittelbarem Interesse ist. Wir lassen deshalb die bezügliche Stelle aus den Mo⸗ tiven zu den Gesetzentwurf hier folgen; Von jeher und auch heute noch, so heißt es in dem amtlichen Schriftstück, bewegt sich ein sehr bedeutender Ver⸗ kehr zwischen dem nordwestlichen Deutschland, Hol⸗ land, Belgien und Nordfrankreich einerseits, und den süddeulschen Staaten Württemberg und Bayern, sowie Oesterreich andererseits. Besonders der Güter⸗ verkehr ist ein sehr erheblicher und, da die große Mehrzahl der zu transportirenden Güter den höheren Tarifklassen angehört, ein außergewöhnlich einträglicher. Bisher nahm dieser Verkehr, soweit er für Bayern und Oesterreich bestimmt ist, seinen Weg fast ausschließlich über die linkerheinische Bahn und die Hessische Ludwigsbahn, also via Cöln, Coblenz, Bingen, Mainz und von hier ent- weder über Frankfurt oder über Darmstadt nach Aschaffenburg und wurde an diesem Orte an die Bayerische Staatsbahn abgegeben, die Route von Cöln über die Deutz Gießener und die Main⸗ Weser⸗Bahn, also via Gießen- Frankfurt pacti⸗ cipirte an dem Verkehre nur wenig, weil, abge⸗ sehen von ihrer um etwa 2 Meilen größeren Länge an derselben und zwar als Eigenthümerin der Frankfurt Hanauer Bahn und als Pächterin der Bayerischen Staats bahnstrecke Kahl⸗Aschaffen⸗ burg die Hessische Ludwigs-Eisenbahn⸗Gesellschaft betheiligt ist, und diese Gesellschaft ein entschiedenes Interesse an der Bevorzugung der Bingerbrücker Route hat, bei welcher ihr die Transporte auf 12.4 Meilen, statt auf nur 3.4 Meilen bei der Gießener Route zufallen. Durch den Bau der Bahn Hanau Friedberg wird der Weg zwischen Cöln und Aschaffenburg um rund 3 Meilen ab⸗ gekürzt und gleichzeitig bis auf die nur 1.3 Meilen lange Strecke Hanau-Kahl in den Besitz der Bahn⸗ verwaltungen gebracht, welche an der Hebung nicht blos des localen, sondern auch des Durchgangs- verkehrs auf demselben ein lebhaftes Interesse haben. Es ist kaum zu befürchten, daß die Hessische Ludwigs⸗Eisenbahn⸗Gesellschaft auch nach Herstellung von Friedberg Hauau einer angemes⸗ senen Vertheilung des Süddeutsch⸗Rheinischen Ver- kehrs Schwierigkeiten entgegenstellen wird. Wollte sie es in Verkennung der veränderten Lage der Verhältnisse dennoch thun, so würde allerdings nur erübrigen, der Frage näher zu treten, ob nicht die neue Bahn hinaus nach Kahl zum diree⸗ ten Anschluß an die Bayerische Staatsbahn fort zusetzen und letztere zu vermögen sein möchte, den Betrieb auf der ihr gehörigen Strecke Aschaffen⸗ burg⸗Kahl selbst in die Hand zu nehmen und an diesem Orte den Verkehr derjenigen Verwaltung zu übergeben, weiche für die Weiterführung des⸗ selben die günstigsten Bedingungen stellt. Träte dieser Fall ein und machte ferner der Staat von, seinem, bei Erörterung des Projeets Berlin⸗Wetz⸗ lar bereits erwähnten Rechte der Uebernahme der Deutz-Gießener Bahn Gebrauch, so würde er in den Besitz einer vollständigen unabhängigen Linie zwischen Cöln und dem westlichen Endpunkte des Bayerischen Eisenbahnnetzes gelangen. Eine weitere Bedeutung gewinnt die Friedberg-Hanauer Bahn dadurch, daß die Hessische Ludwigs-Eisenbahn-Ge⸗ sellschaft von Hanau nach Babenhausen zu bauen und außerdem die kürzlich fertig gestellte Linie Baben⸗ haufen⸗Erbach an die Württembergischen Bahnen in der Richtung zum Anschluß an die Württem⸗ bergischen Bahnen in der Richtung auf Heilbronn fortzusetzen beabsichtigt. Sind diese Projecte

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einer und Württemberg andererseits seinen 4

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Kohlenrevier der Ruhr, von Holland,

zum großen Theil zweckmäßig via Gießen, Fri berg, Hanau und Babenhausen finden. Die ges Wichtigkeit des Projects für die allgemeinen B kehrsinteressen dürfte hiernach außer Zweifel se Außerdem verspricht dasselbe besondere locale 2 theile, vornehmlich für die Stadt Hanau, well im besten Aufschwunge begriffen ist und vorau

sichtlich zu einem Hauptmarkt und Stapelpll für den Güteraustausch der oberen Maingege mit den westlichen Provinzen werden wird. 7 Linie durchzieht ferner eine sehr reiche, fruchtba

Gegend, die sogenannte Wetterau, endlich w durch dieselbe der Bahnhof Frankfurt von ein nicht uner eblichen Theile seiner bisherigen Dur gangstransporte entlastet und in Folge dessen 10 Zukunft weniger als bisher zu Verkehrsstockungg Bete Veranlassung geben. Die neue Bahn berüh neben Preußischem Gebiet in einer Länge vn 0 etwas über zwei Meilen das Großherzogthuf Hessen. Den Interessen dieses Landes entsprich sie jedoch in sofern weniger, als sie der Eisenbaß Weise

von Gießen nach Gelnhausen, für deren Anlage Capital die Hessische Regierung eine Zinsgarans[ 5e, 9 übernommen hat, nicht nur einen Thei 0 Bee jetzigen Verkehrs entziehen, sondern auch die zu Zweck der Gewinnung des Westfälisch resp. Nied rheinisch-Bayerischen Verkehrs in Aussicht gg nommene Fortsetzung dieser Bahn über Gelnhauff

nach Partenstein zum Anschluß an die Bayerishß une Staatsbahn weniger nutzbringend erscheinen lassef Bewe wird. Es hat deshalb seinerseits Preußen dis und n

Zulassung der Bahn Gießen-Gelnhausen an dis wie Bedingung geknüpft, daß das Großherzogthu Hern Hessen seinerseits eine Bahn von Friedberg naf Hanau zulasse. Diese Verpflichtung hat die Groß über herzoglich Hessische Regierung in dem Staats vi

trage vom 12. Juni 1868(Gesetz⸗ Sammluu

pro 1868 Seite 765) übernommen. Nach de

bereits im Jahre 186667 angefertigten generel 1 9 Vorarbeiten soll die Bahn, vom Bahnhof Hane 0 5

der Bebra Hanauer Bahn ausgehend, auf dae

Südseite der Stadt neben der Frankfurt- Aschasfuß 9 burger Bahn hergeführt werden, sich von letzten N erst nach Ueberschreitung des Kinzigflusses avlöse N und in nördlicher Richtung den Fuß des Gif 0 birges zwischen Mittelbuchen und Bruchköhk

erreichen. Ob die inzwischen eingetretene Bi emp bauung des Terrains neben der Frankfurt Aschaffen dam burger Bahn die Beibehaltung der projectirte und

Linie gestattet, oder ob der Ausgang aus den bewe Bebra⸗Hanauer Bahnhofe östlich von Hanau geg sucht werden muß, wird von dem Ergebniß di eingeleiteten speciellen Ermittelungen ab hänge Vom Fuß des Gebirges zwischen Mittelbuche und Bruchköbel führt die Linie in nördlicher Rich tung, östlich von Roßdorf nach dem soge nannte Städter⸗Berge, nimmt von dort ab eine westlihc Richtung an und zieht sich, südlich von Windech an den Bergabhängen des Geileberges entlang 1 nach Eintritt in das Großherzoglich Hessische Ge

biet in das Nidderthal. Nach Ueberschreitung di 25 Thals ersteigt sie in nördlicher Richtung die Oi for schasten Heldenbergen und Kaichen rechts lassen Hof die Wasserscheide zwischen Nidder und Nidda un Dire führt an den Bergabhängen oberhalb Ilbensteh late binab in das Nidda-Thal vor Assen hem. Oben f halb dieses Orts überschreitet die Linie die Niddss dier und bei der Görbelheimer Mühle die Wetter un mündet sodann an die Main Weser Bahn ut

anlegend, in den Bahnbof Friedberg ein. 2 10 Länge der ganzen Linie beträgt 44 Meilen, wo Obe von wie bereits erwähnt, 2.4 Meilen im Groß g

herzoglich Hessischen Gebiet liegen. Die Kostt 1 belaufen sich auf 660,000 Thlr. pro Meile, int 15 gesammt auf 2,900,000 Thlr. In dieser Summ g sind 400,000 Thlr. für Betriebsmittel enthalten] du der Unterbau ist zweigeleisig, der Oberbau einge ae leisig angenommen. da Ghil Jule D. Frankfurt a. M., 14. Januar. Die Börs 9 zeigte sich heute noch immer schwankend, besonders Ltoß Speculationspapiere, obgleich im Ganzen gegen gesters een bei Eröffnung eine günstigere Stimmung nicht zu vel qzule kennen war. Die Medio⸗Lquldation, mit welcher sich d a e

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