— Der„Gaulois“ schreibt: Man erinnert
fich ohne Zweifel noch der Briefe, welche zwischen Hrn. v. Gramont und Hrn. v. Beust aus Anlaß einer am 19. Juli 1870 zwischen den Cabineten von Paris und Wien ansgetarschten Depesche ge- wechselt worden sind. Hr. Dufaure, der damalige Siegelbewahrer, schrieb an den Herzog v. Gra⸗ mont, um ihm diese Depesche abzuverlangen. Da aber dieser den erbittertsten Feinden des Kaiser⸗ reichs ein Schriftstück nicht ausliefern wollte, welches den Nachweis führte, daß die Regierung des Kaisers berechtigt war, auf die Allianz Oester⸗ reichs zu rechnen, so weigerte er sich, dem Ver⸗ iangen des Ministers Folge zu geben. Jetzt ist dasselbe Ansinnen an Hrn. v. Gramont gerichtet worden und wir glauben melden zu können, daß er keine Schwierigkeit machen wird, den Urtext dieser Depesche auszuantworten, welche nunmehr in den Archiven des auswärtigen Amtes ihren Platz finden wird.“
— Wie die„Patrie“ vernimmt, hat die fran⸗ zösische Regierung die Absicht, allen fremden Mächten einen gleichlautenden Handelsvertragsentwurf an- zubieten, welcher im Wesentlichen auf den Be; stimmungen des Vertrages von 1860 beruht, wobei es dann jeder Macht unbenommen bleibe, in Bezug auf diese oder jene Industrie, die ihr besonders am Herzen liegt, spezielle Amendements in Vorschlag zu bringen. Die französische Re- gierung würde dann nach Paris zu einem großen Handels ⸗Congreß einladen, auf welchem sich alle Mächte durch ihre angesehensten Fachmänner ver⸗ treten lassen und die einzelnen Artikel des Ver⸗ tragsentwurfs eingehend discutirt werden könnten.
Spanien. Barcelona. Man meldet von hier vom 10. d.: Die Carlisten haben sich der befestigten Stadt Sanguirac im Gebirge bemächtigt. In Esponella haben sie den Steuereinnehmer ge · fangen genommen und erschossen. Aus Marsa führten sie 34 Personen weg, von welchen sie 27 wieder frei gaben, nachdem die verlangte Contri- bution gezahlt wurde. 1
Perpignan. Die 3000 Mann starke Bande des Carlistenführers Saballs bat hier eingelangter Melvung zufolge bei Ripall(Catalonien, Provinz Gerona) eine unter dem Befehl Cabrinettp's siehende 1000 Mann starke Abtheilung Regierungs- truppen überrascht und zum größeren Theil ge— fangen genommen. Cabrinetty selbst wurde getödtet.
Italien. Florenz. Das neue Cabinet hat am 10. d. den Eid geleistet. Dasselbe ist folgendermaßen zusammengesetzt: Minghetti Präsi⸗ dentschaft und Finanzen, Visconti Aeußeres, Can- telli Inneres, Ricotti Krieg, Scialoga Unterricht.
Rom. Im Senate und in der Deputirten⸗ kammer theilte der Ministerpräsident Minghetti die erfolgte Neubildung des Cabinets mit und ver⸗ las alsdann ein königliches Decret, durch welches das Parlament vertagt wird.— Das Con- sistorium, welches am 12. d. stattfinden sollte, ist neuerdings verschoben worden.— Man versichert, daß der Schah nicht nach Rom, sondern nur nach Turin kommen werde.
— Den„Italienischen Nachrichten“ zufolge hat der Papst dem Carlistenführer Santa Cruz wegen seines mit dem Charakter eines Priesters unvereinbaren Verhaltens Vorstellungen gemacht, welche Santa Cruz in seiner Antwort unberücksich⸗ tigt gelassen hat. Der Papst soll beabsichtigen, den⸗ selben a divinis zu suspendiren.(Einem Gerücht zufolge ist Santa Cruz durch den Marquis von Valdespina auf Don Carlos Anordnung verhaftet und seines Commandos enthoben worden.)
Rußland. Petersburg. Privatnachrichten aus Taschkent melden, daß General Kaufmann mit seinen Truppen gegen die Mitte des August nach Taschkent zurückkehren werde.
Shanghai. Der Kaiser empfing den eng⸗ lischen, französischen, russischen, amerikanischen und japanesischen Gesandten in Gegenwart einer großen Anzahl von Mandarinen am 29. Juni in seinem Residenzschlosse zu Peking. Der französische Ge⸗ saadte überreichte darauf in einer Privataudienz ein Schreiben, das in Tientsin staitgehabte
Aus Stadt und Land.
Bad⸗Nauheim. Wir wollen nicht verfehlen, an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen, daß Herr Meunier am Mittwoch Nachmittag 4 Uhr eine Kinder⸗ vorstellung in der höheren Magie gibt. Herr Meunier i uns von früher her durch seine schönen und gewandten Leistungen vortheilhaft bekannt und sind seine Sachen für die Kinder, wie für Erwachsene eine angenehme Quelle der Unterhaltung und Belehrung.
Bad⸗ Nauheim. In Folge der beifälligen Auf⸗ nahme der ersten humortstischen Unterhaltung hat sich Herr H. Wauer, auf mehrseitiges Verlangen enischlossen, noch elne zweite, andede humoristische Abendunterbaltung zu geben, was wir nur mit Freuden begrüßen können. Auch wird derselbe wahrscheinlich eine Unterhaltung in Friedberg veranstalten.
Offenbach. Das Gewitter, welches am 6. d. Nachmittags auch die hiesige Gemarkung überzog, war ein solches, wie wir noch wenige wahrgenommen, hat aber glücklicher Weise keinen erheblichen Schaden angerichtet. Nur im Wald, etwa 100 Schritte vom Schäfersborn und 25 Schritte von dem Weg, der von da nach dem Pflanzen⸗ garten führt, schlug der Blitz in eine 70 Fuß hohe Eiche von 2½ Fuß unterem Durchmesser, zertümmerte die Spitze, schälse den noch in der Erde stehenden Stamm von oben bis unten, so daß kein Stückchen Rinde mehr daran ist und spalteie denselben in so viele, jedoch noch zusammen⸗ hängende Stückchen, daß, nach Aussage des Forstaufsehers, auch nicht ein ganzes Scheit Holz daraus gemacht werden kann. Der Stamm soll aussehen, als wenn er fesigepackt und wie eine Weide umgedreht worden sei und sind wahr⸗ scheinlich auf diese Weise die vielen in demselben befind⸗ lichen Spalte, aus welchen die Splitter herausstehen, ver⸗ anlaßt worden. Es soll sich der Mühe lohnen, den Baum in Augenschein zu nehmen und wird er zu diesem Zweck von der Forsibehörde einige Tage in seinem jetzigen Zu⸗ stande belassen werden.
Seligenstadt. Am 6. Juli entlud sich hier ein sehr schweres Gewitler, das sowohl in unserer, als auch in den benachbarten Gemarkungen nicht unbeträchtlichen Schaden anrichtete. Sogar Obstbäume sollen entwurzelt sein, und hat der Blitz an mehreren Orten eingeschlagen. Birkenau. Gleich nach 7 Uhr schlug am 6 Juli Abends der Blitz in das Wirthsbhaus zum„Engel“. Der Weg des Blitzes ging von der Dachspitze bis beinah zum Kandel, durchbrach hier das Dach, drückte im 2 Stock eine Scheibe hinaus, ging duich Wand und Boden in den 1. Stock und ins Freie weiter. Betäubt wurde ein im der Nähe sich befindendes Kind und überall sind zum Theil bedeutende Beschädigungen auf dem Wege des Blitzes. Fürth. Bei dem schweren Gewilter, das am 30. Juni Nachmittags über unsere Gegend dahinzog, schlug der Blitz in das Wohnhaus des Peter Eisenhauer dahier, ohne jedoch zu zünden; er zerstörte Ziegel und zersplüterte einizes Gebälke. Glücklicherweise kamen die Bewohner des Hauses mit dem Schrecken davon. Unter⸗Abtsteinach. Am 9. Juli endlud sich über Unter ⸗Abisteinach und Umgegend ein schweres Gewiilter. Blitze und erschütternde Donnerschläge wechselten immer schneller in ununterbrochener Aufeinanderfolge. Schon strömte ein gewaltiger Regen hernieder. Da plötzlich er⸗ tönt die Sturmglocke. Auf der Straße erschallt Feuer⸗ lärm und alsdald verbreitete sich die Nachricht, daß der Blitz in einem biesigen Hause eingeschlagen und gezündel babe. In wenigen Augenblicken stand das ganze Haus in lichter Flamme. Der Eigenthümer, ein Steinhauer, war im Sbeinbruche beschäftigt; ebenso waren alle übrigen Familienglieder zur Zeit des Einschlages abwesend. Thüren und Fenster wurden deshalb gewaltsam geöffnet und Möbel und anderes Hausgeräte mit größter Mühe ge⸗ rettet. Ein in unmitkelbarer Nähe sich befindendes Haus halle bereiis Feuer gefangen und nur dem energischen Einschreiten der hiesigen Bürgerschaft ist es zu danken, daß das entsesselte Element keine weiteren Zerstörungen anrichtete.
Allerlei.
Wiesbaden. Die Nachricht über das Begnadigungs⸗ gesuch der wegen Spitzendiebstahls Verurtheilten wird vom„Ry. Kur.“ jetzt dahin präcisirt, daß der König das Begnadigungsgesuch allerdings abgelehnt, die gegen Frau v. Langsdorf erkannte Zuchthausstrafe dagegen in Gesäng⸗ nißstrase verwandelt hat.
Kassel. Auf dem hiesigen Bahnhofe erfolgte am 11. Juli ein abermaliger Zusammenstoß. Der von Bebra kommende Schnellzug rannte gegen einen ausfahrenden Rangierzug, wobei die beiden Locomotiven theilweise zer trümmert wurden. Ein Bremser wurde verletzt; die übrigen Beamten und die Passagiere kamen mit leichten Coniusionen oder mit dem Schrecken davon.
Augsburg. Die Jubiläums-Procession zu Ehren des hl. Ulrich, des Schutzpairons der Sladt Augsburg am 8. Juli erfreute sich nach dortigen Blältern einer un⸗ gewöhnlichen Theilnahme des katholischen Volkes. Die Vereine und Bruberschaften waren auf dem Platze. Hinter dem Sanctissimum batten die Münchener katyolischen Ver⸗ eine in der Stätke von 800— 1000 Mann Ausstellung genommen. Mehrere Pfarrer benachbarter Orte erschienen au der Spitze ihrer Gemeinden. Die Hauseigenthümer batten ohne Rücksicht auf Confession decorirt. Zum Spalierbilden während des Umzugs war von den Fest⸗ Arrangeuren Militär gewünscht, aber ihrem Ansiunen nicht willfahrt worden, obwohl sich zu diesem Zwecke, wie dem„A. Anzgbl.“ aus glaubwürdiger Quelle versichert wird, eine Deputation zu dem König begeben hakte. Die
Massaere betreffend.
Nastatt. Der„B. L.-Z.“ wird geschrieben:„In der Nacht vom 8. zum 9. Juli um 1 Ubr stieß hier etwas nördlich vom Bahnhose, in der Schienenkreuzung auf dem Wegübergange nach Rauenthal, ein aufwärts fahrender Güterzug auf einen andern, der abwärts fahren sollte. Die Locomotive des ersteren und zusammen etwa 6 Wagen beider wurden schwer beschädigt oder zertrümmert, vom Personal jedoch Niemand verletzt. Einer der zertrümmerten Wagen enthielt Glas, besonders Spiegel. Die Bahn ist bis zur Wegräumung der Trümmer auf einige Stunden unfahrbar. Die Schuld des Unfalles schreibt man dem Locomotivsührer des aufwärts fahrenden Zuges zu. Statt auf das Zeichen des Zugführers zum Bremsen zu hören. an der äußersten Scheibe zu halten und nachzusehen, ob die Bahn frei sei, habe er dies nicht gethan, sondern sei zugefahren und dem abwärts fahrenden Zuge, gerade als er auf der Schienenkreuzung vom Gelesse auswärts in das abwärts bog, in die Seite gestoßen. Er machte sich sofort unsichtbar. Ob er ermüdet schlief oder in Folge der afrikanischen Hitze während des Tages zu viel getrunken hatte, wird die Untersuchung herausstellen.
Plauen. Dem Morgens hier duichgehenden Eilzuge begegnete in der Nähe von Haselbrunn auch ein Unfall. Eine mit Ziegeln beladene Lowry batte sich losgelegt und stieß auf den Eizug, so daß die Locomotiwe desselben und zwei Wagen veschädigt wurden. Einige Passagiere sollen Verletzungen davongetragen haben.
Stettin. Die Nachricht, daß der Mörder der Anna Böckler von einem bewährten Berliner Polizeimanne er⸗ griffen worden sei, beruht auf einem Irrthume, da bis jetzt durchaus nichts Positives fesisteht.
Berlin. Der dritte Sohn des Khedive von Aegypten, Muley Hassan, würde, wie der„Voss. Ztg.“ mitgetheilt wird, hier als Lieutenant bei dem ersten Garde⸗Dragoner⸗ Regiment eintreten und zu dem Ende sich den vorschrists⸗ mäßigen wissenschaftlichen Prüfungen unterziehen. Palermo. Der„Gazetia di Palerwo“ zufolge hat Professor Federici glänzende Versuche mit subculanen In⸗ jectionen von Morphin als Mittel gegen die Cholera unternommen.
Verloos ungen.
Badische fl. 35⸗Loose vom Jahre 1845. Serien⸗Ziehung vom 31. Mai 1873. Serie 258 564 1002 1017 1080 1228 2063 2181 34213581 4422 4463 4604 4672 5301 5883 6193 6854 7293 7887. Die Ge⸗ winn⸗Ziehung fand am 30. Juni 1873 statt. 5
4pCIi. Groß. Badische Thlr. 100⸗Loose von 1867. Gewinn⸗Ziebung vom Heimzahlung am 1. August 1873. Nr. 21398 Thlr. 40 000. Nr. 41295 Thlr. 8000. Nr. 24024 Thlr. 4000. Nr. 41297 Thlr. 1600. Nr. 30949 116669 5 Thlr. 800.
Kurhessische Thlr. 40⸗Loose von 1845. Serien⸗Ziehung vom 1. Juni 1873. Scrie 217 239 369 547 590 768 1003 1004 1316 1705 1760 1817 1895 2140 2170 2342 2550 2600 2705 2814 2823 2861 2895 2904 3008 3074 3140 3211 3289 3367 3476 3513 3555 3588 3591 3619 3631 3632 3680 3802 3903 4037 4587 4679 5026 5155 5607 5618 5713 57225747 5821 5989 6109 6158 6169 6357 6412 6541 6665.
Kurhessische 40 Thaler⸗Loose. Ziehung am 1. Juli. Hauplpreise: Nr. 7277 à 36 000 Thlr. Nr. 18429 à 8000 Thlr. Nr. 83838 à 4000 Thlr. Nr. 2000 Thlr. Nr. 43998 114657 à 1500 Thlr. Nr. 25062 32887 158913 3 1000 Tolr. Nr. 4131 18434 21895 25054 167273 4 400 Tölr. Nr. 14738 19178, 21894 58534 63841 63844 78477 97563 98026 163503 5 200 Tolr. Nr. 12408 18441 18443 52545 56019 72577 72591 90466 121006 125335 136341 140692 142809 142819 142824 154219 1589 18 160284 160293 166612 à 130 Thlr. Nr. 27 3817 5415 5419 9206 9209 10258 10202 14746 17034 17353 17365 17369 17370 18447 19880 21886 21896 21900 24298 25051 25001 25098 29608 29625 32883 32900 40305 40380 40381 40387 40399 42604 44000 45416 47355 47362 47373 50077 54235 60667 63746 63845 63848 65352 65356 66631 78476 82207 86897 89694 89752 89757 89759 90467 90472 90754 90793 91988 91995 98041 100912 101332 101341 102613 102617 102624 109193 109198 109199 110388 110394 114652 114671 114672 116960 116963 121008 121019 121022 121997 123752 124503 110094 124508 124521 125349 125648 128173 1285202 11 12 149716 152718 153946 153950 154129 154205 15 9— 157814 159831 139888 159839 159844 190955 167 167266 à 100 Thlr. Auf die übrigen 2850 ammerne zu den gezogenen Serien gehörend, fiel eine Prämie von je 70 Tylr.
M., 12 Jul.(Börsenwoche Vörse eröffnele die Berichtswoche in matter Had ung, die sich im Laufe der letzten Tage noch mehr verschärfie, bis beute wieder mehr Fesligkeit hervortral, die bei Creditactien baupfsächlich durch Deckungs⸗ käufe der Contremine veranlaßt wurde. Die niatie und lustlose Tendenz war im Allgemeinen jedoch nur für Speculationspapiere und Banken und von Ersteren wieder speciell für Crediiaclien vorhanden, während Anlagefonds und Bahnen ziemlich fest blieben. Abgesehen von der Einwirkung des Juli⸗Coupon, die hier merklicher, als an anderen Börsen fühlbar war, scheint auch das Privat⸗ publikum neuerdings wieder mehr Vertrauen in die Lage zu gewinnen und seinen Besitz nicht mehr à tout prix an den Markl zu wersen. Wien consolidirt sich zwar sehr schwer und langsam, allein in Berlin hat sich die pessiminische Anschauung allen Anzeichen nach, weseutlich
D. Frankfurt a. vom 5.—11. Juli.) Die
„Post⸗Zig.“ schätzt die Zahl der Theilnehmer auf 50,000, worunter mindestens 15,000 Fremde. f
1. Juni 1873.—
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abgeschwächt, die Contremine verharrt in unschlüssigen
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andere hiedel, chlägige drill
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