Ausgabe 
12.6.1873
 
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Der Großvezier des Schah von Persien

hat den schwarzen Adlerorden erhalten. Der Schah hat dem Ministerpräsidenten Grafen Roon das Großkreuz des Sonnen-Löwenordens verliehen. Friedrich Bodenstedt, der Verfasser der Lieder des Mirza Schassy, erhielt das Officierkreuz desselben Ordens. a 8 Bonn. Die Zahl katholischer Priester, die sich in der letzten Zeit dem alktatholischen Comite als Seelsorger zur Verfügung gestellt haben, ist eine ganz beträchtliche. Von allen Seiten der Erzdiöcese laufen Anmeldungen ein, die selbstver⸗ ständlich erst dann publicirt und zur Erledigung gebracht werden können, wenn die Entwickelung der altkatholischen Gemeinden die Einsetzung neuer Pfarrverwalter nothwendig macht. In Betreff der Bischofswahl sind den Führern der altkatholischen Bewegung vom preußischen Cultusministerium die bindendsten, erfreulichsten Zusagen gemacht worden.

Dresden. Das Befinden des Königs von Sachsen in Ems ist, wie dasDresdener Journal meldet, ein vollkommen befriedigendes und tritt bereits ein günstiger Erfolg der Kur hervor. Demselben Blatt wird aus Prag telegraphisch ge · meldet, daß am 5. Juni bei Tabor und Beneschau (Böbmen) ein Wolkenbruch niedergegangen ist. Eine große Anzahl von Häusern ist unter Wasser gesetzt, ebenso haben mehrere Personen den Tod in den Fluthen gesunden. Es wurde ein Austreten der Moldau befürchtet.

Weimar. In Folge eines am 7. Juni nieder- gegangenen Wolkenbruchs hat auf der Thüringer Bahn bei Hausdorf(zwischen hier und Apolda) eine Beschädigung des dortigen hohen Dammes stattgesunden. Der Betrieb auf der beschädigten Strecke ist gehemmt und sind die Passagiere um⸗ zusteigen genöthigt.

Stuttgart. Der Kaiser von Rußland ist am 8. Juni Vormittags hier angekommen.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die außerordent- liche japanesische Gesandtschaft hat am 9. Juni dem Kaiser in feierlicher Audienz ihre Creditive überreicht. Der Defraudant der Creditanstalt, Pokorny, hat sich freiwillig der Behörde gestellt. Bei demselben sind ungefähr 19,000 fl. vor- gefunden worden. N

Die Journale vom 10. Juni enthalten eine Kundmachung der Direktion der Wiener Wechslerbank, welche besagt, daß die Wechsler- bank sich durch die Zeitverhältnisse gedrängt sieht alle Zahlungen einzustellen, um das gesammle Ver⸗ mögen der Bank für eine gleichmäßige Befriedig⸗ ung der Gläubiger zu verwenden. Es werden Einleitungen getroffen um durch außerordentliche Liquidation in kürzester Zeit und schnell zur Tilg⸗ ung des ganzen Paffivstandes zu gelangen. Die ruhige Geschäftsabwickelung dürfte zur vollkom⸗ menen Zyfriedenheit der Gläubiger ausfallen. Die Gläubiger werden eingeladen jeden gerichtlichen Schritt im eigenen Interesse zu unterlassen. Eine Versammlung der Gläubiger wird am 14. d. M. stattfinden.

Schweiz. Bern. Die katholische Kirchen- gemeinde in Zürich erklärte sich mit drei Viertel der gesammten Stimmenzahl gegen das Unfehl⸗ barkeitsdogma und für die altkatholischer Seits gestellten Anträge, die Lehre des Dogmas aus Schule und Kirche zu verbannen.

Frankreich. Paris. Am 6. Juni sind in Calais mehrere Kisten eingetroffen, welche auf einer Metallplatte den Vermerk trugen? Maison de IEmpereur. Einige Zeitungsreporter wollten vermuthen, daß dieses Gepäck dem Prinzen Napo⸗ leon angehöre und von Chislehurst nach Paris geschickt worden sei. Die Wahrheit ist aber viel- mehr diese: Die Kaiserin Eugenie soll am 15. Juni Chislehurst verlassen und sich nach Arenenberg begeben, wo sie bis zum 15. Juli verweilen wird; das Gepäck wurde einige Tage vorausgeschickt und nahm den Weg über Frankreich.

Lyon. Bei den Munieipalwahlen sind unter 36 Gewählten 35 von der radikalen Partei. Die Section Bellecour wählte einen liberalen Repu⸗ blikaner.

Großbritannien. London. Nach aus Dublin eingegangenen Nachrichten hat sich am 8. Juni dort bei Gelegenheit einer großen Feuers⸗ brunst eine große Menschenmasse angesammelt, von welcher Versuche gemacht wurden, von den aus dem Feuer geretteten Gegenständen zu rauben und zu plündern. In Folge dessen schritt das Militär ein und wurden durch einen Bajonettangriff 70 Personen verwundet.

Spanien. Madrid, 7. Juni. In der heutigen Cortessitzung wurde Orense mit 177 Stimmen zum Präsidenten wieder gewählt. übrigen Mitglieder des provisorischen Bureaux wurden gleichfalls wiedergewählt. Figueras er⸗ griff sodann das Wort, um die Erklärung abzu⸗ geben, daß er die Executivgewalt in die Hände der Versammlung niederlege.

8. Juni. Die constituirenden Cortes haben mit 210 gegen 2 Stimmen die Errichtung der föderalen Republik beschlossen. Ein Anträg auf Abhaltung einer dreitägigen Landesfeier zu Ehren der Errichtung der Föderal⸗Repulik wurde abge⸗ lehnt. Das neue Ministerium ist noch nicht fermirt.

9. Juni. In der geheimen Sitzung der Cortes fand ein weiterer Meinungsaustausch über die Ministerfrage statt. Die Versammlung beschloß, vem abgetretenen Ministerium ein Vertrauens votum zu geben und dasselbe aufs Neue in den Minister⸗ posten zu bestätigen. Die Minister waren zur Wiederaufnahme der Geschäfte bereit. In der darauf wieder eröffneten öffentlichen Sitzung wurde ein diesbezüglicher Beschluß von 300] Mitgliedern einstimmig genehmigt.

9. Juni. In Folge von Meinungsver⸗ schiedenheiten über die finanziellen Fragen hat das Cabinet seine Demission gegeben. Die Cortes werden in einer Nachtsitzung über die Neubildung desselben Beschluß fassen. Man glaubt, daß das Ministerium folgendermaßen zusammengesetzt wird: Figueras Präsident, Cala, Benot, Niatz, Quintero, Estevanez, Cervera, Fernando, Gonzales und Maisonnave. 5

Italien. Rom. Der neue Gesandte des deutschen Reichs, Herr v. Keudell, hat dem Könige seine Beglaubigunsschreiben überreicht. Am 9. Juni hat das feierliche Leichenbegängniß Rat⸗ tazzi's stattgefunden.Italie erklärt die Nach · richt, daß der Bey von Tunis sich unter den un⸗ mittelbaren Schutz Englands gestellt habe, für unwahrscheinlich; die italienische Regierung wenig⸗ stens habe keinerlei derartige Mittheilung erhalten.

Rußland. Petersburg. Eine der fünf gegen Chiwa ausgesendeten russischen Colonnen hat unverrichteter Sache heimkehren müssen, und zwar die von Krasnowodsk am kaspischen Meere ausgerückte. Hiesige Blätter hatten dieselbe bereits bis auf sechzig Werst der Grenze Chiwas nahe⸗ rücken lassen. Wie derRussische Invalide nun- mehr meldet, stieß dieses Detachement auf dem Wege nach Ismychschir auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Namentlich hatte sich die am 17. April eingetretene Hitze bis zur Unerträglich⸗ keit, auf 52 Grad(muthmaßlich Celsius) ge steigert, und befand sich das Detachement inmitten völlig wasserloser, mit tiefem Flugsand bedeckter Flächen.Unter so außergewöhnlichen Umständen hielt man es, um nicht die Truppen und die Lastthiere der äußersten Erschöpfung preiszugeben, für nothwendig, das Detachement, noch bevor es Ortakui erreicht hatte, nach Krasnowodsk zurück⸗ zuführen, wo es am 16. Mai anlangte. Das Turkestan'sche Detachement befand sich am 17 April fünf Tagemärsche von Amu⸗Darja entfernt, das Orenburg'sche am 5. Mai an der Spitze Urgu; die vom Westen her, von Mangyschlak ausgerückte Colonne setzte anfangs Mai ihren Marsch nach Aibugir fort.

Aus Stadt und Land.

Bruchenbrücken. Am 10. Juni starb dahier W. Bickert in dem hohen Alter von 95 Jahren bei völlig klarem Bewußtsein. Von Doctor und Apotheker wollie der Verstorbene Nichts wissen. Derselbe führte seit Jahren ein wahres Einsieolerleben.

Nieder⸗Wöllstadt. Durch den Tod unseres allver⸗ ehrlen Bürgermeisters Stoll ist eine fühlbare Lücke ent standen. Es wird sich nicht leicht wieder ein Mann finden, bei dem Intelligenz, gewissenhafte Pflichtireue und

Alle

Interesse am öffentlichen Leben in dem Maaße vorhanden sind, wie bei dem Verstorbenen. Für die Landwirthschast hatte ex ein besonderes Interesse und wurde er bei allen landwirthschafilichen Vereinsangelegenheiten zu Rathe ge⸗ zogen. Er starb an einer langwierigen Krankheit.

Darmstadt. Am 8. Juni wurde noch eine Person ermitielt, welche von dem kollen Hunde gebissen worden ist, ein Kind von sieben Jahren von hier, Aerztliche Hülfe wurde zu Theil. 0

Worms. Am 8. Juni passirte das DampfbotElsaß auf seiner ersten directen Reise von Straßburg kommend die hiesige Schiffbrücke und wurde vom Lande aus mit Böllerschüssen begrüßt. Zu Horchheim bei Worms fand sich bei Grabung in einem Keller ein Krüglein mit 9 gut erhaltenen Goldmünzen aus Anfang und Mitte des 16. Jabrhunderts.

Kirchheimbolanden. Bei dem am Donnerstag stattgehabten Gewitter befanden sich in Mehrsheim bei Kirchheimbolanden zwei Knaben auf dem Felde und als es ansing zu regnen, wollten sie unter einem Baume Schutz suchen. Der Blitz schlug in den Baum, so daß der eine der Knaben im Alter von 9 Jahren sofort todt war, während der andere(6 Jahre alt) tödtlich verwundet darnieder liegt.

Gau⸗Bischofsheim. Am 6. Juni Nachmittags um ½4 Uhr entlud sich über unserer Gemeinde ein furchtbares Gewitter. Ungefähr 8 bis 10 Mal folgten Blitz und Schlag unmittelbar aufeinander. Zwei Mal schlug der Blitz in die Behausung des Herrn Werner, jedoch ohne zu zünden. Außer Zertrümmerung des Treib⸗ hauses, eines Schornsieines, eines kleinen Theiles des Daches und außer Zerreißung der Tapeten eines Zimmers that der Blitz weiter keinen Schaden.

Allerlei. 4

Frankfurt. Das prachtvolle Exemplar eines Fasel⸗ ochsen, der von Herrn Göbel auf dem Louisenhof gezüchtet und hieher für 600 fl. verkauft wurde, ist am Samstag geschlachtet worden. Es wogen die vier Vieriel 1500 Pfund. Vor seinem Tode sollte der Ochse noch photographirt werden. Als man ihn zu diesem Zwecke aus dem Stalle geholt, wurde er wild und rannte auf den Photographen los. Während ein Seitensprung diesen rettete, ging das Instru⸗ ment unter den Hörnern des Thieres zu Grund.

Frankfurt. Am 10. Mai Mittags ½1 Uhr kam der Schah von Persien mit Gefolge von Wiesbaden hier an, nahm den Kaisersaal in Augenschein, fuhr um die Promenade zum Palmengarten, verweilte hierauf längere Zeit im zoologischen Garten, wo er ein sichtliches Interesse an den Raubthieren und an dem Elephanten, der sich seine Gunst durch tüchtiges Musieiren zu erwerben wußte, an den Tag legte. Um halb 3 Uhr kehrte der Schah nach Wiesbaden zurück. 0

Wiesbaden. Der Empfang des Schahs von Persien war in der That ein pompöser. Am Bahnhofe angelangt, wurde der Schah von dem General v. Boien aus Mainz und dem Regierungs⸗Präsidenten v. Wurmb dahier empfangen, und durch diese wurden ihm die Spitzen der Behörden vorgestellt. Die Regimentsmusik war vor dem Stationsgebäude aufgestellt und daselbst ebenwohl eine Ehrenwache aus dem Sober Füsilier⸗Regiment. Die erstere spielte zwei persische Märsche, und während derselben inspicirte der Schah das aufgestellte Militär. Er bestieg alsdann in Begleitung zweier preußischen Offiziere und einer seiner persischen Begleiter den königlichen vier⸗ spännigen Wagen, welcher vom Prinzen Karl hierher⸗ gesandt worden ist. Durch die Wilhelmsstraße nach dem königlichen Schloß fahrend, wurde der Schah von Tausen⸗ den von Menschen begrüßt und schien in der That über⸗ rascht zu sein. In seinem Gefolge befinden sich(die Dienerschaft eingerechnet) 80 Personen, unter diesen eine auffallend elegant gekleidete Persönlichkeit, wahrscheinlich die, welche man in Berlin für den Bruder des Schah's gehalten hat. Abends gegen 9 Uhr brachte die Regiments⸗ musik vor dem Schlosse eine Serenade dar, welcher die überaus schöne bengalische Beleuchtung der evangelischen Kirche folgte. Es heißt, der Schah werde fünf Tage hier bleiben. Welche Festlichkeiten noch staitfinden, darüber wird man ihn selbst noch hören. Die Bündel in Seiden⸗ tüchern machten auch hier allgemeines Aufsehen, übrigens tragen dieselben doch den Stempel reichen Inhalts.

Mannheim. Vor einem hiesigen Wirthshause spritzte am 6 Juni ein Mädchen ihrem ebemaligen Liebhaber eine ätzende Flüssigkeim ins Gesicht. Wie es heißt, soll derselbe in Gefahr sein, das Augenlicht zu verlieren. Die Thäterin wurde verhaftet.

Heidelberg. Am 5. Juni verschied im Alter von 80 Jahren der seit 1818 bis vor wenigen Jahren an hie⸗ siger Hochschule als Professor in der juristischen Facultöt thätig gewesene K. Fr. Roßbirt.

Mutterstadt(Pfalz). Am Pfingst⸗Sonntag Abend nach 9 Uhr wurde zwischen Mutterstadt und Maudach ein Nagelschmied aus der Gegend von Kusel auf die entsetz⸗ lichste We se um sein Leben gebracht. Zwei verwegene Bursche aus Maudach, welche jenen Tages ein zur Repa⸗ ratur gegebenes altes Gewehr zu Mutterstadt in Empfang nahmen, hatten beim Glase den schönen Vorsatz gefaßt, am Abend noch Einen todt zu schlagen. Der unglückliche Mensch, der sie in seinem Leben vielleicht nie gesehen, mit keinem Wort beleidigt, fiel denselben in die Hände und wurde mit dem Gewehrkolben dermaßen bearbeitet, daß Stücke davon wegfuhren und der Arme erschrecklich ver⸗ stümmelt todt auf dem Platze blieb. Am Dienstag Abend Uhr wurde die Leiche unter großer Theilnahme zur Ruhe bestöttet. Die Verbrecher, wesche berelts in Hast sitze, werden wohl ihrer gerechten Strafe entgegensehen. Der eine Mörder ist der 23 Jahre alte Fabrskarbeiter

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