Ausgabe 
8.11.1873
 
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Antrag gestellt, vom Divistonscommando indeß zurückgewiesen. 5

Marburg. Ein sehr beifällig aufgenommener Bortrag des Herrn Professor Horst mann in Marburg bei der daselbst stattgehabten hessischen Lehrerversammlung schließt also: Ich habe Ihnen Mancherlei über Luft, Licht und Raum für die Volksschulstube in materieller Beziehung soeben mitgetheilt. Sie, meine Herren, sind aber auch dazu bestimmt, Luft, Licht und Rau m zukünftig freien, edlen Seelen im idealen Sinn des Wortes zu verschaffen. Ist in unserm spar⸗ tanischen Staate jeder Knabe künftig mit seinem Leibe pflichtig und zur Vertheidigung des Vater landes sei es bis zum Fallen auf dem Felde der Ehre bestimmt, so sind gerade Sie die Erwecker, Hüter und Bewahrer des heiligsten und erhabensten Gefübles nämlich der Vaterlandslie be! Hat der preußische Lehrer die Schlacht bei Königgrätz ge⸗ wonnen wer weiß, zu welchen zukünftigen Siegen Sie das Samenkorn in die Brust Ihrer jetzigen Schüler legen sollen. Ja Licht, Luft und Raum für große, schöne, wahre Ideen zum Wohle der Menschbeit! Freilich, wer also anhaltend zu wirken bestimmt ist, der muß von einer gewissen Freudigkeit und Begeisterung getragen werden. Wenn uns nun doch diese Begeisterung im Be⸗ ruse auch unter der Macht äußerer ungünstiger Ber hältnisse nicht abhanden kommen darf wo ist deren Quelle zu suchen? Ist die Religion dazu bestimmt, die in zedem Menschenherzen schlum⸗ mernde Gottesidee und Gottes verehrung zu wecken und zu wahren, so muß der geistig bevorzugte Mensch neue Hoffnung, neuen Trost, neue Kraft im Walten der ewigen unbegrenzten Natur suchen und finden! Wenn gerade jetzt im Spätherbst im Niederfallen der Blätter die Natur ihr leises Sterbelied zu singen beginnt, noch mehr: wenn erst die Novemberstürme durch den Wald brausen, endlich Schnee und Eis das Gefilde decken dann muß uns ein liebevolles Verständniß sagen, daß nach ewigen Gesetzen doch der Frühling nicht weit ist, der mit seinen neuen Blüthen soviel altes Leid decken soll. In solcher Weise rufe ich Ihnen schließlich jenes Wort zu, das gerade an Sie aus begeistertem Dichtermund einst erklang: Und was in schwankender Erscheinung schwebt, Befestiget mit dauernden Gedanken.

München. Das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung vom 5. Nov. die Präsidentenwahl volliogen. Zum ersten Präsidenten wurde Frbr. v. Stauffenberg gewählt, welcher 76 von 150 abgegebenen Stimmen erhielt, während auf seinen Gegencandinaten v. Ow 72 Stimmen sielen. Zum zweiten Präfidenten wurde v. Schlör mit 76 Stimmen gewählt; Graf Seinsheim erhielt 73.

Regensburg. Der Erbprinz Max von Thurn und Taris wird demnächst hier eintreffen und nicht mehr nach dem Institut Feldkirch zurück⸗ Kehren. Die Erbprinzesun soll durch verschiedene Erfahrungen davon abgekommen sein, die Erziehung ihres Sohnes ferner geistlichen Händen zu überlassen.

Ausland.

Oesterreich Ungarn. Wien. Die beiden Häuser des Reichsrathes hielten am 4. Nov. ihre Eröffnungs Sitzungen. Im Abgeordnetenhause übernahm der Alters⸗Präsident d'Eloert den Vor⸗ sitz, worauf die anwesendenden Mitglieder in ihrer Muttersprache die Angelobung leisteten. Im Herrenhause hielt der Präsident Fürst Karl Auers⸗ perg eine Ansprache, worin er den Erfolg des in der letzten Session beschlossenen Wahl-⸗Gesetzes begrüßte, sodann der Weltausstellung gedachte und mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser schloß, in welches die Versammlung begeistert ein⸗ stimmte. Das neu ernannte Mitglied des Hauses früherer Minister Plener leistete die Angelobung. Beiden Häusern ist mittelst Zuschrift des Ministers ves Innern die am 5. d. erfolgende felerliche Er⸗ öffnung der Session durch den Kaiser bekannt ge geben worden.

Schweiz. Bern. Die Regierung hat eine Anzahl katholischer Pfarrämter neu besetzt. Im Jura herrscht vollstäudige Rahe. b

Frankreich. Patris. DasXIX. Sisele erfährt, daß bei dem Sattler Oppermann, Rue Pagevin Nr. 4, sechs mit Gold und Lilien be⸗ stickte Pferde ⸗Geschirre, die für den königlichen Hof bestellt waren, noch jetzt in der Arbeit sind, da bis zum 3. November noch keine Abbestellung erfolgt war. Der für den legitimen König be⸗ stimmte Sattel in carmoisinrothem Sammt mit Lilien und goldenen Kronen, himmelblauem Wappen und mit dem Kreuze zum Orden des heiligen Geistes geschmückt, soll namentlich ein Meisterstück der Pariser Kunst⸗Industrie sein. Wie man erzählt, sollen diese Gegenstände jetzt mit Rabatt dem Don Carlos abgelassen werden. Versailles. Die in der am 5. d. M. wieder zusammengetretenen Nationalversammlung verlesene Botschaft Mac Mahon's bietet nichts Besonverts von Interesse, wenigstens nicht Neues. Sie sagt unter Anderem:Die Ordnung ist im Innern aufrechterhalten, die Verwaltung hat sich beständig mit dem conservativen Geiste der National- versammlung erfüllt. Bezüglich der Frage der Regierungsform, welche jede Partei nach ihren Wünschen zu lösen sucht, hatte die Regierung nicht zu interveniren; sie hat sich darauf beschränken müssen, die Discussion in den gesetzlichen Schranken zu halten. Wenn Sie der Ansicht sind, daß die Errichtung einer definitiven Regierung, welche eine gedeihliche Zukunft für eine unbegrenzte Zeit ver⸗ hieße, große Schwierigkeiten bietet, so erlauben Sie mir, Ihnen offen und frei zu sagen, daß die gegenwärtige Regierungsgewalt weder die ge · nügende Lebensfähigkeit, noch die hinreichende Autorität besitzt, um etwas Gutes von Dauer zu schaffen. Nach Mittheilung der Botschaft ver⸗ liest der Kammerpräsident einen von Changarnier und Genossen eingebrachten Antrag auf zehnjährige Verlängerung der Amtsgewalt Mae Mahon's. Echasseriaux beantragt, die Nation zusammen⸗ zuberufen, damit sie die Regierungsform wähle. Für den Verlängerungs⸗Antrag wird die Dring⸗ lichkeit verlangt. Broglie befürwortet dieselbe, Dufaure will sie nur annehmen, wenn die con- stitutionelle Vorlage und die Verlängerung der Amtsgewalt ein und derselben Commission über- wiesen werden. Der Antrag auf zehnjährige Macht- verlängerung Mae Mahon's wird dem Antrage Goulard's gemäß für dringlich erklärt. Bezüglich des Antrages von Echasseriaux(Einberufung der Wähler auf den 4. Januar 1874 behufs Ab- stimmung über Kaiserreich, Republik oder Monarchie) wird die Dringlichkeit nicht beschlossen. Trianon, 4. Nov.(Prozeß Bazaine.) Oberst Stoffel erklärt, daß er vom Marschall Mae Mahon blos zu dem Zweck seinem General- stab attachirt wurde, um ihn über die Bewegungen der Armee des preußischen Kronprinzen zu unter⸗ richten. Oberst Stoffel lebte für sich und öffnete nie Depeschen, welche an den Marschall adressirt waren. Er las dieselben erst aus zweiter Hand. Er er⸗ zählt, welche Aufträge Rabasse und Mies von ihm empfingen, und bezweifelt, daß diejenige Depesche, durch welche die genannten Agenten zur Rückkehr aufgefordert worden wären, von ihm abgeschickt worden sei. Dies könnte auch in seinem Namen durch einen anderen Ossizier geschehen sein. Er hat keine Kenntniß der durch Rabasse und Mies abgesandten Depeschen, mit Ausnahme eines einzigen Telegramms, worin dieselben sagen, sie hätten nichts erfahren. Des Tages, an welchem sie zurückkamen, entsinnt er sich nicht genau. Er habe nicht einmal ihre Feuillets(Legitimationspapiere) geprüft, als sie zurückkamen, sondern dieselben ohne sie anzusehen bei Seite gelegt. Oberst Stoffel beendigt seine Aussage und sagt mit Bezug auf den Be⸗ richterstatter: Er empfinde für ihn nur Verachtung und Geringschätzang und theile darin die Gefühle der ganzen Armee. Der Präsident versucht ihn am weiteren Sprechen zu verhindern und verweist ihn in den Zeugensaal. Nach einer kurzen Sus⸗ pension der Sitzung fragt der Präsident den Obersten, ob er die vorher gesprochenen Worte zurückziehen wolle. Da Stoffel dies verweigert, läßt der Präsident über den Zwischenfall ein Protokoll aufnehmen, welches dem Divisionscommandanten

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falls zu befassen haben wird. Nach einer neue Vernehmung der Agenten Rabasse und Miel welche bestätigen, dem Obersten Stoffel Depeschel übergeben zu haben und neuen Antworten Stoffelt

welcher zugibt, Depeschen erhalten, aber ohne f

der Regierungscommissar, daß er sich vorbehaltt

eine Untersuchung einzuleiten.

Die von verschiedenen Journalen ge. brachte Nachricht, daß Oberst Stoffel verbafie worden sei, ist als falsch zu bezeichnen. 850 Stoffel veröffentlicht eine Erklärung, daß er sich sofort an den Kriegsminister gewandt und ver⸗ langt habe, ungesäumt vor ein Kriegsgericht ge. stellt zu werden.

Aus Stadt und Land.

Butzbach. Die Geistlichen des vorhinigen Großher⸗ zoglichen evangelischen Dekanats Butzbach haben ihrem früheren Dekan, Pfarrer Blumhof in Melbach, welche beinahe dreißig Jahre lang das Ockanat verwaltet hat, ein werthvolles Album, mit ihcen Photographlen versehen, als Zeichen ihrer Hochachtung und Liebe überreicht.

Gießen. Ein hiesiger Fabrik int wurde am 4. d. M Abends auf der Straße zwischen Heuchelheim und Gießen von mehreren Unbekannten überfallen und als er eilig davonfuhr, gesteinigt; er bätte von vielen auf ihn geflogenen Chaussirsteinen arg verletzt werden können. Am 6. d. M. wurben die Thäter von der Polizei ermittelt, welche die Bestrafung derselben beantragen wird.

Darmstadt. Am letzten Samstag fiel der Arbeiter Joh. Müller von Zell in der Schucharo'schen Fabrik in einen siedenden Farbkessel und gab der Unglückliche als bald den Geist auf.

Oberklingen. In voriger Woche logirte sich dahier

ein männliches Individuum auf dem Heuboden eine Scheuer ein. Des Morgens um 4 Uhr kamen 3 Dreschel in dieselbe Scheuer und begannen bei trübem Oellichtt ihre Arbeit. Der eine derselben fluchte gerne, und als er u. A. den Teufel nannte, wurde plötzlich von unfichtbare Hand sein in die Höbe geschwungener Flegel erfaßt und in höhere Regionen aufgezogen. Von Angst ergriffen, det Gottseibeiuns möge ihnen am Ende dasselbe Schicksal be⸗ reiten, nabmen er und seine Kameraden in panischem Schrecken Reißaus und kehrten erst am hellen Tage zu ihrer Arbeit zurück. Bingen. Am 4. November scheilerte unweit des Mäusetburms ein mit Holz beladenes Schiff. Das all Fahrwasser ist dadurch gesperrt und mülssen die Schiff das neue Fahrwasser benutzen..

Allerlei.

Frankfurt. In diesen Tagen machte eine Annonte in den biesigen Blättern die Runde, worin sich eine Mutter zum Verschenken ihres neun Wochen alten Kindes anbot, die betreffende Frau stament aus dem Fuldaschen und ist Mutter von 4 Kindern. Ste lebt, wie sie selbst angibt, bereits seit fünf Jahren in Bornheim in ganz guten Verhältnissen, ihr Mann war im Holzmann'schen Geschäft und arbeitete fleißig. Da kam der Bierkrawal! dessen Folgen er nun insosern mitzutragen hat, als er zu Jabren Zuchthaus verurtbheilt wurde. Von diesem Augenblicke an geriethen Frau und Kinder in Noth. Frankfurt. Das Frankfurter Journal bringt fel⸗ gende interessante Notiz: Ein zu Borna in Wesie A felt ansässiger Kaufmann schreibt in einem Briefe vom 12. Aug.: -Ich gehe heute nach Munuco em Ober ⸗Congo. 10 wenigen Tagen wird die Livingstone'sche Expedition, die nicht von St. Salvador fort kam, erwartet. Livingstone selbst ist Gefangener in einer zwanzig Tagereisen von her entfernten Stadt, hat aber keine Mittel, sein Lösegeld zu zahlen. Es ist ihm indessen Hülfe übermittelt wocden und er mag hier in einem Monat etwa eintreffen..

gegen Stoffel wegen Entwendung von Depesche:

Hanau. Ju der Papierfabrik von H. P. Fues hier wurde am 2. d. M. festlich und herzlich ein Arbeiler⸗ Jubisäum begangen, das sowohl seiner Seltenheit wegen, als und noch mehr deßhalb der Erwähnung werth it, weil sich darin ein Verbällniß zwischen Principal und Arbeiter bekundete, wie man es als aller Orten bestehend wünschen möchte. Kaspar Sauerwein von hler trat am 2. November 1813 bei dem Großvater der i ctzigen Ge⸗ scäfis⸗Inhaber in Arbeit und dient also jetzt volle 60 Jabre dem Haus durch drei Generationen. Ber Jubilar, notz seiner 76 Jahre immer noch rüstig und thätig, obwohl ihm mit Belassung seines vollen Lohnes schon seit zehn Juhren völlig freigelassen ist, zu feiern, wurde von der Regierung durch ein Anerkennungs⸗Schreiben geehrt, von dem Oberbürgermeister Namens der Stabt beglückwünscht und in Wort und That bei einem fröhlichen Festmahl von seinen Principalen und zahlreichen Arbeltsgenossen in mancherlei Weise ausgezeichnet. f a

Gelnhausen. Die Ruinen der alten Kaiserpfalz werden soeben mit ben nöthigen schützenden Baulichkeiten versehen, um dieselben füle die Folge nicht mehr wie bieber den geasengen Einflüssen der Witterung ausgesetzt sein 1 und um den Besuch des Publikums zugängliche zu machen. Vor der alten Burg sind bereits mehrere alle 5 niebervelegt wolden, so daß auch eine freie Ansicht der Vorberseise mit ihtem imponitenden Eindruck wieder hergestellt ist. 1 Kölu. DieKöln. Zeitung schreibt: Am 3. d. N.

geschickt werden soll, der sich damit competenten⸗

wurde, wie uns ein Außenzeuge mit größter Enttäst

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