Ausgabe 
7.6.1873
 
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Zara halten.

Pirmasens. Dahier traten am Himmel⸗ fahrtstage neun Katholiken zur protestantischen Kirche über, die in gemischter Ehe lebten und deßhalb vom Abendmahle ausgeschlossen waren.

2 Ausland. N

Oesterreich. Wien. Am 3. Juni ist der König von Belgien mittelst Westbahn nach Regensburg abgereist. DasTagblatt will wissen, daß die Ankunft des deutschen Kaiserpaares in Wien definitiv am 21. d. erfolgen soll.

Bei der Mtlitärparade am 4. Juni er- nannte der Kaiser von Rußland den Erzherzog Ludwig Victor zum Inhaber eines russischen Infanterie⸗Regiments. Der Fürst von Monte⸗ negro reist am 13. Juni von bier ab. Der Kaiser hat demselben von Triest bis Cattaro einen Dampfer zur Verfügung gestellt. Nach den Ab⸗ machungen zwischen Andrassy und dem Fürsten wird Letzterer einen diplomatischen Agenten in DieNeue freie Presse bezeichnet die anläßlich der Anwesenheit des Fürsten Gort⸗ schakoff in Wien colportirten Nachrichten über austrorussisch⸗deutsche Verhandlungen betreffs der Orientfrage, wonach Oesterreich seine bisherige Orientpolitik desavouiren würde, als gänzlich unwahr.

Schweiz. Bern. Als Endresultat des Oltener Arbeitercongresses ergab sich die Bildung eines schweizerischen Arbeiterbundes mit einem Bundes ausschuß an der Spitze.

Frankreich. Paris.Evenement be⸗ stätigt das Bestehen einer Meinungsdifferenz zwischen Mae Mahon und dem Ministerium über die Frage des allgemeinen Stimmrechts, welches das Ministerium beschränkt wissen will.

Mac Mahon will dem Vernehmen nach

alle tonstituellen Fragen bis nach Räumung des Gebiets vertagt haben. Dem Vernehmen nach hot der Erzbischof von Paris die Erlaubniß der Regierung zur Wiederabhaltung von Straßen-

protessionen nachgesucht.

Prinz Napoleon hat bei dem französischen Consul in Mailand um einen Paß nach Frank⸗ reich nachgesucht, Die Regierung ermächtigte den Cunsul zur Ausstellung des Passes. Der Prinz beabsichtigt, gutem Vernehmen nach, die Rückkehr nach Frankreich indessen nicht, sondern wollte nur sein Recht zur Rückkehr constatirt sehen.

Der neue Kriegsminister, Cavallerie-General du Barail, ist erst 53 Jahre alt; seit dem Marschall Randon ist kein Offizier einer Specialwaffe-Kriegs⸗ mint ster gewesen, alle andern gehörten dem General- stab an. Mac Mahon genügt sich als solcher selbst. Du Barail erkämpfte jeden seiver Grade und begann seine glückliche Laufbahn unter Aumale in Algerien, der ihn zum Ritter der Ehrenlegion und zum Lieutenant befördern ließ.

Belgien. Brüssel. Der Kriegsminister

Thiebault hat seine Entlassung gegeben; über sonstige Veränderungen im Ministerium verlautet, daß entweder das ganze Cabinet zurücktritt oder nur Malou und Acpremont ausscheiden, welche 50 Jacobs und Marquis Rodeso ersetzt werden möchten. 11 Holland. Amsterd am,. Einem Telegramm aus Penang vom 4. Juni zufolge hat ein hol⸗ ländisches Kriegsschiff auf drei unter englischer Flagge segelnde Fahrzeuge, welche für Atschin be⸗ stimmte Waare an Bord führten, geschossen und ein Bevollmächtigter des Sultans in Folge dessen bei dem Gouverneur von Penang Beschwerde ge⸗ führt. Ueber den erhaltenen Bescheid verlautet noch nichts.

Italien. Rem. Mehrere Jouraale welden, daß die Ordensgenerale einen Protest gegen das Klostergesetz an den Präsidenten der Kammer ge⸗ sandt haben. Der Senat bat die Berathungen über die Reorganisation der Armee begonnen. Der Kriegsminister General Ricotti vertheidigte die Gesetzvorlage gegen die Einwendungen mehrerer Redner.

Nach einem Telegramm aus Frosinone ist Rattazzi am 5. Juni Morgens Uhr gestorben Die Nachricht brachte hierselbst einen schmerzlichen Eindruck hervor.

New⸗Nork. Auch der letzte

Amerika. der Modocs ist nun den Regierungstruppen in die Hände gefallen. Nahe bei dem Clear- See umzingelten die Soldaten am verflossenen Sonn- tag den Häuptling der Bande, Capitän Jack, worauf sich derselbe mit zwei seiner Krieger, fünf

Jetzt ist

Squavs und sieben Kindern unterwarf. also der Modockrieg zu Ende.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Am Nachmittage des 6. Juni entluden sich mehrere schwere Gewitter über unserer Stadt und schlug es dabei in den Giebel eines Hauses auf der breiten Straße ohne weiteren Schaden zu verursachen.

e Friedberg. Wer die Monatsausweise des hiesigen Vorschuß⸗ und Creditvereins mit Ausmerksamkeit verfolgt, der muß sich wohl fragen, in was die Ursache der be⸗ deutenden, nahezu fl. 70,000. per Monat betragenden Steigung der Einnahmen und Ausgaben in der letzten Zeit zu suchen sei. Auf eine diesbezügliche Anfrage dei dem Vorsiande wurde bereitwilligst Auskunft ertheilt, daß dieses eine Folge des commissionsweis be, sorgten An- und Verkaufs von Werthpapieren sei. Derselbe betrug in den Monaten Januar/ Mai unge⸗ fähr fl. 300,000. wovon auf den Monat April über 90,000 und auf den Monat Mai gegen 70,000 kommen. Erfreulich ist es, daß auch auf diesem Gebiete das Vertrauen zu dem Verein in steter Zunahme ist, wo⸗ durch den Auftraggebern bei reeller und prompter Bedienung gegen mäßige Provision die directe Besorgung in Frankfurt erspart wird.

Bad⸗Nauheim. Am 4. Juni, Morgens um 3 Uhr, ertönte plötzlich der Feuerruf in unserer Stadt. Es brannte im Badehause Nr. 1; eine der Trockenkammern hatte Feuer gefangen. Unsere junge Feuerwehr die erst am 3. d. M. ihre erste General-Uebung abgehalten halte, war rasch am Platz. Die Steiger und Brandhelfer waren mit dem stell⸗ vertretenden Commandanten die ersten auf der Brandstätte und öffneten mit ihren Beilen die Trockenkammern, aus welchen ihnen die Flammen hell entgegenschlugen. Rasch wurde das brennende Gebälke, die rauchende und brennende Wäsche mit Wasser übergossen und entfernt, die benach⸗ barten Trockenkammern ausgeräumt und dies geschah mit einer solchen Geschwindigkeit, daß, als die andern Mann⸗ schaften ankamen, das Feuer bereits vollständig gelöscht war. Nachdem man sich versichert hatte, daß das Feuer nicht weiter um sich gegriffen hatte und die nötbigen Vor⸗ sichtsmaßtegeln angeordnet waren, konnte die Mannschaft der Feuerwehr entlassen werden. Es sei uns vergönnt über das junge Inslilut, das sich in manchen Kreisen keiner großen Beliebtheit erfreut noch einige Worte zu be⸗ merken: dasselbe bat ebensowohl bei seiner ersten Uebung als bei dem erwähnten Brande seine Tüchligkeit auf's Glänzendste bewiesen. Sind auch einige Mängel zu Tage getreten, so werden dieselben, wie man uns mittheilie, be⸗ seiligt werden, jedoch sind dieselben so unbedeutend, daß wir die Feuerwehr als vollständig organsitt betrachten und ihr unsere wärmste Anerkennung nicht versagen können.

Offenbach. Der britte Pfingstfesttag, für welchen man wieder allerlei von neuen Putschen gemurmelt halte, die bier, in Frankfurt oder gar imWäldchen losbrechen

sollten, verlief in unserer Stadt äußerlich sehr ruhig, bis g

auf eine zweifache Feuersbrunst, indem der Tag mit Feuerlärm eröffnete und schloß. Das erste Mal brannle es neben das zweite Mal bei einem Väckermeister, und gelang es beide Male, des Feuers erst dann Herr zu werden, als es den Dachstubl der beireffenden Häuser bereits verzehrt haue. Der Branb vom Morgen schreckse die Einwohner aus den Betten; der des Abends ging in einer halb ausgestorbenen Stadt vor sich, indem das schöne Wetter und der dritte Pfingsitag Tausende von Meuschen hinaus in den Offenbacher und Frankfurter Wald gelockt hatte, darunter auch den Eigenthümer und sämmiliche Bewobner des in Brand gerathenen Hauses Für mög⸗ liche Vorkommnisse batte man übrigens schon seit Tagen genügende Vorkehrungen getroffen, und so war denn auch während des ganzen gestrigen Tages die gesammie hiesige Garmion in der Kaserne consignirt.

Darmstadt. In der Nacht vom 5. Juni wurde in der Nähe der Stadiknpelle ein äußerst frecher Einbruch verübt und dabei dem Vernehmen nach eine größere Summe Geldes entwendet. Hoffentlich wird es unserer Polizei gelingen, den oder die Spitzbuben zu entdecken.

Darmstadt. An dem für Volksschullehrer veran⸗ stalteten und seit vorgestern in der Turnhalle eröffneten Zeichnencursus nebmen bis jetzt 43 Lehrer Theil. Da auch in dem voriges Jahr stasigehabten Cursus eine erfreuliche Flequerz slatt batte, so stehl zu hoffen; daß die treffliche Kumpa'sche Metbode, welche in diesen Cursen gelehrt wird, sich bald im ganzen Lande einbürgern werde.

Mainz. Sämmtliche Zuschneider und Aufrichter der 0 11 0 Schuhsabrik haben plötzlich die Arbeit ein⸗ gestellt.

Mainz. Ein in der Nacht vom 5. Juni in dem Orte Heimbach unterhalb Bingen, ausgebrochener Brand legte 10 Häuser in Asche, bis die telegrapisch berufene Binger Feuerwehr Einhalt thun konnte. Durch einen heruabstürzenden Giebel erhielt ein Spritzenmeister dieses Corps eine tödtliche Gehirnverletzung, indem ihm die Helmspitze in den Kopf drang.

Oppenheim. In der Nacht von Pfingsimontag auf Dienstag wurde an der katholischen Kirche das große ge⸗ malie Fenster(Sixlinische Madonna) zertrümmert. In dem Augenblicke, wo für Restauration des Baues der Katharinenkirche allda eine Betheiligung in weitesten Kreisen

angestrebt wird, ist es doppelt wünschenswerth, daß es gelänge, den oder die Thäler solcher Rohheiten zu eni⸗ decken. Der Kirchenvorstand hat. dafür eine Belahnung von 100 fl. ausgesetzt.

Worms. Am 3. Juni wurde unter zahlreicher Be⸗ theiligung die diesjährige Versammlung mittelrheinischer Aerzte in Worms abgehalten. Eine Reihe von Vorträgen, von denen wir die von Professon Moos in Heidelberg und Dr. Wolf in Frankfurt hervorheben, gaben genügende geistige Nahrung; ein sich hieran reihendes, von trefflichen Trinksprüchen gewürztes Mahl bei Kitschhöser versetzte die Gesellschaft in die heiterste Stimmung, bis gegen Abend die Eisenbahn die Gäste wieder in alle Weltgegenden zerstreute. 5 5 8

Worms. Am 3. Juni Nachmittags sprang im Bahnhof der Station Rosengarten ein Weichenwärter auf das Trittbrett des Tenders eines Zuges, der im Begriffe war, anzuhalten. Unglücklicherweise rutschte der Mann ab und kam unter die Wagen, deren Räder über den einen Fuß weggingen und diesen abschnitten. Der Verun⸗ glückte wurde sofort hierher in's Spital gebracht, woselbst die Amputallon vorgenommen wurde. Der junge Mann ist von Hofheim und wird allgemein um so mehr bedauert, da er von Jedermann als ein braver Arbeiter geschildert wird, der sich in einigen Wochen jeinen eigenen Hausßtand gründen wollte. 1

Allerlei.

Frankfurt. Ein Arbeiter in der Münze entwendete ein noch nicht ferlig geprägtes, aber bereits ausgewalztes und ausgeschnittenes 20 Markstück. Bei dem Versuch das⸗ selbe zu verkaufen, wurde er angehalten und seine Ver⸗ haftung bewirkt. 5

Soden. Auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Höchst wollte die ältere Tochter eines Bahnwärters ihre jüngere Schwester, welche über das Schienengeleis gelaufen war, herüberholen. Beide wurden von der Locomotive er⸗ griffen und sosort gelödtet. 1 7

Karlsruhe. Hier wurde in der Nacht vom 29. auf 30. Mai die Frau des Adam Gaber in Hohensachsen er⸗ mordet gefunden. Dieselbe lebte von ihrem Manne ge⸗ trennt und es hat dieser seit einem Jahre das Kutscher⸗ geschäft in Freiburg betrieben. Auf Reqnisilion des Untersuchungsrichters in Karlsruhe wurde der Ehemann als des Mordes dringend verdächtig bereits in Fresburg verhaftet und mit Escorte nach Kaxlsxuhe abgeführt.

Limburg. Der am 2. Juni hier abgehaltene zweite Feuetwehrtag war von 24 Feuetwehren und einem Feuerwehrbezirk deschickt, welche zusammen durch 38 Ab⸗ geordnete vertreten waren. Die eingegangenen Anfräge wurden mit wenig Abänderungen angenommen.

Treuen. DerGermania geßt folgendes Privat⸗ telegramm von hier zu:Dienstag, 3. Juni. Die Leiche meiner Tochter Anna ist heule, im Scheunensach vergraben, hierselbst aufgefunden worden. Es scheint ein Mord vor⸗ zuliegen. Böckler, kal. Domänen ⸗Pächter. n

Eger. Von hier wird unterm 3, d. gemeldet, daß Maria-Culm bei Eger ein Raub der Flammen ge⸗ worden; ewa 150 Häuser seten zerstört. ö

Verloosung.

Karlsruhe, 3. Juni. Bei der heute stattgehabten Ziehung der großh. badischen Prämien⸗Obli⸗ alionen erhielten folgende Nummern die höchsten Treffer: 70,000 fl. Serie 428 Nr. 21,398; 14,000 fl. Serie 826 Nr. 41295; 7000 fl. S. 481 Nr. 24024; 2800 fl. S. 826 Nr. 41297; 1400 fl. S. 619 Nr. 30949 4295; je 350 fl.: S. 17 Nr. 814, S. 76 Nr. 3774 3800, S. 270 Nr. 13760 13751, S. 345 Nr. 17248, S. 428 Nr. 21352 21386, S. 466 Nr. 23259 23295. S. 739 Nr. 36905, S. 1031 Ni. 51525, S. 1302 Nr. 65082 65089, S. 1441 Nr. 72038, S. 1816 Nr. 90752 90786, S. 2178 Nr. 108867 108882 108889, S. 2334 Nr. 1160677, S. 2365 Nr. 118227 118230 118241.

D Frankfurt a. M., 5. Juni. Die Wiener Mel⸗ dungen über die Verluste der Creditemstalt lauten seit gestern weniger ungünftig, namentlich sollen die Schaden, welche das Institut dusch das Falliment Weikersheim er⸗ leidet, nicht so bedeutend sein, als anfänglich geglaubt wurde. Die Berliner Contremine scheint es daher für rathsam gehalten zu haben, mit ihren Verkäufen vorläufig einzuhalten und trug dies Moment wesentlich dazu bei, da nunwehr Berlin sestere Course sandte, der Tendenz mehr Siabilität zu verleihen. Die heukige Börse eröffnete fest und nahm noch eine günsligete Hallung an, als die später eintreffenden Berliner Notirungen eine forischreilend beruhigtete Semmung des dortiger Platzes constalirten. Außer Speculationewerthen zligten sich heute bauplsächlich Vabnen gestagter; auch für Amlagepapiere waren Kauf⸗ ordres rothanden, so daß disselben übeilrzeise höher schlossen: Creditaclien stiegen von 232 63¾, gingen daher mit eier Avauce von fl. 5 gus dem Verkehre hervor. Staals⸗ bahn blieben mit 345, ca. fl., Lombarden mit 196, ca. fl. böher. Von Babnen Vorarlberger und Gallzier bedentend höher. Bayt. Ostbahn eiwas maler. Von Banken Handelsgesellschast, Darmstädter, Meininger, Prov. Dieconio(220%) besser. Continental niedriger. Oesterr. Nationalbank 8 fl. höher. Oesterr. Renten anziehend. Ungarische Anleide gefragt. Amerikzner matter. 1860 und 541 Loose höher. Von Wechseln Lombarbden und Wien

(105 ½) besser.* Marhibericht.

Friedberg, 3. Juui. Waizen 17 fl. 15 kr.; Korn 11 fl. 20 kr.; Gersie 12 fl. kr.; Hafer 9 fl. 20 kr. Kartoffel 3 fl. 15 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kils.

verwalt

Bette

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