Ausgabe 
7.1.1873
 
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Münzenberg, ernannt worden.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Adam Ackermann zu Griedel ist zum Forstwarten für die erledigte Gemeinde Forstwartei Griedeler ⸗Markwald, Ober so rste rei

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Deutsches Reich.*

Darmstadt. Die nach der jüngsten Volks- zäblung in 852,894 Köpfen bestehende Bevölke⸗ rung des Großberzogthums setzt sich aus 805,960 Inländern und 46,934 Ausländern zusammen, es bilden daher die Inländer 94,5, die Ausländer 5,5 Procent der Einwohnerzahl. Der letztere Procentsatz ist im Vergleich zu andern Staaten ein hoher, und bat schon bei früheren Volks- zäblungen die amiliche Statistik darauf hingewiesen, daß die Zahl der im Großberzogtbum sich auf haltenden Ausländer eine verhältnißmäßig sehr große und stets steigende ist.

Ueber die Wablen zur Landessynode ver⸗ lautet nunmehr, daß dieselben voraussichtlich noch im Laufe dieses Monats angeordnet werden. Der Zusammentritt der Synode wird indessen vor dem Monat März nicht statifinden können, weil früher das einzige geeignete Lotal, der Sitzungssaal zweiter Kammer, nicht disponibel sein wird.

* Friedberg. Im Landwahlbezirke Offen- bach wurde Kreisrath Ußnger an Stelle des ab lehnenden Hofgerichtsratbs Frank zum Abgeord neten gewählt. In Wöllstein fiel die Wahl auf den früheren Pfarrer Matty, in Lauterbach auf Oeckonom Reinhard Schaum zu Herrnbag.

Gießen. Dem Vernehmen nach bat der ordentliche Professor der Jurisprudenz Dr. Eck einen Ruf an die Universität Halle erhalten und angenommen.

Mainz. Mittelst zweier Extrazüge trafen am 2. d. Morgens circa 1800 Mann Rekruten aue dem Elsaß und Lotbringen hier ein. Dieselben kamen hür zur Einquartirung und werden in die verschiedenen Regimenter theils hier, theils in anderen Garnisonen eingereiht.

Die Hindernisse der Erweiterung der hie sigen Festung und Stadt werden derselben nur noch kurze Zeit im Wege liegen. Es sind nämlich Seitens des groß herzoglichen Kreis amtes bereits die Einleitungen getroffen worden, um, wenn güt liche Uebereinkommen nicht zu Stande zu bringen sind, das ganze für die Festungsbauten erforder- liche Terrain im Expropriations- Verfahren zu den Umständen und Verhälinissen entsprechenden Preisen der Festungsbehörde zu verschaffen. Welche Preis- Differenzen sich nunmehr ergeben werden, mag man daraus ersehen, daß in einigen der betroffenen Lagen der hessische Morgen zu 2000 5000 fl., also der Quadratfuß zu 3 bis 8 Kreuzer noch kurz vor Abschluß des Vertrages zu haben war, während die jetzige Forderung von 1 Gulden für den Quadratfuß 40.000 Gulden für den Morgen beträgt! Die Ausführung der Bauten soll im Frübjahr beginnen.

Der Vorstand des Vereins deutscher Katho; liken erläßt eine Erklärung, worin er sich bemüht, die Beschuldigung staatsgefäbrlicher Tendenz von sich abzuwebren. Der Verein stehe auf durchaus gesetzlichem Boden und seine Zwecke seien klar und deutlich im Programm und in den Statuten aus- gesprochen.

Berlin. Ein Artikel der halbamtlichenProv. Corr. über die Allocution des Papstes lautet: Der Papst hat am Tage vor Weihnachten eine Ansprache an die versammelten Cardinäle gehalten, in welcher er sich von Neuem über die Verfolgungen äußerte, welche die katholische Kirche angeblich in ver⸗ schiedenen Ländern zu erdulden hat. Mit besonderer Heftigkeit und Leidenschaft hat er sich über das Verbal'en der Regierung des deutschen Reiches ausgesprochen, mit Werten unverkennbarer Be leidigong gegen das Oberhaupt des deutschen Reiches und der Schmähung gegen die Hand- lungen der Regierung. Zum vierten Male in dem einen Jahre hat der Papst hiermit in heraus- fordernder Weise bekundet, daß er von einer Ver ständigung über die kirchlichen Fragen nichts wissen will: zuerst duich die rücksichtslose Zurück. weisung des Cardinals Prinzen Hohenlohe, sodann durch die schroffe, ohne jedes Vernehmen mit der

Regierung getroffene Entscheidung in dem Nams⸗ czanowski'schen Falle, ferner durch die berüchtigte Ansprache an die Deutschen in Rom und nun⸗ mebr durch die neuen Verleumdungen zum Weih⸗ nachtsfeste. Dieses Auftreten des Papstes zeichnet der Regierung unbevingt den Weg vor, den sie zur Regelung der kirchlichen Angelegenheiten zu gehen hat. Je weniger unter den obwaltenden Verhältnissen an eine Verständigung mit dem päpst⸗ lichen Stuble zu denken ist, desto unabweisbarer tritt die staatliche Nothwendigkeit hervor, durch unzweifelhafte und unantastbare gesetzliche Be⸗ stimmungen die Grenzen der geistlichen Rechte und Befugnisse in jeder Beziehung klar festzustellen.

Der Verweser der Berliner Superinten⸗ dentur überbrachte dem Prediger Dr. Sydow den Beschluß des Brandenburger Consistoriums, wo- nach derselbe seines Amtes entsetzt und in die Kosten des Disciplinarverfahrens verurtheilt wird. Dr. Sydow behielt sich den Recurs an den evan⸗ gelischen Oberkirchenrath vor.

Der Kaiser hat Doucecurgelder für die im letzten Kriege eroberten Geschütze, Adler und Fahnen im Gesammtbetrage von 10,170 Ducaten bewilligt, die unter 46 Truppenkheile vertheilt werden.

Die Absetzung des Predigers Sydow und die polizeilichen Maßregeln gegen die Presse in Sachen der Allocution machen bier recht böses Blut. Die confisci'ten Journale müssen herausgegeben werden, weil§. 131 des Strafgesetzes auf die Allocution keine Anwendung findet. Der Etat des Ministers des Innern wird Gelegenheit bieten, die Preßmaßregelung zur Sprache zu bringen.

Bonn. DieDeutsche Reichszeitung ist confiscirt worden. Dieselbe enthielt u. A. einen nochmaligen Protest des Vorstehers der Jesuiten Colonie in Maria Laach, welcher sich in den stärksten Ausdrücken über die denErziehern des katholischen Volkes, von der deutschen Reichs; regierung angethaneVergewaltigung beklagte.

Ausland.

Italien. DieUnita Cattolica, die es wissen kann, veröffentlicht folgende Statistik der Gesellschaft Jecsu. Im Jahre 1838 zählte der Orden 3067 Mitglieder, zum Schlusse des nächsten Trienniums 3565, im Jahre 1844 waren 4139 eingeschrieben, 1847 613 mehr, das Jahr 1850 brachte einen Ausfall von 157, doch 1853 ver- zeichnete das Ordensbuch schon wieder 5209, 1856 kamen 759 hinzu, 1859 zählte man 6897, 1862 stieg die Zahl auf 7411. 1865 auf 7949, 1868 hatte der Orden 8584 Confratres.

Amerika. Nach in Newyork eingelangten Nachrichten hat der Aufstand auf Cuba wieder größere Dimensionen angenommen; es fanden zwei erfolgreiche Angriffe der Insurgenten auf die Re⸗ gierungstruppen statt.

Gießen. Vor dem Schwurgericht der Provinz Ober⸗ h ssen vom ersten Quartal l. J., dessen Sitzungen nur von sehr kurzer Tauer sein werden, werden folgende An⸗ klagesachen zur Verhandlung, vezw. Aburtheilung kommen: Den 6. Januar, Vormiuags 9 Uhr, gegen Sebastian Müller von Ilbesbausen, wegen Urkundenfälschung; Verth.: Hroßh. Hofger.⸗Advocat Dr. Guifleisch. Denselben, Nach⸗ miliags 2 Uyr, gegen Johann Karl Lang von Lang⸗Goͤns, wegen gleichen Verbrechens; Verth.: Großh. Hofger.⸗Ad⸗ voc Baist. Den 7. Januar, Vormittags 9 Uhr, gegen Jacob Hermann von Rodenbach, wegen gleichen Ver vrichens; Verth.: Großb. Hofger.⸗Advocat Dr. Reatz. Denselben, Nachmittags 2 Uhr gegen Heinrich Schäfer's Ebefrau von da, wegen gleichen Verbrechens; Verth.: Groß. Hosger.⸗Abvocat Weidig. Den 8. Januar, Vor⸗ mittags 9 Uhr, gegen Cenrad Becker von Butzbach, wegen Diebstahls; Virtb.: Großh. Hofger. Advocat Dr. Muhl.

In F. ankfurt gehen täglich 84 Eisenbahnzüge ab, und 85 treffen ein.

Mainz. Der Zuzug der elsässischen Rekruten dauerie am 2 d. M. so ziemlich den ganzen Tag, von Morgens 8 Uhr bis Abend, in fünf Zügen von je 500 Mann, wovon einer nach Coblenz passirte. Die Hauptzüge wurden vom Festungs⸗Inspecteur empfangen und unter Vorantritt von Musik in die Casernen geleitet. Commando's vom Garde-Coips in Berlin und fast aller Truppentheile des 11. Armee Corps waren schon am 1.

hier eingetroffen, um ihten Antheil M annschaften zu über⸗ neymen. Die Vertheilung ging ohne jede Störung vor sich. Die ersten Ausgehobenen der Reichslande zogen meistens, deutsche Lieder singend, in die Stadt; auch die Marseillaise war zu hören; nicht Wenige sind nämlich des Deulschen nicht mächtig. Unmuth und Verbissenheit waren nicht wahrzunehmen. Ein großer Theil der Leute ist in die ganze Stadt in Quartiere vertheilt; dieselben werden am 3. ihrer Bestimmung zugeführt werden. Eine gute Aufnahme war ihnen hier gesichert.

Wiesbaden. Die Lesezimmer des Kursaales find

seit Sonntag wieder geöffnet.

Bruchsal. Am Christtage wurden in dem benach⸗ barten Dorfe Oberhausen die ersten Störche bemerkt, eine für diese Jahreszeit gewiß merkwürdige Erscheinung.

Würzburg. Unter dem TitelDeutscher Reichs⸗ postkalender erschien heuer zum ersten Male ein sehr

praktischer, in den Reichsfarven prangender Kalender, auf welchem in gedrängter Kürze unter vielem Anderen eine

übersichtliche Zusammenstellung aller Taxen für Briefe, Packete, Recommandation, Werthassekuranz, Postanwei⸗ sungen, Postmandate(Aufträge zum Einziehen von Wech⸗ seln u. s. w.), deren Zulässigkeit u. s. w. nach dem gauzen deutschen Reichslande beziehungsweise Europa und den übrigen Welttheilen aufgeführt sind. Derselbe sollte in keinem Hause fehlen, zumal der Preis von 10 kr.(auf⸗ gezogen 15 kr.) sehr billig ist.

Oggersheim. Der am 2 d. um 6 Uhr 10 Min. hier eintreffende Personenzug war so stark im Laufen, daß er die Station überfahren hatte. Der Führer gab sofort Signal zum Zurückfabren und die Conducteure ließen die Coupes geschlossen. Die Passagiere öffneten sich aber selbst die Thüren, und fiel dabei ein ältlicher Mann so unglücklich unter die Schienen, daß ihm die Hälfte eines Fußes der ganzen Länge nach abgefahren wurde. Der herbeigerufene Arzt ordnete die Amputation des Beines an, wobei der Unglückliche seinen Schmerzen erlag.

Productenbörse zu Friedberg. Bericht des Vorstandes für 1872. Friedberg, 28. Dec. 1872. Nach§. 6. unserer Statuten haben die Börsenmitglieder jedes Jahr im December einen Vorstand zu wählen. Mit Berufung und Abhaltung dieser Generalver⸗ sammlung sind also die Functionen des seitherigen Vorstandes zu Ende. Derselbe gibt vor seiner Amtsschließung folgende Darstellung des Börsen⸗ geschäfts: 5 Die prototollirten Verkäufe summiren sich, nach Einheiten von 100 Kilo, wie folgt: Wasseen

Korn. 255 Gerste.,. 983 Hafer; Kartoffeln uu. 950 Mehl 102 Samen 0 10

Summa. 3400

Da erfahrungsgemäß mindestens doppelt so viele Verkäufe unprotocollirt geblieben sind, so wird das ganze Börsengeschäft für 17 Börsentage, worunter 3 verlegte, auf eine Million Kilo sich belaufen, im Gesammtwerthe von etwa 100,000 fl.

Wenn damit die Hoffnungen der Freunde unserer Börse auch nicht ganz in Erfüllung ge gangen, so sind jene Resultate, welche nur einen kleinen Bruchtheil der Wetterauer Productenge⸗ schäfte darstellen, dennoch geeignet, den Beweis zu liefern, daß eine Productenbörse zu Friedberg bei fleißiger Benutzung von Seiten der Producenten wie der Händler zur Blüthe und zur Bedeutung in der Handelswelt gebracht werden kann. Eine allseitigere Benutzung der Börse ist allerdings zu ihrem Fortbestande nöthig; allein ein neues Han⸗ delsinstitut, wie die Friedberger Productenbörse, muß Existenz und Bedeutung sich erringen im Kampfe mit der Gewohnheit und den hergebrachten Verhältnissen. Dazu aber ist eine längere Zeit nöthig ais die des Bestehens unserer Börse. Deren Fortbestand hängt indessen, außer von einer fleißigeren Benutzung, doch auch davon ab, ob ihre Existenzkosten aufgebracht werden können.

Von einigen Seiten wird die Ansicht ausge⸗ sprochen, eine Productenbörse dahier sei möglich ohne Vorstand und ohne Setretär ꝛc.; sie sei also möglich als freie Vereinigung, gewissermaßen auf stillschweigendem Uebereinkommen beruhend. Wenn eine Börse ein halbes Menschenalter hindurch be-

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