Ausgabe 
6.11.1873
 
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solchen verfassungsmäßigen Bürgschaften umgeben werde, welche sie stark und unbestreitbar machen. Man glaubt, daß eine Botschaft in diesem Sinne der Nationalversammlung mitgetheilt werden wird. Gerüchtweise heißt es, daß die Verlängerung auf sechs Jahre ausgesprochen werden soll; Andere agen, auf zehn Jahre.

1 5 Um eine Zersplitterung des rechten Cen- trums, wovon einige Mitglieder sich dem linken Centrum nähern, zu verhüten, unterstützen die Or- leanisten die Verlängerung der Vollmacht Mac Mahon's, dessen Botschaft seine Bereitwilligkeit dazu aussprechen dürste. Broglie schlägt 10 Jahre Ausdauer vor.

Grevy schlägt die Kammerpräsidentschaft aus. Die Opposttion ist unentschlossen, ob sie Enthaltung üben oder die Candidatur Martel's oder Demassp's aufstellen soll. Die Minorität gegen Buffet vergrößert sich.

Die Delegirten der conservativen Frac- tionen haben am 3. d. mit der Regierung über die Bedingungen der Vollmachtverlängerung con- ferirt. Dieselben scheinen gewillt, dem Marschall Präsidenten diejenige Dauer und die Bürgschaften zu bewilligen, welche er verlangen wird. Die Verlesung der Botschaft in der Nationalversamm; lung wird wahrscheinlich Donnerstag erfolgen.

Man versichert, daß demnächst ein Brief des Grafen v. Paris veröffentlicht werden soll, welcher auf der Unterwerfung unter das Familien- haupt beharre, aber die Verschiedenheit der An- schauungen betone.

Die Linke hat in einer am 3. d. Mts. stattgehabten Versammlung beschlossen, das Mini⸗ sterium sogleich bei Beginn der Session der Na- tionalversammlung über seine Haltung gegenüber den monarchischen Anschlägen zu interpelliren.

Die Journale melden, der Ministerrath sei am 3. Nov. früh versammelt gewesen und sei dahin schlüssig geworden, in Pleno in der National- versammlung ohne vorherige Modisicationen zu erscheinen, sogleich die Frage der Verlängerung der Gewalten Mae Mahon's auf 10 Jahre zur Entscheidung zu stellen und dann die Demission zu geben, es deim Marschall⸗Präͤsidenten überlassend, ein neues Cabinet zu bilden. Mehrere Delegirte der conservativen Fractionen, welche von Mac Mahon empfangen wurden, hätten sich mit dem selben in voller Uebereinstimmung bezüglich der Dauer der Verlängerung und der constitutionellen Garantien befunden. N

Trianon, 3. Nov. Proceß Bazaine. In dem heute fortgesetzten Zeugenverhör kam die Frage zur Verhondlung, ob Marschall Mac Mahon die wichtige Depesche Bazaine's vom 20. August er⸗ halten habe, worin Letzterer sagt, er habe unter den Mauern von Metz Stellung genommen, werde aber wahrscheinlich nach dem Norden aufbrechen ꝛt. In einer schriftlichen Aussage erklärt Mae Mahon, er habe dieselbe nicht erhalten. Der Oberst seines früheren Generalstabes, d' Abzac, sagt ähnlich aus. Andere Zeugen sagen dagegen, sie hätten diese Depeschen dem Obersten Stoffel und d'Abzac über- geben und beharren bei dieser Aussage selbst nach ihrer Confrontation mit d'Abzat. Die Frage ist noch nicht aufgeklärt und erregt große Sensation.

Dänemark. Kopenhagen. Am 2. d. wurde der Sotialistenführer Pihl wegen eines Aufrufs imSocialist und mit Bezug auf den Strafgesetz- Paragraphen, betreffend Drohungen gegen den König, verhaftet.

Großbritannien. London. Es sind große Volksversammlungen in London, Edinburg und Dublin in Aussicht genemmen, um die Sym⸗ pathie des britischen Volkes mit den deutschen Protestanten im Kampfe mit dem Ultramontanis- mus auszudrücken; den Anstoß geben Mitglieder der Low Church.

Spanien. Madrid. Das deutsche Ge⸗ schwader ist von Malaga nach Cartagena abge gangen. In Cartagena sind Demoralisation und Disciplin Mangel auf das Höchste gestiegen. Die

Galetren⸗Sclaven überwachen auf's Ausmerksamste die Führer der Bewegung, fürchtend, von ihnen, verlassen zu werden.

Die Junta von Cartagena hat sich in Folge einer Kundgebung, bei der das militärische Element dominirte, aufgelöst. Die Verhaftung des griechischen Vice Consuls, welcher den deutschen

Consul vertrat, wird bestätigt. Ein Deutscher und ein Beamter des Consulats wurden mit ihm verhaftet Man glaubt, daß der Abgang des

deutschen Geschwaders nach Cartagena durch diese 2

Verhaftungen veranlaßt ist. Mehrere carlistische Banden sind in Catonien geschlagen worden.

Donaufürstenthümer. Belgrad. Die amtliche Zeitung veröffentlicht ein Handschreiben des Fürsten in welchem derselbe die Demission des Gesammteabinets annimmt und folgendes Cabinet neu bildet: Marinovics Ministerpräsident und Aeußeres, Senator Zenies Justiz, Advokat Zumie Inneres, Oberstlieutenant Pratics Krieg, Seuator Magasinovies Communication, Migatovics behält die Finanzen der Vertreter Serbiens in Kon- stantinopel, Christies Cultus und Unterricht.

Rußland. Petersburg. Die Zeitungen stellen eine neue Campagne gegen die aufstän⸗ dischen Turkomanen(Yomuden) an der persisch⸗ chiwesischen Grenze in Aussicht.

Amerika. Newyork. Der Schatz ent hielt am 1. d. 82,313,000 Dollar Gold und 4,212,000 Doll. Papier. Der Schatzsecretär zieht zur Amortistrung 5 Mill. Doll. Bonds ein, deren Verzinsung am 1. Februar aufhören wird. 9

Zehn Eisenbahnspeculanten haben fallirt. Die Novemberzinsen für alle Bonds betragen 30,000,000 Dollars. Die Fünf⸗Zwanziger Bonds, deren Einziehung Schatzsecretär Richardson bereits angekündigt hat, sind folgende: Stücke zu 50 Do lars Nr. 10201 bis 10600, Stücke zu 100 Dollars Nr. 30751 bis 34000, Stücke zu 500 Dollars Nr. 15801 bis 17600, Stücke zu 1000 Doll. Nr. 36001 bis 41000, alle Nummern inclusive.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Die von vielen Blättern und auch von uns gebrachte Nachricht von dem Erscheinen eines mit bloßem Auge sichtbaren Kometen, entbehrt jeder Begründung.

Gießen, Auf den hiesigen Bleichen ist in der letzten Zeit öfters Wäsche gestoblen worden. Am 1. November wurde die Frau des Peter Jakob aus Erda von der Polizei verhaftet, weil ihr ein großer Theil der verübten Wäsche⸗Diebstähle zur Last fällt. Sie hatte sehr vorsichtig, ein Stück nach dem andern gestohlen und so nach und nach bedeutende Vorräthe zusammengetragen. Ihr Mann, der vor einigen Jahren hierher überzog, ist wegen mehrerer auf der Eisenvahn begangener Diebstähle im November v. J. verhaftet und mit Jahren Zuchthaus bestraft worden. Die Gemeinde wird nun die 3 kleinen Kinder der in Gefängnissen sitzenden Eltern verpflegen lassen müssen.

Gießen. Die Klagen der arbeitsscheuen Subjecte über die geringen Strafen werden immer lauter. Ein eben hier sitzender, wegen Diebstahls und Bettelus schon oft bestrafter Strolch aus Gelnhaar äußerte in diesen Tagen, nachdem er wegen Betlelus bestrast worden war: ich sehe ein, das Betteln thuts nicht, ich muß wieder stehlen gehen und ein hiesiger junger, die Arbeit hassender, den Branntwein liebender, schon mehrfach be⸗ strafter Bursche, äußerte gegen die Polizti:in der Mein⸗ ung ich könnte freies Winter-Quartier kriegen, habe ich ein Hemd gestohlen, aber sie haben mich gleich wieder aus dem Gefängniß gejagt; es bleibt mir nun nichts übrig, als ein Paar Ochsen zu stehlen, oder Einem den Hals abzuschneiden! Wie wohlthätig würde ein Zwangs arbeitshaus wüken, wenn es den Abschaum der Mensch heit zwischen seinen Mauern beherbergte.

Darmstadt. Am 1. Nov. Abends 6 Uhr 31 M. wurde hier ein von vielen Personen empfundener, schwächerer kürzerer Erdstoß beobachtet. Namentlich im Herrngarten war die Erscheinung sehr deutlich zu beobachten.

Darmstadt. Die von uns gemeldeten Erderschütter⸗ ungen vom 1. Novbr. wurde im ganzen Odenwald und der Bergstraße verspürt.

chönberg. Am 1. Nov. Abends ½7 Uhr wurde bier eine ziemlich heftige Erderschütterung verspürt. Die Richtung schien von Südwest nach Nordost zu gehen.

Pfungstadt. Am 1. Nov. Abends 7 Uhr 35 M. fand ein heftiges Erdbeben statt. Zuerst Rülfteln des Hauses und dann ein starker Stoß von Nordwest nach Südost, am 30. Oct, fand innerhalb 10 Minuten ein vier⸗ maliges Zittern und Beben statt, aber nicht stark.

Nieder⸗Ramstadt. Am 1. November, Abends kurz vor 8 Uhr, wurde hier ein intensiver Erdstoß ver⸗ spürt; die Bewegung schien sich von Südwenen nach Noctosten fortzupflanzen. 10 Minuten nach 8 Uhr wurde ein zweiter, jedoch minder starker Stoß verspürt und

Allerlei. 9

Frankfurt. Der Verein für Geographie und Stati beginnt am bevorstehenden Mittwoch seine Winterv lesungen. Herr Carl Mauch von Stuttgart wird die selben mit einem Vortrag über seine Entbeckungsre in Südafrika, speziell über den Stamm der Makalaf und die Ruinen von Zimbabye eröffnen.

1Abends zwei 17jährige Burschen verhaft welche unter dem Verdacht eines Raub ⸗Anfalles stehen Die von ihnen mitgeführten Prügel hatten eine höchff respectable Länge und Dicke. 1 Frankfurt. Auf der großen Bockenheimergasse wurde eine Gesellschaft, welche sich nächtlicher Weile dem Hazarhe spiel hingab, ausgehoben.

Frankenthal. Am 11. November will Mei Hamm den zweiten Guß der Kölner Kaiser⸗Glocke vo nehmen. ö

Diez. Vor einigen Tagen sind 20 Sträflinge, darunter der Raubmörder Koch, aus dem Zuchthause dahier 5 jenigen zu Kassel zugeführt worden. Es waren größte theils Leute, welche wegen schwerer Verbrechen Strafe gu verbüßen haben; eine Anzahl von ihnen gehörte zu den Renitenten, welche vor Kurzem sich geweigert hatten, ihn Arbeit in der Marmorfabrik zu verrichten. Die Stra Anstalt dahier ist ziemlich überfüllt.

Geestemünde. Die Nordseezeitung berichtet von einer interessanten Thatsache, die sich vei den Texrainstudie des großen Generalstabs unter Moltke's Führung ergab.

des Kriegs mit Frankceich ein Heer von 30 40,000 Mann in Cuxhaven landen werde. Den Feind zurückzuhalten, würde dann die Aufgabe einer deutschen Heeresabtheilung sein, und dieser die genaueste Kenntniß des Terrains

verschaffen, war der Zweck des Aufenthalts des Stabe zwischen Weser und Elbe. Dabei erkundigten sich die Officiere bei den Bauern, ob es möglich sei die ausge⸗ dehnten Moorflächen in der Umgegend von Bederkesa zu durchreiten und erbielten die Antwort: Wohl, wenn man den Pferden Holzschuhe anlege. Von Pferdeholzschuhen hatten die Officire noch nie gehöct und staunten nichl wenig, als die Moorbewohner mii solchen, seit undenklicher Zeit dort gebräuchlichen Dingern hervorkamen. Man legte den Officierpferden die Schuhe an und ein Ritt des großen Generalstabes durch das Moor glückte vollkommen.

Pompeji. Bei den Ausgrabungen hat man wieder einen interessanten Fund gemacht, Man stieß nämlich auf den Laden eines Bäckers, in dem drei volle Frucht kasten und eiwa 600 Kupfermünzen vorhanden waren. Der Backofen voll Brod war zubereitet.

Verloos ungen. Vorm. Nassauisches proc. Domanial⸗ Anleyen von 1837. Wiesbaden, 15. October. Rück zahlbar am 1. Februar 1874 Lit. A. a fl. 100. Nr. 34 35 70 252 293 309 490 510 590 625 692 695 899 921 1019 1054 1230 1303 1497 1553 1709 105 1996 2030. Lit B. a fl. 200 Nr. 30 197 243 257 5. 557 702 750 839 945. Lit. C. a fl. 300 Nr. 62 164 172 245 283 343 425 576 592 612 667 816 900. Lit D. a fl. 400 Nr. 128 169 196 342 371 477 661 743 919 976. Lit E. a fl. 500 Ne. 8 89 146 243 397 435 543 561 572 689 751 783 816 878 1059 1295 1310 1400 1448 1561 1599 1631 1713

Frankfurt. Auf der Bornheimer Heide wurden auf d.

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1939 1983 2124 2145 2171 2279. Lit. F. a fl. 1000 Nr. 96 138 160 202 367 394 432 518 561 602 7% 822 929 979 1022 1074 1145 1303 1334 1355

1533 1635 1647 1678 1824 1881 1989 1993 20 2163 2183. Rückzahlbar am 1. August 1874. Li 4. a fl. 100 Nr. 156 168 183 262 271 392 527 559 619 681 71 859 891 923 1118 1132 1140 1303 1463 1489 1662 1743 1857 2053 2082 2084. Lil. B. a fl. 2 Nr. 50 121 200 303 382 398 476 537 607 798 6ʃ9 829 973. Lu. C. à fl. 300 Nr. 73 114 134 203 285 410 503 696 730 882 888. Lit. O. a fl. 400 Nr. 40 105 172 221 303 320 423 584 713 799 881 914 996, Lil E. a fl. 500 Nr. 110 112 144 189 203 204 340

466 496 546 673 722 742 866 875 1038 1045 123

1329 1865 2024 2227 2258. Lit. F. à fl. 1000 Nr. 30 84 181 258 303 470 510 577 586 648 712 782 846 865 945 1005 1057 1081 1179 1287 1367 1377 1579 1676 1832 1874 1893 2023 2088 2117 2141 und 2212.

Obligationen der Stadt Gießen. 28. Sepiember. I. 4proc. Anleihe: Lit B. Nr. 29 500 fl. Lu. C. Nr. 31 50 6f 72 78 e 100 fl. II. 3 proc. Anleihe: Lit. A. Nr. 25 32 33 à 1000 fl. Lit 5. Nr. 74 80 141 166 231 242 à 500 fl. Lu. C. Nr. 120 167 191 194 211 260 303 383 2 100 fl. Lit. D. Nr. 76 106 à 50 fl. Nückzahlbar bis 31. December.

D. Frankfurt a. M., 4. November. Die Spec lation bal sich wieder einmal überstürzt. Die Skeigerung will keine weiteren Forischritte machen, weil die Völk nech nich: in sich gesundet ist, um die längere Dauer eu Volwärtsbewezung, wie sie Ende der letzlen Woche stall⸗ sanb, ertragen zu können. Dem beuligen Geschäfte 0

1 Kauflust jedes Animo und unterlagen daher nicht allein die Speculationseffecten, sondern auch

säwmtliche Nebeupapiere, wie Bahnen und Banken, nit unerheblichen Rückgängen. Das Privatpublikum, das auf eine weitere Hausse rechnete, scheint seine Einkaufe, da be⸗

wiederholten sich in der Nacht mehrere leichte Erschül⸗ terungen. 0

elbe nicht eintritt, ebenfalls wieder eingestelli zu haben.

Auch Berlin gibt eine maltere Haltung kund, wie es de

1362 1460 1479 1568 1649 1776 1785 1801 ff

Gießen, 0

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