handlung. Bekanntlich hat der Nationalrath mit großer Mehrheit beschlossen, den Rekurs als unbegründet abzuweisen. Der Ständeralh ist dem Hrn. Mermillod nicht viel gnädiger gewesen. Mit 26 gegen 13 Stimmen hat er sich dem national räthlichen Entscheide angeschlossen und Hr. Kaspar Mermillod hat also nichts mehr zu hoffen. Dieser ständeräthliche Beschluß war das Ergebniß einer siebenstündigen Discussion.
— Der Nationalrath und der Ständerath wurden am 2. d. M. von ihren Präsidenten nach Hause entlassen.
Frankreich. Paris. Das„Paris⸗Journal“ schreibt: Angesichts der ernsten Lage Spaniens sind Befehle nach Rochefort und Toulon ergangen, drei Corvetten nach der spanischen Küste zu ent⸗ senden; das Mittelmeer ⸗Geschwader sei gleichzeitig angewiesen, sich zum Auslaufen bereit zu halten.
Nancy. Vor der Räumung der Stadt am 1. d. hielt General Manteuffel auf dem Stanis⸗ lausplatz Morgens 6 Uhr eine Revue über die Truppen ab. Nach dem Abzug war ein großer Jubel unter der Bevölkerung, die Glocken wurden geläutet, Fahnen ausgesteckt und Hochs auf Thiers und die Republik gebracht. Abends war großer Zapfenstreich, welcher von den Pompiers unter zahlloser Betheiligung und Wiederholung der Kundgebungen ausgeführt wurde. 3
Großbritannien. London. Die Weg⸗ nahme der spanischen Schaluppe„Vigilante“ durch die deutsche Fregatte„Friedrich Karl“ wird von der„Morning Post“ vom streng völterrechtlichen Standpunkte erörtert und als durchaus unanfecht⸗ bar erklärt.„Es war— heißt es in der be⸗ treffenden Betrachtung— kein wirklicher Offizier an Bord, noch hatte die Schaluppe Papiere, welche ihr das Recht verliehen, unter spanischer Flagge zu segeln. Sie war entweder unter solchen Umständen als Piratenschiff oder als verlassen zu betrachten und in beiden Fällen stand dem deutschen Schiffe das Recht zu, Beschlag auf sie zu legen. Daß der deutsche Capitän in seinem Rechte war, ist somit unstreitbar, wenn auch die Pflicht, welche er erfüllte, gerade keine angenehme war.“
Spanien. Madrid. Die von den Insur⸗ genten nach Almeria gesandten Fregatten haben, an der Eir nahme der Stadt verzweifelnd, die dortigen Gewässer am 31. Juli verlassen.
— Ein Telegramm aus Sevilla bestätigt die Nachricht der Brandlegung öffentlicher Gebäude durch Insurgenten vermittelst Petroleum.— Die Insurgenten in Cartagena rüsten die Fregatte „Mendez Nunez“ und den Kriegsdampfer„Fer⸗ nando“ aus, um Truppen nach Valencia zu bringen. — Bei der Beschießung von Almeria ist das Haus des deutschen Consuls trotz der aufgezogenen Flagge zerstört worden. Die Behörden von Alicante erbaten Verstärkung.
— Mehrere Straßen Sevilla's wurden vor dem Einmarsch der Truppen geplündert. Valencia befindet sich noch in der Gewalt der Insurgenten. Granada hat seine Uebergabe angeboten. Mehrere Kriegsschiffe werden aus der Havanna erwarlet.
Rußland. Petersburg. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen vom Kaiser bestätigten Reichsrathsbeschluß, wonach die Redacteure der von der interimistischen Censur befreiten Zeit⸗ schriften von der Hauptpresseverwaltung benachrichtigt werden sollen, wenn die Besprechung wichtiger Staatsfragen durch die Presse der Regierung zeitweilig inopportun erscheint, wonach ferner der Minister des Innern berechtigt ist, die Herausgabe einer Zeitschrift bis zur Dauer von 3 Monaten zu verbieten, wenn die Gründe für die Maßregel fortdauern und denselben zuwidergehandelt wird.
Amerika. Newyork. Wie der ameri- kanische Correspondent der„Times“ meldet, ist das Kriegsgericht, vor welches die gefangenen Modoc⸗ Indianer in Fort Klamath, Oregon, ge— stellt werden sollen, von General Davis ernannt worden. Die Verhandlungen werden, wie man erwartet, fünf oder sechs Wochen in Ansprüch nehmen. Zwei der angeblichen Oregon- Freiwilligen, die an der Nieberwetzelung der gefangenen Modocs Theil nahmen, sind verhaftet worden und es wird ihnen ebenfalls der Proeeß gemacht werden..
50jährige Dienstleistung in demselben in entsprechender
Assisensitzung verurtheilten Bierkcawaller, fest aneinander⸗
fahren und doch nur ganz unerheblich verletzt zu werden. Ein 70jäbriger Maschienenschlosser auf dem hiesigen Offen⸗ bacher Babnhofe ging nämlich am Donnerstag Abend
Vereins stalt.
tretern auch solche aus dem Großherzogthum Hessen und aus Nassau eingefunden.
Aus Stadt und Land. f
Friedberg, 4. anch 1873. Heute Nachmittag brannte es in dem Graf schen Häuse auf der breiten Straße. Der rasch herbeigeeilten Hülfe gelang es das Feuer in einer Stunde zu bewältigen. Es brannten der obere Stock des Graf'schen Hauses, sowie die Hinter⸗ gebäuden ab. Soeben bei Schluß der Redaktion stürmt es schon wieder, es brennt in dem benachbarten Wisselsheim.
Bad⸗Nauheim. Der bekannte und beliebte Musik⸗ director Ed. Neumann wurde am Freitag Abend auf dem Wege nach seiner Wohnung von einem Schlaganfall be⸗ troffen und starb nach kurzer Zeit in der Fritz'schen Con— ditorei in den Armen seiner Gattin.
Bad⸗Nauheim. Herr Hoftheater-Regisseur Fallen⸗ bach aus Darmstadt beabsichligt im hiesigen Cursaal 2 Vorlesungen über Shakespeare's Hamlet und Macbeth zu halten. Bezüglich einer in Offenbach gehallenen Vor⸗ lesung lesen wir von da vom 5. Januar: Hr. Hoftheater Regisseur Fallenbach aus Darmstadt hielt gestern Abend im Saale der hiesigen Loge einen Vortrag über„Hamlet“ von Shakespeare, der ganz geeignet war, die zahlreichen Zuhöcer in den Geist dieser erhabenen Dichtung einzu⸗ führen. Er las nämlich nicht blos die wichtigsten Stellen aus demselben mit feinster Betonung und enisprechender Mimik vor, sondern erläuterte dieselben auch in sachdien⸗ lichster Weise, so daß die vorkommenden Charactere in scharfen Umrissen an dem geistigen Auge vorüber gingen und der logische Verlauf der Handlang selbst klar wurde. Wir danken deshalb Herrn Falleubach für den uns be⸗ reiteien Genuß und sehen seinen weiteren Vorfrägen mit Spannung entgegen.
Mainz. In dem weltbekannten Musikaliengeschäft B. Scholt's Söhne hier wurde am 30. Juni das 100 jährige Bestehen der Firma und gleichzeitig von 3 Arbeitern die
Feierlichkeit begangen.
Mainz. Ein angekündigtes social⸗demokcatisches Blatt konnte nach der„Mainzer Ztg.“ nicht ausgegeben werden, weil—„die Concession noch nicht eingeholt worden war.“ — Statt dessen wurde ein Flugblatt an das arbeitende Volk im Rhein- und Maiugau ausgegeben.
Allerlei. Friedberg. Vorsichtsmaßregeln beim Gewitter. Franklin, der berühmte Erfinder des Blitzableiters,
empfiehlt in Häusern ohne Blitzableiter, als Vorsichis maßregel, Vermeidung der Nähe des Ofens oder Kamins, weil der Ruß ein guter Electricitätsleiter sei; ebeuso die Nähe von Metallen und Spiegeln, und als sichersten Platz während eines Gewitters über uns möglichst die Mitle des Zimmers; doch dürfe kein Kronleuchter über uns hängen. Außerdem mehrt sich die Gefahr, durch die Menge zusammengedrängter Menschen oder sonst lebender Wesen. Es ist also gut während eines Gewitilers große Versammlungen in Theatern, Kirchen ꝛc. zu vermeiden oder zu verlassen und selbst zu Hause dafür zu sorgen, daß sich die Famile nicht surchtsam in ein Zimmer zu⸗ sammendränge. Die lebenden Wesen bünsten nämlich, be⸗ sonders in der Schwüle einer Gewittertemperalur, Wasser⸗ dämpfe aus und diese bilden, wie feuchte Luft und Wasser, einen Electricitätsleiter; darum werden auch zusammen⸗ gedrängte Schafheerden im Freien besonders häufig vom Blitze getroffen. Dasselbe gilt von feuchten Haufen, Ge⸗ traide, Vegetabilien und sonstigen ausdünstenden Massen.
Frankfurt. Am 31. Juli wurden die in letzter
gekettet in's Zuchthaus nach Dietz abgeführt. ö Sachsenbausen. Das ist sichei ein seltenes Glück, unter eine Locomotive zu gerathen, von derselben über⸗
gegen 7 Uhr unvorsichtigerweise an einer anfahrenden Locomotive vorüber, wurde um und unter dieselbe ge⸗ worfen und durch den über ihn wegfahrenden Coloß mittels des Aschenkastens nur leicht über einem Auge und am Rücken verletzt.
Pforzheim. Am 30. Juli fand in unseren Mauern die 28. Jahresversammlung des badischen Gustav-Adolf⸗ Dabei halten sich außer badischen Ver-
Nach dem Jahresbericht war das letzte verflossene Vereinsjahr das ergiebigste seln dessen Besiehen, da sich die Einnahmen des Vereins 1872 auf 220,000 Thlr. stell ien. 5
Erfurt. Der Nachmittags 1 Uhr 32 Min. hier ab⸗ gehende Schnellzug nach Eisenach erlitt am 27. Juli durch Entgleisung einer Rangiermaschine auf bem Güterbahnhose eine Verzögerung von einigen Stunden. Am 28. Juli früh verspätete sich dec sonst 11 Uhr in Weimar abgehende
Schnellzug nach Etsenach um 30 Minuten wegen einer! Slörung in Apolda an der Stelle des berüchtigten Erd- rutsches. 81 Gotha. Die Annalen der Thüringischen Eisenbahn füllen sich von Tag zu Tag mehr mit größeren oder kleineren Unglücksfällen. Am 29. Juli früh zwei 1 entging der Nachtschnellzug Nr. 1 mit genauer Noth einem Mißgeschick, das gerade diesem Zuge(demselben, der jünß bei Fröttstedt enigleiste) anzuhängen scheint. Von einer defecten Maschine geführt, gelangte der Nachtschnellzug mühsam bei hiesigem Bahnhofe an, ohne daß ein weiterer! Unfall passirt wäre, als daß die Passagiere Gelegenheit fanden, sich die Restaurationszimmer des Gothaer Bahn⸗ hofes einmal bei Nacht anzusehen und nach Bedarf auch ein freilich ewas spätes Souper daselbst einzunehmen.“ Der Aufenthalt dauerte„nur“ eine gute Stunde. Eine!
inzwischen beschaffte andere Locomotive führte
ihren diversen Bestimmungsorten entgegen. Königsberg. Der Ausbruch der Cholera wird officiell bestätigt; vom 6. bis 26. Juli sind 29 Personen erkrankt und 19 gestorben. Viel Schuld zu diesen Vor⸗ gängen tragen die Einwanberungen der unbemittelle Joraeliten bei, die gewöhnlich dort schon krank und 405 ankommen. Die Regierung hat sich in Folge dessen au veranlaßt gesehen, diese Isrgelilen nach ihrer H
zurückzusenden. Einige 30 sind zwangsweise ausgewiesen,
während ca. 50, von dem Israeliten-Verein unterstützt,
nach ihrer Heimath zurückgelehrt sind.
Wien. Der Chef der Otio Wigand'schen Buchhanb⸗ 1
lung in Leipzig, Hr. Hugo Wigand, ist hier am 29. Juli an der Cholera gestorben.
D. Fraukfurt a. M., 2. August.(Börsenwoche vom 26. Juli bis 2. August. Nach den ersten matten Tagen unserer Berichtswoche und ungewöhnlich stillem Geschüfte trat plötzlich am letzten Mittwoch eine ein, an welcher nicht allein Speculationswerthe, sondern auch Bahnen und Banken theilnahmen. Als Veranlassung dieser unerwarteten Erholung, welche eine längere Dauer zu erreichen verspricht, werden durch den Ultimo berbei⸗ geführte Deckungskäufe der Contremine angegeben. Fernen soll sich ein Hausseconsortium in Berlin zum Ankauf ent. wertheter Effecten gebildet haben. Wir möchlen jedoch weniger den beiden erwähnten Momenten, als vielmehr dem Umstand die seste Stimmung der Börsen in Berlin und bier zuschreiben, daß die Situatton sich am erstge⸗ nannten Platze wesentlich gebessert und der Ultimo ohne die befürchteten Insolvenzen ꝛc. vorübergegangen sei.
Andererseits trug auch die günstige Lage des Geldmarktes,
welche, beiläufig erwähnt, die Liquidation sehr erleich erte. endlich dazu bei, das Geschäft zu beleben. Die Disconto⸗ herabsetzungen der preußischen und englischen Bank, sowie anderer Banken constatiren die wechselnde Geldabundanz, jedoch auch die Thatsache, daß das flüssige Capital vor⸗ läufig die Börse meidet und einer weneren Klärung der Verbälinisse noch entgegensieht.— Ereditactien mit 2260 eröffnend, gingen bis Miltwoch auf 219½ herab, um heute mit 228 ½ zu schließen. Staatsbahn bewegten sich zwischen 349 ½—343½ u. 349. Man schätzt ihr Wochen⸗ plus auf mehr als fl. 250,000.— Lombarden varfirten zwischen 194½— 192¾ und 194½. In anderen österr. Bahnen trat erst in den letzten Tagen eine bessere Tendenz ein. Deulsche Bahnen sest bei stillem Geschäft. Obgleich auch Bankwerthe an dem neueren Aufschwung der Börse parlicipirten und einzeln bei etwas höheren Coursen sich gefragt zeigten, so waren doch diese Coursaufpesserungen nicht groß genug, um die früheren Rückgänge auszugleichen. Höher blieben: Baubank 2½% Continental 10%, Fraukf. Bank/%. Deulsche Creditbank, Wechslerbank und Hypothekenbank fest. l gesellschaft vernehmen wir, daß dieses im Waarengeschäft glücklich operirende Institut seinen Commanditen in Amster? dam und New-Pork gegen Ende dieses Jahres eine Commändite in London beifügen wird. Am Anlagemarkle fand eine stete, wenn auch nicht sehr lebhafte Nachfrage
nach beliebten Wertben statt, die jedoch hinreichie, nicht
unbedeutende Coursavancen herbeizuführen. Amerikaner
sest und steigend. Spanier stagnirend. Prioritäten größten⸗
theils besser. In Pfandbriefen war Begehr, namentlich
nach Russ. Bodencredit und Nass. Landesbank. Obli⸗ gationen, fremde Wechsel wenig auimirt. Geld flüssig.
Aufrage. Oesterreichisehe Gulden!!
a Sicherem Vernehmen nach wird in nächster Zeit ein amtliches Verbot erscheinen, wo⸗ nach die österreichischen Guldenstücke, welche bereits in allen öffentlichen Cassen unzulässig sind, auch im Privatverkehre nicht mehr ausgegeben werden dürfen. Da nun solche Münzen nur mit Berlust wieder fortgeschafft werden können, so wird es räthlich sein, um deren Zufluß in hiesige Gegend zu verhindern, den österreichischen Gulden jetzt schon nicht höher ale 1 fl. 8 kr. anzunehmen und bei Abschluß von Geschäften, um Streitigkeiten zu vermeiden, zu bedingen, daß sie an Zahlung nicht höher angenommen werden. Was thun die hies. Kaufleute dagegen? Nimmt si ch der Handelsverein nicht der Sache un und veranlaßt gemeinsames Vor⸗ gehen? 51 0
Auch kälnicre Wa
von Johann Maria Farina.
Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle ich zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dußzend und 45 kr. per Glas gehorsamst. 5
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als it frischen Kräften die vollkommen aehenbte f, e 15 eee
esserungg
Bezüglich der deutschen Handels
Johann Harig Farina in Con.


