Ausgabe 
4.11.1873
 
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unerwartet zu Ende gegangen. Die verwittwete Erbprinzessin Helene wäre dahinter gekommen, daß der Pater Löffler die meisten der von ihr an ihren Sohn, den im Jesuiten-Collegium zu Feld · kirch erzogenen minderjährigen Fürsten Maximilian, gerichteten Briefe zu unterschlagen für gut be⸗ funden hat. Man ist einigermaßen gespannt dar⸗ auf, ob die hohe Dame ihre bisher dem Ultra montanismus geliehene Unterstützung nach diesen Erfahrungen noch fortsetzen und wie sich in Folge davon ihr Verhältniß zu dem bischöflichen Palais in Regensburg gestalten wird.

Speyer. Nach zweitägiger, lebhafter, mit unter sogar hitziger Debatte hat die General- Synode mit 33 gegen 27 Stimmen am 29. Oct. den Antrag angenommen, daß die gegenwärtig im Gebrauch stehende Agende einer Revision unter zogen werden möge. Die Mittelpartei stimmte, wie das Zahlenverhältniß zeigt, mit den Ortho- doxen. Der Antrag war von der Linken ausge⸗ gangen und wurde damit begründet, daß die Agende für viele vorkommende Fälle ein Formular gar nicht enthalte, daß manche Formulare aus Rücksichten des guten Geschmacks für den Gebrauch bedenklich erscheinen oder gar mit den jetzigen Rechts verhältnissen in Widerspruch stehen, daß endlich eine ziemliche Anzahl von Formularen dem jetzigen Stand wissenschaftlicher Schriftauslegung sowie dem religiösen Bewußtsein unserer Zeit ge radezu widerstreiten.

Ausland.

Oesterreich⸗l Ungarn. Wien. DieNeue freie Presse meldet: Graf Chambord habe in Folge ungünstiger Nachrichten über die Restau⸗ rations angelegenheit die Reise nach der franzö⸗ sischen Grenze vertagt; Graf Chambord sei nicht zu bewegen gewesen, ein von dem fusionistischen Unterhändler Falloux aufgestelltes Manifest zu erlassen.

Frankreich. Paris. Die meisten Mit⸗ glieder der Neuner⸗Commission, welche, wie bereits gemeldet, am 30. October zu einer Sitzung zu⸗ sammentrat, hofften bis zum letzten Augenblick, eine Depesche aus Frohsdorf werde der Veröffent⸗ lichung eines Chambord'schen Briefes vorbeugen, der so ziemlich Alles wieder zurücknimmt, was Chambord erst zugestanden hatte. Im rechten Centrum scheint der Brief einen sehr peinlichen Eindruck gemacht zu haben. Das linke Centrum ist in Paris zusammengetreten und hat mit Ein⸗ stimmigkeit eine Nesolution angenommen, des In- halts, daß der Augenblick gekommen sei, aus dem Provisorium herauszutreten und die conservative Republik zu organistren.

DasJournal de Paris bring! das Schreiben Chambord's gleich derUnion an der Spitze des Blattes und begleitet es mit dem Ausdruck des tiefsten Schmerzes, den auch seine Leser dabei empfinden würden. Der Absagebrief an die Tricolore hat dieliberalen Monarchisten überrascht. Heinrich V. lehnt es ab,der König der Revolution zu werden und bleibt, was und wie er ist und war. Er will als König procla- mirt, anerkannt, empfangen sein, ohne Bedingung, ohne Zugeffändniß, so wie man demmoderren Bayard(Mac Mahon) auf sein Soldatenwort geglaubt. Als König erst kaun der Enkel Karls X. nachgeben, wenn es sein muß. Auf diesem Zelde kann er keine Majorität erlangen, es müßte denn der letzte Satz seines Schreibens, worin er vom Zittern der Bösen und der Sicherheit der Guten spricht, indem er die bereits vor 22 Jahren von Louis Napolcon benutzte Phrase citirt, die Furcht samen in der Kammer ihm in die Arme werfen.

3 Marschall Mae Mahon empfängt beharrlich keine der Deputationen, die ihm die Besorgtheit der Bevölkerung um die Republik darstellen sollen, und bleibt bei seinem ersten Worte, er wache über der National⸗Versammlung und schüge ihre Be⸗ schlüsse.

DerAgence Havas zufolge hätte der Marschall Präsident Mar Mahon einem ihn be fragenden Milgliede der Neuner-Commission gegen über erklärt, daß er nicht ansteben werde, auf seinem Posten zu bleiben, wenn die conservative

Majorität geneigt sei, mit ihm die Verlängerung

der Gewalt auf einer neuen Basis zu vereinbaren.

Man versichert, dasJournal officiel werde am 3. November ein finanzielles Exposé

des Finanzministers Magne veröffentlichen, dem⸗

zufolge das Budget von 1874 einen Einnahme⸗ Ueberschuß von 18 Millionen aufweisen würde. Nachrichten aus Versailles bestätigen das Complot im Departement Saone⸗et-Loire und die in Folge dessen in Autun vorgenommenen Ver-

haftungen. Die Untersuchung ist in vollem Gange. Der General Carré de Bellemare, der

schon vor einiger Zeit mit dem Ausschuß für die Revision der militärischen Grade Reibungen hatte, schrieb an den Kriegsminister, er würde nicht im Dienste bleiben können, wenn die Monarchie in Frankreich wieder hergestellt würde. Wie der Moniteur universel zu wissen glaubt, eröffnete ihm der Kriegsminister auf der Stelle als Ant wort, daß er von Amtswegen in Ruhestand ver- setzt sei und unverzüglich sein Commando in die Hände des Divisionsgenerals niederzulegen habe.

Trianon, 29. Oct. Das heutige Zeugen⸗ verhör im Prozeß Bazaine bot sehr interessante Aussagen. Vor Allem war man auf das Verhör des Obersten Magnan gespannt, der, sehr bleich von Gesicht, mit entschlossenem Ausdruck, mit steif⸗ militärischer Hallung und in sehr freiem offenen Ton seinen Bericht abstattete. Er war in der Anklage Schrift Rivière's sehr heftig angegriffen worden, und darum wohl ward ihm vom Gericht eine ziemlich große Freiheit des Ausdrucks ge stattet. Er schien fich von den ihn treffenden An⸗ schuldigungen nicht nur nicht rechtfertigen zu wollen, sondern gestand freimüthig seine persönliche alleinige Verantwortlichkeit für sein Verhalten ein. Er hat sich nicht vom Verdacht rein gewaschen, keine ernst⸗ liche Gelegenheit ergriffen zu haben, um zu Ba⸗ zaine nach Metz zurückzukehren, dem er so wichtige Dinge von der Bildung und dem beabsichtigten Marsch des Mar Mahon'schen Heeres zu berichten hatte. Seine Aeußerung, als Offizier habe er nicht so leicht durch die preußischen Linien kommen können, wie ein gemeiner Mann, und für ihn als Einzelnen sei ein preußischer Ulan einer Armee gleich gewesen, um ihn am Vorgehen zu hindern, erregte ein gewisses Erstaunen. Er gestand ein, daß er nach Kenntniß der Umstände vielleicht anders gehandelt hätte, daß er aber im Moment sich die Sache überlegt und nach seinem Gewissen, vielleicht falsch, aber redlich, gehandelt. Sein ganzer Vortrag schien genau berechnet und trefflich vorbereitet und gewann das Ohr des Präsidenten, der ihn der Klarheit seiner Erzählung wegen be lobte und nicht an die erwartete Verhaftung des Zeugen zu denken schien. Uebrigens ist's vielleicht mit diesem Zeugen noch nicht zu Ende. Seine Beziehungen zum Obersten Turnier von Diedenhofen müssen erst durch des Letzteren Aussage klar ge stellt werden. Magnan gab sich selbst am Ende seiner Aussage das Zeugniß, vom Moment an, wo er nicht mehr nach Metz zurückkehren konnte, seine Dienste der Vertheidigungs- Regierung zur Verfügung gestellt zu haben und fügt bei, daß er

bei der Loire Armee seine Schuldigkeit gethan.

Das ist wahr, er war Stabs- Chef unter dem General Jaures und wurde von Gambetta zum Obersten befördert, welcher Grad ihm nachträglich bestätigt ward. Die Regitrung von Tours kannte aber die heute besprochene Episode damals nicht. Großes Interisse erregte das Erscheinen des muthigen Boten Flahaut, der seine Depesche von Mae Mahon verschluckte und in Metz wieder von sich gab. Diese Depesche soll aber nur das Duplikat einer andern gewesen sein, die der Bote Marchal bereits abgegeben hatte. Nachdem man sie zum Vorschein gebracht hatte, verbrannte sie indeß der Jäger-Offizier de Mornay, ohne sie Bazaine vor⸗ her einzuhändigen. Der wichtige Punkt wird in der Anklage später weiter erörtert werden. Spanien. Madrid. In Cartagena herrschte am 31. October große Aufregung wegen eines Versuches die Junta zu ändern. Die In⸗ surgenten nahmen den griechischen Viceconsul, einen Deutschen, Namens Glrard, welcher der Spionage bezüchtigt wurde, fest. Girard suchte die Inter

vention des deutschen Cousuls nach, um die Fr heit zu erlangen. f eee, Amerika. Newyork. Nachrichten all allen Theilen des Landes melden die 6 der Arbeit in den B umpollenspinnerei 5

Verabschiedung der Abel 1 n

1* 13. 1 Aus Stadt und Land. Gießen. Zu welcher Bedeutung der Viehmarkt hiesiger Stadt gekommen, beweisen nachstehende Ziffern Es wurden nämlich am 1. November aufgetrieben 1060 Stück Rindvieh und 2738 Schweine. Wenn in der Stass selbst für mehr Stallungen Sorge getragen würde, wäre nach der Versicherung von mehreren bedeutend N Viehhändlern die Zufuhr namentlich von Rindvieh ei ganz enorme. Diese Zufubr muß aber unterbleiben, wal das Vieh nicht untergebracht werden kann. a Ortenberg. Letzten Sonntaß kam hierh von Jahren aus Bobenhausen in Gesellscha Kinder und verirrte sich hier in dem Markttrubel. Aben wurde er noch weinend hier bemerkt und soll sodann Stockheim in der Dämmerung gesehen worden sein. Di Knabe wurde zwischen Stockheim und Rohrbach im Fell als Leiche aufgefunden. ö b baressend

Allerlei.

Frankfurt. Die erste Erprobung der im gro Concertsaale des Saalbaues errichteten neuen Orgel führtß] am 30. October eine große Zahl von Musikfreunden da selbst zusammen und wurde denselben durch die meisten

umfangreichen Werk zu Gebote stehen, ein wahrer Kun aenuß bereitet. Die Orgel wird im ersten Concert Cäcilien⸗Vereins in der Aufführung des Oratorium Samson zum ersten Male mitwirken. ite Kam Frankfurt. Die Vorarbeiten zur Ausführung de heiten w eisernen Eisenbahnbrücke für die hessische Ludwigs bahn aben, welche von dem Hanauer Bahnhose in gerader Wich In läng über den Main führen wird, haben begonnen. 8 Berlin. Am 28. Ociober wurde der Afrikareisenb ügtion de G. Rohlfs von dem Kaiser in längerer Audienz em luerschleiff pfangen. Wie man erfährt, bezeigte der Kaiser d miderte d größte Interesse für die neue Expedition Rohlfs, u i 3 verfolgte auf der Karte das zu erforschende Gebiet. 1 über die Austüslung, über die Mittel die Schwierigkeilen eilen Anl. des Eindringens in die e aten zu besiegen, lie ezuglich sich der Kaiser genau Bericht erstatten. 5 00 0 Berlin. In der hiesigen Kunstgießerei von Gladen 5 d beck, aus welcher die großen Königsstaluen auf der Rheine da brücke in Köln und die Victoria der Siegessäule hervon gegaugen sind, wird augenblicklich an einer Copie del Monunents Friedrichs des Großen gearbeitet. Diesel i von unserem Kronprinzen bestellt und zum Geschen! jür den Kronprinzen von Italien bestimmt, welcher de kanntlich bei der Taufe des ane d an prinzen großartige Cadeaux gemacht. Det Pre it Glabenbact besselten Copie wird ca. 10.000 Thals betragen. 116 6% Leipzig. Der berühmte Trompeter von Mars 10 sentsauw. Tour, der aus den Händen des

besungen worden, ist einem harten Tsal anheir 0 Er wurde brusikrank und ist als Invalide mit einer nm sion entlassen worden. DieGartenlaube sucht mmig g einen passenden Posten für ihn, und empfiehlt ihm dei eh mann, Mitleide des deutschen Volkes. 5 f Bremen. Am 27. d. M. farb in Bremen in Folge eines Sch'agsanfalls der in der Lehrwelt Deulschlat rühmlichst bekannte Director des dortigen Lehrersemina, Director Lüben,(der Mitherausgeber des in u 10 Schulen eingeführten Lesebuchs. D. Red.) im Alter von 69 Jabren. 15 Paris. Der Brand der Oper ist noch lauge nit gelöscht. Am 30. Oct. Nachmittags um 3 Uhr 50 aus den Trümmern neue Flammen empor und die Sy arbeiteten mit allen Kräften. Das Löschungswerk. j denfalls-noch zwei oder drei Tage in Anspruch neb Ueber die Enistehung des Feuers fehlt es noch immer jeder sicheren Aufklärung..

D. Frankfurt a. M., 1. November:(Börsenw vom 25. bis 31. October) Die letzte Woche zeigte 1 hun Licht und Schalten im Töesengeschäst oft dicht neber It aum zur anderen sich sehr schroff gestalteten. Zwangsverk und das Gerücht einer Siekontoerböhung der preuß. Bol

allen Werihgebieten, der nach einer kurzen, durch Decku käufe herbeigeführten Aufbesserung, in Folge neuer solvenzen und schlechter auswärtiger Course am Mola Abend in einer panikartigen Bewegung seulminirte. Cee actien erreichten ibren niedrigsten Cours von 2001 1 u tig Dienstagmittagsverkehr trat jedoch auf unfassende Decuuse f, käufe der Contremine eine berubigtere Sum mung und setzte sich die von bier an sieigende Bewegung, guten Nachrichten aus Wien und Berlin unterstützt, heute fort. Am ersteren Platze scheint es der Rege eudlich Ernst zu sein, Maßregeln zur Kräftigung der desolaten Börsenverhältnisse zu treffen, und in Berlin ud die ersten Finanzinstitute bestrebt, durch verschiedene Hülfs⸗

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Ersteulich war auch in den letzten Tagen die wiedererwachlk de

miliel dem Umsichgreisen der Krisis Einhalt zu ln, regere Theilnahme des Privalpukikums, welches bei