Erscheinen vor dem Kriegsgericht. Seine gestrige Vorladung, ehe noch die Reihe an ihm war, sollte ihm wegen jenes Ansinnens zur Rede stellen. Er hat sich den Folgen seiner Erklärung nunmehr entzogen. Während ich diese Zeilen im Gerichts- saal schreibe, findet das Verhör eines wichtigen Zeugen, des Bagnhofsvorstandes in Montmédy, statt, der die Depeschen Mac Mahon's an Bazaine an diesen weiter telegraphirte, damit sie der Major Magnan durch fünf Boten nach Metz befördere. Dieser Zeuge, Thomas mit Namen, erklärt nun seine frühere Aussage als einen Irrthum; er habe die chiffrirte Depesche Mae Mahon's mit der offenen des Kriegsministers verwechselt, die ihm am 19. August 1870 zugegangen, während er die Mac Mahon'sche höchst wichtige Depesche erst am 22. August erhalten und weiter telegraphirt habe; ein bedeutender Umstand für die Anklage. Der Präsident Aumale faßte diese Verschiedenheit der Aussage des Zeugen ernst auf und bedeutete ihm, daß das kein Jarthum sein könne und eine derartige Berichtigung der ersten Aussage vor dem Unter— suchungsrichter als eine Erfindung zu betrachten sei. Auf diesen Punkt wird das Gericht nochmals zurück kommen. Das Verhör der Obersten Stoffel und Magnan, das vermuthlich morgen an die Reihe kommt verspricht der Sitzung ein größeres Interesse zu verleihen. Heute bei herrlichem heiteren Wetter fand sich ein sehr zahlreiches Publikum ein Bazaine behält stets sein gleichgültiges unbesorgtes Aussehen, hört ruhig dem Zeugenverhör zu, hat selten nur durch Lachaud eine Frage zu stellen, macht aber öfters Notizen bei den Aussagen und spielt anhaltend mit seinem Lorgnon, das er in der Hand hält. Er sieht nicht aus, wie ein Mann, der ein schweres Urtheil fürchtet.
Spanien. Madrid. In Barcelona fühlt man sich durch die Bewegungen des Carlisten⸗ führers Tristany beunruhigt, welcher sich von Taragonien her dem flachen Lande bei jener Stadt nähert. Reguläre und Freiwillige werden zusammengezogen, um den Marsch des Gegners aufzuhalten. Die Bahnverbindung zwischen Tara⸗ gona und Barcelons ist unterbrochen.
Italien. Rom. Das„Giornale militare“ veröffentlicht die neuen Armee⸗Organisationsgesetze, wonach die permanente Armee auf dem Friedens- suße 214,000 Mann betrüge.
Aus Stadt und Land.
Gießen. Gutem Vernehmen nach wird nächsten Mon⸗ tag den 3. Nov. das erste europäische Damen⸗Orchester, bestehend in 50 Damen, unter der Direction von Frau Amann⸗Weinlich in Wenzels Garten concertiren, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen.
Offenbach. Am 28. Oct. ersuchte ein Maschinen⸗ bauer, welcher in einer hiesigen Fabrik eine Reparatur vorzunehmen hatte, einen Arbeiter aus dieser Fabrik, ihm die Leiter zu halten, auf welcher er einen Maschinentheil losschrauben und herunter nehmen wollte. Der Arbeiter entsprach diesem Verlangen ohne Arges zu ahnen; kaum halte jedoch der Maschmist die Schrauben an dem Ma⸗ schinentheil losgemacht, so fiel Letzterer, der ein Gewicht von ca. 1 Etr. hatte, herunter nnd dem die Leiter halten⸗ den Arbeiter derart auf den Kopf, daß er besinnungslos
zu nn Je dene zwei lebensgefährliche Wunden
davontrug. Nach dem ersten ärztlichen Verband wurde der Arme, der Familienvater ist, in seine Wohnung gebracht.
Darmstadt. Herr Postsecretär Sch. kehrte am 29. Oct. Morgens um 2 Uhr, nach Erledigung des
Nachidienstes nach seiner Wohnung in der Promenade⸗
straße zurück, als er vor dem von ihm bewohnten Haus ein verdächtig aussehendes Indibiduum antraf, welches einen schrillen Pfiff ausstieß und sich eiligst entfernte. Als er das Hausthor geöffnet und in das Haus eintreten wollte, begegnete er abermals einem Gesellen, der sich un⸗ zweideutig als ein Strohmer“ bocumentirte. Als sich derselbe über seinen Aufenthalt in dem Hause nicht recht⸗ fertigte und zu entweicheichen versuchte, wurde er von Herrn Sch. festgehalten. Es entstand ein Handgemenge, welches damit endigte, daß das Subject von Herrn Sch. zu Boden geworfen und überwältigt wurde. Dem Gauner gelang es dennoch, sich aus seiner fatalen Situation zu befreien. Er zog einen Dolch oder ein dolchartiges Messer und stieß es mit solcher Gewalt nach der Brust des Hetin Sch., daß dieser zurückfahr und der Strohmer die Ge— legenheit zurn Entweichen benußten konnte. Der Dolch⸗ stoß that zum Glück keinen Schaden, da er auf das starke Cigarrenetui in der Brusttasche traf. Das Etui war voll- ständig durchbohrt und die Cigarren zum Theil haarscharf durchgeschnitten.
Darmstadt. Die Gesammtsumme der Schüler in der hiesigen Realschule ist gegenwärtig bei Beginn des Schuljahres 1873/74 630, darunter sind 182 neu aufge⸗ nommen, die stärkste Aufnahme, die je stattgefunden. Er⸗ freulich ist es, daß gerade zu den unteren Classen der Zugang der Aufzunehmenden am stäiksten ist, daß also die Ueberzeugung immer mehr und mehr durchdringt, wie vortheilhaft es ist, wenn der Lehrcursus von unten auf durchgemacht wird. Ebenso erfreulich ist es, daß gerade die Classen, die eine weitergehende Bildung geben sollen, den stärkeren Bestand und Zugang haben, durchschnittlich stwa wie 5 zu 4. Unsere Realschule ist demnach jetzt weitaus die stärkste im Großherzogthum und eine der stärksten in Deutschland.
Allerlei.
Frankfurt. Es sind in jüngster Zeit auf den hie⸗ sigen Bahnhöfen vielfach Diebstähle, einige darunter mit großer Frechheit, an Frachtgütlern ausgeführt worden. Der Polizei ist es nun jetzt gelungen, die Thäter, vier Eisenbahnarbeiter, zu ermitteln und zur Untersuchung zu ziehen.
Hamburg. Die Einquartirung der französischen Officsere im Jahre 1871 halte hier auch manches Liebes⸗ verhältniß geschürzt. Eine junge Witiwe mit einem Ver⸗ mögen von circa 20,000 Mark beging trotz allen Ab⸗ rathens der Verwandten die Unvorsichtigkeit, einem jungen französischen Officier nach Lyon zu folgen. Der Letztere heiraiheie dieselbe auch und legte ein kleines Geschäft an, suchte der Frau das Geld abzuschwindeln und ging dann mit einer früheren Liebe, die angetraute Frau in einem Briefe noch verhöhnend, durch. Die Letztere traf hier unter den traurigsten Umständen wieder ein.
Berlin. In einem hiesigen Blatte finden sich, auf den Raum einer Spalte zusammengedrängt, folgende No⸗ tizen über Eisenbahnen: Am Montag entgleiste bei Bonn eine Lcomotive, raste auf ein Gebäude los, ftürzte aber glücklicherweise in eine Vertiefung. An demselben Tage wurde wegen des Unfalls auf der Neuß Oberkasseler Strecke, bei welchem 5 Personen getödtet wurden, der Bahnhof- Inspector zu 3 Monaten, der Telegraphist zu 6 Wochen, der Bahnwätrter zu 3 Wochen Gefängniß ver⸗ urtheilt, kommen auf jeden Todten 4 Wochen 2 Tage.— Am Dienstag stießen 2 Güterzüge bei Moabit zusammen, der eine wurde größtentheils vom Damm herunterge⸗ worfen, eine große Zahl von Rindvieh getödtet.— Am Mittwoch kam der Halle'sche Courierzug um 3 Stunden zu spät, weil die Locomolive durch Schwellen beschädigt wurde, welche auf den Geleisen lagen. An demselben Tage waren die Passagiere in Neustadt⸗Eberswalde, da der Zug sich verspätete, wegen Mangels eines Schutzdaches
Anhalter Bahn an Betriebsmitteln feblt. Unmittelbar binter diesen Notizen liest man nun: Mehreinnahme bis Ende September 1873 gegen 1872 Ende September für die Magdeburg⸗Halberstädter Eisenbahn 253,010 Thaler,
die Thüringer Eisenbahn 258,205 Thaler, für die Werra⸗ Bahn 47,767 Gulden. 5
Friedberg. Eine bereite mit vielen Unter ⸗ schriften versehene Dankadresse an den Kaiser kann bei der Expedition des Oberhessischen Anzeigers, Samstag und Sonntag den 1. und 2. November, noch weiter unterschrieben werden. Die Adresse lautet:
Allerdurchlauchtigster Großmächtigster Kaiser, Allergnädigster Kaiser und Herr!
Ew. Kaiserliche Majestät sagen auch die aller⸗ unkerthänigst Unterzeichneten mit Stolz und Freude Dank, innigen Dank für die neueste That im Kampfe gegen fremde Uebergriffe und Anmaßung.
Gott segne auch fernerhin den deutschen Kaiser!
D. Frankfurt a. M., 30. Oct. Nach der gestern Abend noch recht sesten Tendenz zeigte sich heute in der ersten Hälfte des Geschäftes eine kleine Ermattung, die auf einige Realisationen und außerdem auf die Meldung zurück⸗ geführt wurde, daß die preußische Seehandlung den Weg der gewöhnlichen Bombardirung nicht verlassen werde. Festere Berliner Course und bedeutende Deckungskäufe be⸗ wirkten aber gegen Schluß wieder eine fesicre Stimmung, welche ferner durch die auten Nachrichten aus Wien, welche eine Seitens der Regierung dem Geldmarkie zu leistende Hülse in Aussicht stellen, einen willkommenen Stützpunkt erhielt. Der flüssige Geldstand am biesigen Platze veranlaßt einen völlig normalen Lauf der Ultimo⸗ regulirung. Prolongationen sind leicht zu 4½% zu be⸗ weikstelligen. Credttactien zahlten heute einen Deport von ca. 30 kr. Dieselben bewegten sich bei lebhaftem Verkehr von 210½— 211½. S taaisbabn schlossen 330 ½, Lom⸗ barden 159½. Die günstige Haltung der Börse konnte
bleiben. Bahnen, sowie Banken gehen meist mit Cours⸗ beraufsetzungen oder in fester Haltung aus dem heutigen Verkehre hervor. Amerikaner fest. Von Wechseln Wien niedriger.
Geld ⸗ Cours.
Frankfurt am 30. October 1873. Preußische Friedrichsd'or fl. 9 58—59 Piilen„ 9 41—43 Holländische fl. 10-Stücke„ 9 52—54 Dien„ 5 34—36 Ducaten al mareo„ 5 36—38 20-Frankenstücke„ 92 ½½—22½ Englische Sovereigns 5„ 11 49—51 Russische Imperiales„ 9 41—43 Dollars in Gold„ 2 25½s— 26
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