Deutsches Reich.
Darmstadt. Nach dem„Reichs Anzeiger“ wurde Reuling, Pr. Lt. vom 4. Großh. Inf.“ Regt.(Prinz Carl) Nr. 118, zum Hauptmann und Compagnie-Chef, Heim, Sec.⸗Lt. von dems:. Regiment, zum Premier-Lieutenant, Hogrewe, Hoff mann, Unteroffiziere von dems. Regt., zu Port.“ Fähnrs. befördert. Ehrhardt, Oberst⸗Lieutenant vom 4. Pos. Inf.⸗Regt. Nr. 59, mit der Führung des 3. Großh. Inf.-Regts.(Leib Regt.) Nr. 117, unter Stellung à la suite desselben, beaustragt; Dr. Mayer, Ober⸗Stabsarzt 1. Klasse un Regi- ments Arzt vom 4. Großh. Inf.⸗Regt.(Prinz Karl) Nr. 118, bei der Großg.(25.) Division mit der Wahrnehmung der divisionsärztlichen Fune⸗ tionen beauftragt; Winter, Oberst und Comman- deur des 3. Großh. Inf. Regts.(Leib Regt.) Nr. 117, mit Pension und der Regiments Uniform, v. Klipstein, Rittmeister und Escadrons-Chef vom 2. Großh. Dragoner⸗Regiment(Leib⸗Drag.⸗Regt.) Nr. 23 als Major mit Pension und der Regi-
ments⸗Uniform, Dr. Jäger, Stabs- und Bataillons
Arzt vom Füs.⸗Bat. des 1. Großh. Inf.⸗(Leib⸗ garde-) Regt. Nr. 115, der Abschied bewilligt.
— Wie den„Ev. Bl.“ von hier berichtet wird, ist dortselbst der Synodal-Ausschuß zur zweiten Lesung des Verfassungs-Entwurfs am 24. d. wieder zusammengetreten. Die Synode wird wegen der noch tagenden zweiten Stände— kammer wohl kaum vor Ende August zur end— gültigen Berathung zusammentreten können.
— Gleich nach Eröffnung des Landtags hatte der Abg. Schröder eine Interpellation wegen Wieder— herstellung der katholisch-theologischen Facultät in Gießen an die Regierung gerichtet. Die Antwort auf dieselbe ist jetzt erfolgt und geht dahin, daß die Frage wegen der wissenschaftlichen Vorbildung Derjenigen, welche sich dem Berufe eines katho—
lischen Geistlichen widmen wollen, von der Regie-
rung gelegentlich des in Ausarbeitung begriffenen Gesetzentwurfs über die rechtliche Stellung der Kirchen- und Religions- Gesellschaften im Staate in Erwägung gezogen werde. Der Gegenstand der Interpellation werde somit nach erfolgter Vor— lage jenes Gesetzentwurfs zur Erörterung gelangen und die Regierung finde es nicht für empfehlens- werth, anßerhalb des Zusammenhanges mit den sonstigen hier einschlägigen Bestimmungen in eine abgesonderte Verhandlung über diesen einzelnen Punkt einzutreten. Der Interpellant hat sich mit dieser Auskunft zufrieden erklärt.
Berlin. Eine Privat-Depesche aus Paris erreg: hier Aufmerksamkeit, welche von einer Scene zwischen Mae Mahon und Broglie von so ernstem Character berichtet, daß in dortigen eingeweihten Kreisen der Rücktritt des Ministers des Auswärtigen erwartet wird. Welche Umstände eingetreten, das hüllt fich noch in Dunkel. Man weiß nur, daß Broglie den Herzog v. Aumale zum Präsidenten machen will, ohne Rücksicht auf die Majorität der Versailler Versammlung zu nehmen.
Ems. Die Königin von Württemberg und die Großfürstin sind am 26. Juni zum Besuche des Kaisers von Rußland hier eingetroffen und haben ihr Absteigequartier in den„Vier Thürmen.“
Posen. Die hiesigen Zeitungen melden, daß, nachdem sich der Erzbischof Ledochowski geweigert
het, dem Schulcollegium den Lehrplan für das
hiesige Geistlichen⸗ Seminar vorzulegen, von den Civilbehörden eine Reviston in dem genanten Seminar abgehalten wurde.
Inowraclaw, Der„Ostd. Ztg.“ wird von einem erzbischöflichen Circular an alle Decane der beiden Erzdiöeesen Mitsheilung gemacht, durch
welches den Geistlichen anbefohlen worden sei, den
Privat- Religioneunterricht in den Kirchen trotz des Verbotes fortzusetzen. Wenn die Polizei, dieses Mißachtens der bestehenden Verordnungen uberdrüssig, einschreiten und die renitenken Geisl⸗ lichen, nachdem Geldstrafen vrigeblich angewendet wurden, in der Kirche oder auch nur auf dem geweihten Kirchhofe verhaften sollte, so soll das Interdict über den Ort verhängt werden. München. In der letzten Versammlung der hirsigen Altkatholiken erklärte Professor Dr. Fried tich auf eine an ihn gerichtete Anfrage sich sehr ent—
schieden für die Wiedereinführung der Communion unter beiden Gestalten, welche eines der Ziele der katholischen Reformbewegung sein müsse schon darum, weil sie den Verföhnungsprozeß mit den getrennten christlichen Glaubensbrüdern, namentlich mit den Protestanten, in hervorragender Weise fördern werde. Professor Friedrich begründete diese seine Erklärung durch Hinweis auf die Ent- ehung und die allmälige Einführung des in der katholischen Kirche herrschenden Gebrauchs des Abendmahlgenasses unter einer(des Brods) Gestalt und zeigte, daß noch im 12. Jahrhundert ein Papst der damals zuerst auftauchenden Gebrauch als eines Verraths am Herrn verurtheilt habe. Der Ausspruch Friedrich's macht hier einiges Aufsehen und man fragt sich, ob auch die übrigen Häupter des Altkathelicismus mit einverstanden sein mögen. Von Döllinger wenigstens, welcher an der Kirche, wie sie vor dem Juli 1870 ge— wesen, bekanntlich festhalten will, und der sich schon mit aller Kraft gegen die Bildung eigener Gemeinden sträubte, glaubt man zu wissen, daßz er seine Zustimmung nicht ertheilt habe.
Regensburg. Am 24. Juni fand bier eine Versammlung von Nichtkatholiken statt, um über Mittel und Wege zu berathen, welche der Com— mandirung nichtkatholischer Soldaten zu Processionen vorzubeugen geneigt seien. Es wurde eine Petition an das Kriegsministerinm angenommen, in welcher dasselbe gebeten wird,„den am letzten Fronleich— namstage von der hiesigen Commandantschaft ignorirten, gesetzlich zu Recht bestehenden Ver⸗ ordnungen für die Zukunft wieder Geltung ver— schaffen und den Petenten hierüber beruhigende Ent⸗ schließung geben zu wollen.“ Zugleich wurde das einladende Comite von der Versammlung gebeten, für die etwa nöthig werdende weitere Betreibung der Angelegenheit sich permantent zu erklären.
Mannheim. Wie der„Schw. M.“ erfährt, wird hier vom October ab eine neue große Zeitung„freistnniger, aber correct nationaler Rich tung“ erscheinen, herausgegeben von dem früheren Eigenthümer der„Neuen badischen Landeszeitung.“
Konstanz. Das Oberhofgericht in Mannheim hat dieser Tage in Uebereinstimmung mit dem preußischen Obertribunel die Entscheidung gefällt, daß die Altkatholiken noch Katholiken seien, und daß ein Angriff auf ihren Gottesdienst unter §. 166 des R. St.- G. falle.
Ausland.
Frankreich. Luneville. Letzten Samstag wurde ein deutscher Offizier, der sich im Casino
von Luntville befand, durch zwei schwere Steine,
welche man durch das offene Fenster auf ihn geworfen hatte, verwundet. Der Platzeommandant erließ in Folge dessen sogleich cine Verordnung, wonach alle Kaffeehäuser und öffentlichen Lokale der Stadt um 9 Uhr Abends geschlossen werden müssen und der Verkehr in den Straßen von 9 Uhr Abends bis 3 Uhr Morgens verboten ist. Bayonne. Der„Agence Havas“ zufolge sind ein französischer Maire und ein Correspondent des Jeurnals„Pays“, welche am 27. Juni nach Vera reisten, von Santa Cruz verhaftet worden Derselbe will sie nur unter der Bedingung frei⸗ geben, wenn die französische Regierung zwei inter— nirte Carlisten ausliefert. Großbritannien. Liverpool. Nach⸗ richten von Cap Coast Castle(Westküste Afrila's) besagen, daß die Aschantee's nach wie vor etwa zwei Tagemärsche entfernt von jener Stadt cam⸗ piren. Hestige Krankheiten wüthen in ihren Reihen. Spanien. Madrid. In der Cortessitzung am 26. Juni zeigte Pie y Margall an, daß die Freiwilligen sich am 25. des Arsenals in Sevilla bemächtigt hätten, um Waffen zu gewinnen. Die Behörden seien überrascht, die Truppen wider— standsunfähig gewesen. Die Regierung habe Ver— stärkungen abgeschickt, ein Theil der Freiwilligen stehe auf Seite der Behörden und hoffe er, die Ruhe wieder herzustellen. ö— In Sevilla haben die Intransigentes Barrikaden gebaut. Die Regierung befft die Unruhen durch Truppen der ihr treuen Freiwilligen- Regimenter zu bewältigen.
*
Italien.
daß das Cabinet in Folge des Kammervotums
vom 25. Juni seine Demisston dem Könige über⸗
reicht habe. Dieselbe sei angenommen worden.
Rußland. Petersburg.„Rußkimie“ hat ein Telegramm aus Taschkend, wonach der Khan von Khiwa capitulirt hat und Khiwa von den Russen besetzt worden ist.
— Der„Russische Invalide“ meldet: Die Orenburg Abtheilung schlug am 24. Mai einen nächtlichen Angriff der Chiwesen zurück. Am 26. Mai griffen 500 Chiwesen die Arrieregarde an, wurden jedoch zurückgeschlagen. An demselben Tage fand die Vereinigung der Orenburg⸗ mit der Mangyschlak⸗ Abtheilung statt. 600 Chiwesen, welche bei Chodjeli standen, ergriffen(wie bereits gemeldet) mit Zurücklassung des Lagers und einer Anzahl Geschütze die Flucht. Am 27. Mai er- folgte die Besetzung von Chodjeli. 5
Amerika. Mexico. Von hier wird ge⸗ meldet, der Gouverneur des Staates Mexico habe eine Anzahl Mönche und Nonnen verhaften lassen, weil dieselben beschuldigt werden, in den Privat- häusern, wo sie seit Aufhebung der Klöster als religibse Genossenschaften gewohnt, unziemliche Beziehungen zu einander gehabt zu haben. Die Nonnen wurden freigelassen, die Mönche zur Be⸗ strafung festgehalten. ö a
Rom. In der Kammersitzung 1975
vom 26. Juni gab der Ministerpräsident bekaznt,
— Es bestätigt sich, daß der sogenannte
Gentral Lozada, der Häuptling der rebellischen Indianer und sonstigen unbetmäßigen Gesindels, mit seinen Anhängern überwältigt und ohne lang—
wierigen Prozeß auf der Stelle erschossen worden ist.
Asien. Calcutta. Nachtichten aus Sumatra
bestätigen, daß die Holländer den Atchinesen behuss friedlicher Beilegung des Streites Schadenersatz für die Beschießung von Coat Mosques und Bezahlung der Kriegskosten angeboten haben; als Gelegenleistung fordern sie nur die Bestätigung gewisser Privilegien. Die Holländer erkennen die Unabhängigkeit des Sultans an und versprechen, sich nicht in die Religiousverhältnisse Atchins (dasselbe ist muh zmedanisch) zu mischen.— Delhi ist ruhig.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Nächsten Samstag, den 5. Juli hält die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ihre Sommergeneralversammlung im Höpl Trapp dahier ab. Jadem wir alle Interessenten, alle Freunde der Natur und die Herren Aerzte hier und in der Umgegend darauf aufmerksam machen, bemerken wir, daß auf der Tagesordnung fleht: Rechenschaftsbericht, Vor⸗ standswahl, Vorträge, gemeinsames Mittagessen, ge⸗ meinsame Excursion nach Nauheim.
Bad⸗Nauheim, 1. Juli. Heute wird Hr. Nammelt, Solotrompeser vom Großherzoglich Hessischen Leibgarde⸗ Regiment in den Nachmittags- und Abendconcerten mit- wirken. Derselbe trat bereits vergangenen Winter in einem Concert hier auf, in dem er stürmischen Beifall erndtete und wird er gewiß allen denen, die Gelegenheit hatten seine vortrefflichen Leistungen damals zu hören, in bester Erinnerung sein.— Wie wir bören, wird von jetzt ab allwöchenflich einmal ein Pistonsolist sich hier hören lassen.
Gießen. Die Viebpreise auf unserem am 24. und 25. d. abgehaltenen Makle waren bezüglich des Rind⸗ viebs im Allgemeinen faft dieselben wie an früheren Märkten; fettes Vieh und frischmilchende Kühe wurden immer noch zu hohen Preisen gehandelt. Schweine da⸗ gegen waren, aber auch nur unbedeutend, billiger,— Auch die aufgetriebenen bedeutenden Massen führten in Folge berrschender Kauflist keine Preisminderung herbei. Auf⸗ getrieben waren gegen 920 Stück Rindvieh, darunter etwa 40— 50 Paar fette Ochsen und gegen 1050 Schweine. Der nächste Markt, der s. g. Kirchenmarkt, einer der be⸗ deutendsten, wird den 8. und 9. Juli d. J. stat finden.
Gießen. Das Schwurgericht vom 3. Quartal l. J. wird seine Sitzungen Dienstag den 1. Juli, Vormittags 9 Ubr beginnen und werden nachbemerkte Anklagesachen zur Verhandlung bezw. Aburtbeilung kommen: Den 1. Juli, Vorm. 9 Ubr, gegen Johs. Schreiner von Peiter⸗
weil, wegen Uikundenfälschung; Verth. ar. Hofg.⸗ Adv.
Hirschhorn. Dens., Nachm. 2 Ubr, gegen 7795 Linker V. von Breungesbain, U'kundenfälschung; Vertb. ar. Hofg., Adv. Dr. Mubl. Den 2. Vorm. 8 Uor, gegen C. Johannes Ling von Weitershain, wegen Diesdstahls; Verib. gr. Hofg.⸗Adv. Dr Neatz. Den 3., Vorm. 8 Uhr, gegen Iicob Böcher von Escheurod wegen Mordversuchs; Verth. gr. Hofg.⸗Adv. Baist.
Dieburg. Am 26. Juni wurde auf dem Wege nach Gundernhausen ein elwa 2jähriges Mädchen von hier durch einen mit Steinen beladenen Wagen überfahren und auf der Steile gelödtet indem die Räder über den Kopf des Kindes gegangen waren. Den Anzeichen nach hatte das
Kind auf dem Wege gesessen und mit 2 andern Kindern
—.
7
Nonners merk dwirth igen,
hel
shrlich 50
1
Uschtig W. 148 satz mmi n Pri 17 , ein ,. eine N ein
(G. bon 1 jung 81


