Ausgabe 
1.4.1873
 
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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer schlägt in seinem Bericht über das Budget vor, an die Regierung das Ersuchen zu richten, die Ober ⸗Forst⸗ und Domänen Direction, die Ober⸗Bau- Direction, die Ober⸗Studien-⸗Direction und die Ober Medicinal Direction, sowie acht Forstämter eingehen zu lassen, die Dienstgeschäfte obiger Mittelbehörden in die betreffenden Ministerien zu verlegen und die hierzu nöthigen Referenten für dieselben zu ernennen. des Finanzausschusses beabsichtigt Niedersetzung einer besonderen Commisston zur Feststellung einer ganz neuen Organisation sämmtlicher Behörden des Großherzogthums in der Richtung bedeutender Verminderung derselben und hierdurch herbeizu⸗ führender bedeutender Geldersparniß.

Berlin, 28. März. Im Reichstag wurde heute das Mänzgesetz in erster Lesung berathen. Der Bundescommissär Michaelis leitete die De batte ein und gab eine Uebersicht über die Aus- führung des Gesetzes betreffs der Ausprägung der Goldmünzen, welches die Basis des gegenwärtigen Gesetzes sei.

Eine von Lasker beabsichtigte Interpellation über das Actiengesetz lautet wörtlich:Hat die Staatsregierung Kenntniß von den Umständen bei Ausführung des Gesetzes über Actiengesellschaften in Folge der Gründung und Verwaltung vieler solcher Gesellschaften? Beabsichtigt die Staats- regierung Abhülfe dagegen zu schaffen und zwar im Laufe der gegenwärtigen Session?

DasDeutsche Wochenblatt erfährt, daß vor der Entscheidung über die katholische Feld⸗ probstei ein Briefwechsel zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Cardinal Antonelli stattge⸗ funden habe, daß dadurch aber nichts an dem Gange der Ereignisse geändert worden sei. Die Gerüchte über den Rücktritt des Grafen Königsmark sind unbegründet.

DieKreuzzeitung vernimmt, daß am 28. März die erste Vernehmung des Geh. Raths Wagener durch den Kammergerichtsrath Stein- hausen stattgefunden hat. DerReichs-Anz. publicirt die Ernennung Achenbach's zum Unter⸗ staats⸗Secretär im Handelsministerium.

Wie verlautet, wird der Kaiser und König am 23. oder 24. April die schon vor längerer Zeit in Aussicht gestellte Reise nach Petersburg antreten. Die Reisebegleitung soll nur aus wenigen Personen bestehen. An ihrer Spitze nennt man den Reichskanzler Fürsten v. Bismarck und den Feldmarschall Grafen von Moltke. Kaiser Wilhelm hat einen so frühen Reisetermin gewählt, um am 29. April in Pe.ersburg sich an der Geburtstags- feier des Kaisers Alexander zu betheiligen. Die Theilnahme des Kronprinzen an diesem Besuch in der russischen Hauptstadt ist nicht zu erwarten. Derselbe wird sich gegen Ende April nach Wien begeben, um der feierlichen Eröffnung der dortigen großen Ausstellung beizuwohnen.

Braunschweig. DieSpen. Z. schreibt in Sachen der künftigen Regentschaft in Braun- schweig:Es ist Thatsache, daß der betreffenden vertraulichen Commission der braunschweigischen Stände der Gesetzentwurf bereits zugegangen ist, in welchem der Großherzog Peter von Oldenburg für sich persönlich als derjenige Fürst bezeichnet wird, welcher die Regentschaft übernehmen solle, im Fall der eventuell erbberechtigte Thronsolger verhindert sei, die Regierung anzutreten. Die ge⸗ sammte, in diesem Gesetzentwurf zwischen der Re⸗ gierung und den Ständen zu treffende Uebereinkunft soll unter die Garantie des deutschen Kaisers ge stellt werden.

Stuttgart, 27. März. Beim Dunkelwerden sammelten sich abermals Pöbelhaufen an, welche einen Kleiderladen in der Marktstraße mit Steinen bombardirten. Nachdem die Läden zertrümmert waren, wurden die Kleider theilweise geplündert, mehrere Plünderer indeß von Bürgern und Gen darmen verhaftet. Das eingetretene Regenwetter hat die Leute heimgetrieben. f

28. März Die Excesse haben sich heute Nacht nicht wiederholt. Die Feuerwehr, die Schützengesellschaft und die berittene Bürgergarde

Ein weiterer Antrag

leisteten Sicherheitsdienst. Die Ansammlungen von Neugierigen wurden ohne Conflicte zerstreut.

Straßburg. Die Delegirten der Handels · kammer, welche kürzlich von ihrer Mission bezüg · lich der Tabaksteuerfrage aus Berlin zurückgekehrt sind, haben Bericht erstattet. In demselben wird besonders hervorgehoben, daß Minister Delbrück ihnen die bestimmte Versicherung ertheilt habe, daß in jedem Falle die Ernte des laufenden Jahres der neuen Steuer noch nicht unterworfen werden würde.

Ausland.

Schweiz. Bern. DenBaseler Nachr. zufolge hat der große Rath von Bern am 29. März die Regierung ermächtigt, in dem katbolischen Jura, wo ein Priestermangel herrscht, die Civil-Ehe pro⸗ visorisch einzuführen.

Spanien. Madrid. Die Truppen des Obersten Vega haben am 23. März bei Conangleu, nicht weit von Vich in der Provinz Barcelona, die auf 2000 Mann geschätzte Carlistenbande Galceran's geschlagen. Letztere stand auf den Höhen von Santa Lucia und San Hipolito und wollte einen Transport überfallen, wurde aber von Vega mit Infanterie und Artillerie ange- griffen und verlor 20 Todte und 60 Verwundete, während die Truppen nur 2 Todte und 5 Ver⸗ wundete zählten. Galceran soll eine schwere Ver⸗ letzung erlitten haben. So wird amtlich berichtet. Nach Briefen aus Vich könnte der Sieg noch be deutender sein, indem diese besagen, daß aus Manlleu am 21. März 3000 Mann Carlisten unter Saballs und Galceran ausgerückt seien, bei denen sich auch des Prätendenten Bruder Alfons und dessen Gattin befanden. Dann wäre die be- siegte Bande jedenfalls die wichtigste Streitmacht der Carlisten in Catalonien gewesen.

Der Kriegsminister erklärte, sein Porte feuille, welches er hatte niederlegen wollen, bei behalten zu wollen, wenn die frühere Organisation der Artillerie wieder hergestellt würde; die Regie⸗ rung gestand dies zu. Wie verlautet, will die⸗ selbe Serrano zum Oberbefehlshaber der ganzen Armee ernennen, mit der Aufgabe, die Disciplin wiederherzustellen.

Aegypten. Port Said. Der italienische DampferIndia ist im Suez⸗Canal gestrandet und werden in Folge dessen alle Schiffe, welche den Canal passiren wollen, hier oder in Suez festgehalten.

Australien. Melbourne. Von den Sand- wich⸗Inseln trifft die Nachricht ein, daß die hawaiische Regierung Willens ist, einen großen Landsteich mit einem guten Hafen, unweit Perl Bay, an die Vereinigten Staaten unter der Bedingung akzu⸗ treten, daß daselbst eine Kohlenstation errichtet werde. Ein Telegramm aus San Francisco über dasselbe Thema ecwähnt, daß, Privatnachrichten aus Honsç lulu zufolge, Capitän Carter, der Be⸗ fehlshaber des britischen DampfersSoouf, den hawaiischen Minister des Innern unterrichtet habe, daß, im Falle die hawaiische Regierung den Ver⸗ einigten Staaten eine Flottenstation abtrete, die britische Regierung dagegen protestiren würde und Unannehmlichkeiten daraus entstehen dürften.

Friedberg. Es mag wohl unsere Nauheimer und Friedberger Leser interessicen, daß der kaiserliche Hofgärtner Hr. Sießmeier im Begriffe stehl, auch Heidelberg mit einer Probe seiner Kunst zu erfreuen. Derselbe ist nämlich damit beschäftigt, den Garten des dortigenEuropäischen Hofes im Style der Anlagen des Frankfurter Palmengartens umzuar betten.

Bad⸗ Nauheim. Angesichts der vielfach ventilirten Salzsteuerfrage dürfte hier vielleicht die kurze Notiz nicht ganz ohne Interesse sein, daß bei der hiesigen Saline der Preis des gewöhnlichen Kochsalzes dermalen 1 fl. 6 kr. per Cir. beträgt, wozu natürlich noch die 2 Thaler be⸗ lragende Steuer hinzutritt. Die Kochsalzproduction unserer Saline kenn auf jährlich 60,000 Ctr. veranschlagt werden, ein Quanium, welches für das Bedürfniß von ganz Ober⸗ hessen mebr wie ausreichend ist.

Gießen. Zum Ersatz des eben jetzt nach Halle ab⸗ gebenden Professors Dr. Cok hat Dr. Otto Wendt in Rostock den Ruf in die biesige juristische Facultät erhalten.

Frankfurt. Der kaiserl. japanische erste Finanz- minister, Okubo, weilt seit d. 30. März in unserer Stadt und stieg im Hotelzum Schwan ab. Er besichtigte

die Werthpapier⸗ Druckerei B. Dondorf u. C. Naumann's Druckerei, in welcher augenblicklich japanisches Papiergeld angefertigt wird.

Frankfurt. Das Verwaltungsgebäude der Ober⸗

behörde der Hanau⸗Bebraer Bahn bei dem neuen Bahnhof in Sachsenhausen, dessen Ausführung den Herren Gebr.

Lönhold übertragen worden, geht mit raschen Schritten vorwärts und wird mit einer Fagzadenlänge von 215 Fuß, bei seiner reichen und geschmackvollen Ausführung, sicher eine besondere Zierde jenes Stadttheils werden. Die zur Anlage der Bahn nöthigen Kunstbauten, deren Ausführung mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, sind ebenfall der obengenannten Firma übertragen worden.*

Wiesbaden. Ein allgemeiner Aerzievereinstag soll im August hier stattfinden und auf demselben das Statut für einen Gesammtverband deutscher Aerzte berathen werden.

Cassel. Seit einigen Tagen ist in hiesiger Stadt wieder die Pockenkrankheit ausgebrochen wahrscheinlich durch Ansteckung von außerhalb. Mehrere Pockenkranke, welche in ihren Wohnungen gepflegt und ärztlich behandelt werden, sind in denselben abgesperrt, und einige andere in dem nächst dem Landkrankenhause neu erbauten Contagienhause aufgenommen.

Kreuznach, 26. März. Am Montag brach hier ein Brand aus, der Menschenleben in Gefahr brachte; derselbe wurde dadurch entdeckt, daß Vorübergehende durch schon

halb ersticktes Hülferufen aufmerksam auf die Feuersgefahr

wurden. Am 25. März nun stärzte beim Abräumen der Trümmer eine Brandmauer um und begrub fünf Arbeiter, von denen drei sofort todt aus den Trümmern gezogen wurden. Ueber das traurige Schicksal der beiden übrigen ist wohl kein Zweifel mehr.

Verloosungen.

4 pCt. Nassauisches Staats⸗Anlehen von 1851.

Ziehung vom 22. Februar 1873. Heimzahlung am am 30. Juni 1873. Lit. A. Nr. 14 71 à fl. 1000. Lil. B. Nr. 4 63 74 98 223 47 52 323 403 23 539 78 631 91 701 34 77 88 à fl. 500 Lit. C. Nr. 49 205 11 72 86 322 31 63 97 402 70 527 643 59 747 50 825 37 46 54 79 912 37 97 à fl. 300. Lit. D. Nr. 16 59 118 66 77 266 71 378 483 584 619 45 52 703 832 86 928 996 1011 110 54 208 87 322 400 10 37 503 53 92 633 35 57 85 786 805 56 80 933 47 54 55 65 67 75 77 à fl. 100. N

D. Frankfurt a. M., 29. März.(Börsenwoche vom 22.23. März.) Nach einer kurzen Belebung des Verkehrs bei Beginn dieser Berichtswoche, fiel die Börse bald wieder in ihr altes Pflegma zurück. Da von keiner Seite Momente eintraten, welche zu einer frischeren Ge⸗ schäftsthätigkeit hätten beitragen können. Hauptsächlich war es jedoch die ungünstige Lage des Geldmarktes, welche die Speculation veranlaßte, in ihrer bisherigen Reserve zu verbleiben und gestaltele sich unter diesen Umständen auch die Ultimo-Regulirung zu einer höchst schwierigen. Prolongationen konnten durchschnitt⸗ lich nur zu 6 ½% und darüber bewerksielligt werden. Da die Anforderungen an die Geldreservoirs der Hauptbanken dulch die April⸗Coupons, die am 5. April wiederum fälligen Contributionsgelderzahlungen und den Geldbedarf der deulschen Regierung, dieselben noch für einige Zeit stark affiziren werden, dürfte auch die beute wieder eingetretene levhaftere Action keinen Anspruch auf Dauer machen können, da ihr als wesenk⸗ liche Stütze, ein leichterer Gelostand vorläufig fehlen wird. Am Speculationsmaikte herrschte im Vergleich zu anderen Verkebhrsgebieten noch eine relative Festigkeit vor. Staate⸗ bahn wurden von 356½ 358 gehandelt. Das heute gemeldete Minus von angeblich nur fl. 55,000 machte einen guten Einduck. Man hofft für öserreich. Bahnen beim Herannahen der Eröffaung der Wiener Weltaus⸗ stellung bessere Einnahmen als dieselben bisher ergaben. Lombarden hielten sich unter dem günstigen Einflusse ibrer Mehreinnahme von fl. 124,000. fest zwischen 202 und 204 ½. Creditaclien vartirten, ziemlich vernachlässigt, zwischen 363½ 2 und 363. Oesterreich. Bahnen verkehrten ohne Animo. Auch deulsche Bahnen unbelebt. Bayr. Ostbahnen etwas matter. Am Prioritätenmarkte fanden bei stillem Geschäft nur geringe Variationen statt. Staatsfonds still und ohne besondere Veränderungen. Für den deulschen Invaliden Fonds sind bis itzt erst 25 Millionen Thaler angelegt. Bankwerthe litten unter dem Einflusse des Ultimo und der allgemein maten Stimmung. Wesentlich höher blieben: Haudelsgesellschaft und Baubank. Deuische Effecienbank fest. Rheinische Effecienbank und Südd. Bank behauptei. Oeslerreich. Nationalbank um fl. 19. niedriger. Von Dividenden⸗ erklärungen erwähnen wir: Vaubank mit 10% Pro rata temporis, Landw. Creditbank mit 5/%; Bankverein Aschaffenburg mit 10%, Darmstädter Balck mit 150%, Darmstädt. Zettelbank mit 7% und Bayr. Wechslerbank mit 70,0. Nächste Woche sollen dem Vernehmen nach auch die Actien der Südd. Immobilienbank an hies. Börse zum Course von 120 eingeführt werden. Die Anmeldungen auf die Actien derOesterreichischen Bankgesellschaft bei Gebr. Sulzbach hier, deren eister Cours auf südd. fl. 271. (in Wien fl. 252) normirt ist, sollen schon solche Dimen⸗ sionen angenommen haben, daß bedeutende Reductionen in Aussicht stehen. Namentlich soll sich süddeutsches Kapital stark an dem Unternehmen betheiligen. Die

Aclien werden am Montag an hiesiger Börse eingeführt. f

Das Geschäft in Loospapieren war ziemlich belebt. Amerik. Prioritäten stagnirend, nur California⸗Pacific J% matter. St. Louis und South ⸗Easlern 69. Letztere Bahn hat für Februar wieder bessere Einnahmen aufzuweisen und scheint uns daher bei der Prosperität der Bahn und deren soliden Verwaltung der jetzige niedrige Cours(sie standen schon 82 bei geringen Einnahmen) nicht gerechifertigt zu sein. Wechsel durchgehends matler. Von Sorten Fried⸗ richsd'or niedriger.

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