protestirt. Sie laden nun die sämmtlichen Inte⸗ ressenten zu einer Versammlung am 28. d. nach Frankfurt in den Saalbau ein, in welcher über die jetzt noch zu ergreifenden Maßregeln berath⸗ schlagt werden soll. Wie man hört, wollen sie unter allen Umständen den Rechtsweg betreten.
Regensburg. Wie dem„Närnb. Corr.“ aus sicherer Quelle mitgetheilt wird, ist auf per⸗ sönliches Verwenden der Erbprinzessin von Thurn und Taxis beim König von Bayern der Aufent- halt und die ganz private Wirksamkeit des Jesuitenpaters Löffler als fürstlichen Erziehers einer Beanstandung zur Stunde entzogen. Der Recurs des Jesuiten Roder, eines geborenen Ober— pfälzer, gegen die bezirksamtliche Ausweisung aus dem Nachbarorte Regensdorf, ist von der Kreis- regierung verworfen. Roder hat Regensdorf be⸗ reits verlassen.
Karlsruhe. Die Besserung in dem Be- finden des Kronprinzen des deutschen Reiches ist in erfreulichem Fortschreiten begriffen. Die Reise in die Schweiz dürfte aber dem Vernehmen nach gänzlich aufgegeben sein. Es wird vielmehr auch die Frau Kronprinzessin in der Kürze hierher kommen und dann mit dem Kronprinzen nach Potsdam zurückkehren.
Straßburg. Der„N. Corr.“ berichtet: Kürzlich kehrte wiederum eine Straßburger Familie, welche ihre Heimathstadt in Folge der Option ver— lassen und ein Fortkommen in Paris gesucht hatte, zurück. Von 5000 Franken, welche dieselbe an Ersparnissen und als Erlös für die hier verkauften Habseligkeiten mit nach Frankreich genommen hatte, ist nur ein geringer Bruchtheil mit zurückgekommen. Trotz allen Bemühungen war es den bedauerns— werthen Leuten nicht gelungen, in Paris in irgend einer Weise ein Fortkommen zu erlangen, und dort, wo sie Hülfe und Unterstützung suchten, bei den Hülfsvereinen, hatte man sie auf die eigenen geringen Mittel verwiesen. Wie die Leute er- zählten, herrscht unter den in Paris befindlichen emigrirten Elsaß-Lothringern ein überaus großes Elend, und viele dieser Armen würden sicher in die Heimath zurückkehren, wenn nicht eben alle Mittel denselben fehlten.
— Es sind jetzt im Ganzen zwölf Professoren
der ehemaligen französischen Akadamie an die neue N
deutsche Universität übergegangen, darunter sechs Professoren der medieinischen Facultät. Die fran⸗ zösischen Professoren der Mediein halten ihre Vor⸗ lefungen in französischer Sprache, was übrigens der Wissenschaft keinen Abbruch thut; nur Pro- fessor Bergmann wechselt in seinen beiden wöchent⸗ lichen Collegien in deutscher und französischer Sprache ab.— Die Zahl der bis jetzt immatri⸗ eulirten Hörer hat 400 bereits überschritten. Das Ergebniß ist ein äußerst erfreuliches und übertrifft selbst kühne Erwartungen.
Ausland.
Schweiz. Der päpstliche Nuntius hat in längerer Audienz bei dem Bundespräsidenten be⸗ züglich der Beschlüsse der Basler Diötesan⸗Con- ferenz Protest erhoben.
Frankreich. Die„Agence Havas“ meldet: In der Erwägung, daß Frankreich einer dauer- haften Regierung bedürfe, hat das linke Centrum beinahe mit Einstimmigkeit beschlossen, der National- versammlung einen Entwurf constitutioneller Re— formen zu unterbreiten, welcher zum Gegenstand hätte: die Verlängerung der Vollmachten Thiers, die Vicepräsidentschaft, die theilweise Erneuerung der Nationalversammlung, die Schaffung einer zweiten Kammer, die Ministerverantwortlichkeit. Wann dieser Entwurf eingebracht werden soll, ist indeß noch unbestimmt.
— Die Nationalversammlung nahm in zweiter Berathung den Gesetzentwurf bezüglich der Zurück⸗ gabe der consiscirten Güter der Familie Orleans an.
— Wie die„Agence Havas“ meldet, ist Thiers in der Sitzung der Commission für den Antrag Kerprel fest auf dem Boden seiner Botschaft und der conservativen Republik stehen geblieben, hat sich im Uebrigen bereit erklärt, alle mit dem öffent⸗ lichen Juteresse und seiner eigenen Würde verträg⸗ lichen Zugeständnisse zu machen. Er hat auf die
Nokhwendigkeit der Verlängerung der Regierungs⸗ gewalt, der Errichtung einer zweiten Kammer und der theilweisen Erneuerung hingewiesen und die ministerielle Verantwortlichkeit, sowie eine Regelung der Beziehungen zwischen der gesetzgebenden und
der vollziehenden Gewalt zugegeben. Man hofft, daß auch die letzten Schwierigkeiten sich ausgleichen werden, und daß die Majorität der Commission, indem sie die Beantwortung der Botschaft ablehnt, sich darauf beschränken wird, eine Tagesordnung vorzuschlagen, worin das Vertrauen der National- versammlung zur Regierung bezeugt und die Noth⸗ wendigkeit constitutioneller Formen, welche einer späteren Debatte vorzubehalten wären, ausge— sprochen wird. 5
— Wie der„Temps“ vernimmt, befänden sich die letzten 200 Millionen auf die dritte Milliarde der Kriegsentschädigung bereits in den Händen des Finanzministers und würden sie wahrscheinlich am 11. Dezember an den deutschen Staatsschatz ausgezahlt werden.
— Die Seine ist um mehrere Fuß gestiegen und die ganze Umgegend von Paris ist über“ schwemmt. In der Stadt selbst stehen fast alle Hafenplätze unter Wasser und die Schifffahrt mußte eingestellt werden, da die größeren Schiffe nicht mehr unter den Brücken durchfahren können. Nur die kleinen Dampfboote, welche den Dienst im Innern von Paris versehen, fahren noch theilweise. Die Meurthe ist bei Nanch aus ihren Ufern ge treten. Der größte Theil der von den Elsaß⸗ Lothringern bewohnten Baracken ist unter Wasser gerathen und dieselben wurden deßhalb nach der Marne, der Aisne und Haute⸗Marne gesandt.
— Der freiwillige Rücktritt des Finanzministers v. Goulard wird in mehreren Blättern als eine ausgemachte Thatsache hingestellt.
— Das„Journal officiel“ erklärt die Angabe des„Paris Journal“, daß zu Brupidres in den Vogesen und an anderen Orken der ausdrücklichen Zusage der Regierung zum Trotz deulsche Sol⸗ daten und Offiziere bei den Einwohnern einquartiert worden seien, für durchaus unbegründet; die ge⸗ sammte Occupations-Armee sei versprochener Maßen 1 Baracken untergebracht.
Anus Oberhessen. Es hat im ganzen Lande vielfach Aufsehen erregt, daß das Hessen-Denkmal dei Gravelotte die Inschrift:„Gewiomet von dem Offizier⸗Corps der hessischen Division“ trägt, während nur die Idee von diesem ausging, die Kosten aber aus der Staatskasse bestritten wurden.
Frankfurt. Am Freitag Vormittag erlitt auf der Verbindungsbahn am Leonhardsthor das mittlere Trieb⸗ rad der Locomotive des aus Süddeutschland kommenden Schnellzugs einen Bandagenbruch. Die Umsicht des Führers verhütete Unglück. Der Schnellzug erfuhr hier⸗ durch eine Verspätung von fast einer halben Stunde.— Wie verlautet, wird im Laufe ber nächsten Woche in der „Allemannia“ eine„Volksküche“ eröffnet werden, in welcher man eine gute nahrhafte Suppe, einen halben Liter für 3 kr., haben kann.
Darmstadt. Der wegen Beleidigung der israelitischen Religion zu 8 Tagen Gefängnißstrafe verurtheilte Redacteur des„Starkenburger Boten“ wird gegen dieses Er⸗ kenntniß Berufung einlegen.
Aus dem Ried. Der diesjährige Tabak hat schon jetzt einen noch nie dagewesenen hohen Preis erreicht. In Viernheim werden 30—35 fl., in Lorsch, Biblis ꝛc. 25 dis 30 fl. per Ctr. bezahlt. Theilweise ist die Ernte recht gut ausgefallen.
Groß⸗Gerau. In Folge des hohen Wasserstandes des Rheins sind auch wieder die angrenzenden Felder mit Wasser bedeckt.
Mainz Die mitgetheilte freche Raub⸗Geschichte scheint sich in eine noch frechere Mystisication aufzulösen. Die „geknebelte“ Frau befindet sich bereits seit gestern Abend in Gewahrsam und mit ihr 2 Helfers helfer, welche theil⸗ weise die Räuber, theilweise die Hilsebringer spielten. Auch das Geld soll sich an dem Ort gefunden haben, wohin es zur Aufbewahrung niedergelegt war.
Worms. Ein Uhrwachergeselle aus Bretten, der erst einige Tage bei dem Uhrmacher Schloß zu Osthofen in Arbeit stand, entwendete diesem 18 Uhren im Werthe von 500 fl. und verschwand. Auf telegraphische, nach allen Richtungen gesendete Reguisition des Friedensgerichts Ost⸗ hofen wurde der Thäter, welcher auch von seinem Regimente desertirt war, gestern in Bensheim von der Gendarmerie verhaftet und hierher geliefert, von wo er nach Osthofen weiter befördert wurde. Die gestohlenen Gegenstände wurden noch alle bei dem Diebe vorgefunden.
Berlin. In Preußen ist in der ersten Hälfte dieses Jahres für 335,500,000 Thlr.„gegründet“ worben. Es theilen sich 245 Gründungen in die Summe, unter ihnen
Landwirthschaftliches.
Die Mäuseplage und die Mittel dagegen.“) „Plagen“, d. h. Belästigungen der Menschheit durch
das Auftreten oder Ueberhandnehmen von Naturkörpern
oder Nalurerscheinungen, hat es von 55 zu Zeit
Vorsichtsmaß. ukunft nicht ausbleiben, es sei denn, daß es uns Menschen gelänge, Herten über Wind
immer gegeben, und werben trotz aller regeln solche auch in
und Wetter zu werden. Unter den Plagen durch bas Thierreich ist die Mäuseplage und aus dem Thlerreich von jeher eine der emfindlichsten gewesen, weil biese Un⸗ holde uns vor unseren Augen unser tägliches Brod vor dem Munde wegfressen, und weil sie, anscheinend klein und ungefährlich, durch ihre Masse mächtiger sind als der Mensch. Sehen wir ab von den nicht beglaubigten Erzählungen aus früherer Zeit, so liefert uns auch das 19. Jahrhundert actenmäßige Zahlen genug über die furchtbare Zahl dieser Nager in Mäusejahren und über den durch sie angerichteten kolossalen Schaden. In den zwanziger Jahren trat diese Landplage am Niederrhein wieberbolt derartig auf, daß man auf dem Felde kaum einen Fuß auf die Erde stellen konnte, ohne eine Mause⸗ röhre zu berühren. In dem Bezirke von Zabern fing man im Jahre 1822 binnen 14 Tagen 1.570,000, im Landrathsamte Nidda 590,327 und im Landrathsamte Butzbach 271,941 Stück Mäuse; im Herbste des Jahres
1856 mußten zwischen Erfurt und Gotha in einem Um⸗
kreise von vier Stunden wegen Mäusefraß 12,000 Acker Land umgepflügt werden, so daß der directe Schaden auf 30,0000 Thlr. veranschlagt wurde; auf einem größeren Gute bei Breslau wurden in 7 Wochen über 200,000 Stück gefangen; im Sommer 1861 wurden in der Gegend von Alsheim in Rheinhessen 409,523 Mäuse und außer⸗ dem noch 4707 Hamster an die Gemeindeverwaltung ab⸗ geliefert.(Und wie es im Herbste 1872 an vielen Orten bei uns ausgesehen hat, davon wird mancher Leser dieser Zeilen mehr wie genug zu erzählen wissen.) Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Wir begrüßen mit Freuden die zunehmende Landescultut und sind stolz auf dieselbe, als auf einen Fortschritt. Aber dabei dürfen wir uns der Thatsache nicht verschließen, daß gerade die zunehmende Landescultur auch die Zunahme unserer Feinde aus dem Thier⸗ und Pflanzenreiche begünstigt. Mit der Urbarmachung jedes wüsten Landstückes stört man einerseits die dort sich aufhaltenden Geschöpfe in
ihrer bis dahin ungeachteten und unschädlichen Thätigkeit,
welche erst dann eine schädliche von uns genannt wird, wenn sie unsere Culturpflanzen in Anspruch nimmt: andererseits stört eben diese Cultivirung auch die sog. nützlichen Thiere in ihrem Leben und Treiben, indem sie denselben das Wohnen vielfältig erschwert. Ferner darf nicht außer Acht gelassen werden, daß wir gegen unseren Willen mit jeder neuen Culturpflanze auch diejenigen Thiere einführen, welchen diese Pflanze zur Nährmufter angewiesen ist, ohne daß wir gleichzeitig dafür Sorge trügen oder tragen könnten, daß auch die Feinde der ebengenannten Thiere mit eingeführt würden. Mit der Erbse erschien der Erbsenkäfer; Sperling, Maus und Ratte ziehen dem Ackerbau und der Civilisation nach über Land und Meer. Kurz, wir haben nach meiner Ueber⸗ zeugung für die Zukunft weder die Aussicht, daß die Ungezieferschäden aufhören werden, noch auch die Hoffnung, daß solche Plagen in Zukunft gelinder auftreten werden, als bisher. Treffen die Witterungsverbältnisse und Jani Umstände zusammen, welche unseren Feinden günstig sind, so werden sie uns immer wleder den Krieg erklären, und wir werden immer wieder die Schlacht verlieren, bis die Natur sich unserer annimmt. Unsere Hauptfeindin, die Feldmaus, ist gewöhnlich 3 Zoll lang, wozu dann noch der Schwanz von 1 Zoll Länge kommt. In besonders günstigen Jahren, wie dem heurigen, überschreiten die Thiere aber ihre normale Größe um ein Bedeutendes. Das Weibchen wirft jährlich 5 bis 6 Mal 4 bis 12 Junge, unter denen häufig noch obendrein zwei Drittel oder drei Viertel Weibchen sind. Wenn man dann noch berücksichtigt, daß wenigstens die erste Brut im Herbste desselben Jahres noch fortpflanzungsfähig ist, so kann man sich über den gegen den Herbst hin hervortretenden Mäuseschaden kaum noch wundern. Nachdem der Feldmaus während des Sommers zu dieser ihrer kolossalen Vermehrung und gleichzeitigen Pflanzenbeschädigung in altgewohnter Sorg⸗ losigkeit Zeit und Gelegenheit genügend gegeben war, fing man zu spät an, mit glaublichen und unglaublichen, nütz⸗ lichen und nutzlosen, gesetzlichen und verbotenen Mitteln gegen das Ungeziefer zu Felde zu ziehen. Der Erfolg ist dieses Jahr gewesen wie immer: durch die verschiedenen Vertilgungsmittel sind die Mäuse weniger geworden, aber immer noch in großen Massen am Leben geblieben, bis die Witterung sich der Sache angenommen hat. Der Vertilgungsmittel, welche gegen die Mäuse auch in diesem Herbst angewandt worden sind, sind so viele, daß eine vollständige Aufzählung derselben mir nicht möglich ist. Im Ganzen lassen sich die Vertilgungsarten theilen in solche ohne Gift und mit Gift, und die letzteren wieder in erlaubte und verbotene; alle drei Arten sind mit größtem Eifer angewandt worden. Ohne Anwendung von Gist versucht man die Ausrottung der Mäuse, indem man mit einem sogenannten Mäusebohrer Löcher in die Erde bohrt, in welche die Mäuse hineinfallen und sich gegenseilig auffressen, wenn man sie nicht von Zeit zu Zeit zerstampft. Ebenso werden glatte Thonröhren, Zink⸗ röhren, glasirte Töpfe, Fallen ꝛc. in die Erde gesenkt.
*) Nachstehende Mittheilungen sind der Deutschen lanbwirthschaftlichen Zeitung und zwar einem größeren Artikel von E. Michelsen, Director der landw. Lehranstalt
Berlin mu 79 Actien-Gesellschaften mit 135,650,000 Ale. in Hildesheim, entnommen.
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