Ausgabe 
26.10.1872
 
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von Italien, des Grafen Brasstier de Saint Simon. Der Verstorbene, Sohn eines französtschen Emig⸗ ranten, war 1798 in Tirol geboren.

Köln. Die Erweiterung der Kölner Festungs⸗ werke scheint jetzt ernstlicher in Erwägung gezogen zu werden, da ein Generalstabs⸗Ofsizier mit Auf⸗ nahme der Pläne für den Bau der neuen Forts beauftragt ist. Die königl. Regierung weist die Behörden an, demselben den nöthigen Vorschub zu leisten.

Gumbinnen. Amtlicher Mittheilung zufolge ist die Cholera auch in der russischen Stadt Bialystok(Gouvernement Grodno) ausgebrochen.

Dresden. Auf der Reichsschul⸗Conferenz, welche vom 15. bis 20. October in Dresden ge⸗ tagt hat, sind vorzugsweise folgende Gegenstände berathen worden: Die Bedingungen, von welchen eine allgemein gegenseitige Anerkennung der von den Gymnasien und Realschulen ausgestellten Maturi⸗ tätszeugnisse abhängig zu machen ist; die Aus⸗ dehnung einer entsprechenden Gleichmäßigkeit auf die Prüfungs- Erzeugnisse der Schulamts-Candi⸗ daten und auf die Zeugnisse über das Probejahr; Abänderungen im bisherigen Verfahren bei Aus- zausch der Schulprogramme; Anbahnung einer größeren Uebereinstimmung in der deutschen Ortho graphie; Uebertragung öffentlicher Berechtigungen auf Privat- Lehranstalten; Pflege der deutschen Geschichte im Schulunterricht; endlich die Sorge für die Gesundheit der Schüler. Ueber sämmt⸗ liche Gegenstände der Berathung wurde in allen

wesentlichen Punkten ein Einverständniß erzielt.

Die gefaßten Beschlüsse werden nun den einzelnen Regierungen zur Genehmigung mitgetheilt werden.

München. DieAllg. Ztg. dementirt die umlaufenden Gerüchte von einer neuen Minister⸗ krise in folgender officiösen Form:Wir sind aus verlässiger Quelle in der Lage, zu versichern, daß alle jene Gerüchte gänzlich unbegründet sind, wie denn auch das tendenziöse Bestreben in denselben immer unverkennbarer hervortritt, die Verhältnisse des Landes stets als schwankend darzustellen und die politische Stellung des baherischen Staates nach Kräften zu erschweren. 5

Straßburg. DieStraßb. Ztg. theilt mit, daß ein bebufs Gründung eines elsaß⸗loth⸗ ringischen Lyceums zu Basel gebildetes Comité es allem Anscheine nach bei seinen Sammlungen lediglich auf eine Prellerei abgesehen hat. Die Subsctiptionslisten sind theilweise gesälscht und Männer als Protectoren des neu zu gründenden Instituts angeführt, die sich amtlich gegen den Mißbrauch ihres Namens zu dieser Sache ver⸗ wahrten.

Ausland.

Schweiz In Genf wurde am 23 d. an den Straßenecken eine Proclamation des Staats- rathes angeschlagen, welche besagt: Der Staats · rath hat erklärt, daß den Befehlen des Bischofs Mermillod keine Folge zu geben sei. Die Pfarrer von Genf weigern sich indeß, dem Verbot nachzu⸗ kommen, und der Bischof Morilley von Freiburg will für die Pfarrvacanzen keine Vorschläge machen, da er die diesfallsigen Rechte im Jahre 1865 an Mermillod übertragen habe. Der Staatsrath hat sich daher füc eompetent erklärt, die protestirenden Pfarrer abzusetzen. Da er aber den Schein von Feindseligkeiten gegen den Katholicismus nicht auf sich laben, vielmehr blos dem Gesetze Achtung

verschaffen will, so macht er folgende Gesetzent⸗

würse: 1) Die Pfarrer werden durch die Ge⸗ meinden ernannt, 2) Kein Würdenträger darf Pfarrer sein. 3) Der Eid der Pfarrer soll so redigirt werden, daß keine Zweifel über den Sinn möglich sind. 4) In Folge der Erklärung der Pfarrer sollen in allen Pfarren Neuwahlen statt⸗ sinden.

In Bern fand dieser Tage die Jahres- versammlung des schweizerischen Reformvereins statt. Der dortige Vorstand der Münsterkirche hatte die Exlaubniß zur Abhaltung eines Festgottesdienstes, bei welchem Reformpsarter Lang aus Zürich die Predigt halten sollte, verweigert, der Gemeinde⸗ rath von Bern jedoch in Folge erhobener Be schwerde beschlossen, die Münsterkirche dem Reform-

verein zu überlassen. So fand denn der beabsichtigte Gottesdienst am Abend des 22. statt und wohnten der Festpredigt des Reformpfarrers Kirchenrath Lang über 3000 Personen bei.

Frankreich. Die Ersatzwahlen liefern wiederum einen untrüglichen Beweis, daß die große Mehrzahl des französischen Volkes die Er⸗ haltung der Republik wünscht. Mit einziger Aus nahme der Ersatzwahl für den General Trochu sind nur mehr oder minder eifrige Republikaner aus der Wahlurne hervorgegangen.

Herr von Vallier hat auf diese Zuschrift

des Maire von Naney bereits eine Antwort er⸗ lassen, in welcher es heißt, er theile durchaus das strenge Urtheil über die Haltung gewisser Frac⸗ tionen der Pariser Presse, welche patriotisch zu handeln glauben, wenn ssie ehrenrührige Angriffe gegen die Chefs der Occupationsarmee richten. Die Redacteure dieser Journale vergessen, was diese lügenhaften Angaben für beklagenswerthe Folgen für die von der Occupation betroffene Be- völkerung haben können, wenn das Obercommando, durch fortwährende Angriffe aufgereizt, von der stets bewiesenen versöhnlichen Haltung und Mäßi⸗ gung abließe. In Betreff der schmeichelhasten Be- urtheilung, die seine Dienste erfahren, bemerkt Hr. v. Vallier, er müsse hinzufügen, daß ihm seine Stellung durch die hohe Billigkeit des General v. Manteuffel leicht gemacht worden sei.

Die Räumung der Marne und obern Marne hat begonnen und wird ohne Unterbrechung fortdauern.

Homburg. Es ist nun bestimmt, daß die Restauration des Kurhaules auch nach dem 1. Januar k. J. in der bisherigen Weise und unter der seutherigen Leitung von Verwandten Gütich⸗Chevets forigesührt wird. Das Etablisse⸗ ment wird auch fernerhin nicht nur in der Sommersaison, auch wäbrend der Wintermonate dem Publikum geöffnet sein.

Gießen. Vor einigen Tagen sind drei Arbeiter der Gail'schen Tabaksfabrik von der Polizei eingesteckt worden, weil sie allmählig viel Tabak entwendet hatten. Nachdem im letzten Sommer eine so große Menge Fabrik-Arbeiter in Unlersuchung gezogen worden sind, ist kes zu verwundern, daß die jetzt Verhafteten sich nicht hatten abschrecken lassen.

Frankfurt. In Folge des Rückgangs der Kar⸗ toffelpreise in England ließ die Ausfuhr bedeutend nach, was einen merklichen Einfluß auf die Preise ausübte⸗

Frankfurt. Es ist dahier angeordnet worden, die Revaccination aller im 11. Lebensjahre stehenden schul⸗ pflichtigen und bis dahin nicht mit Erfolg revacciirten Kinder in Verbindung mit den öffentlichen Impfungen und womöglich in dem betreffenden Schullokale vorzunehmen.

Frankfurt. Viele hiesige Weinhändler haben ihren Bedarf an Wein, da sie ihn heuer nicht im Rheingau decken konnen, in Frankreich gedeckt, und sind dieselben zum größten Tbeile von dort wieder hier eingetroffen.

Darmstadt. In der Angelegenheit wegen Errich⸗ tung eines Denkmals zur Erinnerung an die ruhmvolle Betheiligung der hess. Division bei dem Kriege gegen Frankteich wird das am 7. d. zu Frankfurt gewählte Central Comiie in einer constituirenden Sitzung am 29. Oct., Nachmittags 2 Uhr, im Gartensaale desDarm⸗ siädlier Hofes dahier zusammentreten. In der Sitzung soll auch die Wahl eines geschäftsführenden Ausschusses vorgenommen werden.

Darmstadt. Die zum Tode verurtheilte Ehefrau Reininger liegt sehr bedenklich erkrankt im hiesigen Spital.

Darmstadt. Vor einigen Tagen ist ein bekannter Spitzbube, der vor eiwa Jahren in seiner Heimath (Nidda), wo er wegen Diebsiahl eine Gefängnißstrafe ver⸗ büßte, aus der Haft entlassen wurde, und sich seitdem hier an sesiedelt halte, wieder gesänglich eingezogen worden. Die arößientheils aus Felddiebstählen herrührenden ge stohlenen Gegenstände wurden mit einem 2gpännigen Wagen in's Acrestihaus gebracht. Das Judividuum wohnte in der Era der maße. l

In Erbach het zu Anfang der Woche ein Säbel⸗ Duell zwischen einem Marburger Studenten von hier mit einem Reserve⸗Lisutenant slattgehabt, wobei Letz terer einen nicht unbedeutenden Hieb über den Kopf erhielt.

Mainz Beim Umban des Ssschores des Domes bat man die Riste der alten Kiypla aufgedeckt und siößt man dort täglich auf die interessantesten Grabgewölde und Sculpfuren.

Worms. In einer hiesissen Bietwirthschaft hatien sich am Samstag Abend vecschiedene junge Leute den Durst mit einer gehörigen Quantisät Bier gelöscht, und wie dies oft geschieht, noch zum Schlusse einen Schnaps drauf gesetzt. Schon im Begriffe das Lokal zu verlassen, wurden 2 derselben uneinig darüber,wie viel soccher Schnäp le sie wohl noch vertragen könnten, und um die Sache kutz zu machen, fing man an, den Branntwein aus dem Schoppenglas zu temken Nachdem der Eine, ein Buch bindergeselle, etwa einen halben Schoppen auf einen Zug geleert hatte, meinte der Andere, ein Zimmer geselle,das wäre noch gar nichts, er werde noch 2 Schoppen itink en, worauf der heldenmüthi se Buchbinder⸗

Schwangerschaft.

bestellte, den sein Kamerab auch wirklich nach eing

austrank. Diese Heldenthat mußte der Frevelhaste fe N schwer büßen Den andern Morgen in aller Frülbe un man denselben todt in seinem Bette.

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Worins. Für Most wurde hier in den letzten Tagen

60 fl. und darüber für die Ohm bezablt. Aus dem

Niebfrauenstift stellt sich solcher sogar auf 100 fl. per Ohm.

Bubenheim. Am Dienstag schoß dahier ein Bruder seinen Bruder aus Eifersucht derart, daß an bessen Auf⸗ kommen zu zweifeln ist, ö N

Wendelsheim. Seit einigen Tagen ist die Ein⸗ wohnerschaft von hier und Umgegend in Aufregung über einen unlängst hier vorgekommenen Criminal-Fall. Ein hiesiges Mädchen von 23-24 Jahren, Pflegetochter eines angesehenen Bürgers, stand seit einiger Zeit im Rufe der Als sich vorige Woche ihr Aussehen verändert zeigte, entstand viel Gespräch und mancherlei Vermuthungen wurden geäußert. Eine in Folge hiervon geschehene Anzeige führte am 10. d. den Kreisarzt von Alzey hierher, der das Mädchen untersuchte. Samssag den 12. d. erschien der Untersuchungsrichter nebst Stagts⸗ anwalt von Alzey und der Kreisarzt; bei dem stattge⸗ jundenen Verhör gestand die Inquisitin sogleich, daß sie geboren habe, das Kind aber in einem Garten nahe dem Orte vergraben sei. An die von ihr bezeichneten Stelle geführt, wies sie den Ort. Bei kurzem Nachgraben wurbe die Leiche eines neugeborenen Kindes in einem Säckchen gehüllt, etwa Fuß tief unter der Oberfläche gefunden, Nachdem die Person in Untersuchungshaft abgeführt, wurde den folgenden Tag die Leiche der Section unter⸗ worfen; diese ergab, daß das Kind lebensfähig gewesen und auch gelebt hatte. ö

Geisenheim. Am 21. d. wurde die hiesige Lehr⸗ anstalt für Obst⸗ und Weinbau feierlich eröffnet. Diese Anstalt bielet jungen Leuten Gelegenheit, in kurzer

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Zeit(in einem zwei⸗ oder selbst einjährigen Lehrcursus)

das Wesentlichste der ganzen Nutzgärmerei zu erlernen.

Während des ganzen ersten Wintersemesters und in den ersten Jahren überhaupt werden auch außerhalb des statuten⸗

mäßigen Aufnahmetermins junge Leute, selbst mit weniger Vorbildung, als später beansprucht werden wird, als Zög⸗ linge der Anstalt zugelassen.

Vom Rhein. wurde wiederholt zweier jungen Theologen gedacht, welche,

nachdem sie in Bonn und Tübingen mit Auszeichnung

ihre Studien betrieben, sich entschlossen haben, als alt⸗ katholische Priester der Kirche zu dienen. Sie haben sich kürzlich in Bonn durch Ablegung eines Examens über ihre wissenschaftliche Reife ausgewiesen und sind am 10. d. M. in das vom Erzbischof Loos geleitete allkatholische Priesler⸗ seminar in Utrecht eingetreten.

Vom Bodensee. des Fücstenihums Lichtenstein, das in glücklicher Vergessen⸗ heit alle polttischen Krisen überwunden und seine Sou veränelät gerettet hat, kommt die interessante Nachricht, daß einige der aus Deutschland vertriebenen Spielpäch ter ihr Augenmerk dahin geworfen und Unterhandlungen um

eine Concession angeknüpft haben, die nicht ohne Aussicht

sein sollen. Wir hätten dann ein deutsches Seitenstück zu Monaco. Der Fürst ist, wie gesagt, souverän, und man wird ihn darum noch nicht medialisiren, wenn er Spielbanken ein Asyl verschafft. Dem Ländchen würde als Preis eine Eisenbahn von Feldkirch mit Fortsetzung nach dem nahegelegenen und vlelbesuchten Bade Ragaßz geboten! Das Geschäft verträgt solche Liberalität. 5 Düsseldorf. Wie dieDüsseld. Zig. vernimmt, wurde der Ziegelmeister Andreas Bocker sehr angenehm überrascht, als ihm vor einigen Tagen von einem s. 3. hier als Gefangener lebenden französischen General ein Wechsel auf 10,000 Fres. übersandt wurde. Er hatte zur Zeit demselben eine kleine Gefälligkeit erwiesen und dafür die angebotene Belohnung von der Hand gewiesen. In Altona ist nach denA. N. das slädtische Budget durch eine neue Ausgabe belastet worden. Man hal sich nämlich veranlaßt gesehen eine Ketze auzuschaffen, auf deren Halstand der NameRathhauskatze zu lesen ift. Als Verzehrungskosten sind dem Thiere außer den Mäusen, die ihm als Nebeneinkommen in reicher Anzahl zu Gebote stehen, 9 Pfennige pro Tag zugestanden worden,

Ostrowo, Pr. Posen. neber ein gräßliches Unglück, das sich am Vorabend des jüdischen Larsäbnunge taz in der hiesigen Synagoge zugetragen hat, werden er Posener Zeitung folgende Einzelheiten mitgethellt: Det Abendgottesdienst begann in der Synagoge gegen 5 Nachmitlags. Durch die Anwesenheit der vielen Menschen und durch das Brennen der vielen Gaeflammen enistand wie immer eine fürchterliche Hitze, so daß eine ällere au ohnmächtig wurde. Eine neben der Frau sitzende Ver⸗ wandte lief nach Wasser, um dieselbe ins Leben zurück zurüfen. In demselten Augenblicke erloschen sjämm liche Gaeflammen im Tempel, so daß dadurch eine förmliche Finsterniß entstand. Nur einzelne in den Frauenchösen und auf dem Altar brennende Kerzen erbellten spärlich den düstern Raum. Juzwischen mag der Frau schlimmer zu Muthe geworden sein, sie flel um, und die umstehen⸗ den Frauen riefen nachWasser. Dieser Ruf mag nun salsch ausgelegt worden setn, von einer anderen Seite der Frauenchöre erscholl der RufFeuer, und Alles besand sich in der g'ößten Aufregung und drängte bei ber herr schenden Zinstern 6 nach den Aus ängen. Der Ruf det Männer aus dem Paft irre- Lekal rubig zu bleiben, well nicht das Geringute vorgefallen, das zu dem Schreckens ruf Anlaß bätie geben können, verhallte bei dem Ae der Frauen; kaiz, das Gedränge nabm überband, was die Folge halte, daß der Tod nur zu reichliche Ernte hielt. Juzwischen war det Feuerruf auch nach Außen gedrungen

geselle sofort einen und noch einen Scheppen Braun wein die Feuerwehr wurde alarmirt und rückze auch schon nach

Während des Altkatholikencongresses

Aus Vaduz, der Hauplstabt

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