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rufs und nach unseren sonstigen Wahrnehmungen so feindliche und agitatorische Tendenzen gegen die Staatsregierung und gegen die don des Kaisers Majestät sanectionirten neueren Gesetze, daß wir uns verpflichtet sehen, alle öffentlichen Beamten unseres Ressorts, namentlich aber auch die Schul⸗ inspectoren und Lehrer ernstlich vor dem Beitritte zu diesem Vereine und vor jeder Unterstützung desselben zu warnen, da solches mit ihrer Stellung und ihren Pflichten unvereinbar erscheint. Beamte, welche diese unsere Warnung unbeachtet lassen sollten, würden sich die hieraus von uns herzu- leitenden Maßregeln selbst zuzuschreiben haben.“
München. Durch Ministerial-⸗Entschließung wurde die Beschwerde, welche der Jesuit Graf Fugger gegen seine Ausweisung aus Regensburg erhoben hatte, als unbegründet verworfen.
— Das Organ des Bischofs Heinrich von Passau enthält über die ultramontane Presse folgenden interessanten Abschnitt:„Trotz der baar— klaren Spitzederschwindlerei haben es ultramon— tane Zeitungen unternommen, die Spitzeder zu vertheidigen, ihren Kredit zu stärken, wie dies z. B. Sigl gethan. Man sieht die extrem ultra- montanen Journalisten dieser Secte dienen Jedem um Geld, wenn's sein muß auch dem Teufel, denn Geld ist ihre Religion und der katholische Glaube ist der Mantel, den sie darüber hängen. Die Vertheidigung des Instituts, welches auf so ver⸗ werflichen Principien beruht, ist ein öffentliches Aergerniß, ein Mißbrauch der Presse, wie er ärger nicht sein könnte. Solches aber thun katho— lisch sein wollende Journale, katholisch sein wollende Journalisten! Auch in dieser Hinsicht hat Euch der Liberalismus zu Schanden gemacht!“ Solche Sprache von dem bischöflich inspirirten Organ in Passau wird ihre Wirkung nicht verfehlen und sollte in allen Kreisen des katholischen Volkes be⸗ kannt werden.
— Ueber das Vermögen der Adele Spitzeder ist definitiv Gant erkannt. Die von mehreren Gläubigern beantragte Prüfung des Vermögens derselben hat ergeben an Activen 1,936,671 fl. 16 kr. einschließlich des Werthes der Immo- bilien. Die bisher angemeldeten Passtven betragen 3,561,804 fl. 48 kr., so daß sich schon jetzt eine Ueberschuldung von 1,625,233 fl. 32 kr. ergibt, obgleich vom Lande verhältnißmäßig noch wenig Forderungen angemeldet sind.
— Die Generaldirection der k. Verkehrsan⸗ stalten hat das Recht zur unbeschränkten Anwendung der Heberlein'schen Bremsvorrichtung auf den Staatsbahnen um 5000 fl. erworben und wird sämmtliche Züge, welche ausschließlich zur Per- sonenbeförderung bestimmt sind, nach und nach mit dieser Vorrichtung versehen lassen.
Ausland.
Schweiz. Die„Baeler Nachrichten“ melden aus Solothurn vom 19. Nov.: Die Dibeesan⸗ Conferenz des Bisthums Basel faßte gegen das Unfehlbarkeitsdogma angemessene Beschlüsse, erklärte Censuren gegen anti infallible Geistliche für un- statthaft, sprach dem Bischofe die Berechtigung zur Absetzung Geistlicher ohne Mitwirkung der Cantons- behörden ab und erklärte sich gegen die Excom⸗ munication der Pfarrer Egly(Luzern) und Gschwind(Starrkirch).
Frankreich. Thiers empfing am 19. d. die Deputirten der Linken und drückte diesen gegen- über den Woynsch aus, in Folge seiner ange— griffenen Gesundheit die Last der durch das Treiben der Rechten erschwerten Gewalten niederzulegen, Die Uebertragung der Regierungsgewalt werde Dank der bewunderungswürdig organisirten, dem Gesetze und der Regierung treu anhängenden Ar⸗ mee ohne Unordnung erfolgen. Auf dem Platze werde er nur dann verbleiben, wenn er ein for⸗ melles Vertrauensvotum und die Zusicherung der Unterstützung der Nationalversammlung füt die Durchführung gewisser Reformen erhalte.— Die Rechte beharrt auf ihrem Widerstande gegen die Proclamirung der definitiven Republik und wies jede monarchische Combination zurück. Sie ist aber dem Vernehmen nach geneigt, durch besondere Maßnahmen innerhalb der Schranken des Ver—
trages von Bordeaux die Regierungsgewalten des gegenwärtigen Präsidenten zu befestigen.— Zu dem Empfange bei Thiers hatten sich, der„Agence Havas“ zufolge, viele Deputirte eingefunden, die Thiers bestürmten, auf seinem Posten zu bleiben. Das Ministerium ist Angesichts der Krisis ge⸗ schlossen und einig.
— Die„Agence Havas“ meldet: Es ist ge⸗ wiß, daß Thiers gegenwärtig seine Entlassung nicht nehmen wird. Nach dem Ministerrathe hatte Thiers eine Unterredung mit hervorragenden Mit- gliedern des linken Centrume, insbesondere mit Picard.
— Das„Bien public“ schreibt:„Die fran⸗ zösische Regierung, welche die Befreiung des Landesgebiets nicht aus dem Auge verliert, kauft
auf und verwendet hierzu die bedeutenden Fonds, welche in Folge der anticipirten Einzahlungen auf die Anleihe zu ihrer Verfügung stehen und sich auf 1800 Millionen Fres. belaufen. Man darf hoffen, daß diese Zahlungen, ohne den Geldmarkt zu erschüttern, rasch genug vorrücken werden, daß im März künftigen Jahres wieder zwei Departe⸗ ments werden geräumt werden können.“
— Officiöse Meldungen aus Versailles be— haupten, daß das Gerücht von einer schlechten Aufnahme der Thiers'schen Botschaft Seitens der fremden Gesandten gänzlich unbegründet sei. Hr. v. Rémusat habe im Gegentheil aus allen Unter— redungen mit den Vertretern der verschiedenen Mächte entnommen, daß der Eindruck auf die selben ein durchaus zufriedenstellender gewesen sei.
— Der„Temps“ will wissen, Gontaut⸗Biron habe angefragt„in Betreff der Münzsorten, die deutscherseits zum Zweck der Umschmelzung aus dem Verkehr gezogen worden seien“, und habe die Antwort erhalten, die deutschen Münzstätten seien vorläufig noch nicht im Stande, ein größeres Quantum Geld dem Verkehr wieder zurückzugeben.
Belgien. Wie man der„Indép.“ aus Versailles schreibt, hält die Rechte ein Triumvirat Mac-⸗Mahon⸗Changarnier-l'Admirault mit einem Cabinet Broglie-Pasquier zum Ersatz für Thiers bereit.
Italien. Es wird als unwahr bezeichnet, daß der französische Botschafter im Vatican eine Note des Grafen Rémusat überreicht habe, worin derselbe über die anti-republikanische Propaganda des bohen französischen Klerus klagt. Die fran⸗ zösische Botschaft lenkte blos die Aufmerksamkeit des Papstes auf bestimmte Agitationsfälle und verlangte Abhülfe.
— Nach der„Italia“ bestimmt der vom Justizminister der Deputirtenkammer vorgelegte Gesetzentwurf über die religiösen Körperschaften die Anwendung der Gesetze wegen Aufhebung der religiösen Körperschaften und der Güterconver⸗— tirung auf die Stadt Rom. Die Generalraths⸗ häuser bleiben aufrecht. Die Stistungshäuser bleiben erhalten, dürfen aber nicht vermehrt werden. Diese Häuser genießen nicht die Rechte einer Civilperson. Die eingezogenen Güter werden dem wohlthätigen Stiftungszwecke erhalten. Die Pen⸗ sionsliquidation erfolgt binnen Jahresfrist. Die Güter der religiösen Körperschaften der Stadt Rom werden in unveräußerliche Rente convertirt.
Amerika. Aus New Nork wird gemeldet: Ein Kornmagazin in Brooklyn ist abgebrannt; Schade 800,000 Doll.— Wieder ist in Boston am 19. d. um Mitternacht eine Feuersbrunst aus⸗ gebrochen, welche die State Street bedrohte. Sie wurde jedoch schleunigst gelöscht; der Verlust be⸗ läuft sich auf 200,000 Dollars.
U Büdingen. Der hiesige Musikverein eröffnet am nächten Dienstag den 26. d. die Reihe seiner dieswinter⸗ lichen Concerte mit„Der Rose Pilgerfahrt“ von R. Schumann.
Aus Oberhessen. Die Viehzählung am 10. Jan. k. Js. findet im ganzen Reich stalt. Dieselbe erfolgt nach der Zählkarten⸗Methode und wird sich auf Pferde, Maul⸗ thiere, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen, sowie auf Bienenstöcke und Seidenraupenzucht erstrecken.
Gießen. Durch den Tod des ordentlichen Professors der Philosophie Dr. Gustav Schilling hat unsere Univer⸗ sität einen nicht unbedeutenden Verlust erlitten. Der Ver⸗
storbene war nach Charakter und Geist einer der achtungs⸗ werthesten Vertreter seiner Wissenschaft.
Aus Frankfurt wird gemeldet: Es klingt kaum glaublich, aber doch ist es Thatsache, daß auch einige Frankfurter ihre Sparpfennige bei Fräulein Spitzeber angelegt haben; andere wurden noch rechtzeitig von einem ähnlichen Schritte abgehalten.— Capellmeister Stasny hat einen„Spitzeder⸗Galopp“ componirt, der dieser Tage zur Aufführung kommen wird.— Ein Großh. Badischer Eisenbahn-Assistent aus Lörrach, der 1000 fl. Kassendesekl hatte und mit dem Rest seiner Amtskasse, ca. 3000 fl., durchgegangen war, wurde am 18. d. Mté. von der hie⸗ sigen Polizei ermittelt und verhaftet, Von dem verun— treuten Gelde besaß er keinen Heller mehr, da er Alles, zuletzt sogar den Erlös für seine entbehrlichen Kleider, in den umliegenden Bädern verspielt hatte. Er wurde den badischen Behörden übergeben.
In Sachsenhausen ist der Werth des Grundeigen⸗ thums noch mehr im Steigen begriffen, als in der Frank⸗ furter Gemarkung. Gelände, von welchem die Ruthe vor einem halben Decennium kaum 60— 70 fl. kostete, wird
jetzt mit 180 fl. bezahlt. Einen unverhofften Fund macht alle auf den Markt gelangenden deutschen Wechsel 5
jedoch eine Familie, welche vor etwa 40 Jahren wegen eines kranken Familiengliedes sich genöthigt sah, eine Kuh zu halten, und damit dieselbe auch grasen könne, ein Stückchen Land für 200 fl. ankaufte. Unrentabel lag das Land da. Eisenbahn⸗ und Brückenbau schnelllen jedoch den Werth desselben in die Höhe und erhalten die Erben jetzt für das Fleckchen Erde 14000 fl.
Waldmichelbach. Eine großartige Untersuchung ist am hiesigen Landgericht anhängig. Sie ist gegen ver⸗ mögende Landwirthe von Wahlen und Scharbach wegen Brandstistung und gegen mehr als ein Dutzend in der Branduntersuchung als Zeugen vernommenen Personen wegen Meineids gerichtet. Gegen 20 Personen sind ver⸗ haftet und sind sie in den Gefängnißlokalen zu Wald⸗ michelbach, Fürth und Hirschhorn untergebracht. Der Untersuchungsrichter, Assessor Schäfer dahier, der die Unter⸗ suchung mit ebenso viel Geschick als Entschiedenheit führt, ist zu seiner Sicherheit bei den auswärtigen Terminen steis von 2 Gendarmen begleitet. Die in Brand gesetzten Hofraithen waren vor der Brandlegung gründlich ausge⸗ räumt worden und sollen bie meisten Gegenstände, welche versichert waren, wieder aufgefunden worden sein.
Mainz. Ein frecher Raub wurde kürzlich auf der Kapuzinergasse in der Wohnung des Polizeidieners S. ausgeübt, während derselbe auf Wache war. Mehrere Diebe brachen in die Behausung ein, knebelten und banden die Frau und raubten 500 Gulden baares Geld, sowie eine silberne Uhr. Erst als sie fort waren, gelang es der Frau sich durch Bewegung und Unruhe soweit den Nachbaren bemerklich zu machen, daß diese aufmerksam wurden und ihr zur Hilse kamen.
Mainz. Vor einigen Abenden entspann sich vor dem Gasthaus„zum Bären“ auf der Holzgasse eine Schlägerei zwischen hessischen und preußischen Soldaten. Erst einer Patrouille gelang es, die erhitzten Söhne des Mars zu trennen.
München. Von dem Steigen des Durstes in München gibt die Thatsache Zeugniß, daß im Jahre 1868 ungefähr 53½ Millionen Maß Bier, im Jahre 1871 aber 62½ Millionen Maß Bier getrunken wurden. Rechnet man die Einwohnerzahl Münchens rund zu 170,000, so entfällt auf den Kopf der Bevölkerung jährlich die Zahl von genau 365. In München muß also Alles vom kleinsten Kinde bis zum ältesten Manne und so Männlein wie Weiblein, täglich seine Maß Bier haben.
Wien. An sämmtliche Aerzte Wiens ist dieser Tage folgendes curiose Circular gelangt:„Eure Hochwohl⸗ geboren! Beigeschlossen bin ich so frei, von meiner neu etablirten Trauerconfections-Fabrik Preis-Courante mit der Bitte beizulegen, im Falle bei Euer Wohlgeboren P. T. Patienten ein Todtenfall zu erwarten ist, selben, bevor sich die Damen ihre Trauer Toiletten anderwärts anschaffen, mit Ihrer güligen Empfehlung zu überreichen, oder mich mittelst einer Correspondenzkarte güligst zu verständigen, wogegen ich mich verpflichte, von jedem Ge⸗ schäfte Euer Wohlgeboren 10 Procent vom Betrage zu bezahlen. Euer Wohlgeboren mich mit besonderer Hoch⸗ achtung empfehlend, zeichnet ꝛc.“
London. Die Eröffnung der telegraphischen Ver⸗ bindung zwischen England und Australien wurde durch ein Bankett im Cannonestreet-Hotel festlich begangen. Eine interessante Eigenthümtichkeit des Festabends war, daß Telegraphendrähte nach der Bankethalle gelegt worden waren, vermittelst welcher mit den Gouverneuren der australischen Colonien Glückwunsch⸗Telegramme ausgetauscht wurden. Auf eine Depesche, die 10 Minuten vor 7 Uhr nach Südaustralien expedirt wurde, lief 10 Minuten vor 9 Uhr die Antwort ein.
Eineinnati. Ein hiesiges Blatt bringt folgendes Beispiel wunderbarer Fruchtbarkeit, für dessen Wahrheit es verantwortlich bleiben mag:„Am 21. August d. J. wurde Frau Timothy Bradlee im Conuth Trumbull, O., von acht Kindern— drei Knaben und fünf Mädchen — entbunden. Die Kinder sind klein, aber gesund und lebenskräftig. Herr Bradlee heirathete vor sechs Jahren Fräulein Eunice Mowerie, welche am Tage der Hochzeit 273 Pfund schwer war. Sie gebar zweimal Zwillinge und jetzt zwei Drittel Dutzend auf einmal, macht in sechs Jahren zwölf Sprößlinge. Frau Bradlee stammt von Drillingen, ihr Vater und ihre Mutter gaben fünfmal Zwillingen das Leben.“(Also„Acht um den Alten“! Hoffentlich wird diese amerilanische Productivität nach Europa sobald nicht ihren Weg finden.)
D. Frankfurt a. M., 21. Nov. Der nahende Ultimo macht es der Speculation sehr schwer, der ihr im Grunde sympathischer Haussedisposinion treu zu bleiben.
bela Oe h günftt Staal nach! Mind Spec er del mäßit Ultim Engag die üb siht a indem ie wi Frank öffne ö gut, it ö kenle lien ö im G und e Verei 0 dec über 0 lhagte beschle 0 auf k ö und bank. Bech
noch! bliebe nur sie eh bis Wasf so wi brobe jjund Bran Lol Fgeflüe ö Meer Nacht ö und —
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